Astronomische Entzifferungsschwierigkeiten

20. August 2008 um 15:19 Uhr von ur

Gestern Abend und heute Morgen die Namen der Berggipfel in den Voralpen westlich des Niesens zu bestimmen versucht, die sich auf den Zoom-Fotos von gestern in der Früh eben auf jenem Aussichtspunkt zeigen. Gewiss habe ich es ganz gerne, Gebilde zu deuten, die eine grosse Dichte und Komplexität aufweisen, weil sie schon allein durch diese Merkmale dem Widerstand leisten, was einem die Kulturindustrie zum Frass vorwirft, um gefügig zu bleiben. Auch wenn es bei Bergnamen nicht um Deutung sondern um blosses Identifizieren und Entziffern handelt, bin ich bei dieser Arbeit in höchsten Missmut verfallen, weil ich ständig von neuem Fehler produzierte. Das kommt daher, dass die verfügbaren Karten nur zweidimensionale Abbildungen bieten, die Momente in einer Struktur aber zu isolieren sind, die sich vollkommen dreidimensional darstellt und in ihrer Dreidimensionalität gelesen werden muss. Es nützt einem fast nichts, zu wissen, der eine Gipfel sei links oder rechts des bekannten, wenn sich im Hintergrund ein ähnliches Strukturgefüge aufdrängt, von dem man nicht glauben will, dass man es über eine so weite Strecke überhaupt sehen kann. – Ich habe nun eine kleine Ahnung, wie AstronomInnen zu Mute ist, wenn sie sich über Positionen von Einzelgebilden im unendlichen Universum Klarheit verschaffen wollen, das im Ganzen keinen Sinn freisetzt, den die Arbeit schliesslich deuten dürfte. Alles Unsinn und blosser Leerlauf für die Katz – oder edle Perlen vor die Säue?

Von Schafen & Gemsen

10. August 2008 um 4:38 Uhr von ur

Die musikalischen Freunde der Lüfte sind auch nur Menschen:

http://www.gletscherflug.ch/

Brand’s Haide heute

9. August 2008 um 20:07 Uhr von ur

Das frühe kleine Werk von Arno Schmidt über einen Frühlingstag und je einen des Sommers und des Herbstes des Jahres 1946 in einem winzigen Kaff am Rand eben der Brands Haide (auch Brandshaide), einem literarischen Ort geschaffen von Fouqué, dessen Biographie und Werkausschnitte selbst wiederum den Schmidt-Text in nicht bescheidener Breite durchziehen, beeindruckt noch wie vor 57 Jahren, als es erschienen war oder, in meinem Fall, wie vor über dreissig Jahren, als ich es zum erstenmal gelesen hatte. Deutlich wird nun, wie das Widerborstige oder Schwierige nicht nur als Stilmittel oder als eine Verfahrensfrage dasteht, sondern zur innersten Technik des Werkes gehört, die allein seinen intendierten Gehalt zutage schaffen kann. Denn das Spannende heute dieses Werks liegt weniger in der Art und Weise, wie es gemacht ist, weil man sowieso in Kenntnis davon liest, dass die späteren interessanter gebaut sind; den ganzen Nachmittag lang verfolgte ich gebannt, wie die politische und soziale Gefühlslage sich in den Einzelnen zeigt und wie ihr existentielles Weltbild Konturen annimmt. Das geschieht nicht durch Beschreibungen, Zuschreibungen und Deklarationen, sondern durch Konstellationen von bescheidenen Beschreibungsbruchstücken und desto weiteren Auslassungen, die sie zusammenhalten. Das unverhoffte Nichtverstehen einer Passage erscheint als Signal dafür, dass vom Gehalt her Substantielles passiert, das aber so ungeheuerlich ist und so wenig nachvollziehbar erscheint, dass man es nur in der erlebten Spannung zu ertragen vermöchte. Das Ungeheuerliche liegt darin, dass keineswegs davon ausgegangen werden darf, dass faschistische Reaktionsweisen und Dispositionen uns als vergangene erscheinen, die man aus Distanz und innerlich unbeteiligt verfolgen würde. Auch der frühe Arno Schmidt porträtierte für uns allergegenwärtigste Gesellschaftsmitglieder.

Briand’s Faible

8. August 2008 um 20:26 Uhr von ur

Frau Briand war vor 40 Jahren Grossmutters Putzfrau, und sie unterliess es bei keinem ihrer Arbeitsbesuche, mir Bubbi klarzumachen, dass sie ungemein gerne hierher käme, weil sie in diesem Haus mit dem allerbesten Staubsauger des ganzen Wallis ämbrüf & embrie werken dürfe. Siggsdeswiäh, das Prunkstück ging vor dreissig Jahren in meine Hände, und ich darf mit Fug behaupten, es nie benutzt zu haben ohne jener Frau Briand zu gedenken. Heute wurde sein Todesurteil gesprochen. Da nur noch ein letzter Staubbeutel vorhanden war, machte ich mich auf die Suche nach einer neuen Packung, die ich gewöhnlicherweise knapp alle sieben Jahre zu ersetzen hatte. In drei Fachgeschäften zeigten mir die Verkäuferinnen auf ihre Staubsaugerbeutelpackungen mit den heutigen Formaten und Beschriftungen und meinten, ich müsste die exakte Bezeichnung des Geräts mitbringen, weil die mitgebrachte alte Packung keine Angaben enthalte, die mit den neuen zu korrespondieren verstünden. Zuhause unter den Sauriersauger gekrochen, Taschenlampenstrahl an- und die Lupe aufgesetzt: Elektrolux ZE70. – „Iiii Dteehr! Ist das überhaupt schon einer mit Strom? Neiauso, für den können wir nichts mehr tun, die Staubsaugerbeutelproduktion für dieses Modell wurde schon vor einigen Jahren eingestellt.“ „Und ein Museum kennen Sie keines, das mir ein paar Beutel für kommende kurze Zeiten überlassen könnte?“ – Je nun, eingenommen hat der alte Walliser schon lange nicht mehr viel durchs Rohr, die meiste Frischluft nahm er an immer neuen Stellen im Schlauch zu sich; Flicken und Bandagen hatte er (und hat sie vorläufig immer noch) wie ein medizinisch frisch Versorgter nach einem Matterhornabsturz. Dann müsste ich mich also langsam mit dem Problem auseinandersetzen, wie ein Nachfolger seinen Weg in den hiesigen Putzschrank zu finden vermöchte. Nicht dass er kein Bester mehr sein kann, ist die Schwierigkeit, sondern dass man keine Schwäche zeigen darf, wenn das Gesamtpaket, und nicht nur separat gebündelte Teile daraus, über die Strassen getragen werden soll.

Bilderklau wie immer lustig

2. August 2008 um 9:08 Uhr von ur

Man sollte mit dem Talent gesegnet sein, auf einem Weg des schonenden Anhaltens dem ruhmreichen „Autoren“ dieser Website
http://jean.brethaut.googlepages.com/home
klarmachen zu können, dass sich mit fremden Federn zu schmücken zwar noch lange kein Kapitalverbrechen, aber der Start doch schon für eine Laufbahn ausserhalb des üblichen moralisch-rechtlichen Rahmens darstellt. Auf einer einzigen Seite zähle ich bis zum 30. Juli 2008 nicht weniger als 18 Bilder von mir – aber die ueliraz-Site ist kein gratis Bilderdienst…

Vollmond über Bümpliz

19. Juli 2008 um 1:15 Uhr von ur


Vollmond um 1:45 Uhr mit Olympus E-420, Zuiko 70-300 mm, ISO 100, f 11, 1/200 s, Stativ, Infrarotauslöser, halbe Grösse, geschärft.

Ferruccio Busoni Klavierkonzert op. 39

10. Juli 2008 um 20:45 Uhr von ur

Wortloses Idyll: Zürcher Festspiele 2008

Charles Ives: The Unanswered Question

Anton Webern:
«Im Sommerwind», Idylle für grosses Orchester, nach einem Gedicht von Brune Wille

Ferruccio Busoni: Klavierkonzert C-Dur op. 39
Marc-André Hamelin, Klavier
Herren des Schweizer Kammerchors, (Einstudierung: Fritz Näf)
Tonhalle-Orchester Zürich
Leitung: Marek Janowski
Konzert vom 8. Juli in der Tonhalle Zürich

Sendezeit DRS 2: Donnerstag, 10.7.2008, 20.00-22.00 Uhr

Danke für diese vollkommene Konzertaufführung und die Übertragung! Wie hatte mir dieses Busonistück lange schon gefehlt. Erst jetzt kann ich das Fieber körperlich nachvollziehen, das bei den Schülern in Berlin geherrscht haben musste in Busonis Unterrichtsstunden, wie etwa bei Edgard Varèse. (Auch das frühe Webernstücke hörte ich übrigens zum ersten Mal, nicht weniger beeindruckt.)

Präsentiert von der WochenZeitung Zürich, WoZ.

Was fliegt denn da am Mond vorbei?

21. Juni 2008 um 5:10 Uhr von ur


Kamerazeit 5:37:18


Kamerazeit 5:37:26

(Blogzeit ist Winterzeit.)

Tiere höherer Ordnung

10. Juni 2008 um 20:07 Uhr von ur

Gestern auf einen langen und langweiligen Weg abgegleitet, endlos, latschend fast in Schlaf geraten, links nie etwas zu sehen, rechts gar nichts, wo am Rand des dunklen Dschungelwaldes der See hätte gewesen sein müssen. Ein Fuchs vor mir, wie ein Schakal schlank und elegant auf hohen Beinen, ins Denken versunken, nicht aus den Gebüschen gehuscht, sondern von einem Seitenweg links hereinbiegend. Kein Zucken in ihm, nein, betreten tritt er zurück, denn selber ernsthaft in Gedanken versunken soll das Wesen niederer Art nicht durch ihn in seinen tollpatschigen Denkversuchen gestört werden. Er hat nur Rücksicht genommen. Noch nie war mir ein so vornehmer Fuchs begegnet. Sein ernstes Bewusstsein hat mich aufgeweckt und weiter bis nach Estavayer-le-Lac beschäftigt.

Aug in Aug mit dem Angelus novus

3. Juni 2008 um 16:32 Uhr von ur

Der Engel der Geschichte, der als Bild Klees mit dem Namen Angelus novus (1920) Walter Benjamin gehörte, von dem er via Bataille zu Scholem und von diesem ins Israel Museum in Jerusalem gelangte, ist seit vorgestern und noch bis übermorgen im Berner Paulkleezentrum nicht nur zu sehen, sondern wegen des diskursiven Gehalts, den er 1940, den Schock über den Verrat der Revolution durch Stalin bestätigend, freigesetzt hat, vielmehr auch zu bestaunen. Man tritt in einen drei Meter hohen schwarzen, geschlossenen aber ziemlich grossflächigen Raum ein, wo das Bild am anderen Ende direkt vis-à-vis auf Kopfhöhe hängt, nur schwach beleuchtet, und selbst diese schwache Beleuchtung teilt ihre Zeit mit Unterbrüchen völliger Lichtlosigkeit. Es ist bunter, als ich es von Reproduktionen oder vom Internet her kenne, und die Zeichnung selbst etwas hässlicher als erwartet. Das Bild ist mit mehr als doppelt so vielen anderen Bildern und Filmwänden umgeben wie auf der Skizze oben eingetragen; gefüllt sind auch die beiden Seitenwände, und, nicht übermässig, der Raum selbst mit Vitrinen, Objekten und weiteren Videostationen. Links neben ihm ist eine ungefärbte Studie mit demselben Motiv; wegen den bislang nicht erlebten Farbtönen verführt das Original zu einer ernsten längerwährenden Betrachtung, die indes nicht wenig irritiert wird durch ein Auto, das unmittelbar dahinter, also an der Seitenmauer des Kleemuseums vorbeifährt. Nach mehreren Minuten merke ich, dass dieses akustische Ereignis nur in einem der vielen Filme, die im Raum ablaufen, vonstatten geht. Das ist wie zuhause im Internet, wo man kaum noch auf Seiten stösst, die einen nicht durch eine infantile Werbung ablenken und einem das Denken rabiat auslöschen wollen. So schaue ich sie mir an, auch die Bilder, Picasso (passend), Hodler (wozu?), Wölfli (wozu?), etc. Aus den Filmen Gewalt und immer wieder nur Blödheit, das Verlorene Paradies (Lost Paradise – Der Blick des Engels, wie die Ausstellung im Ganzen heisst). Die Bilder, Filme und Objekte klären nicht viel auf, aber sie stören auch nicht, und man gewöhnt sich schnell an die Atmosphäre, in der der Angelus novus ganz angemessen sich betrachten lässt und gut seine Wirkung auf einen ausüben kann. Mit tamilisch-schweizerischer Pünktlichkeit wird knapp nach sieben Uhr ein Stromkabel ausgelegt, das einen Staubsauger nährt, der nun gemächlich seine Runden zieht. Die Filmgeräusche zerbröseln unter dem einförmigen Geräusch des windigen Putzgerätes. Der Vorgang entspricht nicht ganz der Intention Benjamins – und es ist längst sein Engel, nicht der von Klee – die Idee der Gleichförmigkeit einer Zeit, in der Geschichte passieren würde, ausser Kraft zu setzen; um so leichter macht er deutlich, dass Benjamins Haltung kaum mehr die unsere ist. Seine Insistenz darauf, dass man über Zeit tel quel sprechen könnte und dass sie in der Geschichte als uneinförmig zu verstehen sei, rechnet damit, dass derjenige eingreift, der die Katastrophen, die der Fortschritt mit sich bringt, als medial mitgeteilte erfährt, wo sie gedeutet werden als Momente des Fortschritts, als Momente derjenigen Verhältnisse, die ihn antreiben. Nie hatte es eine historische Phase oder eine Gesamtgesellschaft gegeben, in der so viel Fortschritt wie heute passierte und ein Bettler, wie ich selbst, von ihm in so hohem Masse profitierte. Obwohl im Fahrwasser der Fortschritte die Katastrophen an Grösse stetig zugelegt haben – man kann die inflationäre Zahl der Menschen nicht mehr aussprechen, die unmittelbar wegen den existierenden gesellschaftlichen Praktiken täglich den vorzeitigen Tod erleiden müssen – und obwohl die Medien professionell täglich von ihnen den KonsumentInnen Bericht erstatten, haben wir weltweit Gesellschaften, in denen die Hälfte der Wählenden denjenigen zujubeln, über die nicht der geringste Zweifel besteht, dass sie als die Akteure und Urheber der Katastrophen zu gelten haben. Dieses Ruinöse der inneren Natur korrespondiert mit dem drohenden vorzeitigen Versagen der äusseren, in dem die Geschichte ist – als ihre beschränkte eigene Zeit. Statt die Aufklärung vorwärts zu treiben und den Menschen das Nachdenken erst einmal möglich zu machen, gebären die Medien fortlaufend das unendlich Viele, in dem das eine vom anderen ablenkt, um auch das Katastrophische vergnüglich zu machen. Wären die grausligen Fernsehsender für einmal wie im Paul Klee Zentrum morgens um sieben Uhr stillgestellt und mit ihnen die abstruse Hoffnung der Rede an die Verdooften durch sie, möchte langsam die Einsicht sich entfalten, dass nicht nur verschiedene Zeiten in der Geschichte zugegen sind, sondern dieselbe, ganz unähnlich der Idee der Zeit, der Natur und ihrer monströsen Gleichgültigkeit, der äusseren wie der inneren, ausgesetzt ist. Vielleicht stünde der Engel der Geschichte nicht wieder so lange betreten im Israel Museum zu Jerusalem.

Fluchtkinder

30. Mai 2008 um 10:00 Uhr von ur

Ob es eine Vermessenheit wäre und eine Ignoranz gegenüber der Geduldigkeit des psychoanalytischen Wissens, bei einem Kind, das in der Wüste und quasi mutterseelenallein geboren wurde, ausserhalb des Herkunftlandes und noch viel weiter entfernt vom Land des Heranwachsens, nach zwanzig Jahren angesichts der lebenspraktischen Schwierigkeiten aufs Geratewohl zu behaupten, die Art des Geborenwordenseins sei Sinnbild des Lebens, in dem sich laufend wiederhole, sich selbst einer menschenleeren Welt gegenüberzusehen, in der niemand sei, mit dem man in vernünftiger Weise und mit guten Gefühlen in Kontakt treten könnte? Oder soll man es aussprechen, weil das Bild des Fluches der Flucht nur so lange wirksam ist, als es nicht als selbständiges Gebilde erscheint, das man deuten und folglich der Möglichkeit nach auch selbständig als bloss phantasmatischen Unstern zurückweisen könnte?

Olympus E-420 vs. Nikon D200

26. Mai 2008 um 7:48 Uhr von ur

Gestern vier Testbilder mit der Olympus E-420 und der Nikon D 200 gemacht, beide Apparate mit einem vergleichbaren Objektiv ausgerüstet:

http://www.ueliraz.ch/2008/nikon-olympus.htm

Einen Monat weiterwarten

23. Mai 2008 um 5:35 Uhr von ur

Was für ein Kampf durch die schlechten Frühlingsdünste, es will einfach nicht, das Gestirn, noch launischer als die Vipern, fotografiert werden.

Jetzt ab nach Ovronnaz, weiter wohl im Dunst!

L’herbe, ça glisse!

22. Mai 2008 um 18:17 Uhr von ur

Es gibt trotz allen schlechten Winden schon die ersten Frühsommertouren zu begaffen:

http://picasaweb.google.com/patrick.schoeneich/CombinDeValsorey

Töfflirennen

21. Mai 2008 um 3:59 Uhr von ur

Vor drei Stunden: Töfflirennen mit Negar und Jasmina zwischen Gersag und Ottiger-Fasan-Konsum-Platz, P. etwas abgesetzt im drachenhaften Tschador. Das Rennen geht ziemlich luftig, dann ein Schlagloch, grösser als ein Gulli ohne Deckel, alle drei ohne P. in die Luft (es war nicht klar, ob die Mädchen auf einer zusammen oder einzeln auf zwei eigenen Maschinen fuhren), der Töff, meiner, unser gemeinsamer über uns, schon dabei, auf uns niederzufallen. In einem Reflex, der meinem körperlichen Zustand nicht im geringsten entspricht, werfe ich ihn, wir alle immer noch in der Luft, wie ein Volleyball übers Netz von uns weg. Zweifelhaftes Lachen über die Beseitigung einer selbstverschuldeten Schwierigkeit.

Regenbogen zwischen zwei Regentagen

11. April 2008 um 6:31 Uhr von ur

Gestern pausenloses Giessen aus Kübeln, so dass ich mich zum Nachschlagen gedrängt fühlte, woher denn das Wort Sintflut kommt, in der Tat nicht von der Sünde, sondern bloss von einem ausgestorbenen Wort für etwas sehr Grosses. – Nur Abends gab es in den ständigen Wolkenbruch hinein einen kleinen Unterbruch, und heute Morgen soeben, in der düstren Dämmerung wieder einen, und als Zeichen dafür jetzt, dass es keine Sintflut mehr geben soll, grosses Ehrenwort des Herrn, einen riesigen Regenbogen, vor seiner Nase noch kaum rechtes Sonnenlicht, das ihn erzeugen konnte, hinter ihm nirgends blauer Himmel im grauen Wolkenvorhang, auf dem er scheinen dürfte. Zehn Minuten später wieder das gewohnte Prasseln des Regens in Strömen.

I’m so glad + ‚

5. April 2008 um 19:49 Uhr von ur

Ein bisschen am Cream Hören, eine Band, die mir zwar immer gefallen hatte, trotzdem nie zu den ganz wichtigen gezählt werden konnte. Zwei Sachen fallen auf, dass erstens heute keine jungen Rockbands mehr solchen Ansprüchen genügen wollen und dass zweitens der Bass im Stück I’m so glad ohne grossen Aufwand in Zappas und Bruce’s Improvisation Apostrophe hineinkopiert werden könnte, wo Zappa auf der bundlosen Gitarre spielt, die immer so tönt wie eine sehr langhaarige Brunette mit noch längeren Beinen (auf der gleichnamigen Platte). Was für ein wunderschön melodiöser Cellobass! Erst im Verlauf des Wiederhörens merke ich, dass Jack Bruce sehr häufig so interessant gespielt hatte – zusammen mit einer Gitarre, die … (pfffff…) (nö, schlecht ist sie sicher nicht, aber gut? … !!! (soll heissen: bäh, wegen der Gitarre höre ich Cream sicher nicht!)).

Der zugefrorene Fluss

30. März 2008 um 18:55 Uhr von ur

„Der zugefrorene Fluss“, Paris 1990, ist ein grossformatiger Fotoband von Olivier Föllmi, den ich vor Jahren geschenkt bekommen hatte. Er dokumentiert den Schulweg eines elfjährigen Schülers und seiner achtjährigen Schwester im Zanskar – nicht den täglichen, aber den um nichts weniger haarsträubenden nach Hause in die Ferien. Jetzt kann man diese spektakuläre Eiswanderung mit einem anderen Fotografen, aber unter denselben Bedingungen, im Internet verfolgen:

http://picasaweb.google.com/toffi.photos/
ZanskarZimnPEchodAdaruNor2007

Leopold Bloom (Uli isses)

21. März 2008 um 21:54 Uhr von ur

Bis vor nicht sehr langer Zeit war das Wissen über den Alltagsmenschen eine Terra incognita auf den Landkarten der Wissenschaften und der Philosophie, und auch der Alltagsmensch selber träumte immer davon, wie es doch wäre, Recht auf Einsicht ins gewöhnliche Verhalten und in die Vorstellungswelten der nächsten und der weiter entfernten Nachbarn bekommen zu dürfen. Inzwischen ist dasselbe da, und es ist so weit wie nur vorstellbar ausgebreitet, alle Einschränkungen auf die Domänen der Wissenschaften und der Philosophie hinter sich lassend. Auf den privaten Homepages war nur zögerlich etwas zu erfahren, und auch die Blogs sind für die gewöhnliche Masse immer noch zu kompliziert in der Bewirtschaftung, weil in ihnen mindestens am Rande auch sprachliche Beiträge erwartet werden. Auf Google’s Picasa schauen die Verhältnisse nun ganz anders aus. Selbst wenn nach ganz eigentümlichen, geografisch abseitigen und intellektuell eher wenig bekannten Objekten gesucht wird, gerät man unverhofft mitten in Fotoalben von Einzelnen hinein, in denen Ausschnitte aus dem Alltag mit ihren Alltagsbekanntschaften aus dem Berufs-, Freizeit- oder Studienleben zur Darstellung gelangen. Doch was für ein Erwachen einem da nun widerfährt! Was für eine Qual der Einsicht, dass bei allen dasselbe zu beäugen wäre, bei Jungen, bei Alten, bei Östlichen und Westlichen, Weiblichen und Männlichen, Lustigen und Frustrierten, Politischen und Sportlichen. So langweilig erscheint der Mensch, wenn er nur Mensch zu sein scheinen will, keinen Deut interessanter und abwechslungsreicher als die Individuen oder Einzelexemplare einer Tiergattung. Wer im Konsum sich dem Sprechen entzieht und nichts tut, das seiner Sichtweise auf die Welt eine Gestalt verleiht, die andere wahrnehmen können, leistet nur den einen Beitrag ans Leben, das zu stärken, was es auslöscht, die Anerkennung des kulturindustriellen Einerleis. Bloom hatte im langen Text von Joyce nichts weiteres zu tun als die äusseren Ereignisse denkend zu begleiten, um das Besondere im Gewöhnlichen begreifbar zu machen. Im Zuge des Ausbaus der Vielfältigkeiten in den Medientechnologien sackt der gewöhnliche Mensch, von dem wir jetzt, nach Picasa, wissen, dass wir alle als dieselben Idioten dastehen, wie eine leere Hülle in sich zusammen, wenn er das nicht nach aussen zu kehren versucht, das ihn auch im Innern nicht mehr als Individuum erscheinen lassen will. Man ist heute häufiger ein Jasager als früher, weil es schneller gegen aussen sichtbar wird, dass man sich der Anstrengung des gewöhnlichen und also kritischen Nachdenkens durch Trägheit entziehen will. Das ist weder als eine griesgrämige Beobachtung über die Faulheit des Menschen im allgemeinen noch als unangemessene Einschätzung zu bewitzeln, die nur den Teufel an die Wand malt; erscheint der Mensch tel quel, also der Alltagsmensch im besonderen, in den Gebilden, die gesellschaftlich entstehen, als Leerheit, fällt es den Niederträchtigen nur um so leichter, die lebendigen Einzelmenschen in ihrem Tun, das gegen sie gerichtet ist, ohne Widerständigkeit zu ignorieren und schliesslich zu opfern.

Interkuhturalität

21. März 2008 um 10:00 Uhr von ur

Berner Simmentaler Kuh in Afghanistan, 2007:

http://picasaweb.google.com/honzafaltus/Afghanistan/
photo#5061715336437933954

Von diesem Bild aus unbedingt das ganze Picasa Album Afghanistan von Honza Faltus anschauen, 267 Bilder.