Wagners Walliser Wanderungen

4. Mai 2007 um 15:40 Uhr von ur

Da im Internet mehrerenorts behauptet wird, Richard Wagner hätte am 18. Juli 1852 „auf seiner Italienreise“ den Griespass überquert und daselbst übernachtet, habe ich versucht, in der Autobiographie diejenigen Stellen zusammenzutragen, die Wagners Erfahrungen auf Walliser Boden bezeugen, den er zwischen 1850 und 1858 sechsmal betreten hat. Auffällig scheint, wenn auch die nichtwalliser Bergwanderungen hinzugezogen werden, ein wie wackerer Wanderer der Bergmensch Wagner gewesen war, dass der Brand Wallhalls, also die Götterdämmerung, als Flashback auf Grimsel zu sehen wäre, dass die anderen Bergphantasien in seinen Opern aber eher mit der Bündner Berglandschaft korrespondieren und dass die Waldszene im Siegfried – oh Graus! – sich einem Spaziergang an der Limmat nahe bei Zürich verdankt. Über den Griespass war er ungefähr am genannten Tag tatsächlich gewandert, nicht ohne abenteuerliche Schwierigkeiten, geschlafen hatte er aber nicht oben, sondern zuvor in Obergesteln, nachher in Formazza (Pomat). Das Herausstreichen konkretistischer Bezüge lädt im übrigen weder die Opern noch die Landschaftspartien mit supplementärem schwülstigen Sinn auf, den man erfahren haben müsste, sondern zeigt umgekehrt, wie Trivialitäten des Alltagslebens, die solche bleiben, in grossen Werken, die es gleichwie bleiben, ihren inneren Kurs zu bestimmen vermögen.

1. Besuch: Mai 1850
In Villeneuve am Genfersee. „… Wir suchten uns durch Ausflüge in das schöne Walliser Tal zu zerstreuen…“ (Richard Wagner, Mein Leben, hrsg. v. Gregor-Dellin, München 1976, Seite 457f)

2. Besuch, an den letzten anschliessend: Juni 1850
„Immer darauf bedacht, wie ich es nur anfinge, aus der Welt zu verschwinden, wählte ich mir eine möglichst wilde Gebirgswildnis. … Wir suchten zu diesem Zwecke das einsame Visper-Tal im Kanton Wallis auf; mit ziemlicher Beschwerde drangen wir durch die noch sehr unwegsamen Pfade bis nach Zermatt vor. Dort, am Fuße des ungeheueren und wunderbar schönen Matterhorns, konnten wir uns allerdings als von der ganzen Welt abgeschlossen ansehen. Ich suchte uns in der naiven Wildnis so gut wie möglich einzurichten; aber nur zu bald bemerkte ich, daß Karl [Sohn der Mäzenin Wagners, Julie Ritter, den er zwecks Förderung der Talente zeitweise hüten musste, hier zum ersten Mal] in diese Lage sich nicht zu finden vermochte. Er gestand mir bereits am zweiten Tage, daß er es hier doch gräßlich finde, und meinte, daß es sich doch jedenfalls an einem der offenen Seen besser aushalten lassen würde. Wir studierten die Karte der Schweiz und wählten Thun zum Versuch einer neuen Niederlassung. Auch ich befand mich wieder in dem beängstigenden Zustande der Abspannung meiner Nerven, in welchem jede körperliche Anstrengung mich sofort zu heftiger und schwächender Transpiration brachte. Nur mit äußerster Überwindung vermochte ich den Rückweg aus dem Tale zu nehmen…“ (a.a.O., Seite 458)

3. Besuch: Juli 1852
„… Ich beschloß, den Eintritt einer eigentlichen Sommerwitterung abzuwarten, um dann eine größere Fußreise über die Alpen, von der ich mir eine vorteilhafte Wirkung auf meine Gesundheit erwartete, anzutreten. Herwegh hatte mir versprochen, mich zu begleiten; da er aber, wie es schien, in widerlicher Weise noch abgehalten war, machte ich mich Mitte Juli allein auf den Weg, um unserer Abmachung gemäß von meinem Reisegenossen im Wallis erst eingeholt zu werden. Von Alpnach am Vierwaldstätter See aus trat ich die streng zu Fuß eingehaltene Wanderung an, und zwar nach einem Plane, welcher außer den Hauptpunkten des Berner Oberlandes mir besondere, weniger betretene Pfade durch die Alpenwelt anwies. Ich verfuhr hierbei ziemlich gründlich, indem ich z. B. im Berner Oberland auch das damals noch beschwerliche »Faulhorn« besuchte. Durch das Hasli-Tal im Grimsel-Hospital angelangt, befrug ich den Wirt desselben, einen stattlichen Mann, wegen der Besteigung des »Siedelhornes«. Er empfahl mir als Führer hierzu einen seiner Knechte, einen übel aussehenden rohen Menschen, welcher, indem er die Schneefelder nicht in den üblichen Zackenpfaden, sondern in gerader Linie mich führte, den Verdacht in mir erweckte, daß er es auf meine Ermüdung abgesehen habe. Auf der Höhe des Siedelhornes erfreute mich einerseits der Einblick in die innere Welt der sonst nur in ihren äußeren Formen uns zugekehrten Riesen des Oberlandes, sowie andrerseits der plötzlich sich darbietende Überblick der italienischen Alpen mit dem Montblanc [recte: Grand Combin] und dem Monte Rosa [nur knapp die Dufourspitze ist sichtbar – gut zu sehen wären dagegen Monteleone, Mischabel, Matterhorn, Weisshorn]. Ich hatte nicht verfehlt, mir ein kleines Fläschchen Champagner mitzunehmen, um es dem Fürsten Pückler bei seiner Besteigung des Snowdon nachzumachen; nur fiel mir niemand ein, auf dessen Wohl ich zu trinken hätte. Nun ging es wieder über Schneefelder hinab, über welche mein Führer mit rasender Schnelligkeit auf seinem Alpstock dahinglitt. Ich begnügte mich damit, in mäßigerer Eile auf den Fußhacken vorsichtiger mich hinabzulassen. In der höchsten Ermüdung gelangte ich abends nach Obergestelen, wo ich mich zwei Tage ausruhte und der Übereinkunft nach auf Herwegh wartete. Statt seiner traf aber nur ein Brief von ihm ein, der mich gewaltsam aus meinen Alpeneindrücken in die unangenehme bürgerliche Lage hinabzog, in welcher der Unglückliche infolge der angedeuteten Störungen sich damals befand. Er befürchtete nämlich, ich hätte mich durch seinen Gegner einnehmen und dadurch zu einem unfreundschaftlichen Urteil über ihn verleiten lassen. Ich meldete ihm, er möge sich hierüber keine grauen Haare wachsen lassen und in der Italienischen Schweiz möglichst noch mit mir zusammentreffen. So machte ich mich denn mit meinem unheimlichen Führer allein zur Besteigung des Gries-Gletschers und der Wanderung über dessen Paß nach der Südseite der Alpen auf. Bei dem Aufsteigen bot sich mir ein lange währender höchst trauriger Anblick dar: unter den Kuhherden der Hochalpen war die Klauenseuche ausgebrochen, und zahlreiche Scharen davon zogen in langen Reihen an mir zur notwendigen Pflege nach den Tälern herab. Die Kühe waren auf das äußerste abgemagert, so daß sie Skeletten glichen, und schlichen jammervoll mühselig dahin; wie mit einer unbegreiflichen Schadenfreude schien die prachtvolle Umgebung mit der üppigen Weide auf diese traurige Flucht aus ihr hinzublicken. Am Fuße des steil aufsteigenden Gletscher-Abfalls kam ich in so gänzlich niedergeschlagener Stimmung an und fühlte meine Nerven so übermäßig abgespannt, daß ich erklärte, umkehren zu wollen. Ich erfuhr hierüber die rohe Verhöhnung meines Führers, der mich über meine Weichlichkeit zu verspotten schien. Der Ärger darob spannte meine Nerven an, und sofort machte ich mich auf, die steilen Eiswände in größter Schnelligkeit hinanzuklimmen, so daß er es diesmal war, welcher mir schwer nachkam. Die fast zwei Stunden andauernde Wanderung über den Rücken des Gletschers hin vollbrachten wir unter Schwierigkeiten, welche selbst den Grimsel-Knecht wenigstens um sich besorgt machten. Es war frischer Schnee gefallen, welcher die Eis-Schründe oberflächlich verdeckte und demnach gefährliche Stellen nicht genau erkennen ließ. Hier mußte der Führer gehörig vorangehen, um die Pfade genau zu rekognoszieren. Endlich gelangten wir an die Öffnung des Hochtales nach dem Formazza-Tale zu, nach welchem zunächst wiederum ein jäher Abfall von Schnee und Eis führte. Hier begann mein Führer wieder sein verwogenes Spiel, indem er mich, statt im sicheren Zickzack, abermals in gerader Linie über die jähesten Abhänge geleitete; da wir auf diese Weise an ein so steiles Geröllfeld gelangten, daß ich einer unausweichlichen Gefahr entgegensah, bedeutete ich meinen Geleiter auf das ernstlichste und zwang ihn eine große Strecke mit mir zurückzugehen, um auf einen von mir erspähten minder jähen Pfad zu gelangen. Unwirsch mußte er einwilligen. Sehr ergreifend war für mich nun bei meinem Heraustreten aus der starren Wildnis die erste Berührung mit der Kultur. Die erste dem Vieh wieder zugängliche dürftige Weidestelle hieß die Bettel-Matt, und der erste Mensch, der uns begegnete, war ein Murmeltier-Jäger. Bald belebte sich die Wildnis aber durch die ungeheuere Wirkung des herabstürzenden Bergflusses, der Tosa, welcher an einer Stelle einen in drei weiten Absätzen sich brechenden Wasserfall von überwältigender Schönheit bietet. Nachdem beim unablässigen Hinabsteigen das Moos und die Flechten sich zu Gras und Wiese, das Knieholz zu immer aufrechteren Kiefern und Fichten umgewandelt hatten, gelangten wir endlich in immer traulicherer Talgegend nach dem heutigen Ziel unsrer Wanderung, dem Dorfe Pommath, von der italienischen Bevölkerung Formazza genannt. Hier galt es denn wirklich zum erstenmal in meinem Leben Murmeltier-Braten zu essen. Von größter Ermüdung durch wenigen Schlaf nur ungenügend gestärkt, machte ich mich am andren Morgen allein auf die weitere Wanderung das Tal abwärts, nachdem ich meinen Führer ausgelohnt und auf den Heimweg geschickt hatte. Daß ich unter der Obhut dieses Menschen in wirklicher Lebensgefahr gewesen war, erfuhr ich erst im November dieses Jahres, als die ganze Schweiz von der Nachricht alarmiert wurde, daß das Grimsel-Spital abgebrannt und von niemand anders als dem Wirt desselben, welcher dadurch von den Gemeinden die Erneuerung des Pachtvertrages für die Grimsel-Wirtschaft sich zu ertrotzen hoffte, in Brand gesteckt worden war. Er selbst hatte sofort bei der Entdeckung seines Verbrechens in dem kleinen See, an dessen Ufern das Spital liegt, sich ertränkt; der Knecht aber, welchen er zu der Brandlegung erkauft hatte, war festgenommen und zur Strafe abgeführt worden. Ich erfuhr aus dessen Namen, daß es derselbe war, welchen der vorsorgliche Grimsel-Wirt mir zu meiner einsamen Wanderung über denselben Gletscherpaß mitgegeben hatte, auf welchem, wie ich nun ebenfalls erfuhr, zwei Frankfurter Reisende nicht lange vor mir verunglückt und umgekommen waren: so daß ich denn abermals Gelegenheit hatte, mich als auf besondere Weise einer drohenden Todesgefahr entgangen zu betrachten. Unvergeßlich sind mir nun die Eindrücke der Wanderung durch das immer tiefer sich senkende Tal geblieben. Namentlich überraschte mich die plötzlich sich erschließende südliche Vegetation, nachdem ich durch einen engen Felsenpaß, in welchen die Tosa sich zusammendrängte, steil herabgestiegen war. Bei heißer Sonnenglut gelangte ich am Nachmittage nach Domo d’Ossola. …“ (a.a.O., Seiten 495ff)

4. Besuch, an den letzten anschliessend: Juli-August 1852
„(Wir wollten uns) über den Simplon und durch das Wallis noch nach Chamonix wenden. Die Ermüdung, welche mich bisher mein Ausflug gekostet hatte, sagte mir …, daß ich so bald zu einem ähnlichen Unternehmen mich nicht wieder aufmachen würde, und es drängte mich daher, das Sehenswürdigste der Schweiz bei dieser Gelegenheit vollends in Augenschein zu nehmen. Überhaupt war ich aber wohl, wie seit längerer Zeit es mit mir stand, in der Stimmung, mir durch einen neuen äußeren Eindruck eine bedeutende Wirkung auf mich zu erwarten. Deshalb wollte ich den Montblanc nicht vorbeigehen lassen. Sein Anblick ward mit großen Beschwerden erkauft, unter welchen eine nächtliche Ankunft in Martigny zu nennen ist, wo infolge großer Überfüllung der Gasthöfe allseitig die Unterkunft verweigert wurde und wir nur, mit Benutzung des Liebesverhältnisses eines Postillons zu einem Dienstmädchen, widerrechtlich in einer für diese Nacht von der Herrschaft verlassenen Privatwohnung ein Obdach fanden. Im Chamonix-Tal besuchten wir pflichtgemäß das sogenannte »Eismeer« und die »Flégère«, von welcher aus auch mich der Anblick des Montblanc allerdings bedeutend anregte. Meine Phantasie beschäftigte sich jedoch weniger mit der Besteigung dieses Gipfels als vielmehr mit einer Überschreitung des Col des géants, indem mich weniger die zu erreichende große Höhe als die andauernde erhabene Öde auf dieser letzteren Wanderung anzog. Ich nährte längere Zeit den Vorsatz, ein solches einziges Abenteuer noch einmal zu bestehen. Beim Herabsteigen von der »Flégère« verrenkte Minna [seine Frau] bei einem Falle sich den Fuß, davon die schmerzlichsten Folgen uns von jetzt an von jeder weiteren Unternehmung zurückhielten; wogegen wir nun die Heimreise über Genf zu beschleunigen uns genötigt sahen.“ (a.a.O., Seite 499)

5. Besuch: Juli 1854
„Von der Eidgenössischen Musikgesellschaft war ich zu der Direktion ihres diesjährigen Musikfestes in Sion eingeladen. Diese hatte ich abgelehnt, jedoch versprochen mich einzufinden, um, sobald die Mittel dazu mir genügend erscheinen würden, an einem der Festtage die A-Dur-Symphonie von Beethoven zu dirigieren. … Leider traf ich am Sitze des diesjährigen Festes so gegen alles Erwarten unzureichende und kleinliche Vorbereitungen für eine künstlerische Unternehmung an, dass ich, nachdem ich von dem Klange des ungemein dürftigen Orchesters in einer kleinen Kirche, welche zugleich den Konzertsaal abgab, einen gänzlich abschreckenden Eindruck erhalten hatte, empört über den Leichtsinn, mich bei einer solchen Gelegenheit herbeigezogen zu haben, einfach durch ein paar Zeilen an den eigentlichen Festdirigenten … ohne weitere Zeremonien mich verabschiedete…“(a.a.O., Seite 519f)

6. Besuch: August 1858
„(Die Reise [von Lausanne her]) führte uns über den Simplon nach dem Lago Maggiore… “ (a.a.O., Seite 586)

Malum Optimum

18. April 2007 um 8:36 Uhr von ur

Offenbar ist Wandern nicht tel quel ein Gutes, und auf die Spitze getrieben, als das Beste was immer in jeder Situation zu tun wäre, kann es ins Schlechte kippen. Die Schönwettertage wurden bis in die letzten Reste genutzt und es wurde auch dann fotografiert, wenn ein dicker fetter Dunst dagegen wetterte. Also gab es auch nach dem beeindruckenden Erlebnis im Lötschentaler Vipern Kindergarten vorgestern am 21. April keine Ruhepause auf dem Plan, sondern schon abends am Computer beim Bilderverarbeiten wurde die nächste Tour vorbereitet, trotz häufigen Versicherungen dagegen ein erneuter Besuch auf dem Mägisserhorn ob Frutigen. Wie üblich also seit 18 Uhr am Mäusedrücken, entgegen alle heftigste Müdigkeit, aber in Freude aufs baldige Schlafen, dann unvermittelt um 21 Uhr Schmerzen zuunterst im Rückgrat aufwärts auf beiden Seiten. Schnell noch die zwei letzten Bilder angepasst, dann weg von der Maschine. Ah, zum Teufel, schon wieder eine Kolik! Schmerzen mitten im Bauch unter dem Nabel und Schmerzen links und rechts in der unteren Hälfte des Rückens. Die letzte ähnliche Attacke war vor knapp zwei Wochen, allerdings nur schwach ausgeprägt. Diese neue wird die heftigste: unmöglich zu sitzen, unmöglich zu stehen, unmöglich zu gehen, unmöglich zu liegen, weder seitwärts (sowieso nur rechts möglich) noch auf dem Rücken – Bauchlage seit 2002 auch ausgeschlossen. Nur eines geht: Schneidersitz und Körper vornübergebeugt. Immer wieder Schlafversuche, erfolglose. Dann zweimal mit Salz und wenig Wasser erzwungenes Erbrechen, Linderung nur kurzfristig. Erst nach ein Uhr morgens Erschöpfungsschlaf. – Seltsam dann der andere, gestrige Tag, wie mit einer Patina des Depressiven überzogen: obwohl körperlich schmerzfrei, keinen einzigen Schritt vors Haus gewagt. Heute Morgen endlich ein Aufwachen wieder in gewohnter Frische.

Sefi Lehmann

13. April 2007 um 19:50 Uhr von ur

Wowi zowie, fast die schönsten Momente des Lebens einst tauchen wieder auf, und immer noch schmilzt der Bauch unter der umwerfend süssen Stimme:

Josefina Lehmann in Musik für einen Gast

Nur einmal hatte ich Kuttelsuppe gegessen bis jetzt, an einem grossen Tisch voller Schweiger, nach lustigem Fussballmatch auf Lehmanns Wurzelboden in einer Schüpberger Waldlichtung. Erst als der letzte Teller ausgelöffelt war, sagte einer, das waren Kutteln da drin, nicht wahr … aber sie waren gut!

Da gibt es sogar Bilder von Sefi, und lange Zeitungsberichte:
http://www.alpeandino.com/josegaleria/index.php?list=1

Und nach weiterem Suchen hier noch eine ganze Website:
http://www.josefinalehmann.cl

Ha! Meine Favoriten in nächster Zukunft sind gesichert – – – obwohl es angezeigter schiene, das Wandern daneben aufzugeben und mit auszuwandern, das Strahlen Sefis wieder zu geniessen und die Strahlen der chilenischen Sonne wirken zu lassen statt die von Röntgen, die von Aliens berichten in nur wenigen Tagen.

Alphabetisierungskampagne

11. April 2007 um 16:05 Uhr von ur

Das Land bedarf einer neuen Alphabetisierungskampagne. Vielleicht gelänge es nach geraumer Zeit auch in den oberen Etagen der SBB, die Protokolle zu lesen, die seit langem schon verzeichnen, wie oft nur ganze Intercity-Kompositionen komplett WC-frei durchs Land kutschieren. Mit nur wenig Rest-Intelligenz würde ein erfolgreich alphabetisiertes Management sich zur Einsicht verführen lassen, dass irgendwo in seinem heutigen Betrieb von Handlungsbedarf zu sprechen wäre. Wenn die Chefs der SBB unter ihre Bürotische pissen, ist das vielleicht ihre Sache; in der Gesellschaft haben sich im allgemeinen höhere kulturelle und zivilisatorische Wertvorstellungen zu etablieren vermocht, als dass daran zwingend zu denken und mit Lust darüber zu sprechen wäre.

Ostermesse

8. April 2007 um 19:13 Uhr von ur

Lumpy Gravy mit dem Hoforganisten Keith Emerson

Aprilscherz (2)

5. April 2007 um 13:20 Uhr von ur

Aufwärts zum Glück!

1. April 2007 um 5:17 Uhr von ur

Der kurze Weg zum Ziel Ihrer letzten Wünsche: Geniessen Sie 10
Minuten ganz ohne Stress die steile Aufwärtsfahrt  – dann
suchen Sie mitten auf ihr, was es für Sie zu finden gibt.

Endlich ernsthaft Frühling!

21. März 2007 um 9:01 Uhr von ur

Diebstahl

20. März 2007 um 11:38 Uhr von ur

Immer wieder von neuem gruusig und schmierig zu sehen, wie Material der eigenen Website, an dem in jedem Einzelfall lange gearbeitet worden war, von Leuten geklaut und auf idiotische Weise als Eigentum für ihre Zwecke weiter verwendet wird. Diesen Text, der als kommerzielle Werbung dasteht, habe ich keineswegs jemals so geschrieben oder zur Weiterverwendung freigegeben. Was ich einst verfasste, stünde auf dieser Seite: www.ueliraz.ch/rezensionen/chaurasia.htm

Der dumme Dieb im Team des Shaktishops hat den Text nicht verstanden, meint deshalb um so dreister, einige isolierte Sätze daraus wären doch gute Werbesprüche für die CD, die ganz andere Menschen einstens gemacht hatten, in der Tat grosse Künstler, und die sie vom Shop primitiv wie Panzerdealer verkaufen, weil sie glauben, zum Gebrauchs- oder Kunstwert ihrer Waren keine Beziehung haben zu müssen. So genial und wundersam die Erfindung des Internets einem erscheint, manchmal ekelt es nur noch, weil insbesondere die regressiven Verhaltensweisen, wie zuvorderst eben der ganze Werbepiss, einem als sein eigentlicher Inhalt entgegenschwappen.

Charles Ferdinand Ramuz wiedergelesen

19. März 2007 um 19:31 Uhr von ur

Ein kleiner Moment der Unaufmerksamkeit im Partygeplapper, und man sieht sich einem Werk als Geschenk gegenüber, weil man es wie in jenem eben eingestanden noch nicht gelesen habe, „Das Dorf in den Bergen“ (1908) von C.F. Ramuz (1878-1947). Da der topologische Fehler auf Seite 13 (Ausgabe 1984) stutzig machte, in dem ein rechtsabzweigender Weg auf einer Strasse, die einen Hang durchquert mit dessen Tiefe rechts (die Pontisschlucht), hinaufführt (ich kenne die Stelle gut, mit paarenden Vipern nicht weit darüber), führte eine Googleanfrage nach Einschätzungen von Ramuz durch andere nur zu schnell auf die eigene Site, wo eben seine Gleichgültigkeit gegenüber topographischen Fälschungen schon vor zehn Jahren ihm zum Vorwurf erhoben wurde. Wie wären dieser und ein paar zusätzlich ausgeliehene Texte heute zu lesen, ausserhalb des eng gesetzten Rahmens einer Lektüre mit Gehalten ausgerichtet nur aufs Wallis? – Ramuz war aufgewachsen in Lausanne und hat auch später wieder, nach Jahren in Paris, immer in dessen Nähe gelebt, an Orten mit Namen fast wie in der Französischstunde unter der Spitzmundmaîtresse: 1914-1916 in Cully, bis 1928 in Ouchy, schliesslich in Pully près Lutry. Das Wallis hat er 1907 kurz in Chandolin beim Maler Edmond Bille kennengelernt (dessen Sohn den Walliser Dichter der nächsten Generation, Maurice Chappaz, daselbst begrüsste) und ab 1906 viele Male in Lens, öfters beim Maler Albert Muret).

„Das Dorf in den Bergen“ war aus einem Verlagsprojekt entstanden, das die Zusammenarbeit des Dichters mit dem Maler und Zeichner vorsah, um eine Landschaft in Poesie mit einem Fundament im realistischen Bild zu gestalten (nicht ein einziges Exemplar der Originalausgabe mit den Bildern Billes ist in der Landeshauptstadt ausleihbar, und die Illustrationen in späteren Ausgaben sind ohne Frage grauenhaft). Da keine Ortsnamen gegeben werden, ist es eine wesentliche Herausforderung, die Landschafts- und Wegbeschreibung selbst nachzuzeichnen. Das funktioniert auch meistens, von Muraz über Sierre, Chippis und Chandolin bis zum Illhorn nördlich und dem Schwarzsee südöstlich. Stimmen die Zeitangaben aber nicht (vom See zum Dorf ist es die Hälfte der Ramuzschen Zeit), schwimmt die ganze Landschaft im Trüben herum, zumal man nicht versteht, wieso die anderen Dörfer des Val d’Anniviers, die doch immer fürs Leben im einzelnen Ort auch massgebend waren, nirgends ins Spiel gebracht werden, das träg auf den wenigen Seiten einer Kurzgeschichte den Ablauf in den vier Jahreszeiten zum Thema hat.

„Die Herrschaft des Bösen“ (1914/1917) enthält keine Handlungen, die eine Referenz in der Landschaft erforderten. Ein Dorf irgendwo, ein Tal irgendwo, und nichts verführte einen dazu, sich eines aus dem Wallis oder aus der Waadt vorzustellen. Knapp vor der Bekanntschaft mit Strawinsky geschrieben und fertiggestellt während der gewachsenen Freundschaft, enthält die Geschichte, die weder als Allegorie noch als Moralkritik ernsthaft zu bezeichnen wäre, Bezüge zu dem russischen Märchen, das zum Anlass auf der Seite Strawinskys für die Histoire du Soldat geworden war, die sowohl im Text von Ramuz wie in der Komposition 1918 fertig wurde.

Wieder ist es indes die Landschaftsbeschreibung, die einem die Lektüre des Buches „Die grosse Angst in den Bergen“ (1926) schwer macht. Nur ein einziger Geländename kommt zum Zuge, Sasseneire, und zwar als Alp, nicht als Berg, wie er im Wallis, eher ungewöhnlich, allein mit seinem Eigennamen dasteht. Keine Vorstellung, und sei sie noch so abgedreht oder gegengewendet, kann dem Dichter folgen; weder irgendein Platz im Val d’Hérens, von dem aus man den Sasseneire sehen würde noch im Val d’Anniviers oder Moiry hält dem Gemurkse mehr als ein paar Seiten der Geschichte stand. Je ernsthafter man dem Dichter folgt, desto übler dreht sich die Welt im Magen.

Im „Farinet oder das falsche Geld“ (1932) scheint Ramuz die Sicherung durchgebrannt, als ob er die Form der Darstellung tel quel aus dem Wesen dessen, den sie doch nur beschreiben soll, übernehmen zu müssen meinte, Falschgeld und Finte den herrschenden Zwängen. Farinet war Italiener, nicht Schweizer, produzierte sein Falschgeld im hintersten Winkel von Martigny-Bourg, wo man heute den uralten Dächern entlangfährt wie eine Katze auf ihnen umherstreift, nicht in Saillon, und dies in 20 Rappen Stücklein, nicht in massiven goldhaltigen 20 Frankenstücken. Ramuz‘ Farinet ist kein Werk ernsthafter Dichtung, sondern durch ungehemmtes Lügen blöder Kitsch. Was fehlt, ist die innere Notwendigkeit der Poesie unabhängig der empirischen Einzelheiten, auf welche gehetzte Weise der arme und armselige Mensch Farinet in welchen brutalen ökonomischen Nöten handelte und in welchen grobschlächtigen Walliser Verhältnissen er scheiterte – den Menschen ein Held nur aus ihrer eigenen Solidarität, nicht wie Ramuz daherschreibt aus einer vermeintlich romantischen Grösse. (Willi Wottreng beschreibt das alles ausführlich 1995.)

„Derborence“ (1934) respektiert die Namen im Gelände mit Ausnahme der zwei Ortschaften, in denen die Protagonisten gewöhnlicherweise leben: Aven und Erde/Premploz am Eingang zur Schlucht nach der Alp Derborence, wo ein Bergsturz Mitte September 1714 und einer noch einmal Ende Juni 1749 von den Diablerets herunter tatsächlich passierten, werden durch Aïre (in Wahrheit eine Alp darüber gelegen) und Premier (Phantasiename) ersetzt. Ramuz hält sich an das, was man von der Naturkatastrophe weiss, und seinem phantasierten Geschehnis folgt man nicht ohne Unwillen, zumal die ganze Schreibweise in den kleinen Formen gewiefter erscheint als in den früheren Werken. (Die Zeitangabe von Tsamperon nach Derborence ist an des Teufels Haaren herbeigerissen, lässt sich aber überlesen.) Weil man es wie beim Farinet gewagt hat, diese Geschichte zu verfilmen, kann man sich ein Bild von der vielgerühmten, mit der Moderne ineins gesetzten Ramuzschen Romanform machen, die ganz der Schnitttechnik mit vereinzelten Momentaufnahmen nebeneinander montiert vertraut, zusammengehalten in beliebigen Vor- und Rückblenden. Die Erinnerung kennt den Film nur noch als einzige Lächerlichkeit, weil eben nur die Bilder übrigbleiben und nichts von einem inneren Zusammenhang, der den Anfang im Schluss zu rechtfertigen vermöchte. Weder im Buch noch im Film wird einem etwas auf den Weg mitgegeben, das darüber nachdenken liesse, warum dieses Gebilde geschaffen wurde. Ist das der kritisch-vernünftige Grund, weshalb Gymnasiastinnen vom Waadtland über den Pas de Cheville durch die Gegend ins Wallis latschen und ihr Leben lang behaupten werden, nie etwas von dem waadtländisch-walliserischen Dichter gehört zu haben, der diese Einöde, so wie sie den schlappen Kindern erscheinen mag, zu neuem Leben erweckte?

Ramuz hat deutlich gemacht, dass ihm von seinen eigenen Werken der „Besuch des Dichters“ (1923) am besten gelungen schien. In der Tat funkte es unverhofft, als ich ahnungslos durch Epesses wanderte, zum ersten Mal. Die Erfahrung der Landschaft ruft den ganzen Text im Gedächtnis ab, das ihn nichtsdestotrotz als bieder und langweilig abgespeichert hatte. Ramuz war wohl deswegen glücklich über ihn, weil er für ein schlechtes Gewissen keinen Anlass bot – die Örtlichkeiten, etwas gar fad so ganz ohne Bäume und das Ganze doch tief in der Senke, sind nicht erschwindelt; die fünf oder sechs Schattenspender des Korbmachers dicht am Eingang des Dorfes genügen, einen weiten Text lang die künstlerische Wahrheit am Leben zu halten. Für uns geht sie aber entschieden zu wenig weit.

Es ist immer dasselbe mit der kleinen Kunst: Nonchalance gegenüber der Aufklärung oder dem Politischen, gegenüber dem Material (Ramuz ignorierte Joyce), gegenüber den gesellschaftlichen Momenten. Man fühlt sich gegenüber der Tatsache unwohl, dass auch ein autoritär Konservativer die Gehalte dieser Kunst vertreten könnte und sie in denselben Formen wiedergeben würde, weil sie sich gegenüber den entscheidenden Fragen indifferent verhalten. Man muss es sagen, dass die spontansoziologischen Hypothesen in den drei Essays „Menschenmass“ (1933), „Fragen“ (1935) und „Bedürfnis nach Grösse“ (1937) ein Zeugnis äusserster Hilflosigkeit abgeben. Eine Affinität zum Faschismus wie zeitweilig bei Strawinsky vis-à-vis der italienischen Variante scheint zwar an keiner Stelle auf, aber der stierköpfige Verzicht irgendeiner Bezugnahme auf objektive theoretische Gehalte in engstirnigem Drauflosdenken verwischt alle Notwendigkeit, wenigstens diesem gesellschaftlichen Gebilde gegenüber eindeutig die Haltung des Widerstandes einzunehmen. Weder in den literarischen noch in den genannten pseudo-diskursiven Texten entstehen Zusammenhänge, in denen einzelne Momente so etwas wie Erkenntnis zutagefördern könnten. Es ist schon recht, wenn der sterbende Mensch sagt, es ist alles gut; dem Lebenden indes wird der Satz schnell zum Ferment hässlicher Bigotterie.

Ich will nicht so weit gehen und behaupten, es gäbe einen Text von Ramuz, den man mit Fug zur Lektüre empfehlen könnte. So unsensibel der Titel erscheint, ist trotz allem Negativen „Die Trennung der Rassen“ (1922) diejenige Geschichte, die ich am ehesten goutierte. In Lens ausgeheckt und geschrieben, respektiert sie die topographischen Gegebenheiten auf beiden Seiten des Rawil, mit Ausnahme des Dorfes selbst, von dem sich nicht sagen lässt, ob es sich um ein Quartier in Ayent (Arbaz, St-Romain etc.) handelt oder um Icogne oder eben, naheliegender, Lens. Die Geschichte über den Raub eines heiratslustigen Mädchens aus der Lenk (nach Lens… – aber Ramuz spielt nicht mit solchen Gegebenheiten im Kunstmaterial) folgt solcherart einer raffinierten Spannung, dass es einem Lust macht, ihren Inhalt mit dem guten Zweck zu unterdrücken, einen Anreiz zur Lektüre nicht unnötigerweise vorzeitig abzustumpfen zu lassen. Diesen Sommer spielt der Dinotroupeau von Emosson das Prosawerk als Theaterstück in Finhaut – wie da der Gehalt, der doch so stark vom Sprach- und Konfessionswechsel abhängt, zur Geltung kommen soll, ist mir ein Rätsel; wenn es eine Mittagsvorstellung geben wird, werde ich es mir lösen lassen. (Es existiert in Finhaut eine Schmuggelgeschichte in der Gegend vom Pic de Tenneverge, die sich vielleicht ins Stück einschmelzen lässt, aber ich kenne sie nicht, weil ich dem Französisch des plappernden Postautochauffeurs einstens nicht gewachsen war.)

Einige dutzende Male während Jahren durch Lens gegangen, in blinder Ahnungslosigkeit – mit Blindheit geschlagen, weil an einem Ort, wo mit gefürchteter Regelmässigkeit danach gefragt wurde, wie ich denn die geschenkten französischen Bücher und Broschüren finden tät. Schnell nachgeschaut in einem, „Derborence“, und ein altes Dokument gefunden:


Le Manoir de Lens, hier vom Kulturingenieur besucht –
die Autoren der Histoire du Soldat
soffen in einer bescheideneren Hütte.
(P) 1974 H.H.-W.

Nicht nur hat Ramuz hier oft geschrieben, sondern auch den langen Ausflug zu Fuss mit dem Bergignoranten Strawinsky von Villeneuve durchs ganze Wallis hier oben beendet, darüber greinend, dass der Gastwirt Muret in frühester Morgenstunde am Ende des Gelages teuren Cognac auftischte statt des einheimischen echten Marcs – vielleicht keine überflüssige Illustration von des Dichters missverständlichem Drang nach Wahrhaftigkeit.

Dann also das Museum mit Materialien zu Ramuz und Strawinsky so lange verspätet besuchen gehen? „Ouverture: En période de haute saison, été et hiver les dimanches de 16h00 à 18h00“ – das gleicht eher einer Wegweisung als einer Einladung. Keine Ahnung, ob es anderes zu sehen gäbe als die bekannten Fotos von den Leuten, von den Zeichnungen, von den Bildern.

Auch wenn der Vergleich des Librettisten der Histoire du Soldat mit ihrem Komponisten vermessen scheint, gibt es eine beachtenswerte Gemeinsamkeit, die gleichzeitige Negation von Subjektivität und Wahrhaftigkeit (der antimoderne Mangel an Aufrichtigkeit allein ist kein Merkmal Strawinskys). Obwohl Ramuz in den oben erwähnten Essays versichert, Ziel der modernen Poesie sei es, dass der Schöpfer nie seine Wahrhaftigkeit verliere, kann die bloss versicherte Wahrhaftigkeit aus den künstlerischen Texten selbst nicht herausgelesen werden, weil die falsche Bescheidenheit des Autors, seine von Adorno 1923 so genannte unnaive Naivität zusammen mit den Falschangaben in der Landschaft das Ganze zwar zeitlos erscheinen lassen, aber auf eine Weise, als wäre es nie an einem Ort und aus einer historischen Zeit entsprungen; so bleibt es munter abstrakte unverbindliche Kinderphantasie, in der von einer ernsthaften und gelebten Subjektivität nicht die Rede sein kann. Die Sachlichkeit verpasst das Objektive, wenn sie die Dinge nur als einzelne benennt und sich um den Zusammenhang unnaiv und faul foutiert. Man sieht bei beiden gleich, wie es kommt, wenn die Wahrheit nicht gesellschaftlich begriffen wird: Ramuz‘ Texte wirken blöd und abstrakt, Strawinsky ist nur solange gut, wie man das Künstlerische in einem Werbespot zur Kenntnis nimmt; die Spannweite zwischen Cabaret- und Designermusik ist zu gering, als dass sich ein umfassendes Interesse breitmachen könnte. Eine längerdauernde Wirkung, die einen ins Nachdenken über die Werke verführte, stellt sich nicht ein – mit Ausnahme des Sacre und des Feuervogels, die einen das ganze Leben begleiten (und sei es auch nur als Diebesgut in den Werken von Varèse, mit Petruschka, der Nachtigall und dem Scherzo fantastique op 3). Die Ablehnung von Musiktheorie, Musikphilosophie und Theorie überhaupt ist Zeichen einer Haltung, die Musik weniger als Kunst denn als Unterhaltung versteht. Wer gar nur die späteren Werke Strawinskys studiert, landet schnell im seichten Gewässer John Adams‘, von dem jede Note ihre Abhängigkeit von der Psalmensymphonie zu feiern scheint. Im gehässigen Wort der Designermusik steckt allerdings auch etwas Geniales von Strawinsky, denn keiner macht die Klangprozesse so offen und weit, dass nirgendwo ein Mischklang trübte; alles bleibt in klaren Schichten und zerbröselt kaum einmal zu einem indifferenten Gemenge, wie beispielsweise alle Musik Prokoviefs sich dahinwälzt. Einiges am klaren Strukturgeschehen wäre auf Strawinskys neurotische Abwehr punktierter Rhythmen zurückzuführen, einiges auf die Abwehr der dialektischen Motiv- und Themenverarbeitung zugunsten repetitiver oder repetierter Blöcke; anderes ist noch heute so frisch, dass es nach wie vor zur affirmativen Auseinandersetzung Anlass bietet.

Vielleicht muss man spekulieren: Joyce hatte den „Ulysses“ und den „Finnegans Wake“ in Paris, Triest und Zürich geschrieben, nicht in Dublin, und Strawinsky den Sacre, das Frühlingsfest der russischen Bauern, wo ein auserwähltes Mädchen einen Opfertanz zur Darbietung bringt, in Clarens bei Montreux. Das Drinstecken in der Landschaft, die Ramuz zum poetischen Werk gestalten wollte, hat ihn wie zupackende Langeweile ins Stolpern gebracht. Den Missverhältnissen der Distanzen korrespondieren die Missverhältnisse in den begrifflichen Distanzierungen; es will nichts stimmig erscheinen und eine Erkenntnis will nirgendwo entspringen.

Immerhin verführte die neue Ramuz-Lektüre zur spannendsten seit langem auf allen Gebieten, zu der von Robert Craft, „Strawinsky – Chronik einer Freundschaft“, Zürich 2000. Gegenläufig zur Intention bestätigt Crafts Meisterwerk jeden Satz Adornos (der ungleich der Leerstelle im Personenverzeichnis erwähnt wird, Seite 471 durch die spöttische Brille Isaiah Berlins) – es ist aber so gut, dass man Strawinsky allen musikalischen Unsinn verzeihen (das tut man sowieso, weil auch in noch so schlechten Partien das Genialische herüberwinkt) und Adornos Finten gegen die von ihm neurotisch halluzinierten angeblich von Strawinsky (und Boulanger) beherrschten Verhältnisse auf demselben Niveau gesehen haben will; ohne weitere Düsternis bleiben sie nichtsdestotrotz wahr, weil ihr Antrieb aus der Musik selbst kommt, nicht aus der Parteinahme, deren Intensität von Anfang an und auf allen Seiten so viel Missmut erzeugte. Kann der Bergmensch Adorno einen Komponisten pausenlos ernst nehmen, der fast 10 Jahre seines Lebens in der Nähe von Bergen verbringt und schliesslich, 1952 nach einem Sturm in einer amerikanischen Berglandschaft, behütet vom Auto, sie nur beschimpft: „Ich verachte Berge; sie zeigen mir nichts.“ Nein, aber man kann den Hintergrund wenigstens berücksichtigen, die Tatsache, dass Strawinsky in die Schweiz gezogen war und nah den Bergen hat wohnen wollen wegen der Tuberkuloseerkrankung seiner Frau und der ältesten Tochter – deswegen die Aufenthalte 1913 in Leysin und 1914 in Salvan.

Weil die Kunst der Musik eindeutig und klar ist, gerät alle Kritik an ihr einfach. Die musikalischen Einzelwerke stehen immer schon in einem Zusammenhang mit allen anderen, deren geschichtliche Abfolge bekannt ist; ihre Konstruktion korrespondiert mit Standards der Technik wie die Ästhetik gesellschaftlichen Verbindlichkeiten sich nie zu entschlagen vermag, expliziere sie die eigene oder nicht. Wer im Medium der Musik nicht Kunst schaffen will, wird schnell genötigt, das offen zuzugeben; es wird immer nur sehr wenige in ihr gegeben haben. In der Poesie liegen die Verhältnisse anders. Man muss immer wieder aufs neue und auf mühevolle Weise sagen, dass ein vergangener Dichter nichts von denjenigen Elementen enthält, an denen sich Dichter und Dichterinnen von heute orientieren könnten. Ramuz lesen ja klar, weil jedes Land etwas mehr Recht in Anspruch nehmen darf als die anderen, die eigene Kunst ins rechte Licht zu rücken; vom Gesehenen wird niemand, sofern die Poesie Zukunft haben soll, für die eigene Dichtung selbst ideale Stücke weiterverfolgen wollen. Nein, auch eine extensive Lektüre des Dichters Ramuz, die den zeitweiligen Collaborateur Strawinsky kein kleines Stück weit mit berücksichtigt – und damit den erweiterten gesellschaftlichen Zusammenhang – vermag am Eindruck nichts zu ändern, der früher schon in kürzeren Lesestücken sich verfestigt hatte.

Ein prägnantes Bild von Ramuz zeichnet die Rezension der Tagebücher von Felix Philip Ingold in der NZZ: http://www.nzz.ch/2006/06/10/li/articleDJXM1.html. Dieser Text ist nicht zuletzt deswegen von Bedeutung, weil Ingolds eigenes Werk, das poetische, künstlerische, theoretische, pädagogische und das der Übersetzungen im Dienste der Moderne steht, und zwar in einem sehr grossen Licht. Man tut viel für Ramuz – er tat nur weniges für uns.

Opfer – Glauben – Aufklärung

17. März 2007 um 6:27 Uhr von ur

Vor aller sprachlichen ist die Handlung des Selbstopfers und des Opfers eines besonders geliebten Gegenstandes oder Wesens dem Menschen wesentlich, und sie, die auch vielen Tieren nicht fremd ist, bildet die Bedingung des Glaubens, der die blinde Naturgewalt besänftigen soll. Da in ihm die Lüge sich nicht erkennen lässt, hat er Gültigkeit nur an seinen äussersten Rändern, an dem der diskursiven Vernunft und an dem der zweckfreien Gebilde und zweckfreien Handlungen, an dem der Kunst und der Sexualität. Der späte Strawinsky war mürrisch über die Art des Erfolgs des Sacre du Printemps, weil der Spektakel des Mädchenopfers die Freude am Mädchen, das eben gar nie wirklich getötet werden sollte, überstrahlte. Dieses Mürrische ist vielleicht das einzig Wahre an ihm. Die Musik nach dem Sacre wurde so schlecht wie sein Glaube. Er hätte die Empfindungen im Opfer und angesichts des Opfers musikalisch weiter bedenken sollen, dann wäre sein falscher Ruhm nicht nötig gewesen. Denn man kann den Sacre rühmen und gerade das Spektakuläre in ihm, das wie der Name des Mädchens nicht alt wird.

Zahnpasta

8. März 2007 um 17:27 Uhr von ur

Dass einer meint, ich möchte ins Werbebusiness für Zahnpaste einsteigen, ist an den Haaren meiner Zähne herbeigerissen. Dass man meint, ich möchte als Sponsor einer Zahnpastenreklame in Erscheinung treten, ist nur noch dumm & dreist.

Test Olympus Sp-550

7. März 2007 um 12:00 Uhr von ur

Olympus Sp-550 (neu) vs. Dimage A2 (alt)

Testbilder (1)   Testbilder (2)   Testbilder (3)
Die Bilder wurden wie üblich bearbeitet, also verkleinert, ausgeschnitten, in den Tonwerten angepasst und geschärft.

Strom: 4 AA Akku-Batterien, viel zu schwer für eine moderne Kamera, ein Ladegerät muss zusätzlich gekauft werden.
Speicher: nur Olympus xD-Card, sehr langsam sowohl in der Kamera wie im Cardreader, zudem störanfällig.
Sonnenblende: keine.
Tragtasche/Hülle: keine, aber die alte der Dimage ist guter Ersatz.
Gewinde für Schutzlinse: keines. Der Linsendurchmesser ist äusserst klein, über fünfmal kleiner als KB; 4.7mm bis 84.2mm decken einen KB-Brennweitenbereich von 28mm bis 500mm ab.
Farbraum: nur sRGB, kein AdobeRGB.

Die Bildqualität ist gegenüber der A2 besser, indem die Sp-550 weniger rauscht, und schlechter, weil die Linsen stärker verzeichnen. Mit autostitch werden die Weitwinkel-Panoramen ganz gut (die Panoramafunktion der Kamera selbst ist Unsinn), nur im Einzelbild, besonders mit Häuser im Vordergrund, sind die kurvig abgebildeten Senkrechten himmelschreiend.

Das grosse Zoom zeigt einen CA-Fehler, Farbsäume auf Kanten, Abdunkelungen und Unschärfen von den Ecken weit ins Bild hineinen (Vignettierung) – auch starke Abblendungen produzieren diese Fehler. Weniger stark gezoomt werden die Bilder allerdings schnell besser. Das grosse Zoom ist für Tiere in der Distanz bis 200 Meter sehr gut, für Landschaftsbilder nur, wenn leicht reduziert.

Das grosse Übel der Olympus Sp-550 ist der Fokus, in allen Belangen – bedienungsmässig, technisch und softwaremässig. Man glaubt es einfach nicht. Wegen der Kleinheit der Linsen ist die Schärfentiefe, also der Distanzbereich, innerhalb dessen scharf gestellt werden kann, vergleichsweise äusserst gering, im Makrobereich, innerhalb von 100 Metern, bei offener Blende oder stark abgeblendet (max. 8f). Bei nahen Objekten ist das eine Frage der Anpassung, die nicht weiter stört. Dass der Fokus aber ohne Ausnahme in allen Fotosituationen nur zögerlich arbeitet, nervt schon mehr – er braucht unbedingt eine Senkrechte, nach der er sich richten kann (bei waagrechten oder diagonalen Kontrastlinien muss der Apparat zur Fokussierung gedreht werden). Vollends versagt er bei Berglandschaften, wenn sie im Dunstlicht nur schwache Konturen aufweisen. Obwohl auch die Dimage A2 in solchen Fällen nicht fokussieren konnte, war das dort kein Problem, weil beim Fotografieren mit Autofokus der sogenannte direkte manuelle Fokus durch eine winzige Drehung am Schärfering sofort zeigte, wann der Apparat auf unendlich eingestellt hat. Nicht so bei der Olympus Sp-550. Die Fokusanzeige blinkt, und das Bild wird radikal unscharf – als ob es eine Unmöglichkeitkeit wäre, das Programm so zu schreiben, dass im Zweifelsfalle auf unendlich eingestellt würde. Was tun? Den manuellen Fokus benutzen – aber da schwinden einem die Sinne, und man sieht nur Hokus Pokus. Der Sucher ist so schlecht und die Lupe so klein, dass es nie einen Fall in der Landschaft gibt, wo man mittels manuellem Fokus scharf stellen könnte. Man drückt auf ein Knöpfchen (mechanische Teile zur Justierung irgendeines Wertes gibt es keine) und sieht neben dem Lupenbereich links im Sucher eine feste Skala, zuoberst das Zeichen für unendlich. Also wäre ganz oben die Schärfeneinstellung für unendlich? Nein, ein gewisser Bereich ist für einen Konverter vorgesehen (wo man den montieren könnte bleibt schleierhaft). Also etwas darunter? Ja schon, aber wieviel? Da die Schärfentiefe so winzig ist, gibt es nur eine einzige Position, auf der im grossen Telebereich in mehr als fünfhundert Meter Entfernung scharf gestellt werden kann, aber es gibt keine Marke auf der Skala und kein sonstiges digitales Zeichen, das sie auffinden liesse. Wie gesagt ist es im Feld mit dem grellen Umgebungslicht unmöglich, manuell scharf zu stellen. Lässt sich das vorher zuhause voreinstellen? Ja! Und ist diese Methode zuverlässig? Nein, und die schlechte Verlässlichkeit bezüglich dieses letzten Rettungsankers ist nun wirklich das Hinterletzte dieses Apparates. Er bietet viermal die Möglichkeit, alle Einstellungen als eine eigene besondere Voreinstellung zu speichern und dann relativ schnell mit dem Drehrad aufzurufen (nur relativ schnell, weil die vier Varianten wieder im Menue abgerufen werden müssen). Zu diesen Voreinstellungen gehört auch die manuelle Schärfe, die man mittels Stativ an einem günstigen Ort wie gewünscht erreichen kann (ich habe eine Waldgruppe ohne Äste in der Distanz von 900 Metern, wo sich das Zoom leicht scharf stellen lässt). Hat man einmal eine solche persönliche Voreinstellung gespeichert, kann man im Feld noch so viel an den Parametern verstellen, bei einem Neustart gehen alle wieder in die Position, in der man sie vorher festgelegt hat. In dieser mehrmals getesteten Annahme machte ich gestern am Genfersee die Testbilder (3), mit einer Voreinstellung für die Panoramen mit Weitwinkel und einer fürs grosse Zoom. Die manuelle Scharfstellung im Weitwinkelbereich geht problemlos, und die Panorama-Aufnahmen waren bezüglich Schärfe alle gut. Auch die Zoom-Aufnahmen waren scharf – bis fast zum Schluss. Ohne dass man auf der Skala eine Veränderung der Position feststellen könnte, muss sie sich verschoben haben. Nicht etwa durch Zurückfahren des Zooms, weil ich diese Parameterveränderung schon ganz am Anfang der Wanderung vorgenommen hatte und viele Bilder nach dieser Brennweitenveränderung trotzdem noch scharf waren. Wieso hat sich dann aber die Schärfenposition geringfügig verändern können (so gering, dass man sie im Menue nicht sieht, so massiv, dass alle Bilder danach unscharf wurden), wenn sich doch bei diesen vier persönlichen Kameravoreinstellungen nichts verändern sollte, solange die ganze Voreinstellung nicht durch einen bestimmten eingeschränkten Vorgang neu gespeichert worden ist? Keine Ahnung, aber dieser Fehler ist nun wirklich unverzeihlich und macht die Kamera zu einem Spielzeug, bei dem es immer schon Wurst ist, ob es funktioniert oder nicht.

Die Lösung wäre einfach und ausschliesslich auf der Ebene der Firmware anzupeilen: der Modus der Konverterschärfe muss ausgeschieden und stattdessen der Endwert in der Skala des manuellen Fokus auf unendlich gesetzt werden – für die grösste Brennweite, und damit für die kleineren ebenso. Wenn dann noch der automatische Fokus und das Datenspeichern, wegen dessen Langsamkeit in allen Fällen im Serienbildmodus fotografiert werden muss, etwas schneller gemacht würden, wäre an der Olympus Sp-550 nichts mehr auszusetzen.

500 Krimis

20. Februar 2007 um 13:39 Uhr von ur


Soeben hat der YouTubeler Vladi Raz das fünfhundertste Video veröffentlicht. Man verneigt sich schon wieder und gratuliert immerzu!

Mystik

19. Februar 2007 um 5:16 Uhr von ur

Der Befreite in einer befreiten Gesellschaft hätte als Klause einen Duschraum mit fünf jungen Frauen, in deren engen Mitte die Katastrophe der wirklichen Natur ausgeschlossen würde. So viele musikalische Zeitmodi und Rhythmen das prasselnde und abspritzende Wasser auf dem eigenen und dem Körper der Mädchen erfahren lässt, so viele Wirklichkeiten drücken sich in den Mädchengesichtern aus, wenn sie unter dem unregelmässigen Fliesswasser durch Nase und Mund nach Luft schnappen und die Augen vom Wimpernwasser freimachen müssen. Das absolute Glück ist noch zu wenig: endlich würden, auf den Mädchengesichtern, die unendlich vielen Gestalten der Universen dem vernünftigen aber weiterhin sprachlosen Menschen erkennbar werden.

Aldo Bachmayer

28. Januar 2007 um 9:03 Uhr von ur

Aldo Bachmayer entdeckt, Schweizer Kunstmaler 1947-2004. Viele bis vielleicht fast alle Werke, die zur Hauptsache sich an Ulysses und Finnegans Wake orientieren, sind auf einer Website zu betrachten, von der nicht klar ist, wer sie betreibt (whois zeigt immer noch seinen eigenen Namen). Obwohl kaum häufig besucht, macht sie einen heruntergekommenen Eindruck, weil sie an eine zwischenzeitlich veraltete Datentransferrate ausgerichtet worden war. Das Design ist eng, mit einem nervtötenden zwinkernden Schacht, in den alle Bilder, nur als vereinzelte abrufbar statt in Serien, sich hindurchzwängen müssen. Wegen ihres eingeschränkten Formats stellt sich schnell die Frage nach dem Verhältnis von Bild und Abbild ein, die um so wichtiger ist, als viele späte Werke den Computer als Medium nutzen: was vom Gesehenen gibt wegen der technischen Einschränkungen nur einen ungefähren Eindruck des einzelnen Werkes, was ist erlebbarer Bestandteil eines solchen und was ist vielleicht ein solches selbst? Wird die Site von den Frames befreit und werden die Fotos grösser und weniger stark komprimiert veröffentlicht, lässt sich einmal ein spannendes Werk studieren, das zu Unrecht noch keine ausführliche Kritik erfahren hat.

Beatles mein Soultrack?

25. Januar 2007 um 6:21 Uhr von ur

Erster Teil des Traumes vergessen, irgendwo in der Schweiz, ohne zu fotografieren. Dann mittags im Zug nach Hause, merke, dass es noch Zeit gäbe, irgendwohin zu fahren und ein bisschen zu fotografieren. Obwohl die letzte Station des Zuges Interlaken oder Brienz war, steige ich in Sion aus, gehe schnell eine lange Rolltreppe hinunter (früher wäre eine solche Passage der Start hinein in einen Alptraum gewesen), spurte um die Ecke, suche nach dem Ausgang und gelange in eine gedeckte Postautohalle wie in Sass Fee. Ich gehe die Destinationsschilder ab, sie sind alle etwas konfus und die Fahrpläne nur schwierig zu entziffern. Ich kann mich für keinen Ort erwärmen, sehe dann aber eine Tafel mit Chandolin, wohin ich doch seit Dezember gehen will, nämlich Chandolin près Savièse, aber dieses hier wäre auf der gegenüberliegende Talseite gelegen, allerdings nicht im Val d’Anniviers, sondern mit der Endstation Rosalowi (oder sogar Grindelwald). Ich entscheide, dass es zu spät sei für eine Fahrt dorthin, 14.00 Uhr, und ein Postauto steht sowieso noch gar nicht auf dem Platz. Aufwachen mit Nowhereman im Kopf – habe die Beatles aber schon lange nicht mehr gehört, Nowhereman erst recht schon eine Ewigkeit nicht mehr (man wird indes täglich mit irgendeiner Beatles-nahen Notiz bombardiert, zuletzt war es eine Meldung über den 50-jährigen türkischen oder kurdischen Chauffeur der 70- bis 75-jährigen Yoko Ono, der dieselbe wegen sexueller Nötigung öffentlich bestechen oder anzeigen will).

Drei Täler im Nebelmeer

21. Januar 2007 um 18:46 Uhr von ur


(Klick aufs Bild machts grösser.)

Die Walliser Webcam-Bilder sind schon so interessant, dass man gar nicht mehr ins Klagen kommt, wenn man selbst nicht losziehen kann. Obwohl die Installationen in Verbier alles andere als einen zivilisierten Eindruck hinterlassen, ist die Webcam auf dem Mont Gelé immer wieder ein Besuch wert. Heute zeigt sie gleich drei Täler im Nebelmeer: Val des Bagnes, Val d’Entremont, Val Ferret.

Bergschuhe anziehen

21. Januar 2007 um 6:52 Uhr von ur

Äusserst langer Traum. Ich soll oder darf N. begleiten, weil sie alleine ist. Es würden Turnschuhe genügen, weil das Wetter gut sei. Als ich beim Versammlungsort, weit unten, eintreffe, beginnt Schneeregen, und es wird klar, dass Bergschuhe nötig sind. Also zurück nachhause, möglichst schnell! Ich renne, es geht steil bergauf, nicht auf den Strassen, sondern auf Nebenwegen, auch plötzlich auf gefährlich steilen Kanten von Baggerseen (wie im Dezember bei Bex, nur extremer), alles ist im hellen Sonnenschein, dann durch eine Kette von Häuser, wo immer wieder neu wie ein Wunder Hauseingänge auf der einen und auf der anderen Seite sich öffnen lassen, durch alle möglichen Arten von Treppenhäuser, Wohnungen und Geschäfte, dann endlich zu Hause. Schnell die Schuhe gewechselt (überhaupt nicht meine Wohnung oder eine, in der ich mal gewohnt hätte), nun nicht wieder durch alle fremden Häuser und Wohnungen zurück, nein ein kleiner Bus steht da, der jagt gleich los, muss aber in sehr viele Nebenquartiere Haltestellen bedienen gehen, so dass die Fahrt kein Ende nehmen will, der Chauffeur schwitzt und gibt sich alle Mühe, trotzdem nimmt die Fahrt kein Ende, und ständig kommen wir ganz in die Nähe, wo es ein leichtes gewesen wäre, zu Fuss das Quartier zum nahen Ziel runterzulaufen, nein, es wird immer weiter Bus gefahren. Endlich bremst der Chauffeur doch noch und öffnet alle Türen: hier sind wir! Die Fahrt hat eine Stunde gedauert, und wir sind erst in der Mitte des Wohnquertiers! Mit den Bergschuhen rase ich die aufgeweichten Pfade runter, bis ich auf N. treffe, die eineinhalb Stunden gewartet hat.

Ritterrüstung in der Moderne

17. Januar 2007 um 19:05 Uhr von ur

200 Paar grüne Ohrenpfropfen erhalten, die ersten, die wirksam dämpfen (32db) und am wenigsten schmerzen:
Max Lite, geliefert von audioprotect.ch
Soll niemand sagen, ich würde es nicht versucht haben, mich ritterlich gegen die zu benehmen, die die Zwänge der Kulturindustrie schamlos zu ihren „Gunsten“ nutzen.