Berg, Wozzeck

24. März 2013 um 21:41 Uhr von ur

Soeben direkt live auf Ö1 Alban Berg, Wozzeck (UA 1925), aus der Wiener Staatsoper, Chor und Orchester der Wiener Staatsoper, Dirigent Franz Welser-Möst.

Eine Oper von heute, jedenfalls wenn interpretiert wie hier, von heute, ohne Zurückhaltung das Schöne im Falschen herausgekehrt.

Zappa: One Size Fits All

22. März 2013 um 21:03 Uhr von ur

Soeben gehört von CD, zum 497sten mal im Leben so kurz wie die Bikinihöschen in Spring Breakers: Frank Zappa and The Mothers of Invention, One Size Fits All, 1975. Von der ersten Sekunde bis zur letzten ohne Fehl & Tadel, Bestes was man hören kann & soll. Aber es ist Musik, mit der ich aufgewachsen war, jetzt will ich Musik zum Weiterleben.

Was ist nur los mit den Radiostationen, die auf Kabel zu empfangen sind, eine ist schlechter als die andere, zu vergessen gänzlich DRS2, pardon: SRF2 KULTURKULTURKULTURetcpp („merde: ihr macht denselben Kulturindustriedunst wie alle anderen Billigsender!“), aber auch die Franzosen mit France Musique und die Deutschen mit SWR2 und B4 wie die Westschweizer mit Espace2 und Ostösterreichen mit Ö1 sind 2013 gleich schlecht gestartet wie sie 2012 mies waren. Kapiert es endlich: Euer Publikum ist anspruchsvoll und ist es mit Stolz. Wir wollen keine KULTUR, nur gute Musik, immer – und jeden Abend… Die Komponistinnen und Komponisten danken es Euch gleichwie die MusikerInnen, OrganisatorInnen und ZuhörerInnen: Euer ganzes Publikum. Wir sind besser als Ihr.

Zusatz: Auf die Schelte hin Zoot Allures gehört: Zappa hat Spring Breakers schon 1976 komponiert.

Ursprung der Gletschersoziologie

19. März 2013 um 17:01 Uhr von ur

Heute von Ursi bekommen, aus einem fernen Archiv, ein vergessenes Bild über die ersten Tastversuche in der Gletschersoziologie, eindeutig zu situieren im wilden Turtmanntal (~1875 (? (: Höhe, klar! (Antoinette tät’s verstehen)))). Die speziellen Themen damals, ~1975? Viel Logik und Sprachphilosophie (Hegel und Frege und Quine) und viel Walter Benjamin.


Hinten Prag und Leiggern unter der Roten Chumme, im scharfen Bereich schon die Ergischer Obermatte.

Zappa, verfeuert

18. März 2013 um 21:17 Uhr von ur

Soeben live auf France Musique ODEON, Scène Jean-Roger Caussimon : The Frank Zappa Project, concert donné le 19 octobre 2012, Odéon Scène Jean-Roger Caussimon à Tremblay-en-France. – Le Cabaret Contemporain: Giani Caserotto, Guitare électrique, Augustin Viard, Ondes Martenot, Paul Lay, Piano Fender Rhodes, Julien Loutelier, Batterie, Alexandre Authelain, Saxophone ténor, Clarinette, Jonathan Pontier, Clavier, électronique, chant et direction.

Lagerfeuermusik, leicht gehemmt am Cheminée vorgetragen.

Derrida Biographie

18. März 2013 um 19:28 Uhr von ur

Soeben gelesen Benoît Peeters, Derrida, Eine Biographie, Berlin 2013, ein valables Pendant zu Stefan Müller-Dohm, Adorno, Eine Biographie, Frankfurt 2003 (beide Suhrkamp), frei von nicht erwünschten Tendenzen zur Interpretation und hürdenlos wie rasant zu lesen (und via Register wiederzulesen). Wer Derrida hinter sich hat ohne grosse Resten, ist von Haus aus bedient mit Fragen, und er wird hier noch einmal aufgemuntert, wie es sein soll, zu den Texten zurückzugehen. Der allgemeinste Eindruck, den es zu nennen gilt und im Auge zu behalten gälte, ist aber doch der, und auch das ist ein Vorzug, dass die negativen Tendenzen gleichwie die positiven in ihren Richtungen verstärkt werden – das Buch verändert die eigene Sichtweise auf das Werk des Philosophen nicht, und es korrigiert nichts an der Meinung, dass sein Fehler nur der ist, im Verhältnis von Literatur und Philosophie die falsche Wegrichtung gewählt zu haben. Besser verständlich ist nun Derridas politische Einstellung, detailliert aufgezeigt von Algerien an, ohne dass man weiterhin munkeln dürfte, er hätte sich in Fragen der politischen Haltung zweifelhaft verhalten. Erstaunlich, wie gefestigt das Verhältnis zu Althusser war, von Anfang bis zum Schluss. Leicht schlechter verständlich dünkt mich nach der Lektüre Derridas Verhältnis zu Heidegger, weil seine unangenehmen Rettungsversuche übergangen werden und man also nichts Zusätzliches, eben Biographisches, Privates oder Untheoretisches über diese seltsame und also dunkel bleibende philosophische Motivierungen erfährt.

Lastwagenfahrer

17. März 2013 um 22:44 Uhr von ur

Auf einem Balkon mit F und n, ich schaue hinüber, wo einer auf die Ladefläche eines Lastwagens springt und sich an der hinteren, nur 30cm hohen Ladewand mit einem mitgebrachten Sitz arretiert, aus hellblauem Luftschaum. Sofort fährt der Laster davon, nimmt eine scharfe Linkskurve nach unten und stoppt heftig. Der Arbeiter ist verletzt; aus der Kabine des Fahrers sind seltsame Töne vernehmbar, als ob sie die Verletzung heilen würden. Offenbar sind es Zeichen der Zerstörung, denn der Arbeiter löst sich Schicht für Schicht samt seines Sitzes von hinten nach vorne auf, unter Schreien. Im Moment, da er gänzlich verschwindet, verschwinden auch der Lastwagenfahrer, den ich nie gesehen, nur gehört habe, und die beiden Frauen F und n. Für mich nur ein Angstblitz, ich gehe nach rechts durch die gläserne Balkontür ins Innere und erwache.

Weltkugel, weiss & blinkend

9. März 2013 um 17:01 Uhr von ur

Offener Brief an Swisscom

Sehr geehrte Damen und Herren

Am 5. März 2013 funktioniert der Internetzugang mit Win7 und dem Router Centro Grande wie in der Zeit davor, normal und ohne nennenswerte Fehler.

Am 6. März um 5 Uhr kann der Centro Grande keine Verbindung mehr mit dem Internet herstellen: das Anstellsignal leuchtet normal, die Weltkugel blinkt aber ununterbrochen weiss. Am späteren Morgen telefoniere ich auf die Nummer 0800 800 800. Das Gespräch ist schwierig, weil ich nur einen verkürzten Arm mit einer verdrehten Hand zur Verfügung habe, der Helfer der Hotline aber diverse Checks durchführen will. Nach über einer halben Stunde meint er, es müsse ein Techniker vorbeikommen. Wenn er den Schaden ausserhalb des Hauses lokalisiert, wird es gratis sein für mich, wenn der Fehler in der Wohnung oder irgendwo im Haus festgestellt würde, hätte ich sowohl für die Reparatur wie für den Arbeitsweg und die Arbeitszeit aufzukommen. Da ich Kunde und nicht Sponsor von Swisscom oder meiner Hauseigentümerin bin, hänge ich auf, nicht wenig verärgert.

Am 7. März kontrolliere ich alle Verbindungen, mache am Router diverse Resets mit einer Büroklammer und schliesse auch ein altes Modem an, das aber wie der Centro Grande nur permanent versucht, einen Kontakt herzustellen, ohne dass es ihm gelingen würde. Der Centro Grande wird auch direkt an der Buchse ohne Verlängerungskabel getestet, immer mit demselben Resultat, dass er mit dem Signal der weiss blinkenden Weltkugel zu verstehen gibt, erfolglos einen Kontakt herstellen zu wollen. – Niemals würde ich behaupten, es sei kein Zufall, dass am Ende dieses Vormittags ein Cablecomköter von der Nummer 0800668866 aus anruft und fragt, ob ich mit Swisscom zufrieden sei. Ich werfe ihm ein Steckchen, in das er sich hineinverbeisst (klar darf er an eine Nummer mit einem Stern vor dem Eintrag Werbung andrehen, weil ich nach ihm „in einer Geschäfts- und nicht Privatbeziehung zu Cablecom“ stünde und weil er keine Werbung mache, sondern über ein neues phantastisches Produkt mit verlässlichem Internetanschluss informiere). – Am Nachmittag kommt ein Netzwerkspezialist ausserhalb einer Geschäftsbeziehung zu Hilfe und macht alle Test noch einmal, zudem den noch nicht versuchten, einen anderen Centro Grande an der Buchse anzuschliessen. Siehe da, dieser Router stellt eine Verbindung her! Was wäre anderes zu denken als dass mein Router an einem Defekt leidet? Also geht der Helfer in die Stadt, wo es ihm nach einem ersten vergeblichen Versuch doch noch gelingt, meinen Router unter Garantie (aber ohne vorgewiesenen Lieferschein) umzutauschen. – Doch falsch gedacht im Ganzen, denn dieser neue Router benimmt sich wie mein alter eigener, indem er seinen Willen anzeigt, ohne ein Können zu beweisen… Merde again!

Am 8. März kaufe ich für zwanzig Franken einen neuen Phone/DSL-Verteiler 4-Pol/2xTT, der nicht weiter führt. Zur selben Zeit wie vor zwei Tagen rufe ich die oben genannte Nummer an und werde mit dem bereits bekannten Helfer verbunden. Da ich nun weiss, wie die Tests verlaufen und deswegen weniger schnell in körperlichen Stress gerate, können wir sie durchführen, für mich inzwischen zum vierten Mal. Am Schluss gebe ich das Einverständnis dafür, dass er einen Techniker organisiert und also „ein Ticket ausstellt“ – denn wenigstens in der Wohnung sollte auch ein Techniker jetzt keinen Fehler mehr feststellen können, und wenn der Fehler zwischen Wohnung und Strasse lokalisiert wird, kann ich sowieso mein Testament machen. Nach zwei weiteren Telefonaten ist es beschlossene Sache, dass der Techniker „morgen Samstag Nachmittag zwischen 12.30 und 17.30 Uhr“ vorbeikommen wird.

Am 9. März um acht Uhr stelle ich wie in wiederholten Malen die letzten Tage ohne wirkliche Hoffnung den Router wieder an. Man glaubt es nicht, aber als ich mich nach ein paar Minuten seinen Signalen zuwende, leuchten sie wie wenn es keine Zwischenfälle gegeben hätte, ohne dass ich irgendeine Sache an dem ganzen Internetsystem verändert hätte! – Mehrere Neustarts bestätigen das neue, nunmehr fehlerfreie Funktionieren des Centro Grande. Ich google nach blinkende weisse Weltkugel und finde einen Eintrag von „rockr“, der am 22-12-201113:37 genau meine eigene Situation beschreibt: „Wir hatten vor ca. 3 Wochen genau dasselbe Problem. Grund war, dass irgendjemand am Verteilkasten im Quartier was geschraubt / umgesteckt hat und folglich unsere Zuleitung derart gestört war, dass das VDSL-Signal nicht mehr in genügender Qualität für eine Synchronisation empfangen werden konnte. Am Telefon merkt man davon nichts. Es musste ein Techniker aufgeboten werden, der die Sache wieder in Ordnung gebracht hat. Also Hotline kontaktieren.“ Ich telefoniere dem Disponenten, dessen Nummer in einem SMS übermittelt wurde, und bestelle den Techniker ab. Allerdings gibt man mir zu verstehen, dass ohne Auftrag auch unter diesen fahrigen Umständen keine Leitungsüberprüfung vorgenommen würde.

Man versteht vielleicht, warum dies ein offener Brief sein muss und kein verbindlicher von einem Absender an einen Adressaten sein kann. Denn was zu fordern wäre, scheint immer schon nur unbestimmt dazustehen. Spätestens seit rockrs Forumseintrag vom 22. Dezember 2011 darf niemand sagen, der Zusammenhang zwischen einer andauernden blinkenden, weissen Weltkugel am Centro Grande und einem zu schwachen Signal ausserhalb des Privatgebäudes sei unbekannt. Wieso sagt der Helfer von Swisscom auch nach zwei Tagen, er habe keine Ahnung über den Hintergrund und die Ursache der blinkenden Weltkugel? Wieso zwingt er dem Kunden – merde: dem Swisscomkunden seit Kindsbeinen wie üblich in CH – ein technisches Hilfeangebot auf, das auch Infrastrukturfehler dem Kunden zu verrechnen droht, dann nämlich, wenn ein Gerät in der Wohnung, nota bene bei Swisscom gekauft, Materialschaden erlitten hat und man es nicht von sich aus bemerkt hat, oder, um einiges schlimmer, wenn der Leitungsschaden im Wohnhaus lokalisiert wird, auch wenn man dort nur Mieter ist? Mit Verlaub, das ist eine Scheisse, die es füglich auszumisten gilt, indem man a) auf eben beschriebene Bedingungen in technischen Hilfsvereinbarungen verzichtet und b) die Leitungen auch dann schon ernsthaft und aus eigenem Antrieb technisch überprüft, wenn auf irgendeine vage Weise an irgendeiner, vielleicht für die Sache gar nicht zuständigen Swisscomstelle bekannt wird, dass sie schwächer sind als von der Norm her gefordert. Ist es in diesem Zusammenhang tatsächlich zu viel verlangt, die Signalprotokolle der Leitungsrelais im Umkreis des Indermühlewegs vom 5. bis zum 6. März 2013 einmal etwas genauer zu überprüfen als im unproblematischen Normalfall ohne Schadensmeldungen?

Mit freundlichen Grüssen, Ueli Raz, Indermühleweg 9, 3018 Bern

Dante heute

9. März 2013 um 9:00 Uhr von ur

Der moderne Wanderpoet trifft in der Hölle auf alle diejenigen, die sich darum nicht scheren.

In Stein gemeisselt

5. März 2013 um 19:37 Uhr von ur

Wie in Stein gemeisselt erscheint einem der Leib, von dem unverschämt man wie der Fünfjährige Weihnachten nicht erwarten kann erhoffte, er würde aus einem alten Gips, der, wohl wahr, einst und auf längere Zeit hin gute Dienste leistete, befreit werden – und dies am abgemachten Tag nicht wird. Merde again, die Knochenenden wachsen nicht zusammen, der Beckenknochen mit der Fibula unten, mit dem Schulterblatt oben. Für vier Wochen sind die guten Phantasien wie auf Nebelbänke abgeschoben; aus ihnen wird knapp weniger als nichts. Die Zeit scheint nun & nur zu nutzen da, um ungedachte in die Welt zu setzen. So geht die Wahrheit weiter wie sich die Grenzen der Hölle weitern.

Gunten von hinten? Von vorn aus der Ferne!

18. Februar 2013 um 9:35 Uhr von ur

Auf Hikr ein hübsches Bild von poudrieres entdeckt, das den Rückblick dessen enthält, was ich drei Wochen lang bewundert hatte, das Diemtigtal als Enge zwischen Niesen und Stockhorn, mit dem Seehore als Abschlussberg.

Nach dem Link unten rechts auf Siehe in Originalgrösse:

http://www.hikr.org/gallery/photo1027168.html?post_id=61458#1

Boris Godunow Urfassung

13. Februar 2013 um 21:21 Uhr von ur

Soeben auf Bayern 4 diekt live Modest Mussorgskij: „Boris Godunow“, Bayerisches Staatsorchester, Leitung: Kent Nagano.

Nach gut einem Monat gänzlich ohne Musik endlich wieder eine Live-Übetragung auf Kopfhörern, nicht die präziseste, aber eine gute zum Phantasieren.

Hundertprozentig dekontaminiert

11. Februar 2013 um 8:54 Uhr von ur

Soeben die letzte Alltagshandlung mit Fragezeichen erfolgreich durchgeführt, das Wäschewaschen mit der Maschine und das Aufhängen der Wäsche mit einem Ärmchen ohne noch so geringfügige Zusatzhilfe durchs andere. Damit sind die grusigen Restpartikel des Devil in Paradise aus meiner eigenen Welt geschaffen, des Bösartigen, den man mir als letzte und schwersterträgliche Prüfung aufzuhalsen wagte, einer, der bei seinen ersten Gehversuchen Richtung Zivilisation arg ins Stolpern, zu Fall und schliesslich definitiv out of order geraten war. Zum letzten Mal: Merde & apage, male spiritus!

Tigersprung redivivus

9. Februar 2013 um 17:28 Uhr von ur

Heute wohlbehalten mit Betax zu Hause am Indermühleweg angekommen, das Duschen und andere Vorgänge des Alltags mit Erfolg getestet, unter ihnen auch den Gang zur Physio, die übermorgen hier Nähe Bahnhof Bümpliz weitergeführt wird. Am meisten freut mich, dass der Tigersprung immer noch funktioniert, zu dessen Durchführung keine Schuhe an den Füssen kleben dürfen. Es waren erst zehn Minuten heute am Stück, und doch macht sich in den Unterschenkeln schon ein Muskelkater bemerkbar. Das freut mich, denn es macht auch klar, dass es Zeit ist, in eine neue Etappe einzuspuren. Sie dauert, weiterhin im Körbligips, nochmals vier Wochen.

Erste Wanderung

27. Januar 2013 um 17:52 Uhr von ur

Heute von Fränzi einen Wanderstock bekommen und sofort eine Wanderung ausprobiert:

Von den obersten Gebäuden in Gunten, die alle zu Schönberg gehören, sind wir durch den Park hindurch, aus ihm hinaus und den steilen Weg im Wald bis zm Punkt 686 gegenüber dem Matti gestiegen. Uff, das gab warm, aber oben bei einem Reservoir ruhten die zwei alten Leute brav auf dem Bänkelein.

Hinab gings es dann in Erinnerung an Sylvain Saudan sehr sehr doucement. Indes, das Unternehmen ist geglückt, und der Rollstuhl wird zufrieden an jemand anders weitervererbt.

Zusatz: Erst Tage später machte mir eine Patientin klar, dass es aus versicherungstechnischen Gründen verboten ist, das Gelände der Klinik zu verlassen. Ich werde also brav nur noch die vorgegebenen engen Runden drehen.

Ur III feiert Geburtstag

25. Januar 2013 um 8:56 Uhr von ur

Ur I und ur II gratulieren ur III zum zweiwöchigen Geburtstag auf dem Schönberg über Gunten, bei bester Gesundheit. Mit grossem Dank an das Team von Charles Dumont und Matthias Zumstein in der Insel, an die dortigen Pflegerinnen und die Physiotherapeutin auf K Süd 109 und an ebendieselben hier dem Niesen gegenüber über den Thunersee hinweg.

Gibt es ein Geschenkli? Klar, in einer Stunde wird der doppelt gelegte, unendlich lange Ariadnefaden gezogen, und morgen gibt es einen Wanderstab, mit dessen Hilfe ich auch ohne Rollstuhl die Gegend erkunden kann (keine schlechte Sache, ein Rollstuhl, wenn man ihn autonom mit den Beinen vor- und rückwärts anzutreiben imstande ist, weil man so an irgendeinem windstillen Plätzchen die Sonne den Bauch streicheln lassen kann, ohne auf eine weitere Sitzgelegenheit angewiesen zu sein).

ur I: http://ueliraz.ch/biographie/index.htm

ur II und ur III: http://ueliraz.ch/biographie/shoulder.htm

Schönberg live, Guntenlieder: http://www.schoenberg.ch/webcam.html

Paradies

11. Dezember 2012 um 11:42 Uhr von ur

Nun auch das Paradies gesehen und Dante dann hurtig wieder verlassen (ein Titel italienisch, einer lateinisch, einer deutsch…).

Die Commedia ist nichts weiteres als ein Widerschein dessen, was die Gesellschaft 650 Jahre später in einem langen Epochenübergang entscheidend zu prägen beginnt, Lehrstückwissen aus Fantasyspielereien. Der stärkste Impuls zur Produktion des Werks war die Paranoia des Autors; seine grenzenlose Selbstüberschätzung machte es ihm leicht, 100 Gesänge lang die Welt im ganzen auf sich selbst zurückzubinden.

Ich habe jede Zeile abgegrast, weil ich die Stelle suchte, auf die sich meiner, durch einen Zeitungsartikel verführten Meinung nach die Pomatter Dichterin Bacher im Gedicht Was ferfaat bezieht. Es gibt eine Handvoll Bilder mit Booten, Segeln oder Flossen, aber in keinem einen Bezug zur Seele oder zum Gewissen. Dantes Mast blieb lebenslang sturmgeknickt; was im Werk philosophisch sein könnte erscheint schulkindernaiv und nirgends anregend.

Purgatorium

10. Dezember 2012 um 7:11 Uhr von ur

Das Purgatorium liegt hinter mir, mit Dante geht es weiter in die Komödie, die heute besser hiesse: Die Eifersucht der Beatrice. Das Buch erscheint als eine der Quellen der Bigotterie und Kitschanfälligkeit einer ganzen Kultur.

Inferno

9. Dezember 2012 um 8:25 Uhr von ur

Das Inferno liegt hinter mir, mit Dante geht es weiter, der Komödie näher, durchs Purgatorium.

Dekonstruktion 2012-2013

7. Dezember 2012 um 18:47 Uhr von ur

Am 11. Januar 2013 wird der grosse Marterpfahl paratgestellt und das grosse Kino aufgezogen, das den Malignen vorbehalten ist. Wie seit jeher im Kino, werde ich ein Nickerchen machen. Wäre Bianca nachher wieder im Aufwachraum, würde ich mich freuen und in kürzester Zeit wieder gesunden – aber auch mit jedem anderen Mädchen, das nur scheint, ein Engel zu sein. Zu hoffen ist, dass die beiden Maîtres Medicins Zurückhaltung üben und bei Schwierigkeiten nicht dem Wahn des ganz grossen Kinos verfallen. Zwischen dem grossen und ganz grossen liegt die Nuance im Programmvokabular, die über Sein oder Nichtsein entscheidet; von der dekonstruktiven Absicht bliebe nur die reine Destruktion, ohne explizit versprochene Rekonstruktion.

Wenn Leben heisst, ob den täglichen Signalen des Hau ab! nicht die Nerven zu verlieren, erfährt es am Marterpfahl seine höchste Verdichtung, wo jede Regung der Akteure dadurch zur bewunderungswürdigen wird, dass durch sie auch nicht ein einziger Nerv verloren geht, geschweige denn die Arterie. Die Situation ist nicht nur durch Ängste geprägt, denen durch die Benennung und Beschwörung begegnet wird wie Don Quijote den Windmühlen, sondern auch durch Hoffnungen. Nicht die letzte scheint mir, dass dem mehr Leben zustehen als der gewöhnlichen Hauskatze, der den Tigersprung täglich übte.

Eines ist es, die Gehalte der Ängste mimetisch vorauszuleben. Ein Anderes, denen des gewöhnlichen Horrortrips zu begegnen. Vor zehn Jahren hatte ich es, allerdings erst nach mehr als einer Woche, zu einer gewissen Virtuosität gebracht. Man male sich, trotz lädierter Geistesverfassung, eine Szene mit Handlungscharakter aus so lange wie es eben geht, beim nächsten Einschlafen, und es gibt tausende pro Tag und Nacht, wird der Trip genau das Phantasierte wiederholen und es dann verdoppeln. Erst nach dieser Verdoppelung, die ungeahnt Schönes und Interessantes als Kino präsentiert, zerfällt der Traum in die Welt der Monster von Hieronymus Bosch. Man kann auch abstrakt, wenn man bei Kräften ist, theoretische Fragen exponieren – vor zehn Jahren hatte ich nicht selten Freude über die Ergebnisse, die Weiteres zutage fördern müssen als die Wiederholung der Frage.

In Momenten schwieriger Empfindungen werde ich an das Buch von Walter Freudmann denken: Tschi-Lai! – Erhebet Euch! – Erlebnisse eines Arztes in China und Burma 1939-45, Linz 1947, Neuauflage o.O., o.J. (Wien 2008) – er ist einer der Brüder der Frau, deren Fluchtweg August-September 1942 von Samoëns über den Col de Bretolet und den Col de Cou via Barme, Dent de Valerette und St-Maurice nach Lausanne ich dieses Jahr zu rekonstruieren mithalf. Der Spanienkämpfer Freudmann ging mit einer Gruppe anderer Ärzte als Freiwilliger nach China, wo er ungewohnte Einblicke in das durch Korruption stillgelegte Lazarett-Unleben des chinesischen Roten Kreuzes und seiner untersten, schutzlosesten Kämpfer erfährt, die nur aus Zufall nicht bei Mao sondern Tschiang Kai Schek gegen die Japaner ohne jede Hoffnung zu agitieren hatten. Das Buch zeigt einem heute vielleicht wie in einer Soziopsie, warum ein grosser Teil der chinesischen Bevölkerung lieber das Negative der Partei in Kauf nimmt als von vorsozialistischen Verhältnissen positiv zu träumen.

Nach ungefähr zwei Wochen in der Insel geht es zu einer der Auferstehungsstätten Heiligenschwendi, Gunten oder Montana (die Bernerklinik in Montana habe ich in äusserst guter Erinnerung, für Besuche aus der Innerschweiz ist sie jetzt aber entschieden zu weit entfernt). Die Dauer des Aufenthaltes an einem solchen Ort ist beschränkt sowohl positiv durch den Heilungszustand wie auch die Regelung der Krankenkasse. – Vorgesehen ist, nach dieser Zeit des Umsorgtseins das Leben am Indermühleweg wieder aufzunehmen, mit den vielen Helferinnen der Spitex, von denen ich einige, für die medizinische Versorgung Zuständige, in der Woche nach der Biopsie schon kennenlernen durfte.

Gut, dass ich die zwei Dantes jetzt schon habe und die grosszügige Vorbereitungszeit sich an konkreten Phantasien und Fragestellung ausrichten kann.

Zeit und Dante

7. Dezember 2012 um 9:16 Uhr von ur

Grosses und grossartiges Überraschungsgeschenk noch vor den schwierigen Reisewochen, für ein präzises Studium danach:

Ich werde den Spuren folgen, in welch unbekannte Gefilde sie auch führen wollen. Gut getroffen ist die Wahl mit dem Herausgeber Flasch, der mir vor dreissig Jahren schon einige Rätsel des Aquinaten zu lösen half.

Und die nötige Lesebrille wurde auch nicht vergessen…

Ich habe sogar eine zweite Ausgabe, die das Kommentarlesen zu intensivieren verhilft: