Zwei zähe Zitadellen (2)

4. November 2006 um 22:06 Uhr von ur

Die beiden Nester heute ausgehoben, spielend und ohne schwere Widerstände. In Bourg St-Pierre heulten zwei Wölfe aus den Wäldern übers ganze Tal, so dass keine Eingeborenen sich auf der Gasse zu zeigen wagten (es stand mir allerdings nur die fahrplanenge Zeit von 12 bis 12.20 Uhr zur Verfügung). Im höllenfinsteren Trient, das eineinhalb Monde vor der längsten Nacht schon um 14.30 Uhr keine Sonnenstrahlen mehr geniessen darf, jaulte eine Riesenmeute wilder Jagdhunde durchs Schluchtental, so dass die Automotoren der Gelangweilten von Genève kaum mehr genussreich zu hören waren. Kein Licht, keine Sicht und keine Stille nie – kein Wunder, hat Tri-eng am längsten widerstehen können.


Trientotaurus Octoduro Super

Weit diesseits wieder des Berges, schon fast auf dem sicheren Boden Martignys, spielte es seinen letzten Trumpf de Trient: le triomphe du taureau! Ein schwerer schwarzer Riesenteufelsbulle … ich rannte durchs Land, durch alle Rebenlabyrinthe, über gefrorene Flüsse und Eismeere, ja in Bern noch blieben die Kleider kalt und nass, bäh, wie der unheimlich fiepsig brüllte und Rauch und Schwefel von sich stiess. Zwei Puppies hatte der Stier zu hüten, und tat, als käme der harmlose und ahnungslose Wanderarbeiter als ihr Metzger. Noch im letzten Nest sind sie alles – Walliser!

Mighty Ilii OP

4. November 2006 um 5:47 Uhr von ur

Abends nach dem Duschen zum ersten Mal geschaut, ob man von der Zerstörung des Knochens von aussen überhaupt etwas sieht (nein, nichts zu sehen) – und prompt jetzt die Operation geträumt (nicht die kleine im November, nein), wenigstens die Vorbereitung bis knapp zur Narkose, detailliert und undurchschaubar, alles mit einer Art Patina der Science Fiction überzogen, Technik der Zukunft. Wie auch immer: der Traum zeigt, dass die Zeit zu nutzen ist. Der Zeit Sein geben, Ariadne, nicht ihr es entreissen.

Zwei zähe Zitadellen (1)

29. Oktober 2006 um 10:48 Uhr von ur

Nicht ganz jeder Flecken im Wallis konnte bis heute besucht und gletschersoziologisch gewürdigt werden. Zwei Nester bleiben als feste Resten: Bourg St-Pierre hinter der langen Kurve im Val d’Entremont und Trient, das vom Mont de l’Arpille aus nur seinen Vorort Le Peuty fotografieren liess. Nun denn, sollen sie es haben wie sie wollen. Man kann aber kaum von ihnen sagen, sie böten reichlich Aussicht auf die grossen Landschaften des Wallis.

Völkerverständigung

21. Oktober 2006 um 7:47 Uhr von ur

Nicht wenig interessant, dass sich jetzt auch aus China Leute für Zeitgenössische Kunstmusik aus anderen Gegenden als den eigenen zu erkundigen beginnen:

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IP Address   221.208.123.# (CNCGROUP Heilongjiang province network)
ISP   CNCGROUP Heilongjiang province network

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Continent  :  Asia
Country  :  China  (Facts)
State/Region  :  Beijing
City  :  Beijing
Lat/Long  :  39.9289, 116.3883 (Map)
Language   Chinese (China)
zh-cn
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Füchslein, unschlau

15. Oktober 2006 um 6:28 Uhr von ur

Kleines Füchslein gefangen in einer Art Brillenetui aus Leder. Es entwischt und wird also nochmals gefangen, weil es aus Neugierde nochmals in die Nähe kommt, diemal komplett ins Etui gesteckt, Kopf voran, bis nichts mehr herausschaut. Ich bin im Spital, ob als Patient oder sonst etwas bleibt unklar. Es gibt Gestelle mit Büchern und anderen Sachen. Jemand fragt, wieso ich keine Bücher mehr kaufe (lese). Ich sage nichts, schaue aber betreten auf die Bücher, die doch so doof nach Verpackung aussehen und mich als solchen Verpackungsmüll einfach nicht interessieren können. Das Füchslein im Etui ist immer mit dabei, und man hat es auch entdeckt, ohne Bemerkungen zu äussern. Ich mache mir grosse Sorgen, dass es ersticken könnte, zerbreche mir fast förmlich den Kopf, wie ich es da überhaupt wieder ohne Verletzungen herausnehmen kann, ohne dass es mich beisst oder mir entflieht. Feiges Aufwachen vor diesen intimen, existentiellen Problemen.

Zappa

3. Oktober 2006 um 2:08 Uhr von ur

Zappakonzert gegeben, der echte war auch dort, so dass fürs Publikum nie recht klar wurde, wer spielte – und was da überhaupt abging. Wie in einem Umzug ging die Band durchs Publikum. Vom Anfang bis zum Aufwachen gute 10 Minuten, dann hätten mit den zwei unsichtbaren Gitarren die zwei langen Akkorde Ba-by von Baby-Snake als Anfang eines neuen Stücks (also ohne eigentliches Baby-Snake) gespielt werden sollen, aber der echte Zappa patzte durch einen Lacher, und die Band schien auch nicht mehr recht zu wissen, wie es weitergehen soll. Immerhin 10 Minuten lustige Musik phantasiert.

Beschleunigte digitale Zerfallszeiten

2. Oktober 2006 um 13:46 Uhr von ur


Breites oranges Verbindungskabel von der Kamera zum Sucher

Vor vier Tagen hat der Sucher der Minolta Dimage A2 auf dem Mont Pèlerin seinen Geist aufgegeben. Dass Minolta von Sony aufgekauft wurde, ist bekannt. Trotzdem erstaunt es, wie schlecht man nur zu Informationen kommt, die den Weg einer Reparatur vereinfachen würden. Heute bei Sertronics in Spreitenbach. Nein, das Verbindungsstück zum Sucher können wir hier nicht ersetzen – die Kamera muss nach Bremen geschickt werden. Zum Teufel, ein 1400-Franken-Stück kann zwei Jahre nach dem Kauf in diesem Lande bei einer so einfachen Sache wie dem Ersetzen eines Kabels nicht repariert werden? Man glaubt es nicht und trägt die Spezialität, die durch die Netze des allgemeinen Warenflusses wegen rascher Überalterung oder der Marktschwäche ihrer guten Kreateure gegenüber dem Hai Sony ins Niemandsland hindurchgefallen war, als Waise wieder nach Hause. – Der Sucher der A2, die neben ihm noch einen gewöhnlichen Monitor hat (der nota bene weiterhin funktioniert), ist deswegen so wertvoll, weil er sich stufenlos nach oben kippen lässt und dadurch auch einem Schwacharmigen schnelles Fotografieren erlaubt – ohne dass der Apparat auf Augenhöhe gestemmt werden müsste – und weil er ein scharfes Bild auch dem Brillenträger zeigt und in diesem auch bei extrem hellen und sonnigen Gebirgslandschaften die Lichtverhältnisse so präzise, dass die manuellen Einstellungen, kontrolliert allein durchs Auge, immer optimal belichtete Aufnahmen ergeben.
Auch möglich, dass gar nicht der Sucher und sein Verbindungskabel defekt sind, sondern der dreistufige Schalter zwischen Sucher, Monitor und beiden zusammen, weil ich diesen Schalter auf dem Mont Pèlerin erst seit langem wieder habe betätigen müssen.

B (81)

2. Oktober 2006 um 1:57 Uhr von ur

Unangenehmes Gespräch mit A über B (60), dessen Inhalt nach dem Aufwachen sofort vergessen. Unverleugbar und nachhaltig aber das Gefühl enormer Peinlichkeit, nach 21 Jahren eine gewöhnliche Niederlage immer noch nicht verdaut zu haben.

Innere Präzision

28. September 2006 um 5:08 Uhr von ur

Morgens aufgewacht, aufgestanden und auf die Uhr geschaut: 4.22 Uhr. Genau die geplante Zeit zum Aufstehen. Doch wieso ist der Wecker nicht losgegangen? War noch fürs letzte Mal eingestellt auf 5.22 Uhr… Jetzt ab aufs Foggenhorn!

Fribourger Witz

26. September 2006 um 23:39 Uhr von ur

– Warum schletzen die Fribourger die Türe so heftig wie möglich?

– Damit sie sicher sind, dass der Nachbar nicht schläft und schlecht von ihnen träumt.

Wem der Mönch ein Nasenwasser

26. September 2006 um 11:53 Uhr von ur

Die Karte zeigt Balmhorn und Altels mit Wildelsigen. Hätte sie ein bisschen nachgefragt vorher, hätte sie den bubieinfachen Weg von Westen her gezeigt bekommen. Aber wem der Mönch schon zum Nasenwasser geworden ist … (was immer das auch sein mag: man muss es ergooglen).

Fast zur selben Zeit das zahme Balmhorn im Lötschenwasser des Grundsees:

Discos gespiegelt

23. September 2006 um 23:33 Uhr von ur

Kontrolle aller fünf Disco-Blogs als Spiegel offline. Immer noch fehlerhaft. Genau das hatte ich knapp zwei Stunden vorher im Wachzustand gemacht… (Webspider ist zwar gratis, funktioniert aber nicht richtig: einige Hintergrund-Links werden nicht in relative umgewandelt.) Beim Aufwachen Schmerz zwischen Brust und Bauch.

Der letzte Faden hält

15. September 2006 um 10:13 Uhr von ur

Scribble’s riddle-doodle (6):


Antwort

Globalisiert!

13. September 2006 um 10:44 Uhr von ur


Nach CT-Spritzenstecherei wegen unrobuster Vene Besuchertrost „Zuhause“: Zum ersten Mal, dass mit 100 aufeinander folgenden Website Visitors jeder Kontinent vertreten ist. (China und Japan erscheinen häufiger als Australien, aus Afrika kommt hier erst d Zweite.)

Laster

12. September 2006 um 0:27 Uhr von ur

In einem Gewimmel von riesigen Lastwagen, die sich alle kreuz und quer durcheinander schieben statt auf den vorgesehenen Spuren, sollte auch ich einen irgendwohin fahren, dabei habe ich ihn noch nicht einmal ausfindig machen können. Es kommt mir in dem Motorenhöllenlärm beim Aufwachen vor, als hätte ich in letzter Zeit, wo ich die Träume nie behalten konnte, immer nur solche mit völliger Überforderung.

Kein Ende im Sprechen

11. September 2006 um 11:33 Uhr von ur

In der ZEIT diskutieren Daniel Barenboim und Joschka Fischer über Recht und Unrecht der gegenwärtigen Regierung Israels, die den Krieg im Libanon zu verantworten hat, sowie der vergangenen und ihrer Kontrahenten, dass einem Sehen und Hören zu vergehen drohen. Dabei vergisst man, dass es ein schlechtes Ziel von schwierigen Diskussionen wäre, gleicher Meinung zu sein. Man muss wohl, wenn man nicht ins Passive und Gleichgültige abdriften will, immer wieder neu lernen, es als Zeichen von Hoffnung zu lesen, wenn kontradiktorische Gespräche so enden können wie sie zu beginnen schienen. Auch wenn es auf allen Seiten drängt und keine Zeit da ist, muss dieser vertraut werden; nur sie, nicht die als Akteure dastehen, vermag in der Masse der Problemzusammenhänge Veränderungen erscheinen zu lassen, die aufs katastrophische Geschehen im ganzen Wirkung haben.

„Les fins de l’homme“

8. September 2006 um 10:32 Uhr von ur

Der typische Derrida-Titel mit Nietzsche-harmonischem Unterton, der seit 1981/82 vor meinen Augen steht, wird in jungen Jahren mit der Devise auf die Seite geschoben, dem Leben dürfe kein Sinn unterschoben werden, auch wenn die Anstrengung in ihm das wichtigste sei – in den Zeiten des Endens verspricht er die vielfältigsten Formen des Abwartens und der Umwege des Endes, beides: aktive, spontane Tätigkeit gleichwie objektive, beschreibbare Gegebenheit. Einiges ist voll Dynamik und voll von schönem Beiwerk, einiges spitz quälend und öd, einiges erscheint wie auf den ewigen Baustellen, heute zur Intensivierung der gewinnträchtigen Infrastruktur, einstens zum Lobe dessen, was dem Leben Sinn stiftete im umfassenden abwesenden Strukturzusammenhang. Kein leichtes Warten, zum Beispiel, auf der Couchepain-Baustelle, ob die Krankenkasse die angezeigte Untersuchung finanziert. Leichter erst wieder, wenn die Resultate, wie auch immer, vorweggenommen sein werden. Man muss es so oder so, in allen Enden.

Nachtblinde Gewalt

7. September 2006 um 8:48 Uhr von ur

Gestern Abend Hörspiel auf DRS 2, Nachtblind von Darja Stocker – in der Tat eines der besten seit langem. Trotzdem nur im Negativen beeindruckend der Schluss: einer der drei in Beziehung Stehenden schlachtet die beiden anderen ohne jede Besinnung bis zum Letzten.
Zum ersten Mal ist solches in der Literatur in Vladimir Sorokins Roman erschienen, dass Gewalt jenseits alles Bedenkenswerten zu denken gegeben hat. Seither geschieht es ab und zu, aber nie vermag ich darin etwas herauszulesen. Auch der gewalttätige offene Schluss in Nachtblind gibt nicht substantiell zu denken, sondern spielt fahrlässig mit den Gefühlen des Einverständnisses. Warum wollen die AutorInnen nicht zur Kenntnis nehmen, dass sie mit solchen Kunstmomenten nur dazu beitragen, die aktuelle böse Toleranz gegenüber der Gewalt noch gewöhnlicher zu machen statt diesen Leim der Regression abzutragen? Einen Reiz lässt sich dann im ganzen Werk nicht mehr empfinden, nur trübe vertane Chance.

200 Krimis … und der 201ste ist auch schon gedreht

5. September 2006 um 11:42 Uhr von ur


Gestern hat der YouTubeler Vladi Raz das zweihundertste Video veröffentlicht. Man verneigt sich schon wieder und gratuliert immerzu!
– Die grossen Fans mit stabilem Browser würdigen ihn und sein Werk übrigens seit kurzem auch als Video-Googler.

D & A im Leuker Bade

2. September 2006 um 19:26 Uhr von ur

Die Nachbarinnen nach dem Wandern:


Vipernfrei laufen muss man können, wenn man nachlaufen will.