Illgraben mit Wasserflut

30. Juli 2014 um 18:39 Uhr von ur

Yhttps://www.youtube.com/watch?v=43R3mjiNBKc

Ab nach Cork!

24. Juli 2014 um 20:18 Uhr von ur

Soeben live auf Bayern 4 Alexander von Zemlinsky, Streichquartett Nr. 2, op. 15, gespielt vom tschechischen Zemlinsky Quartett am 4. Juli 2014 im Rahmen des West Cork Chamber Music Festivals.

Zwei Geniestreiche in Einem, betrachte man die Komposition als Gebilde oder die Interpretation der Prager, gegen die Unbilden des Bümplizer Sommeralltags: als Krüppel auf dem Abendspaziergang mit Steinen beworfen, Zerstörung der Hausinfrastruktur durch sogenanntes Abwartungspersonal, wiederkehrende Computer-Hardwarepanne ohne identifizierbare Ursache (dvi no signal), immer noch keine Lösung gegen die infantile Digitalkamera-Discount Betrügerin aus dem rechtlosen Raum Adligenswil-Luzern (ab nach Luzern, Online-Shop-Kriminelle, da seid ihr von Staates wegen geschützt!), Fussschmerzen nach wie vor unbezwungen etc. … Aber dieses Konzert nun war eine Wucht wie ein luftiges Gewitter!

Zusatz: Den ganzen Tag lang über die Logik des Zerfalls phantasiert und wie sie ein zwar komplexes, aber doch in sich stabiles Gebilde voraussetzt und wie viele Phänomene wegen ihrer blossen inneren Instabilität ausserhalb ihres Feldes kampieren und als unbeherrschbar frech herüberwinken. Eine Unbill des Alltags ist kein Gebilde, dessen Schein sich durchbrechen und das sich in der Konstellation von Begriffen so in seinem Zerfall erkennen liesse.

Zusatz 30. Juli 2014: Beim PC musste die Grafikkarte ausgewechselt werden. Alte Karte Nvidia GeForce gt 520 mit 2 GB DDR3 (Desktopleistung für Windows Aero 4.9), neue Karte Asus Nvidia gt 740 oc mit 1 GB GDDR5 (Desktopleistung für Windows Aero 7.3 – die Leute von Stegcomputer in Zollikofen scheinen mir also die optimale Grafikkarte für mein System verkauft zu haben).

Wildstrubel meisterlich

19. Juli 2014 um 4:59 Uhr von ur

Am 17. Juli sind einem Bilder gelungen, für die man guten Gewissens Werbung machen kann:

http://www.hikr.org/tour/post82853.html

Ur II, 12

17. Juli 2014 um 4:04 Uhr von ur

Ur I & III gratulieren ur II zum 12ten! Ein Geschenk steht nicht parat, aber der konkrete Wunsch, dass der Fibularis so schnell & gut wie möglich wieder seine physiologischen Dienste erfüllt – nicht der linke, wie man vielleicht meinen möchte, wo die Fibula des ur IIten in ihrer ganzen Länge entfernt wurde (das verpflanzte Bein selbst erfuhr bei ur III zehn Jahre später in der Schulter eine bemerkenswerte Kürzung), sondern der rechte. Ende März 2014 begannen die Schmerzen während eines Spaziergangs und stellten sich täglich von neuem ein, nicht an einer bestimmten einzigen Stelle, sondern einmal im Mittelrist, dann hinten aussen oder in der Mitte, also im Zentrum der Ferse, manchmal etwas oberhalb und zusätzlich nahe bei der Achillessehne. Ich ging aus dem Grund nicht zum Arzt, weil sich durch Drücken kein bestimmbares Schmerzzentrum bemerkbar machen liess. Nur im Gehen erschien ein Schmerz, und nur jeweils an einem der genannten Plätze. Ein Stützverband um die Ferse half nur vorübergehend, während der Nacht und also zu lange getragen löste er frühmorgens einen Wadenkrampf aus. Da ich als Ursache des Problems den jahrelang praktizierten täglichen Tigersprung vermutete (auf Zehenspitzen die Wohnung umrunden), übte ich umgekehrt (aber man hat nicht viele Möglichkeiten…) nun das Gehen auf den Fersen mit schön kontrolliertem Abrollen von hinten nach vorne. Am 25. Juni kaufte ich im Orthopädie-Zentrum für 280 Franken ein Paar X10D, das sind Schuhe mit einer Art Kufen im Mittelteil des Sohlenaussenrandes, die den Nervenbahnen peu à peu wieder zu verstehen geben, was eine richtige Fussstellung wäre. Nun kapierte ich, wie die Schwäche des Fibularis eine Einwärtsdrehung des hinteren Fussteiles zur Folge hat und intensivierte alle Fussübungen, wie sie im Internet zu studieren sind und wie ich sie seit April täglich übe, immer auch zusammen mit dem igeligen Massageball. Das Ganze ähnelt einem mimetischen Zaubertrick, der mit dem Schmerz spielt: ich mache die Übungen so lange, bis sich ein Schmerz einstellt; nun massiere ich den ganzen Verlauf des Fibularis vom grossen Zeh via die Passage unter- und oberhalb des äusseren Knöchels bis zum Unterschenkel, dann herauf übers Knie bis zum Becken – wo nicht völlig auszuschliessen ist, dass der Nerv in einer neuerdings erfolgten Verwerfung in diesem Trümmerhaufen gestört wird. Nach der Kurzmassage wird der Fuss meistens sofort schmerzfrei, so dass die Übungen wieder neu angesetzt werden können (zuweilen muss länger massiert werden). Seit zwei Wochen konsumiere ich zusätzliches Magnesium (vital nutrilong), da der Schmerz am ehesten mit einer Verkrampfung zu beschreiben ist. Dass sowohl das Magnesium wie die Übungen noch vor dem Abflauen der sommerlichen Gehsaison überflüssig werden, wäre der Geburtstagswunsch.

Einlassbegehren ins Gefängnis

2. Juli 2014 um 10:11 Uhr von ur

Ich hatte gestern Gelegenheit, die Luzerner Staatsanwaltschaft zu besuchen. Von ihrer Internetseite und von Google Earth her war mir bewusst, dass es nicht leicht sein würde, den richtigen Eingang zu finden. Kaum war ich aus dem Bus an der Haltestelle Kupferhammer ausgestiegen, klirrte es beim Warten am Zebrastreifen, weil ein Soldat auf dem Weg zur Allmend-Kaserne seinen geschulterten prallen Waffensack durch eine unbedachte Bewegung auf meinen Beinarm knallen liess. Ich schaute ihn bösen, zivilisierten Blickes an: Du bist noch nicht im Krieg, dummer Mann, ein anderer hätte schreien müssen. Ein Wegweiser auf der anderen Strassenseite zeigte den gesuchten Weg an einer anderen Abzweigung als gedacht, in einem kleinen Abschnitt geht man auf einem blossen Trampelpfad durchs Gebüsch, den Google Earth und die Maps verschweigen. Das Gebäude, das sich dann vor einem in den Weg stellt, ist beeindruckend und nicht ohne ästhetischen Reiz. Doch wo genau befindet sich der Eingang zur Staatsanwaltschaft? Der beabsichtigte Effekt des Gebäudes stellt sich unverhofft ein, einen als kleinen Bürger dastehen zu lassen. Hat man sich für eine der vier Seiten als Eintrittsseite entschieden, gibt es zwei Eingänge. Beinahe im Gleichschritt neben mir traf ein Typ mit Glatze, kurzen Hosen und Sporttasche auf dem Vorplatz ein. Zielstrebig steuerte er, wie mich dünkte in guter Miene, den kleinen Eingang an. Als er verschwunden war, meldete auch ich mich an der Gegensprechanlage. Ich habe die befremdliche Information zur Kenntnis genommen, nicht total überrascht, aber auch nicht wirklich so erwartet. Wer kennt schon einen in seinem Bekanntenkreis, der an einer Gefängnispforte hat um Einlass begehren müssen? Nun denn, man bestaune die Architektur, denn sie ist nicht alltäglich, wähle aber mit Bedacht den rechten Eingang, wenn einem die Freiheit lieb ist.

Im Innern gelangt man an einen geräumigen Anmeldungsschalter, wie er im Spital an seinen vielen verschiedenen Stellen nicht viel anders angesteuert werden muss. Zunächst der amtliche Ausweis, der neben dem Portemonnaie auf die Schaltertheke gelegt wird, dann die Frage, was ich sonst noch auf mir tragen würde. Nichts ausser Papiernastücher. „Gehen Sie durch die Schleuse!“ Teufel, war das ein Alarm! Ich hatte vergessen, den kleinen Hausschlüssel zu erwähnen. Mich dünkte, die Polizisten würden mich schief anschauen; sie begnügten sich aber mit meiner Auskunft, führten mich in ein winziges Räumchen, das gleich wie der Eingangsraum weiterhin mit dem Schalterraum durch eine Glaswand verbunden ist, gaben mir die Dokumente und liessen schliesslich die gewünschten Kopien anfertigen. Erst auf der Heimreise im Zug dämmerte mir, dass es das viele Titan in der linken Schulter war, das den Alarm auslöste. Vielleicht machen sich Leute mit chirurgischen oder orthopädischen Hilfsmitteln im Körper besser klar, dass es zumindest auf Flugplätzen heutzutage ebengleiche Schleusen mit Metalldetektoren gibt. Man macht sich das Leben leichter, wenn man sich auf eine solche Situation vorbereitet und leicht entzifferbares Bildmaterial zur Hand hat, das die aufgeschreckten Schleusenwärter ohne Verzug zu informieren vermag.

Am Bahnhofkiosk kaufte ich mir ein Cola. Um das Herausgeld entgegennehmen zu können, benötige ich beide Hände, die dem Verkaufspersonal das offene Portemonnaie so weit wie möglich entgegenstrecken, am Schluss mit der rechten Hand allein noch ein paar Zentimeter weiter in die Luft (keine Hand kann Münzen aus einer weiteren Körperdistanz als 10 cm entgegennehmen). Ich stellte die Tasche mit den kopierten Akten der Staatsanwaltschaft auf die ausgelegten Zeitschriften und machte den umständlichen Handel mit dem Getränk. Dann spazierte ich dem langen Zug entlang, bis zur Spitze mit dem meist ruhigen ersten Wagen. Beim Einsteigen überkam mich ein flaues Gefühl, dann eine heftige Bewusstseinstrübung mit Sternchen in der schwarzen Nacht… – Keine Panik, obwohl ich während eines langen Moments mir überhaupt nicht vorstellen konnte, wo die Tasche geblieben sein könnte, ruhte sie, anscheinend noch unangetastet, am genannten Platz.

Kaija Saariaho, La Passion de Simone

24. Juni 2014 um 20:13 Uhr von ur

Soeben live auf France Musique concert donné le 27 mai 2014 en la Basilique Cathédrale de Saint-Denis dans le cadre du Festival de Saint Denis. Karen Vourc’h, Soprano, Raquel Camarinha, Soprano, Magali Paliès, Mezzo-soprano, Johan Viau, Ténor, Florent Baffi, Basse, Isabelle Seleskovitch, Secession Orchestra, Clément Mao-Takacs, Direction.

Kaija Saariaho & Amin Maalouf, Librettiste: La Passion de Simone (création française de la version de chambre).

Das Stück zur Philosophie und zum Schicksal von Simone Weil ist zu einfach und gleichförmig in der Struktur, in den kleinen Formen und in der Dramaturgie, zudem rutscht es des öfteren zurück in die Tonalität. Saariaho hat einige bessere, wahrere komponiert.

Philippe Leroux, Quid sit musicus?

23. Juni 2014 um 20:08 Uhr von ur

Soeben live auf France Musique concert enregistré le 18 juin 2014 à l’EsPro de l’Ircam (Paris), dans le cadre du festival ManiFeste 2014. Caroline Delume (luth/guitare), Valérie Dulac (vièle/violoncelle) et l’ensemble vocal Solistes XXI sont dirigés par Rachid Safir.

Philippe Leroux (né en 1959), Quid sit musicus? (création, commande Ircam-Centre Pompido).

Die Machaut-Zitate sind unverwüstlich, der Rest uninspiriert, leicht lächerlich, die musikalische Antwort auf die Frage von Boëtius indiskutabel.

Kaija Saariaho, Magnus Lindberg, Jean Sibelius

20. Juni 2014 um 20:36 Uhr von ur

Soeben live auf SWR 2 Konzert vom 11. März 2014 im Konzerthaus Freiburg mit SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Kari Kriikku (Klarinette), Leitung: François-Xavier Roth.

Kaija Saariaho: „Lumière et Pesanteur“. – Das Stück hat nur den einen kleinen Fehler, dass es zu kurz ist, denn in diese Landschaft liesse sich ewig schauen.

Magnus Lindberg: Konzert für Klarinette und Orchester. – Unterhaltsame Spätrentnermusik, für die Zeit aufzubewahren, da ich mal taub sein werde. Das Klarinettensolo indessen in den höchsten Höhen ist eine gelungene Zirkusnummer.

Jean Sibelius: „Lemminkäinen“-Suite, 4 Legenden op. 22. – Ein braves Stück aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, viel Wagner mit noch viel mehr Wasser.

Varèse, Déserts

19. Juni 2014 um 20:02 Uhr von ur

Soeben live auf SRF 2 Konzert vom 30. März 2014, Stadtcasino Basel, Basel Sinfonietta, Leitung: Jonathan Stockhammer.

Edgard Varèse: «Déserts» für Bläser, Klavier, Perkussion und Tonband. – Ein grosses Stück in einer grossartigen, optimalen Darbietung. Von den drei Bändern scheint mir mindestens das erste digital aufgefrischt worden zu sein, sehr vorteilhaft. (Es wurden daran anschliessend noch zwei typische Basler Eurythmiübungen geboten.)

Johnson, Lang, Richter de Vroe

17. Juni 2014 um 21:03 Uhr von ur

Soeben live auf Bayern Musica Viva Aufnahme vom 6. Juni 2014, Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Leitung: Johannes Kalitzke. Solisten: Georg Glasl, Zither; Wolfgang Mitterer, Orgel

Tom Johnson: „Munich Ryhthms“ (2010). – Eine sterile unmusikalische Abhandlung ohne Leben, eine ärgerliche Blödheit.

Klaus Lang: „Schwarzes Licht“ (2013) für Zither und Orchester. – Ein 45-minütiges Exerzitium übers Zentrale und Zusätzliche, nicht nur verblüffend schön, sondern auch spannend. Ein spannendes Exerzitium? Ja, denn man beobachtet voll Neugierde … das Andere. Die Orchesterklänge enthalten eine Raffinesse, der man ewig lauschen möchte. (Atom Heart Mother von Pink Floyd scheint zuweilen auf, das ich aber nie besonders mochte.) Je länger das Stück dauert, um so süchtiger macht es.

Nicolaus Richter de Vroe: „Avenir“ (2013). – In einzelnen Partien passabel bis gut, in anderen höllenschlecht. Der Anfang gut, der lange Mittelteil schlecht, der Schluss irgendwie. Das Stück ist bei mir nicht angekommen.

Durupt, Verunelli, Lanza, Cendo

16. Juni 2014 um 20:01 Uhr von ur

Soeben live auf France Musique concert enregistré le 3 février 2014 à la Villa Médicis (Rome) dans le cadre du 5ème festival Controtempo. Quatuor Tana: Antoine Maisonhaute et Chikako Hosoda, violons, Maxime Desert, alto, Jeanne Maisonhaute, violoncelle. Quatuor Qvixote: María Sanz et Bernat Bofarull, violons, Daniel Cubero, alto, Amat Santacana, violoncelle.

Laurent Durupt (né en 1978), Super8 (création italienne), Quatuor Tana, Quatuor Qvixote. – Troglodytenminimalismus. Kaum gibt man Höhlenbewohnern Musikinstrumente in die Hand, zersagen sie dieselben. (Heute übergab ich einer älteren Person ein neu eingerichtetes Chromebook – als erstes löschte sie hinter meinem Rücken ihr eigenes Benutzerkonto…)

Francesca Verunelli (née en 1979), Unfolding pour quatuor à cordes et électronique (2012), création italienne, Quatuor Tana, Charles Bascou et Jérôme Decque, réalisation informatique musicale (GMEM). – Aneinanderreihung von unvermittelten Versatzstücken neuer Musik, des öfteren im Kleinen tonal gedacht, mit Kontrasten anstelle von Kontrapunkten.

Mauro Lanza (né en 1975), Der Kampf zwischen Karneval und Fasten (2012) pour octuor à cordes, création Italienne, Quatuor Tana, Quatuor Qvixote. – Noch mehr Tonalität, und die Musik ist am Ende.

Raphaël Cendo (né en 1975), Substance (2013) pour quatuor à cordes – création Italienne, Quatuor Tana. – Viel Aufregung im Hühnerstall der Töne.

Brandmüller, Saariaho, Huber, Pécou, Stahnke, Matalon

12. Juni 2014 um 20:49 Uhr von ur

Soeben live auf SR2 (Saarland) Aufnahme vom 25. Mai in der Congresshalle Saarbrücken, Reihe Mouvement. Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserlslautern, Jonathan Stockhammer Dirigent.

Theo Brandmüller, Dramma per musica (1979/80). – Ausser den letzten fünf Minuten dürfte jeder Takt von Varèse geliehen sein. Ein Genuss!

Kaija Saariaho, “Notes of light” für Violoncello und Orchester (2006). – Disziplinierte Kohärenz, möglicherweise doch nicht mehr sehr weit von der Werbeästhetik entfernt. Ich mag diese Musik, die aber zuweilen etwas mehr freche Lebendigkeit verdiente.

Klaus Huber, Lamentationes de fine vicesimi saeculi (1994). – Endlich wieder einmal eine Musik, deren Strukturgefüge von Impulsen herrührt, die nicht an der Oberfläche abzulesen wären. Eine grosse, tief berührende Musik.

Thierry Pécou, Orquoy (2012). – Eine laute, stumpfe und empfindungslose Musik. Die Strawinsky- und Varèseanleihen zünden anders als bei Brandmüller nur wenig und erscheinen matt, verbraucht. Die Tonalität ist kindisch, nur dank den Streichern nicht rein feldmusikalisch.

Zusatz: Daran anschliessend wurden die zwei folgenden Stücke aus dem Konzert aus Paris vom 16. Februar 2014 gesendet, Ensemble Modern, Franck Ollu Dirigent (siehe Scribble’s Disco 26. Februar 2014):

Manfred Stahnke, Such(t) Maschine, Création française. – Dünkt mich immer noch ungemütlich, wenn auch etwas interessanter als vor vier Monaten. Es irritiert, wie konservativ und schlecht behandelt die Rhythmen herumstehen.

Martin Matalon, De polvo y piedra, Création française. – Eines der wenigen Stücke, die ich beim erstenmal Hören schlecht finde, später mir aber ganz gut gefallen. Bemerkenswert ist der gekonnte Umgang mit der Elektronik.

Bernhard Lang

7. Juni 2014 um 21:01 Uhr von ur

Soeben live auf SWR 2 vom 1. Mai 2014, Schwetzinger SWR Festspiele.

Bernhard Lang: „Monadologie IX: The Anatomy of Disaster“ für Streichquartett, Arditti Quartett: Irvine Arditti, Ashot Sarkissjan (Violine), Ralf Ehlers (Viola), Lucas Fels (Violoncello). – Langs Monadologien entnehmen ihr Material Stücken der Vergangenheit, um dasselbe quasi in einem Parallelwerk auf abweichendem Materialstand mittels eigenen kompositorischen Direktiven umzuarbeiten. Hier wurde einem grossen Haydn-Streichquartett gefolgt. Obwohl das künstlerische Resultat überzeugt, stört, dass sich der Zweifel daran, ob man es mit einer künstlerischen Notwendigkeit zu tun zu hat, nicht ausräumen lässt. Die Musik muss sich nicht wie die Philosophie ohne Unterlass auf die Vergangenheit beziehen.

Bernhard Lang: „Differenz / Wiederholung 3“ für Flöte, Violoncello und Akkordeon, Trio Amos: Sylvie Lacroix (Flöte), Michael Moser (Violoncello), Krassimir Sterev (Akkordeon). – Das Stück ist etwas zu stark didaktisch oder prinzipiell geraten, als hätte der Komponist damals, im Jahr 2000, noch nicht vorgehabt, zahlreiche Stücke mit diesem kompositorischen Konzept zu realisieren.

Lindberg, Filidei, Thewes, Koch, Lang, Harvey

4. Juni 2014 um 21:03 Uhr von ur

Seben live auf WDR 3 Agata Zubel, Sopran; Bruce Collings, Posaune; Dirk Rothbrust, Schlagzeug; Ensemble musikFabrik, Leitung: Enno Poppe und Peter Rundel
Aufnahmen aus dem Kölner Funkhaus 2014.

Magnus Lindberg, Coyote Blues. – Keine tief inspirierte Musik, ein bisschen viel Treten an Ort. Dirigent Rundel sollte endlich Gesangsstunden nehmen, das Brummeln an den Noten vorbei nervt.

Francesco Filidei, Puccini alla caccia. – Pfadfindermusik für Voglers. Wieder mal bei Rudi Carell anfragen: Verstehen Sie Spass?

Bernd Thewes, WoDu Jail, Krise des Königs. – Ziemlich aus dem Leim geraten, das Ganze, zusammengehalten nur durch Jazzimpulse second hand wie sie die amerikanische Oberstufenfeldmusik pflegt. Von Voodoo Chile ist nichts zu hören.

Sven-Ingo Koch, Der Durchbohrte. – Im Detail mal gut, mal mager. Schon wieder zu viel Jazz statt Musik. Die Schwierigkeit, das Bild von Dantes Figur vor Augen zu bekommen, wird nicht bewältigt, da die Textfragmente stören.

Bernhard Lang, DW9 „Puppe/Tulpe“. – (DW = Differenz und Wiederholung, Deleuze) Das beste Stück der Sendung: mit der komponierten Repetition gegen die metaphysische Idee der Wiederholung.

Jonathan Harvey, Climbing Frame (Website-Programm) oder Wheel of emptiness (Radio-Ansage). – Am Anfang schenkt er einem eine gewisse Komplexität, dann nimmt er sie wieder peu à peu weg.

Sezer, Smolka (und Scelsi nitt)

3. Juni 2014 um 20:01 Uhr von ur

Soeben live auf Bayern 4 Aufnahme vom 9. Februar 2014 in München, Trio Coriolis und Solisten.

Ataç Sezer: „relativity of simultaneity“ für zwei Streichtrios (Uraufführung). – Ein gutes Stück, das davon spricht, dass noch Besseres kommen wird. Die Musik ist nicht klar strukturiert sondern spielt Strukturen in den Vordergrund wie die Katze die Maus. Die Strukturen des Stücks ähneln peu à peu der ungeniessbaren Spitzmaus.

Martin Smolka: „Rinzai and St. Francis watch yellow autumn leaves floating down the river“ für Streichsextett (Uraufführung). – Eine Musik wie faule Äpfel unter dem welken Baum. Der Komponist bequemt sich nicht, sie aufzulesen – Unmusik wie tschechischer Schnaps aus der grünen Flasche.

Übertreibt’s nitt mit der Langeweile. Jetzt soll noch Scelsi kommen?! Ich nehm‘ reissaus.

Reinhold Friedl

2. Juni 2014 um 20:11 Uhr von ur

Soeben live auf France Musique concert enregistré le 23 mai dans le cadre des Rendez-vous contemporains de Saint-Merri (Paris) et du 14ème festival Extension.

Reinhold Friedl, Inside-piano, improvisation pour piano préparé.

Reinhold Friedl, Streichquartett n°1, pour quatuor à cordes et inside-piano.

Reinhold Friedl, Streichquartett n°2, pour quatuor à cordes.

Einer kämpft gegen den Namen und halluziniert sich einen Krieg, in dem neben den Gesellschaften auch die Alpen niedergewalzt werden, dann komponiert er, was in der Landschaft zu sehen übrigbleibt.

ICE Ensemble New York

28. Mai 2014 um 20:38 Uhr von ur

Soeben live auf WDR 3 Acht Brücken | Musik für Köln vom 8. Mai: International Contemporary Ensemble (ICE), Ensemble Garage, Leitung Duncan Ward.

John Zorn, The Tempest für Flöte, Klarinette und Schlagzeug // Maria Stankova, Variables für Ensemble // Felipe Lara, red für Flöte, Fagott und Klarinette mit Elektronik // Benedict Mason, Animals and the Origins of the Dance für Instrumentalensemble und Elektronik // Nathan Davis, Ghostlight für Klavier // George Lewis, Shadowgraph für Ensemble // Rick Burkhardt, Neues Werk für Violine, Viola, Violoncello und 2 Schlagzeuger, Uraufführung // John Zorn, Baudelaires für Ensemble

Nichtssagende Unterhaltungsmusik.

Qin, Shuya, Tiensuu, Wei, Eötvös

26. Mai 2014 um 20:25 Uhr von ur

Soeben live auf France Musique concert enregistré le 16 mai à la Cité de la Musique (Paris) dans le cadre du cycle Made in China, du 16 au 23 mai 2014. Ensemble Intercontemporain, Matthias Pintscher, direction.

Wenchen Qin (né en 1966), The Sun Shadow VIII (L’Ombre du soleil) – création française.

Xu Shuya (né en 1961), San.

Jukka Tiensuu (né en 1948), Hehkuu – commande de l’Ensemble intercontemporain, création mondiale.

Wu Wei (né en 1970), Dragon Dance.

Peter Eötvös (né en 1944), Chinese Opera.

Ich wage leider nicht, eine redliche Kritik zu formulieren, aus Angst, die Website unter der Leitung von Maunzidong könnte noch einmal in China für weitere fast zehn Jahre gebannt werden. (Aber zugehört habe ich gerne, klar.)

Zimmermann, Die Soldaten

25. Mai 2014 um 20:35 Uhr von ur

Soeben direkt live aus München auf Bayern 4 Bernd Alois Zimmermann: „Die Soldaten“, Bayerisches Staatsorchester, Marie: Barbara Hannigan, Leitung: Kirill Petrenko.

Ein grosses Werk, das ich trotz seinen Aufführungsschwierigkeiten nun schon oft habe hören können, dieses Jahr mit einem schlanken Bühnenbild, dem ich ebenso gerne gefolgt wäre wie der diskret und im Detail also ausserordentlich präzis aufgenommenen musikalischen Interpretation. Eine phänomenale Durchsichtigkeit ist es vielleicht, was diese Aufführung innen wie aussen auszeichnet.

Claudio Monteverdi, Marienversper

25. Mai 2014 um 10:01 Uhr von ur

Soeben auf SRF 2 Claudio Monteverdi, VESPRO DELLA BEATA VERGINE MARIA 1610, Concerto Italiano, Rinaldo Alessandrini, Leitung, 2004.

Eine umwerfende Aufnahme, als ob man erst heute zu lernen verstünde, wie lebendig Monteverdi zu interpretieren sei, radikal entschlackt.