Archiv für den 'Musik'-Themenbereich

Saariaho und Sibelius

Freitag, 19. April 2013

Soeben direkt live auf France Musique aus der Cité de la Musique in Paris Anu Komsi, Soprano, Orchestre Philharmonique de Radio France, Santtu-Matias Rouvali, Direction.

Kaija Saariaho, Astéroid (2005), Création Française. – In leicht täppischer Schieflage, jedenfalls unterhalb der Qualitätsstandards der Komponistin.

Kaija Saariaho, Laterna magica (2008), Création Française. – Auch dieses Stück wieder im minderen Charakter der Filmmusik, der auch dann nicht nötig ist, wenn ein Stück in einem Bezug zu Ingmar Bergman steht. Die hübschen kleinen Formmomente bilden keinen Zusammenhang, dem das Ohr nachzuspüren hätte – einzelne sind schamlos tonal und im 4/4-Takt.

Jean Sibelius, Luonnotar op.70 (1913). – Vielleicht etwas rührselig, um nichts weniger wohltuend, wenn man in Stimmung ist.

Kaija Saariaho, Leino Songs (2007), Création Française. – Eigenartig, wie man Musik vergessen kann, bevor sie verklungen ist.

Jean Sibelius, Symphonie N°7 en ut majeur Op.105 (1924). – Ein ungezogenes Kind, das alle Erwartungen in es verspielt hat – das spannendste Stück des Abends.

Sibelius, Concerto pour violon et orchestre

Donnerstag, 18. April 2013

Soeben live direkt auf France Musique aus dem Théâtre du Châtelet: Jean Sibelius Concerto pour violon et orchestre, Alina Pogostkina, Violon, Orchestre National de France, David Zinman, Direction.

Diese furiose Interpretation darf man wohl mit Fug eine kleine Sensation nennen.

Adam de la Halle: Le jeu de Robin et Marion

Dienstag, 16. April 2013

Soeben live auf Ö1 Adam de la Halle, Le jeu de Robin et Marion (UA 1284), Ensemble Micrologus, aufgenommen am 17. Dezember 2012 in der Holmens Kirke in Kopenhagen.

Erstaunlich, wie fulminant (und lustig…) die uralten Werke heute daherkommen, so dürftig die Aufzeichnungstechniken und so gefährdet die Überlieferung auch gewesen waren.

Philip Glass, Spuren der Verirrten

Freitag, 12. April 2013

Soeben direkt live auf Ö1 Philip Glass: „Spuren der Verirrten“, Oper in drei Akten, Libretto nach dem gleichnamigen Stück von Peter Handke eingerichtet von Rainer Mennicken, Uraufführung anlässlich der Eröffnung des Musiktheaters Linz.

Wie immer bei Glass unerträglich infantil, keine Übergänge nirgends, keine Vermittlung, ika ika bäh bäh. Keine Ahnung, warum man solcher musikalischer Verwirrung gut gewogen sein sollte.

Luca Francesconi, Quartett

Montag, 8. April 2013

Soeben live auf France Musique aus der Cité de la Musique vom 19. März 2013: Luca Francesconi, Quartett, Livret de Luca Francesconi d’après Heiner Müller.

Allison Cook, Mezzo-soprano, La marquise de Merteuil, Robin Adams, Baryton, Le vicomte de Valmont, Serge Lemouton, Réalisateur sonore, Julien Aléonard, Réalisateur sonore, Ensemble Intercontemporain, Susanna Malkki, Direction.

Musikalisch abwechslungsreiche und farbige Bühnenshow, vielleicht eine etwas vornehm geratene Rockoper. Man schämt sich wie beim Fernsehschauen ob des passiven Voyerismus, geniesst aber ungetrübt das von Berio geerbte Können.

Olivier Messiaen, Éclairs sur l’au-delà

Sonntag, 31. März 2013

Soeben live auf Ö1 Olivier Messiaen: „Éclairs sur l’au-delà“ (Wiener Philharmoniker, Dirigent: Ingo Metzmacher; aufgenommen im Jänner 2008 im Großen Musikvereinssaal in Wien).

Ich habe dieses Stück ungleich vielen anderen von Messiaen nur als Lüge empfunden, die ganze grosse Stunde lang, weil es an eine Haltung gebunden ist, als letztes Werk des Komponisten, die ständig behauptet, Kunde geben zu können, ohne je von einer Behauptung etwas einzulösen. Die gedehnten Metren erscheinen als altersstarre Zwanghaftigkeit und ohne musikalischen Grund, ebenso wenig bilden sie einen weiteren Zusammenhang.

Berg, Wozzeck

Sonntag, 24. März 2013

Soeben direkt live auf Ö1 Alban Berg, Wozzeck (UA 1925), aus der Wiener Staatsoper, Chor und Orchester der Wiener Staatsoper, Dirigent Franz Welser-Möst.

Eine Oper von heute, jedenfalls wenn interpretiert wie hier, von heute, ohne Zurückhaltung das Schöne im Falschen herausgekehrt.

Zappa: One Size Fits All

Freitag, 22. März 2013

Soeben gehört von CD, zum 497sten mal im Leben so kurz wie die Bikinihöschen in Spring Breakers: Frank Zappa and The Mothers of Invention, One Size Fits All, 1975. Von der ersten Sekunde bis zur letzten ohne Fehl & Tadel, Bestes was man hören kann & soll. Aber es ist Musik, mit der ich aufgewachsen war, jetzt will ich Musik zum Weiterleben.

Was ist nur los mit den Radiostationen, die auf Kabel zu empfangen sind, eine ist schlechter als die andere, zu vergessen gänzlich DRS2, pardon: SRF2 KULTURKULTURKULTURetcpp („merde: ihr macht denselben Kulturindustriedunst wie alle anderen Billigsender!“), aber auch die Franzosen mit France Musique und die Deutschen mit SWR2 und B4 wie die Westschweizer mit Espace2 und Ostösterreichen mit Ö1 sind 2013 gleich schlecht gestartet wie sie 2012 mies waren. Kapiert es endlich: Euer Publikum ist anspruchsvoll und ist es mit Stolz. Wir wollen keine KULTUR, nur gute Musik, immer – und jeden Abend… Die Komponistinnen und Komponisten danken es Euch gleichwie die MusikerInnen, OrganisatorInnen und ZuhörerInnen: Euer ganzes Publikum. Wir sind besser als Ihr.

Zusatz: Auf die Schelte hin Zoot Allures gehört: Zappa hat Spring Breakers schon 1976 komponiert.

Zappa, verfeuert

Montag, 18. März 2013

Soeben live auf France Musique ODEON, Scène Jean-Roger Caussimon : The Frank Zappa Project, concert donné le 19 octobre 2012, Odéon Scène Jean-Roger Caussimon à Tremblay-en-France. – Le Cabaret Contemporain: Giani Caserotto, Guitare électrique, Augustin Viard, Ondes Martenot, Paul Lay, Piano Fender Rhodes, Julien Loutelier, Batterie, Alexandre Authelain, Saxophone ténor, Clarinette, Jonathan Pontier, Clavier, électronique, chant et direction.

Lagerfeuermusik, leicht gehemmt am Cheminée vorgetragen.

Boris Godunow Urfassung

Mittwoch, 13. Februar 2013

Soeben auf Bayern 4 diekt live Modest Mussorgskij: „Boris Godunow“, Bayerisches Staatsorchester, Leitung: Kent Nagano.

Nach gut einem Monat gänzlich ohne Musik endlich wieder eine Live-Übetragung auf Kopfhörern, nicht die präziseste, aber eine gute zum Phantasieren.

Schönberg: Moses und Aron

Sonntag, 2. Dezember 2012

Soeben live auf SWR2 Arnold Schönberg, „Moses und Aron“, Oper in 3 Akten (Fragment), Konzertante Aufführung, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Leitung: Sylvain Cambreling, (Aufführungen vom September 2012 in Berlin, Luzern, Freiburg und Strassbourg).

Schönberg ist der letzte Künstler der Epoche der Metaphysik, der in ihr zugleich die Frage nach der verbindlichen Form der Wahrheit so weit vorwärts getrieben hat, dass sie das Falsche der kommenden Epoche, derjenigen der Kulturindustrie, entschieden zu benennen vermochte. Der Gehalt der wahren Kunst darf sich nicht ans Äusserliche verraten, sondern muss unerbittlich mit den Materialien korrespondieren, die sowohl innerhalb wie ausserhalb der Kunst sich in der Zeit entwickelt haben. In dieser Oper selbst erscheint diese Haltung als Prinzip in der Gestalt von Moses, ihre Gefärdung sowie Schönbergs Vorahnung der Kulturindustrie in der von Aron. Die Pointe der Fragment gebliebenen Oper für uns in der neuen Epoche ist, dass keines der ästhetischen Prinzipien obsiegt.

Eine umwerfende Aufnahme! Endlich!

Le Fil de la Vie: Henry the 85th

Montag, 26. November 2012

Soeben live auf France Musique Concert enregistré le 29 septembre à la Cité de la Musique:

Pierre Henry (né en 1927), Le Fil de la Vie (création mondiale, commande de la Cité de la Musique), Pierre Henry, direction sonore.

Ich höre diese Musik des Fünfundachtzigjährigen so gerne wie die Stücke, die ich mir vor 35 Jahren auf Platten ziemlich oft zu Gemüte führte, La Porte, die Rocksongs und das Tibetanische Totenbuch, das ich einmal direkt nach dem Bergräbnis des Grossvaters im Wallis, dessen Urenkel alle meine Platten tutti quanti hütet, zusammen mit dem Bruder schon in ziemlich weinseligem Zustande genossen hatte. Pierer Henry ist wie Zappa, aber von anderen Impulsen genährt, einer Spur gefolgt, der die Warenzeit weit hintennachhinken musste – und immer noch selbständig dasteht. Wahrscheinlich nur bei ihm habe ich Vertrauen in die Idee, dass Kunstmusik und Unterhaltungsmusik es zusammen wagen dürfen, als ob er dafür eine eigene Kunstgattung geschaffen hätte.

Pintscher, Cummings & Montalvo

Dienstag, 30. Oktober 2012

Soeben live auf SWR2 Konzert vom 27. Juli in Schloss Montabaur, RheinVokal 2012

Marisol Montalvo (Sopran), Erik Nielsen (Klavier)

Mathias Pintscher: Lieder und Schneebilder für Sopran und Klavier nach Texten von E.E. Cummings. – Eine präzise Poesie steckt in dieser Musik, nicht nur weil Cummings der Dichter ist.

Filidei, Mitterer, Cendo

Montag, 29. Oktober 2012

Soeben auf France Musique Concert enregistré le 22 septembre à Strasbourg, Cité de la Danse et de la Musique, dans le cadre du festival Musica, Ictus (Orchestre), Georges-Elie Octors, direction.

Francesco Filidei (né en 1973), Ballata n° 2 (2012, création française). – Tonalitätsabhub, durchwegs tonal gedacht.

Wolfgang Mitterer (né en 1958), Little Smile (2011, création française), Wolfgang Mitterer, électronique en direct. – Eitle Fernsehmusik.

Raphaël Cendo (né en 1975), Carbone pour trompette, flûte et guitare (2012, création mondiale, commande d’État). – Bäumig beeindruckt bin ich wie aus einer Totenstarre wiederwerwacht. Unbedingt hinreisen, wenn das Stück an einem erreichbaren Ort wieder aufgeführt werden sollte! Musik wie ein Krimi, dessen Innerstes man bei einer Lobpreisung gefälligst zu verschweigen hat.

Alberto Posadas, Sombras

Montag, 15. Oktober 2012

Soeben auf France Musique live Concert enregistré le 16 septembre à l’Abbaye de Royaumont avec Le Quatuor Diotima: Yun Peng Zhao, violon, Guillaume Latour, violon, Franck Chevalier, alto, Pierre Morlet, violoncelle .

Alberto Posadas (né en 1967), Elogio de la Sombra, pour quatuor à cordes (2012).

Alberto Posadas, La Tentacion de las Sombras, pour soprano et quatuor à cordes sur le texte Ispita Umbrelor, extrait de l’ouvrage Le livre des leurres d’Emil Cioran (2011), Caroline Stein, soprano.

Alberto Posadas, Del Reflejo de la Sombra, pour clarinette basse et quatuor à cordes (2010), Alain Billard, clarinette basse.

Dann von CD: Alberto Posadas, Oscuro abismo de llanto y de ternura (2005) pour ensemble, Ensemble Intercontemporain, François-Xavier Roth, direction, Enr. 2009, Kairos 0013112KAI.

Merde! Nicht nur das Wetter zeigt sich solidarisch mit dem Siechenden, sondern auch die wenige gute Musik, die es dieses Jahr zu hören gibt. Die Stücke von Posadas haben keine äussere Form, der man folgen und die ein Ganzes umfassen würde, sondern befinden sich in einem Terrain ähnlich einem nuklearmedizinischen oder computertomographischen Staging, das einen Durchgag durchs Körperinnere erlaubt, in dem den Vulkanen sowohl als Nester, wenn sie ruhig sind, oder als kleinere oder grössere Feuerwerke, wenn sie aktiv sind, begegnet werden kann. Sie enthalten eine Spannung, die in keiner Sekunde unterbrochen scheint. Grossartige, düstere Werke!

Tutuguri

Samstag, 13. Oktober 2012

Soeben direkt live auf Bayern 4 Konzert der musica viva, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Dirigent Kent Nagano:

Wolfgang Rihm: „Tutuguri“ (1981-82).

Musik für mich. (Rihm im Pausengespräch: „Eine Asymmetrie im Stück, als würde aus einem Körper ein Skelettteil herausragen. … Das ist ein Wesen, dem man nicht ungestraft begegnet.“)

Mahlers Sechste

Freitag, 14. September 2012

Soeben live auf Bayern 4 Aufnahme vom 7. September 2012 in Leipzig: Nikolaj Znaider, Violine, Gewandhausorchester Leipzig, Dirigent Riccardo Chailly.

Felix Mendelssohn Bartholdy: Violinkonzert e-Moll, op. 64. – Mendelssohn: besänftigend wie immer, wenn auch hier besser gespielt als auch schon gehört.

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 6 a-Moll – „Tragische“. – Eine exquisite und superbe Aufführung: Mahlers Musik wirkt aktueller und intellektuell erträglicher, wenn die folkloristischen und dunklen Elemente zwar aufscheinen, aber doch nicht klotzig im Vordergrund herumstehen. So gespielt, ist sie nicht mehr der Boulezschen weiter feindlich. Es gehört zum Luxus unserer Zeit, dass entscheidende Strukturmerkmale eines musikalischen Gebildes zuweilen nicht nur in der Analyse tel quel, sondern triftiger in der Interpretation aufzustöbern sind, von der man eine Zeitlang munkelte, das wahre Musikverständnis müsse sich permanent gegen den Zugriff der Kulturindustrie wehren, könne sich auf die Lektüre des kompositorischen Schriftstückes beschränken und auf die gesellschaftlich-akustische Umsetzung, Darstellung und subjektivistisch getrübte Repräsentation verzichten. Historisch bildet Mahler den Übergang von der Musik als Kunst des Übergangs zur absoluten Meisterung des Übergangs – in der Leipziger Interpretation von Chailly 2012 erscheint ihre Brüchigkeit so klar und in ihren zerfallenen Zusammenhängen so deutlich erkennbar, dass man in ihr die Idee der Modulation schon fast bestreiten und von festen Schichten und verzogenen Decken sprechen möchte, die zueinander allesamt wie in einer Landschaft in einer untergründigen Beziehung stehen.

Boulez, Grisey, Manoury

Montag, 10. September 2012

Soeben live auf France Musique Concert enregistré le 21 juillet à Briançon, Eglise des Cordeliers, dans le cadre du festival Messiaen au pays de la Meije.

Pierre Boulez (né en 1925), Anthèmes II pour violon et électronique, Malika Yessetova, Constance Ronzatti, Da-Min Kim, violons, Andrew Gerszo, réalisation informatique musicale Ircam.

Gérard Grisey (1946-1998), Prologue pour alto solo, Noémie Bialobroda, alto.

Philippe Manoury (né en 1952), Partita II pour violon et électronique (création mondiale), Hae-Sun Kang, violon, Serge Lemouton, réalisation informatique musicale Ircam.

Gestern Nacht in einem Traum das beste je gehörte Stück gespielt, ich selbst Solo an der Flöte mit wenig Elektronik, auf einer Bühne mitten im Publikum, aber so, dass man mich nicht sehen konnte. Ich war so baff über die wundersame Musik, dass ich nach dem Aufwachen noch eine halbe Stunde über sie nachgesonnen hatte. Leider bin ich so dumm, dass ich sie jetzt wieder vergessen habe und sie auch nie hätte aufschreiben können, geschweige denn jemals, auch früher nicht, sie selbst spielen. Wegen des Traumerlebnisses kamen mir die Stücke heute Abend alle drei gleichwie ungelenk vor, ihre supplementäre Elektronik trotz der schönen Stellen wie ein unbewältigter Klumpfuss. Bei Anthème II dünkte es mich, technisch wäre etwas schief gegangen, Grisey langweilte mehr als jeder Jodler, und Manourys Stück tönte wie das Warten an einem Sonntagmorgen in einem Bergdorf unterm ewig dauernden Kirchengeläut, auf das hin einem der Braten schliesslich doch noch vorenthalten wird.

Arditti: Manoury, Verunelli, Ferneyhough

Montag, 3. September 2012

Soeben auf France Musique Concert enregistré le 10 juin à la Cité de la Musique de Paris, dans le cadre du festival ManiFeste, Arditti Quartet, Irvine Arditti, violon, Ashot Sarkissjan, violon, Ralf Ehlers, alto, Lucas Fels, violoncelle.

Philippe Manoury (né en 1952), Stringendo, premier quatuor à cordes. – Eine hübsche Petitesse, etwas simpel und eher tonal als zeitgenössisch gedacht, ein Stück zum Apéritif, das niemandem den Magen schwer macht. Die Idee der Schleifen und später gleichwie der gespitzten Pizzicati wirken wie eine leichte geistige Schlagseite, zu der man aber lieber zustimmend lächelt als dass man sich zum Abwenden entschliessen wollte. Diese Formelemente stossen nichts an und scheinen mit nichts anderem in Beziehung zu stehen – eben weil sie aus einem tonalen Denken entsprungen sind wie gelangweilte Museumsstücke.

Francesca Verunelli (née en 1979), Unfolding pour quatuor à cordes et dispositif électronique, Olivier Pasquet, réalisateur informatique musicale Ircam. – Schade drum: zu sittsam zeitgenössisch, zwar vorwärtstreibend, aber so, als ob man alle flatterhaften Bewegungen schon zu oft vernommen und also z’grechtem verinnerlicht hätte.

Brian Ferneyhough (né en 1943), Quatuor à cordes n° 6. – Warum ist dieses Stück gut? Uff, schwierige Frage, aber gut ist es. Es enthält viele kleine Formelemente, die gegeneinander gespielt werden, so dass man sie mit Spannung verfolgt, in der Annahme, es würde sich aus dem Spiel ein grösseres Ganzes ergeben. Das könnte man auch zu den Streichquartetten Mozarts sagen, aber durch die Nutzung der zeitgenössischen Standards, und dies in künstlerischer Vollendung…, ist der Fortlauf des Stückes jederzeit nach jeder räumlichen Richtung hin offen und eine Spannung von Anfang bis übers Ende hinaus, das einen übers gesuchte Ganze ins Bild setzen würde, garantiert.

Wittener Tage für neue Kammermusik

Donnerstag, 30. August 2012

Soeben live auf SWR2 Konzerte der Wittener Tage für neue Kammermusik vom 27. – 29. April 2012 im Saalbau in der Rudolf Steiner Schule und im Märkischen Museum Witten.

Marko Nikodijevic: gesualdo dub/raum mit gelöschter figur (2012), Musik für Klavier und Ensemble, Pauline Post (Klavier), ASKO-Schönberg-Ensemble, Leitung: Reinbert de Leeuw

Mauro Lanza: Der Kampf zwischen Karneval und Fasten (2012) für 2 Streichquartette, Arditti String Quartet, JACK Quartet

James Clarke: 2012-S (2012) for two string quartets, Arditti String Quartet, JACK Quartet

Stefan Wirth: Enallagai (2012) für Ensemble, Collegium Novum Zürich, Leitung: Titus Engel

Giacinto Scelsi: 4 Incantesimi (um 1973) für Stimmen, Bläser, Schlagzeug, Klavier und Ferninstrumente, WDR Rundfunkchor Köln, WDR Sinfonieorchester Köln, Experimentalstudio des SWR, Leitung: Rupert Huber

Klaus Ospald: Sopra un basso rilievo antico sepolcrale (2008-09/2011) für Chor, Basstuba, Schlagzeug und Live-Elektronik, WDR Rundfunkchor Köln, Hans Nickel (Tuba), Schlagquartett Köln, Experimentalstudio des SWR, Leitung: Rupert Huber

Brave neue Musikstücke ohne Ambition, etwas in den Dingen weiterzutreiben. Am besten angekommen zwischen meinen Ohren ist gesualdo dub von Nikodijevic, am schlechtesten die Moderstücke Scelsis.