ça pas arrivé?

4. September 2011 um 20:51 Uhr von ur

Soeben fast zwei Stunden Zappa auf Französisch, in der besten Sendung von Espace 2, Musique d’avenir, wo er in der Programmnotiz auch einmal als Franck dasteht.

Lustig sicher, die sowohl deutsch wie englisch oft gelesenen Geschichten nun französisch gehört zu haben (ich könnte in dieser wunderlichen Sprache, die mich als perfekten Fremden auf Distanz hält, vielleicht auch mal anderes lernen als nur das „doucement!“ von Sylvain Saudan). Die gespielte Musik hätte ihm gefallen, im Radio, und erst noch von erst zu nehmenden Menschen kommentiert.

On parle de ça pas: The Yellow Skark, suite pour orchestre (extraits), dir. Wilson Hermanto, Orchestre des Hautes Ecoles de Musique de Suisse romande – mais on jouait ça, auch mit einem Alphorn, das ich in Franckfort 1992 nicht wahrgenommen hatte.

http://www.jardinsmusicaux.ch/programme-2011/yellow-shark/ Es lohnt sich, dieses Programm etwas genauer zu studieren. Was man auf dem Land und in den Krächen heute nicht alles zu hören bekäme….! Wer Musik liebt, kennt eine Devise gut: fort vo Bärn!

Nunes, Webern, Maderna

29. August 2011 um 20:29 Uhr von ur

Endlich sind die Ferien von Arnaud Merlin vorbei – und endlich ist die Radiosendung mit den besten Konzerten wieder en ligne.

Soeben auf France Musique live vom 16 juin à la Grande Salle du Centre Georges Pompidou, dans le cadre du festival Agora: Ensemble Remix, Emilio Pomarico, direction.

Emmanuel Nunes (né en 1941), Einspielung I pour violon et électronique (création de la version électronique), Diégo Tosi, violon, José Miguel Fernandez, réalisateur en informatique musicale.

Anton Webern (1883-1945), Symphonie op. 21, I. Ruhig schreitend, II. Variationen : sehr ruhig.

Bruno Maderna (1920-1973), Juilliard Serenade (Tempo Libero II) pour orchestre de chambre et bande magnétique.

Emmanuel Nunes (né en 1941), Wandlungen.

Trotz grosser Müdigkeit von der Tour gestern im Turtmanntal, mit zwei Nächten ohne längeren Schlaf als je drei Stunden, öffnen sich die Ohren schon bei den ersten Tönen des ersten Stückes und bleiben gespannt & gespitzt bis ans Ende des Konzerts. An solche Musik dachte ich in den stillen Steinhaufen von Üdri und Pletschu, wenn ich die Schritte für einen Moment anhielt.

Routenfindung

22. August 2011 um 7:06 Uhr von ur

Wie weiter nach La Lé, Bella Lui, Bella Tola und La Dôle? Die Lösung dünkt mich munter heute: Le Dôle!

Zehnder Dusapin Pesson Gervasoni Birtwistle Herrmann

10. August 2011 um 21:28 Uhr von ur

Die Disco hatte heute eine geschlossene Vorstellung und wird morgen hier einen paradiesischen Link präsentieren:

http://www.ueliraz.ch/2011/zinal.htm

Der Text, der in der Disco zu erwarten wäre, steht dort zuunterst.

Boulez: Ravel, Schönberg, Strawinsky

3. August 2011 um 20:36 Uhr von ur

Soeben auf Espace 2 direkt live aus Köln: Pierre Boulez und das Mahler Chamber Orchestra:

Maurice Ravel, Ma Mère l’Oye.

Arnold Schoenberg, Concerto pour violon et orchestre (Michael Barenboim).

Igor Stravinsky, Petrouchka. Version originale de 1911.

Eine musikalische Aufführung ist unter anderem auch dann geglückt, wenn man beim Zuhören denkt, am besten würde diese Musik gar nie mehr aufhören müssen. Sowohl bei Schönbergs Violinkonzert wie bei Strawinskys Petruschka katte ich ständig dieses gute Gefühl.

Bildungsferne

26. Juli 2011 um 5:32 Uhr von ur

Der Ausdruck der bildungsfernen Schichten und Milieus gehört zu den wissenschaftlichen Disziplinen der Soziologie und der Pädagogik und soll gesellschaftliche Defizite so beschreibbar und verstehbar machen, dass auf sie eingewirkt werden kann und die Zustände unter den Devisen der Chancengleichheit und der aufgeklärten partizipativen Demokratie nachhaltig verbessert werden. Das ist im ganzen korrekt und drückt sich doch um die Wahrheit, die das Ganze wäre.

Vor dreissig bis vierzig Jahren war es verpönt, über Einzelmenschen zu sagen, sie seien dumm, denn die Dummheit hat man als etwas verstanden, das erlernbar ist: als ein Effekt schlechten Sprechens nicht nur in der Schule, sondern auch in der Familie und in den Medien. Man fühlte sich herausgefordert, auch dem Geringsten die Verhältnisse im Gespräch auseinanderzulegen, damit auch er sich kritisch mit ihnen auseinandersetzen könne. Nur in extremen Fällen fühlte man sich nicht zum Sprechen aufgemuntert oder herausgefordert, weil einem der andere in der Tat als zu dumm erschien. Mich dünkte dieser Entschluss, von einem anderen dessen Natur zu respektieren, etwas Humanes, keineswegs ein Effekt von Eingebildetheit. Im Bildungsdiskurs heute verschwinden diese kuriosen und irritierenden Reste des Humanen auf eigentümliche Weise, wenn alle Dispositionen der Natur als gesellschaftliche begriffen werden – wenn restlos alle mitmachen sollen, auch die, die ihr Leben besser angeschnallt vor dem Fernseher verbringen würden.

Weitaus stossender und füglich ideologisch erscheint der Diskurs der Bildungsfernen, wenn er den lokalen und globalen Machtgebilden mit ihren spezifischen Akteuren gegenübergestellt wird. Denn wenn ein Milieu als bildungsfern zu charakterisieren wäre heute, dann das der Journalisten in der Kulturindustrie, der Schwer- und Kulturindustriellen allgemein, der Banker, der Finanzhändler, der Finanzmarktkontrolleure, der Kontrolleure der grossen Risikoindustrien, der Politiker etc. Unvergessen die gesellschaftlichen Zusammenhänge, als in der Schweiz eine Präsidentin der Sozialdemokraten es wagte, Bildung als Kategorie des politischen Diskurses aktiv in Szene zu setzen: die Meute der Kulturindustrie zerfetzte sie wie ein rares Reh, um bluttriefenden Auges mit den strammen Führern der Politik und der Industrie weiter unabgelenkt und ungehemmt ihrer Wege zu ziehen, weit hinaus in die noch nicht eroberten Gefilde der Bildungsferne.

Panorama herstellen mit Hugin

25. Juli 2011 um 7:15 Uhr von ur

Ich habe in den letzten zwei Wochen über hundert Panoramen neu gestitcht, die vorher mit Autostitch hergestellt wurden: Hugin macht immer schärfere Bilder und ist in seinen Steuerungsmöglichkeiten zu gut, als dass es wegen ein paar Anfangsschwierigkeiten für neue UserInnen ungenutzt bleiben sollte. Alle untenstehenden Erfahrungsangaben beruhen auf dem System Windows XP, 3.1 GHz, 2 GB RAM mit zusätzlicher Grafikkarte.

Nach der Installation und dem ersten Programmstart erfolgen bleibende Einstellungen unter Menue Datei/Einstellungen: Allgemein/Zwischenspeicher für Bilder: 1000 MB. Assistent/Bilder laden (leer), Fertiges Panorama skalieren auf 100 Prozent, Vorschau nach Ausrichten öffne nichts. Kontrollpunkt-Detektoren/Hugins-CPFind (Standard).

Vor dem ersten Panorama durch Hugin werden die Bilder fotografiert (alle Apparate und Objektive sind möglich, ideal senkrechte Aufnahmen mit fester Belichtung, auch doppelstöckige oder doppelreihige Panoramen werden erkannt, Panoramakopf nur in sehr speziellen Fällen nötig – ich benutze ein Einbeinstativ mit Kugelkopf), alle Panoramadateien mit FastStone-ImageViwer oder ähnlichem in einen Ordner kopieren, der nicht tief in der Ordnerstruktur verborgen ist und keine Sonderzeichen enthält (optimal D:\panorama, nicht verwendbar D:\Dokumente und Einstellungen\Köbi\meine Panorämelis : zu tief verborgen, enthält Leerschläge und Umlaute), Dateien halbieren (Adobe-RGB kann beibehalten werden). Bei Autostitch war ein Zettel mit der Liste aller zu erstellender Panoramen, die man nacheinander abhakt, nötig, bei Hugin bloss noch empfehlenswert, um den Kopf bei vielen Panoramen freizuhalten.

Hugin starten/Assistent/1. Bilder laden/alle des ersten Panoramas markieren/OK. Meistens erkennt Hugin die Brennweite und den Formatfaktor, zuweilen nur die Brennweite: der Formatfaktor für Olympus DSLR ist 2, für Canon und Nikon 1.5, und die anderen findet man online, falls sie nicht erkannt werden (die alte Minolta A2 wurde spielend erkannt). Hugin arbeitet besser mit den zwei Angaben Brennweite und Formatfaktor als mit derjenigen des effektiven Bildwinkels. Objektivtyp ist wie vorgegeben gradlinig (rectilinear), Ausnahmen kenne ich nicht, eventuell Fischaugenobjektiv. (Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Ausdruck gradlinig fürs Objektiv und gradlinig oder sphärisch für die Panoramaausgabe.) Ctrl-s speichert mit Namen für eine ganze Serie, also panorama-1. Jedes Panorama speichert seine Erstellungsdaten, so dass bei einer nachträglichen Korrektur das Neuberechnen viel schneller geht, als wenn das Panorama effektiv neu hergestellt werden müsste.

Assistent/2. Ausrichten. Das Panorama wird berechnet, anschliessend in wenigen Zeilen kommentiert. Diese Kommentare sind nicht immer zutreffend: manchmal wird behauptet, die Bilder würden optimal zueinander passen, aber das Programm hat nur einen Ausschnitt gewählt, manchmal wird umgekehrt kritisiert, die Bilder würden nur schlecht zueinander passen, aber das Panorama ist tipptopp.

Menue-Icon Vorschaufenster (nicht OpenGL-Vorschaufenster, das führt bei mir zu einem Programmabsturz (ansonsten hat es keine Abstürze gegeben)). Der weisse Rahmen zeigt, was Hugin vorhat, als Panorama auszugeben, ebenso, wo möglicherweise falsch gestitcht wird. Die Änderung des weissen Rahmens geschieht im Reiter Zusammenfügen: nacheinander Bildwinkel berechnen, Optimale Grösse berechnen, Beschnitt den Bildern anpassen (Hugin holt hier die Daten aus der bereits geleisteten Berechnung). Will man das ganze Panorama ohne Beschneidung, schreibt man Links 0, Oben 0, Rechts volle Breite, Unten volle Höhe. Nach der Änderung der Beschneidung wird keine Neuberechnung nötig. Im Vorschaufenster lässt sich die von Hugin automatisch gewählte Ausrichtungsweise selbst wählen, die Berechnungen fürs Stitchen bleiben dieselben (gradlinig bei sehr wenigen Einzelbildern, sphärisch und zylindrisch bei grösseren).

Assistent/3. Erstellen des Panoramas, mit Speichern sowohl des auszugebenden Panoramas wie der Hugin-Datei.

Ctrl-n /Assistent/1. Bilder laden/alle des zweiten Panoramas markieren/OK. Ctrl-s speichert mit Namen für eine ganze Serie, also panorama-2. Undsoweiterundsofort.

Will man bei einem 360°-Panorama den Mittelpunkt ändern, wählt man unter Bilder das neue Ankerbild: Positionsanker festlegen. Das Panorama muss neu berechnet werden.

Will man knapp kein 360°-Panorama, maskiert man im letzten Bild die verdoppelnde Passage.

Die Maskierung wird auch dann verwendet, wenn bewegliche Objekte nur an einer Stelle erscheinen sollen. Bei fehlerhaft zusammengesetzten Stellen, insbesondere freistehenden Linien oder Kanten, etwa Feldwegen oder Trottoirs bzw. Gehsteigen, benutzt man wahlweise die Maskierung und/oder die Setzung neuer Kontrollpunkte (Fenster auf 100% setzen). Nach einem solchen Eingriff reklamiert Hugin weiterhin und zeigt im Vorschaubild immer noch fehlerhafte Stellen, obwohl das Bild richtig ausgegeben wird. Man darf dem Programm mehr vertrauen als es sich selbst zutraut, und es kann auch dann Bilder fehlerfrei zusammensetzen, wenn sie sich nur in einem winzigen Bereich überlappen – nicht automatisch, aber mit einer kleinen Aufmunterung durch manuelles Setzen einiger weniger Kontrollpunkte.

Der Optimierer korrigiert auch unterbrochene oder verschobene Linien bei Feldwegen, Strassenrändern oder Stromleitungen, wenn zusätzlich die zwei letzten Funktionen aktiviert werden: horizontaler und vertikaler Versatz.

Schostakowitschs Achte (2)

23. Juli 2011 um 21:15 Uhr von ur

Soeben auf France Musique En direct du Festival d’Aix en Provence, London Symphony Orchestra, Valery Gergiev, Direction.

Claude Debussy
La Mer (1903, 1905)

Dmitri Chostakovitch
Symphonie N°8 en Ut mineur Op.65 (1943)

Ich weiss nicht, wie oft ich dieses Werk schon gehört hatte, zum ersten Mal sicher Ende der siebziger oder Anfang der achtziger Jahre auf DRS 2 (morgens, als der Sender noch gut war, auf Opas geerbtem Rörenradio – als nota bene alle Symphonien gespielt wurden) – aber diese Aufführung ist sicher die von mir am intensivsten erlebte, mindestens so stark wie die letzte. Schostakowitsch wird zunehmend von meinen Ohren rehabilitiert.

Debussys Mer war hingegen normale Vollkost, kaum des Schwimmens wert.

Rupert Murdoch

19. Juli 2011 um 20:56 Uhr von ur

Rupert Murdoch, Inbild der Kulturindustrie

Man könnte ganze Telefonbücher mit Namensadressen von solchen füllen, die dem Reich dieses Teufels dienen, um den Massen nicht nur den Gehalt ihrer Lohnarbeit aus den Taschen zu ziehen, sondern auch das spärliche Vermögen zwischen ihren Ohren.

Dusapin, Morning in Long Island, Concert N°1 (2. Aufführung)

18. Juli 2011 um 20:44 Uhr von ur

Soeben auf France Musique direkt live aus der Royal Albert Hall, London:

Pascal Dusapin, Morning in Long Island, Concert N°1, Commande de Radio France, UK-Première. Orchestre Philharmonique de Radio France, Myung-Whun Chung, Direction.

Ein schönes Erlebnis, dieses neue Werk innerhalb von weniger als einem Monat zweimal direkt live zu hören. Ich kann heute dasselbe schreiben wie bei der Uraufführung am 24. Juni 2011, mit dem Zusatz, dass die an Bernstein gemahnende Simplizität nach der 26. Minute (von 31) eine vermittelt imitierende ist, keine originär kopierende. Dadurch wird auch der negative Ausdruck des Naturalismus mitsamt der Invektive einer Filmmusik hinfällig: Das Konzert Nr.1 von Pascal Dusapin ist Musik von Dusapin, geschrieben in Erinnerung an einen frühen Morgen auf Long Island. Für uns, das zuhörende Publikum, hat die Lokalität keine Bedeutung ausser der trivialen, das Werk im Ganzen nochmals Revue passieren zu lassen. Die Bestimmungen erhalten dadurch etwas Zusätzliches, das sie nicht in einer spontanen Eindeutigkeit mehr ruhen lassen. Und die letzten Sechstel oder Siebtel in vielen Werken von Dusapin sind eine Besonderheit, die sich bis auf weiteres nicht allgemein fassen lässt.

Ur II, 9

17. Juli 2011 um 6:51 Uhr von ur

Ur I gratuliert ur II zum Neunten. Es hat gestern eine schöne Tour gegeben.

Ivan Fedele, Magnus Lindberg

29. Juni 2011 um 20:09 Uhr von ur

Soeben auf Radio France Concert donné le 10 juin 2011 au CentQuatre en coproduction avec l’Ircam / Festival Agora & Radio France.

Ivan Fedele, La pierre et l’étang (…les temps…), Commande de Radio France et de l’Ircam, Création Mondiale. Die zwei äusseren schnellen Sätze dünken mich gute Unterhaltung mit schönen Effekten, der mittlere einfache Barmusik, die vielleicht etwas verdichteter gestaltet sein dürfte.

Magnus Lindberg, Kraft. Ein frühes Stück, deutlich hilfloser als die mir bekannten frühen, fast schon wie eines der aktuellen. Immerhin enthält es angenehme Hintergrundsounds fürs Schreiben über Musik, andere. Die Kraft verspüre ich nur, insoweit sie nachlässt.

Magnus Lindberg, Piano, Nicolas Baldeyrou, Clarinette, Nadine Pierre, Violoncelle, Daniel Ciampolini, Percussions, Francis Petit, Percussions. Quatuor Renoir. Thomas Goepfer, Réalisation informatique musicale Ircam, Orchestre Philharmonique de Radio France, Ernest Martínez Izquierdo, Direction.

Dusapin, Morning in Long Island, Concert N°1

24. Juni 2011 um 19:38 Uhr von ur

Soeben auf France Musique direkt live aus der Salle Pleyel:

Pascal Dusapin, Morning in Long Island, Concert N°1, Commande de Radio France, Création mondiale. Orchestre Philharmonique de Radio France, Myung-Whun Chung, Direction.

Die Schönheit der Musik von Dusapin ist auch hier wie immer schon ein Genuss. Allerdings siedelt das Werk nah am Naturalismus, zu dem auch die swingenden Anleihen bei der Minimal Music gegen den Schluss hin zu zählen sind. Mich dünkt es im Ganzen gefährlich simpel, als ob der Weg nun hin zur kommerziellen Filmmusik freigeschrieben worden wäre.

GW

16. Juni 2011 um 9:54 Uhr von ur

Soeben auf DRS 2 eine erfrischende Sendung von Angelika Schett im Gespräch mit dem Co-Autor von „Alles Bluff! Wie wir zu Hochstaplern werden, ohne es zu wollen. Oder vielleicht doch?“ Christian Saehrendt. Wie gerne nur tät ich das Buch einigen Bekannten, nicht unbedingt freundschaftlich Bekannten, empfehlen oder, ganz selbstlos, zum Geschenke machen. Dass man diesen Unsinn langsam zu bemerken und gesellschaftlich zu diskutieren beginnt…?

Georges Aperghis, Luna Park

8. Juni 2011 um 20:09 Uhr von ur

Soeben auf France Musique live direkt aus dem IRCAM: En direct du Festival Agora/Ircam : Georges Aperghis, Luna Park (nouveau spectacle)

Eva Furrer, Flûte octobasse, Johanne Saunier, Percussion, Richard Dubeslki, Percussion, Michael Schmid, Flûte basse, Greg Beller, Réalisation de l’informatique musicale IRCAM, Daniel Lévy, Lumière, dispositif scénique, video.

Ziemlich hübsch, ein Anstoss, Aperghis näher ins Ohr zu fassen, wenn mich die Anlage auch zusehr am Film orientiert vorkommt (esse est percipi dünkt mich nur noch auf Friedhöfen wirklich aktuell). Ich musste mich zeitweilig dagegen wehren, nicht von Cordonna, Tsalevey, Tsousse, La Pierre, Fournoutse und L’Emenna zu träumen. Nächstens, sobald die Natur ihren Frühlingsdurst gestillt hat, in Bourg St-Pierre – volle Bagage dann!

In einer Passage ein schöner Berner Missverhörer: „Two people speak (agités): ‚Es geit!'“

XP Neuinstallation – die Zweite.

1. Juni 2011 um 12:08 Uhr von ur

Vor zehn Tagen musste ich, wie damals beschrieben, eine Neuinstallation von Windows-XP-SP3 vornehmen. Heute wurde wiederum eine neue nötig, weil ich gestern auf die Idee gekommen war, die neuesten Bilder wie üblich sowohl auf einer externen Harddisk auszulagern wie auch zusätzlich auf DVDs zu sichern. Sieh an, der Brenner wollte nicht mehr starten, Cyberlink Power2Go, stattdessen zeigte er die Meldung „Initialisierung des Brenngeräts…“ und blieb hängen (dieses Problem geschah vorübergehend schon vor einem Jahr, wo vor jedem Brennvorgang die fünfminütige Initialsierung abgewartet werden musste – nach zwei Monaten funktionierte das Programm wieder gut, ohne dass ich etwas anderes eingestellt hätte). Dann also durch alle Deppenforen, wo einer auch den Tipp von sich pisst, in der Registry die Einträge mit upper-filters zu löschen. Ich machte es einmal, doch Power2Go blieb trotzdem hängen. Also machte ich es nochmals, das Löschen des Registry Eintrags mit upper-filters (wo jetzt ein anderer Codewert stand als zuvor…), und wollte den Computer neustarten. Scheissdraufaufbill – der Computer bleibt beim hellblauen Willkommenbildschirm stehen (eine Registry-Kopie hilft einem da nicht gerade viel…). Also F8 mit abgesichertem Startmodus: dasselbe hellblaue Hängenbleiben!!!!!! Meisenscheisse, noch besser: dicke fette saure Amselscheisse auf die Programmierer von XP und von Cyberlink!

Ich vergass glücklicherweise nicht, das digitale mit dem analogen Bildschirmkabel auszutauschen, und führte die alleinseligmachende Reparatur-Neuinstallation aus. Alles verhiehlt sich so, wie vor zehn Tagen beschrieben, selbst der Internetzugang wurde mit den automatischen Updates erst nach ungefähr zehnmaligem Neustarten wieder freigegeben. Wie der Brenner wieder in Gang zu bringen wäre, weiss ich allerdings immer noch nicht – Hauptsache, ich habe diesen Ärgermorgen glücklich überstanden.

Zusatz 8. Juni 2011: Die Lösung ist gefunden. Der Verursacher des Problems war Daemon-Lite, ein Programm für Virtuelle Laufwerke. Nachdem dieser Daemon deinstalliert worden ist, startet Power2Go ohne Verzug. Ob er auch dafür verantwortlich ist, dass die Programmpartition so stark zu fragmentieren begann, wird sich noch zeigen müssen.

Jumppanen: Stockhausen, Cage, Boulez

31. Mai 2011 um 3:56 Uhr von ur

Gestern live auf France Musique, Concert enregistré le 30 avril à la Cité de la Musique à Paris, Parvi Jumppanen, piano.

Karlheinz Stockhausen (1928-2007), Klavierstück XI [957] (première version).

John Cage (1912-1992), Music of Changes [1951] (extraits), cycle en quatre parties pour piano: Music of Changes I, Music of Changes III.

Karlheinz Stockhausen (1928-2007), Klavierstück XI [1957] (deuxième version).

Pierre Boulez (né en 1925), Sonate n° 3 pour piano [1955, 1957, 1963, unfertig]: Formant 2 : Trope (Parenthèse, Glose, Commentaire, Texte), Formant 3 : Constellation-Miroir.

Ein Programm ganz nach meinen Wünschen, mit unverwüstlichen Werken, die doch solche waren, die alles das aufbrechen wollten, was in den 1950er Jahren unverwüstlich dreinzuschauen drohte. Es erstaunt nicht, dass ich mich beim Werk von Boulez am wöhlsten fühle, weil das Radikale vermittelt erscheint und die Musik einem zum Träumen Anlass gibt, zum Weiterträumen aus den musikalischen Ereignissen und Konstellationen heraus in noch unerkannte Universen hinein. Diese Musik hat noch nicht im geringsten zu altern begonnen.

Nakatani, Franke, Gelmini, Hartmann

27. Mai 2011 um 20:58 Uhr von ur

Soeben auf Bayern 4 gehört direkt live: Musica Viva, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Leitung: Lucas Vis.

Toru Nakatani: „For 54 players“ (Uraufführung). Ein Stück in äusserst interessanter mikrotonaler Stimmung, von dem man während des Hörens meint, es fehle ihm der Formwille, bis man ihn in den Bewegungen der Stimmung selbst herauszuhören beginnt. Ich würde es gerne noch mehrere Male auf CD hören, in einer Studioaufnahme ohne Huster und ohne Cablecom-Fehlgeräusche der Übermittlung.

Bernd Franke: „Praya Dubia“ (Uraufführung). Hübsch gemachte Unterhaltung, in der Ästhetik so fragwürdig wie John McLaughlin oder Zappa mit Orchester, wenn auch besser, immerhin. Ich protestiere dagegen, dass man eine interessante Stelle von Varèse kopiert (ein bis zwei Minuten nach dem Anfang) und dann so etwas Leichtes dahinbastelt.

Caspar de Gelmini: „Nightline“ (Uraufführung). In den erst später einsetzenden Orchesterparts höre ich gerne zu, in den dünn gesetzten Stellen nimmt mich das kompositorische Denken zu wenig gefangen. Ich wage die Behauptung, dass der Komponist zu wenig lange die serielle Musik studiert hat, um souverän sich davon distanzieren zu können. Er müsste zur Selbstdisziplinierung ein Stück für Blockflöte schreiben müssen, von dem er die Behauptung zu verteidigen hätte, dass aus ihm seine ganze Ästhetik herauszulesen wäre.

Karl Amadeus Hartmann: Symphonie Nr. 2 – Adagio. Ich kenne dieses Stück schon seit dreissig Jahren und habe es fast immer gerne gehört, auf Schallplatte, das letzte Mal vor über zehn Jahren. Heute dünkt mich, ich hätte etwas Neues gehört, in dem nur die akzentuierten Streicher die Erinnerung wachrufen. Ich folge der Aufführung fasziniert und freudig angespannt – Hartmann wäre ein wahrer Widersache von Schostakowitsch, und man müsste ihn ebenso oft im Radio spielen wie diesen, beide vorzugsweise zeitlich nahe beieinander.

Zusatz: Offenbar verspüren auch andere eine Nähe Hartmanns zu Schostakowitsch, denn als Füller nach dem Konzert bis zur Programmfortsetzung spielte man just Musik des Letzteren.

Traumland Graubünden

26. Mai 2011 um 4:22 Uhr von ur

Nicht die Länge des Traumes ist ungewohnt, sondern die Stabilität und Kohärenz in ihr, als hätte er die ganze sechsstündige Schlafenszeit gedauert, von der ich aber überzeugt bin, dass sie einmal kurz unterbrochen war, sei es am Anfang, in der Mitte oder gegen Ende der sechs Stunden. Ich bin im Bündnerland zu Besuch, in einem Haus in mittlerer Höhe eines grossen Hangs, ältere Generation aus der Verwandtschaft. Sehr gute, angenehme Atmosphäre mit intellektuellem Gedankenaustausch. Abends kommen noch andere zu Besuch, ein bisschen als ob mein eigener Besuch dadurch gewissermassen geehrt würde, wie nach alter Sitte. Es wird nach Wein gefragt, und statt Nein zu sagen sage ich Ja, mit der Gegenantwort, man hätte nicht vor, viel zu trinken, nicht als Warnung zu verstehen, sondern gegenteilig als ahnungslose Beruhigung. Nun beginnen interessante, anspruchsvolle Spiele, in denen nichts zu tun ist ausser zu sprechen für die einen, zuzuhören mit Kommentaren und Ergänzungen für die anderen. Ich bin in höchster Bewunderung dafür, was diese Leute alles von sich zu geben wissen. Bei einem Spiel wird es für mich etwas peinlich. Es geht darum, auf ein gegebenes Stichwort hin etwas zu schaffen, ich glaube, ich hätte ein Lied singen oder pfeifen müssen, vielleicht auch nur es beschreiben. Das Wort, das irgendjemand für mich in die Runde wirft, ist Bach. Meine Güte! Alle konnten mit ihren Worten etwas machen, nur bei mir stockt das Spiel. – Es wird Morgen, und ich gehe auf einen Spaziergang den Hang hinunter, in der Ebene irgendwo in ein Haus, darin in den ersten oder zweiten Stock, in einen Raum mit Sicht zurück gegen den Hang. Mich dünkt, das wäre nun die Gelegenheit, mich nützlich zu machen, denn der Hang sieht wunderschön aus, und ich bin überzeugt, die Gastgeber hätten ihre schöne Wohnlage noch nie so gesehen. Ich gehe zurück, um Fotoapparate und Einbeinstativ zu holen, komme tatsächlich in dasselbe Haus wieder zurück, gehen in den ersten oder zweiten Stock des vorhin stillen Hauses. Mittlerweile sind seine Bewohner aber erwacht. Als ich ins Zimmer schleiche, wo ich durchs Fenster hinaus fotografieren will, lässt man, physikalisch nicht nachvollziehbar, eine Sonnenstore herunter, die mir die Sicht nimmt. Ich sehe mich gezwungen, nach unten zu gehen, um in der Store ein Loch zum Fotografieren zu finden. Unter der Store ist ein grosser Raum mit Lebewesen, der Raum selbst mit einer Fensterwand abgeschlossen. Man ist am Frühstücken, aber ich bin nicht sicher, auf welcher Seite. Ich bekomme aber ohne weiteres die Erlaubnis, den Raum zu betreten, um die Foto machen zu können. Ich gehe durch die Glastüre ins Innere und werde gewahr, dass die Lebewesen Äffchen sind, mal etwas grösser, mal kleiner, mal deformierte Menschen, mal schön und herzig, mal weniger. Einige könnten bedrohlich sein, aber von der anderen Seite her ist man aufmerksam. Insgesamt wirkt der Raum mit den ungewohnten Lebewesen, der offen scheint wie in einer Gartenwirtschaft an einem sonnigen Morgen, nicht bedrohlich. Dennoch bin ich bald wieder draussen, denn von unten kann ich den Abhang wegen zu nahe stehender Häuser nicht gut fotografieren. Die Ebene hat eine Gegenhöhe, auf die eine Strasse mit Pappeln führt, zuoberst mit einer Kirche oder einem Schlossgebäude, eine Anlage, wie sie des öfteren in Europa zu sehen ist. Bis zuoberst will ich nicht gehen, weil der Morgenspaziergang nur kurz sein soll, und auf dem Weg nach oben hat es zuviele Bäume und Sträucher. In der Mitte gibt es eine Abzweigung in ein Wäldchen, das mit einer Mauer umgeben ist, auf der ich den Hang mit dem Haus der Gastgeber zu fotografieren gedenke, über die Ebene mit dem Haus der Äffchen hinweg. Ich mache dieses, auch mit einem Panorama, gehe auf der Mauer zurück zur Burg- oder Kirchenstrasse. Ich sehe schon, wo ich hinuntersteigen will, als eine Gruppe etwa zwanzigjähriger Frauen an dieser Stelle auftaucht, in gar nicht zurückhaltender Stimmung, als ob sie mich nicht wirklich sehen würden und partout meinen wollten, der Mann aus der Fremde könnte ihnen nur gefallen. Zwei von ihnen gefallen indes mir selbst ausserordentlich, und unversehens sind sie auf der Mauer, und eh der Tag wirklich beginnt, ist ein Liebesrausch ohne jede Hemmungen im Gange, nur mit der kleinen Verwunderung darüber, dass die heisse Haut der jungen Bündnerinnen nicht braungebräunt, sondern sehr weiss erscheint, wenn auch in der Heissblütigkeit und süssen Schweissesglätte nicht adelig.

Geleisefehler SBB

23. Mai 2011 um 15:28 Uhr von ur

Der Bahnhof Sursee hat drei Gleise für die Personenzüge, Gleis 1 direkt am Stationsgebäude für die Schnellzüge Richtung Luzern, Gleis 2, das mittels Unterführung erreichbar ist, für die Regionalzüge Richtung Olten und Richtung Luzern (für beide ist Sursee der Endbahnhof) und Gleis 3 für die Schnellzüge Richtung Basel und Bern. Heute Morgen sass ich im Regionalzug nach Rothenburg, also Richtung Luzern, mit Abfahrt 11.48 Uhr und sah, als auf dem benachbarten Gleis 1 ein Zug vorbeidonnerte, wie fünf bis zehn Schwellen sich bis zu zwei oder gar drei Zentimetern hoben und wieder senkten, anzuschauen wie eine schwankende Hängebrücke – auf den Schwellen das Gleis, auf seinen Schienen die Räder mit dem Zug. Da ich solches noch nie gesehen hatte, fragte ich mich, ob das üblich sei – oder doch ein spezielles Übel an dieser Stelle. Ich sah, dass sich die Stelle am Ende des Stationsperrons befindet, wo gleisseitig eine Tafel montiert ist. Bei der Rückkehr überlegte ich mir weiter, ob das ein Problem sei, das zu melden wäre. Da e-mailen schnell geht und das angesprochene Personal sich selbst schnell und ohne Aufwand ein Bild von der Sache machen kann, entschied ich mich, direkt nach Sursee zu schreiben, nicht ohne vorher bei der Ankunft an derselben Stelle, wo die Abfahrt am Morgen geschah, nochmals einen Blick auf die Tafel zu werfen. Nun sah ich die zu merkenden Zahlen, eine 69 mit einer darunterliegenden 2. Ebenso sah ich deutlicher als am Morgen, dass genau in der Zone der seltsam beweglichen Schwellen kleine Geräteinstallationen mit langen Kabeln vorliegen. Der spontane Gedanke war, dass sie vielleicht die Irregularität hervorrufen und dass man den Zusammenhang noch nicht entdeckt hätte. Nur schwach signalisierten mir die Augen, dass zur Installation auch zwei sehr kleine Gebilde gehörten, die ausschauen wie die Strassendurchgänge bei elektrischen Viehzäunen, sehr stark verkleinert. Erst nah in Bern zündete mein schwacher Verstand und begann zu verstehen: die SBB hat den Fehler schon längst entdeckt und macht mit diesen feinen Sensoren die Datenaufnahme. Das ist die gute Meldung. Man kann in der nächsten Zeit im Bahnhof Sursee mit einer Baustelle rechnen. Das könnte für einen dicht befahrenen Bahnhof eine unangenehme Meldung sein.

Zusatz 30. Mai 2011: Ich hatte heute aus einer Laune einen Fotoapparat bei mir, Olympus e-420 mit Pancake, und erst als ich wieder an derselben Stelle im Regio von Sursee nach Rothenburg sass wie vor einer Woche, kam mir in den Sinn, doch eine Foto zu machen – und als der Schnellzug wieder durchbrauste, blieb ich mit dem Finger auf dem Abdrücker. Mich dünkt, dass vor einer Woche die Hebung grösser gewesen sei.

Zusatz 6. Juni 2011: Nochmals eine Aufnahme.