Archiv für den 'Musik'-Themenbereich

Lise de la Salle: Liszt

Dienstag, 14. Februar 2012

Soeben auf France Musique Concert donné le 7 décembre 2011 à Paris, Auditorium du Louvre.

Lise de la Salle, Piano

Franz Liszt, Funérailles S.173 N°7 (1849), Ballade N°2 en Si mineur S.171 (1853), Après une lecture de Dante S.161 N°7 (1861), Nuages gris S.199 (1881).

Wolfgang-Amadeus Mozart & Franz Liszt, Réducteur, Requiem en Ré mineur K.626, Lacrymosa (1791).

Robert Schumann & Franz Liszt, Liebeslied S.566 (1848), Frühlingsnacht S.568 (1840).

Franz Schubert & Franz Liszt, Réducteur, Ständchen D.957 N°4 (1828).

Richard Wagner & Franz Liszt, Réducteur, Mort d’Isolde, Ext. de Tristan et Isolde Wwv.90 (Act.III;1859 ).

Liszt hat immer noch Mühe, bei mir so anzukommen, wie seine Musik es verdiente. Die Vermittlungsarbeit von Lise de la Salle trägt viel dazu bei.

Romitelli, Pintscher, Neuwirth

Montag, 13. Februar 2012

Soeben auf France Musique Concert donné le 15 décembre 2011 à la Cité de la Musique, Paris. Leigh Melrose, Baryton, Emmanuelle Ophèle, Flûte basse, Alain Billard, Clarinettes basse et contrebasse, Vincent David, Saxophone, Gérard Buquet, Tuba. Ensemble intercontemporain, Matthias Pintscher, Direction.

Fausto Romitelli (1963-2004): Amok Koma (2001).

Matthias Pintscher (*1971): Songs from Solomon’s garden (2009).

Olga Neuwirth (*1968): Construction in Space (2000).

Ein braves Konzert mit drei guten, aber nur noch wenig umwerfenden Stücken. Die Freude den Tag lang auf es ging im Verlaufe über in eine Überraschung des Gewöhnlichen, das schnell veraltet. Die Werke rühren einen eher an wie Gymnastikübungen als dass sie noch tiefer zu bewegen vermöchten. Schlecht sind sie nicht. Aber weiteres darüber hinaus?

Hans Thomalla: Fremd

Montag, 13. Februar 2012

Gestern auf SWR2 Aufführung vom Juli 2011 in der Stuttgarter Staatsoper mit Medea: Annette Seiltgen, Jason: Stephan Storck, Kind 1: Julia Spaeth, Kind 2: Carlos Zapien, Die Argonauten: 8 Altistinnen, 12 Tenöre und 18 Bässe des Staatsopernchors, Staatsorchester Stuttgart, Leitung: Johannes Kalitzke.

Hans Thomalla: „Fremd“, Oper in 3 Szenen, einem Intermezzo und einem Epilog

Fremd ist eine perfekt komponierte Oper, perfekt aufgeführt, hier zu hören im perfekten Zuschnitt der Uraufführungskonzerte für eine CD-Produktion, und sehr tot. Trotz des ausführlichen Gesprächs mit dem Komponisten muss Wikipedia helfen, den Plot verständlich zu machen: ein Schnösel der High Society macht mit ein paar Freunden eine Weltreise, mit dem Ziel, den politisch Regierenden die letzten gesellschaftlichen Reserven aus den Taschen zu ziehen. In einer Stadt der Neureichen trifft er, Ionas, auf Medea, eine Art von Murdochs Tochter heute. Sie bleiben zusammen, haben zwei Kinder. Weil Ionas später einmal weiterzieht und eine andere Frau hat, tötet Medea ihre Kinder. Nach der Intention des Komponisten sollte das Schreckliche die Musik überhaupt ausmachen, den „Konflikt von Natur und Begriff“ – und „ein Musiktheater, daß (sic) sich mit der Argonautika auseinandersetzt, immer eine Reflektion über Musik selbst sein“. Ich habe in diesem aufgebrühten Strauss nichts verspürt, nichts in der abwechslungsreichen, unterhaltsamen Musik, nichts in den erzählten Gehalten. Die ganze Zeit dachte ich an Henry Millers Air-Conditioned Nightmare, und dass dieses Werk entschieden mehr Inspirationskräfte freisetzte als die aalglatten Straussopern, die in den Aufmachungen von Nono und Lachenmann wieder um Applaus heischen.

Gérard Pesson

Dienstag, 7. Februar 2012

Gestern auf France Musique Concert enregistré le 8 décembre à Paris, à l’Auditorium Saint-Germain.

Gérard Pesson (né en 1958), Dispositions furtives, Wilhem Latchoumia, piano, Fuminori Tanada, piano.

Joseph Haydn (1732-1809), Concerto pour piano en ré majeur Hob. XVIII 11 (arrangement pour deux pianos), Wilhem Latchoumia, piano, Fuminori Tanada, piano.

Gérard Pesson (né en 1958), Butterfly’s Note-Book, Wilhem Latchoumia, piano.

Joseph Haydn (1732-1809), Quatuor à cordes op. 76 n° 6 en mi bémol majeur, II. Capriccio (arrangement pour deux pianos), Wilhem Latchoumia, piano,
Fuminori Tanada, piano.

Gérard Pesson (né en 1958), Vexierbilder II, Fuminori Tanada, piano.

Gérard Pesson (né en 1958), Ambre nous resterons, Wilhem Latchoumia, piano.

Ich hatte den Namen dieses Komponisten noch nie gehört und konnte mich wegen des allseits zu beklagenden Absturzes der Radiowebsites in die Miserabilität nicht vorbereiten: die Überrraschung im ersten Stück, einem Frühwerk Gérard Pessons aus den siebziger oder achtziger Jahren, war riesig. Man denkt an die Structures von Boulez und hat es doch mit einer ganz anderen Intention zu tun, die zu einr Leichtfüssigkeit führt, wie sie in der ernstzunehmenden Neuen Musik selten anzutreffen ist. Da das obere Klangregister vorherrscht, erscheint die Musik unschwer; da zugleich die Willkür der Subjektivität durch eine serielle Kompositionsweise zurückgebunden ist, kann sich eine Intensität freisetzen, die einem das Werk wie als in einer Wucht daherkommend erscheinen lässt. Ich war gebannt vom ersten bis zu den letzten Tönen – und würde das Stück gerne bald nochmals hören.

Programmzusammenstellungen neuer Musik durchsetzt mit alter gefallen mir nicht. Obwohl der Spannungspegel also tiefer nicht hätte sein können, hörte ich sofort den Haydn wie einen von heute. Und doch muss ich hier zum ersten Mal an diesem Abend eingeschlafen sein, denn erst wieder die Ansage der Vexierbilder II sind mir im Gedächtnis geblieben und in welcher Weise gebannt ich ihnen folgte, genauso fasziniert wie im ersten Stück des Konzerts, in dem doch einerseits die Entwicklung des Komponisten wie die Möglichkeit, ihn einem Alten gegenüberzustellen, dokumentiert werden soll. – Im Verlauf war der Schlaf trotz allem wieder übermächtig, und ich erwachte erst bei einem Folgestück des Konzerts, mit einem Orchester und ab CD. Schade, dass die erste Begegnung mit Pessons Musik mit einem ungewollten Abdriften in den Schlaf quittiert wurde, hoffentlich ergeben sich via Radio bald neue, die ich stehend geniessen werde.

Heiner Goebbels: Landschaft mit entfernten Verwandten

Sonntag, 5. Februar 2012

Soeben auf Espace 2 Heiner Goebbels: Paysage avec parents éloignés, Aufnahme 2005 mit Ensemble Moderne, wahrscheinlich CD, das wäre dann diese.

(Leider ohne nähere Angaben auf der Website von Espace 2 – die Websites der Radiostationen werden von Woche zu Woche miserabler, weil die kindischen Webmasters meinen, den Mist der Nachbarn kopieren zu müssen, um auf der Höhe der Zeit zu sein.)

Kein gutes Zeichen für die Welt, dass einer auch nach dreissig Jahren ihrer Erfindung Attaken immer noch so komponiert, dass sie mich erschrecken und ich auf das baldige Ende einer solchen musikalischen Passage hoffe. Aber Flötenstücke erscheinen in diesem ziemlich grossen Werk, wie ich sie vor über 35 Jahren nicht schöner hätte träumen können.

Levinas, Aperghis, Birtwistle, Lachenmann

Montag, 30. Januar 2012

Soeben auf France Musique Concert enregistré le 29 novembre à la Cité de la Musique, dans le cadre du cycle „Rituels, la vie, la mort“.

Ensemble Intercontemporain, Susanna Mälkki, direction.

Michaël Levinas (né en 1949), Appels pour ensemble de 11 instrumentistes.

Georges Aperghis (né en 1945), Pièce pour douze.

Harrison Birtwistle (né en 1934), Cortege, a ceremony for 14 musicians, in memory of Michael Vyner.

Helmut Lachenmann (né en 1935), Concertini.

Umwerfend schönes Konzert, vom ersten bis zum letzten Stück! Seltsam, wie leicht man eine Einheit wahrzunehmen vermeint, in den vier Stücken aus vier entgegengesetzten Winkeln Europas, das erste vierzig Jahre alt, das letzte kaum mehr als vier.

Oscar Strasnoy (2)

Montag, 23. Januar 2012

Soeben nicht gehört auf France Musique concert enregistré le dimanche 22 janvier au Théâtre du Châtelet à Paris, dans le cadre du festival Présences.

Orchestre Philharmonique de Radio France, Oscar Strasnoy, direction

Igor Stravinsky (1882-1971), Ragtime.

Oscar Strasnoy (né en 1970), Usages du monde (création mondiale, commande de Radio France).

Igor Stravinsky (1882-1971), Suite n° 1 et n° 2 pour petit orchestre

Oscar Strasnoy (né en 1970), L’Instant.

Nach dem Schmarren letzten Montag habe ich auf dieses zweite Konzert von Strasnoy ohne Skrupel verzichtet. Ich bereue es nicht, die Zeit dafür genutzt zu haben, endlich wieder einmal der schönen Stimme Franziska Webers auf DRS 2 gelauscht zu haben, in der Diskothek im Zwei über Steve Reichs Streichquartett Different Trains von 1988.

Oscar Strasnoy

Montag, 16. Januar 2012

Soeben auf France Musique concert enregistré le samedi 14 janvier au Théâtre du Châtelet à Paris, dans le cadre du festival Présences.

Orchestre Philharmonique de Radio France, Dima Slobodeniouk, direction .

Oscar Strasnoy (né en 1970), Incipit (Sum n° 1).

Oscar Strasnoy (né en 1970) / Niccolo Paganini (1782-1840), Trois Caprices de Paganini, pour violon et orchestre, Latica Honda-Rosenberg, violon.

Oscar Strasnoy (né en 1970), Scherzo (Sum n° 3), Hélène Collerette, violon solo.

Igor Stravinsky (1882-1971), Le Chant du Rossignol.

Üble Sache das, Arnaud Merlin!

Messiaen, Pagh-Paan, Carter

Samstag, 14. Januar 2012

Soeben direkt live auf Bayern 4 Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Leitung: Emilio Pomárico, Roger Muraro, Klavier, Melise Mellinger, Violine, Barbara Maurer, Viola.

Olivier Messiaen: „Couleur de la Cité Céleste“. – Etwas schleppend einsetzende Bläser, vom genialen Klavier aber optimal zusammengehalten.

Younghi Pagh-Paan: „Hohes und tiefes Licht“ (Uraufführung). – Auch diese Komponistin hat nun, wie das Interview zeigte, bei den Übergeschnappten Zuflucht genommen. Das neue Stück ist glücklicherweise ohne Spuren davon und enthält bemerkenswerte Winkel. Vor 25 Jahren hatte ich der Komponistin indes unvoreingenommener vertraut.

Elliott Carter: „Symphonia: sum fluxae pretium spei“. – Mit Carter hatte ich immer wieder Mühe, weil ich ihm den frühen Besuch bei Boulanger nicht verzeihen wollte. Beim Hören jedes neuen Stückes begegnete ich mir als Ignoranten, der sich selbst einen Ruck geben muss. Klar, auch dieses Stück von Carter verblüfft, wie fast alle, die ich je hören konnte. Und doch: die Sätze, nacheinander in den neunziger Jahren entstanden, sind zwar jeder für sich gut – einen Zusammenhang zwischen ihnen habe ich aber nicht gehört, den Oberflächenmagel andererseits ebensowenig bedauert. (Die Aufführung war tadellos, aber einer muss es ja einmal sagen: der Dirigent singt schlecht und sollte fern aller Mikrophone plaziert werden.)

Mala Punica

Samstag, 14. Januar 2012

Gestern auf Espace 2 concert enregistré le 30 août 2011 dans le cadre du Festival de musique ancienne d’Utrecht.

Mala Punica

L’ensemble Mala Punica a été fondé en 1987 par le flûtiste et spécialiste de l’Ars Nova, Pedro Memelsdorf. La formation complète de l’ensemble peut aller jusqu’à douze voix et huit instruments, dont des cloches, orgues, organetti, harpes, vielles, flûtes et luth.

Mala Punica signifie Les Grenades, fruits défendus, symboles de fertilité et en même temps pommes de discorde.

L’ensemble se consacre essentiellement à la musique du Trecento (XIVème siècle) et à l’Ars Subtilior, proposant une lecture tout à fait novatrice d’un répertoire presque complètement négligé.

Ich hatte einige Wendungen gehört, die mir als hinzuerfunden erschienen. Trotzdem dünkte mich das Konzert eine Wucht, der Troupeau ein Muss, wenn er durch die Gegend streifen sollte.

Stockhausen: Tierkreis revisited, Kontakte

Montag, 9. Januar 2012

Soeben live auf France Musique concert enregistré le vendredi 25 novembre à l’Odéon de Tremblay-en-France, dans le cadre du Cabaret contemporain.

Karlheinz Stockhausen (1928-2007)

Tierkreis, Giani Caseretto, guitare électrique et direction musicale, Paul Lay, piano électrique Fender Rhodes, Julien Loutelier, synthétiseur, batterie, Augustin Viard, ondes Martenot. – Von den Tierkreis Musikdosen habe ich den Steinbock, und ich spiele sie ganz gerne ab und zu. Stockhausen hat die Melodie bei meinem Grossvater geklaut, dem Stallbauer. Abends hörte man ihn oftmals singen: „Alli mini Beineli tdüenn mer weh, Muetter mach mer e guete Tee, (und non es bezzeli meh Schnaps drii).“ Diese Rockversion ist die beste: ich wähnte mich abwechslungsweise in einem Konzert der Mothers, der Magic Band und der Toni Williams Lifetime mit McLaughlin.

Kontakte, Laurent Durupt, piano et percussions, Rémi Durupt, percussions. – Die Interpretation in diesem Konzert dünkt mich sehr gut, trotzdem kommt es mir vor, als würde man auf dem Dachstock in grossen Truhen nach Fasnachtskleidern suchen. Diese Musik ist früh vergreist und tönt stellenweise verwüsteter als die ersten Stücke der mittelalterlichen Polyphonie. Beiden hat man gleichwie mit Respekt zu begegnen.

Ulysses

Sonntag, 8. Januar 2012

Soeben auf SWR2 James Joyce, Ulysses, das erste von 18 Kapiteln, Telemachos, als Hörspiel (ca. 40 Minuten), dann 60 Minuten Werkstattgespräch über die ganze Produktion, die am 16. Juni 2012 im SWR2 gesendet wird. In der Agenda einzutragen.

Chailly: Mahlers Zweite

Mittwoch, 4. Januar 2012

Soeben live auf France Musique Concert d’ouverture donné le 17 mai 2011 au Gewandhaus de Leipzig dans le cadre du Festival International Mahler:

Gustav Mahler, Symphonie N°2 en Ut mineur, Résurrection (1888, 1894)

Christiane Oelze, Soprano, Sarah Connoly, Mezzo-soprano, MDR Radio Chorus, Berlin Radio Chorus, Gewandhaus Chorus, Leipzig Gewandhaus Orchestra, Riccardo Chailly, Direction.

Perfekt.

Monteverdi: Marienvesper

Dienstag, 3. Januar 2012

Soeben auf Ö1 live vom 4. September 2011 in der Domkirche in Utrecht im Rahmen des „Festivals der Alten Musik Utrecht 2011“ L’Arpeggiata, Leitung: Christina Pluhar.

Claudio Monteverdi: Vespro della Beata Vergine (1610), „Marienvesper“ (Ausschnitte, fast 90 Minuten).

Eine ergreifende, packende Interpretation mit einem grossen Oberflächenreiz, nicht ungeeignet auch für Rockverwöhnte (es gibt vom selben Troupeau eine CD-Aufnahme). Kein Zweifel, dünkt mich, auch dem Komponisten würde dieses Konzert gefallen haben, er hätte mit gleicher Wonne zugehört wie ein Fan von Pink Floyds Atom Heart Mother (was ich mir zum Schreiben dieser Notiz gerade aufgesetzt habe (Zusatz 40 Minuten später: was für eine Grossartigkeit, in den Bergen herumzulatschen, was für ein Alpentortentreten, solchen Rosthaufen zuhören zu müssen)).

Arditti: Lavista, Torres Saenz, Paredes

Montag, 2. Januar 2012

Soeben auf France Musique concert enregistré le 18 novembre à Paris, à l’Amphithéâtre de l’Opéra Bastille, dans le cadre du Festival d’Automne.

Mario Lavista (né en 1943), Reflejos de la noche pour quatuor à cordes, Quatuor Arditti. – Hübsche Signale in die Nacht hinaus, wie Leuchtkäferchen auf dem Laufsteg.

Jorge Torres Saenz (né en 1968), Por entre el aire oscura pour clarinette et quatuor à cordes, Mathieu Steffanus, clarinette, Quatuor Arditti. – Schüler von Lavista, schreibt an einer Dissertation über Deleuze: Viel Glück…! Die Musik ist mittelstark, dürfte noch verdichtet werden und im selben Zug von Boulez abdriften, zumindest im ersten Teil mit der Klarinette.

Hilda Paredes (née en 1957), Tres Canciones lunáticas (de Pedro Serrano), Jake Arditti, contre-ténor, Quatuor Arditti. – Frühe Schülerin von Lavista. Ein Kontertenor singt, die Mutter ist die Komponistin, der Vater der Primgeiger. Eine luna(z)tekische Constellación, die ich nicht durchschaue, alles zu zahm, oft wie an einem Stuhlbein festgezurrt. Üben die zu dritt am Familientisch, der Hund unter der Kellertreppe, die Katze im Sprung aus dem Fenster?

Jorge Torres Saenz (né en 1968), Cicatrices de luz, Ensemble L’Instant donné. – In allen vier Stücken bis jetzt sind nirgends rhythmische Akzente festzustellen. Die Musik ist gegenläufig zum unbedarften Bild, das man sich über Mexico macht. Oder man komponiert dort in den langen Zeiten der Siesta? Ich möchte gerne von der nachmittäglichen Zugreise träumen, aber es kommen mir nur Bilder in den Sinn aus einer Kneipe in Berlin vor dreissig Jahren, als mir Ursi sagte, ich solle gefälligst ein begeistertes Lächeln aufsetzen, denn dafür seien die zwei täppischen Mexikanischen Sänger mit den umgeseilten Guitarren angestellt, die verschwitzt ihre Schlagerstücke in die abendliche Essensrunde schmetterten.

Hilda Paredes (née en 1957), Altazor pour baryton, ensemble et électronique sur un poème de Vicente Huidobro, Guillermo Anzorena, baryton, Ensemble L’Instant donné, James Weeks, direction. – Paredes sollte die Partiturausschnitte von ihrer Website entfernen: mit diesen windigen Bilderfetzen im Kopf kann sich keine unbefangene Erwartungshaltung einstellen. Eine Somnabulität ergreift mich, gegen die ich mich nicht mehr zu wehren vermag. Trrralllali, trallalallllaa, huuuiiiii…! Schaut nicht herum, der Stockhausenbozu geht um.

Khatia: Franz, Fritz, Igor

Freitag, 30. Dezember 2011

Soeben live auf Ö1 Konzert vom 12. Dezember im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins im Rahmen von „Rising Stars“.

Khatia Buniatishvili, Klavier.

Franz Liszt: a) Sonate h-Moll; b) Mephisto-Walzer Nr. 1 („Der Tanz in der Dorfschenke“)

Frédéric Chopin: a) Scherzo h-Moll, op. 20; b) Scherzo b-Moll, op. 31; c) Scherzo cis-Moll, op. 39

Igor Strawinsky: Trois Mouvements de Petrouchka

Zugaben: F. Liszt: Liebestraum Nr. 3 As-Dur, F. Chopin: Prélude e-Moll, op. 28 Nr.4

Immer wieder erstaunlich, wie Klavierwerke persönlich gefärbt erscheinen können, wenn sie gut gespielt werden.

Mahavishnu Orchestra Montreux 1974

Dienstag, 27. Dezember 2011

Soeben gehört auf zwei CDs das Konzert des Mahavishnu Orchestras in Montreux 1974. Ich bin ein Fan von John McLaughlin mit dicker Haut, ein Kämpfer mit geschlossenem Visier für diesen Gitarrero gegen alle Windmühlen, auch gegen Zappa. Aber ein heutiger Fan hält die Hände weg von diesen Aufnahmen: einfach schief gelaufen, an jenem 7. Juli. Trotz des Witzchens mit Spoonful ist auch Sanctuary, eine Passagaglia, die ich immer im Kopf habe, weil sie einen auch dann körperlich in Schwung versetzt, wenn man meint, lustvoll-depressiv über sie nachzusinnen, das letzte Stück hier, ohne Zucker. (In diesen Jahren war es, wo einer sagte, er hätte nach einem Konzert des Mahavishnu Orchestras seine Gitarre an die Wand gehängt – es war eines in Zürich (ich selbst hatte nie ein McLaughlin-Konzert live erlebt)). (Ich befand mich damals in einem akuten Konflikt zweier Seelen in der Brust, über die Frage, welche Platte bzw. Kassette besser sei, Inner Mounting Flame oder Birds of Fire, und hatte alles Lesbare – aber zugänglich war mir in Wirklichkeit nur die LNN – gierig zu Gemüte geführt. Kaum vorstellbar, dass der Montreux-Korrespondent der Luzerner Neusten Nachrichten schlecht über den 7. Juli 1974 geschrieben hat. Sicher hatte er vom eingequetschten Streichquartett geschwärmt, zumindest die Idee davon bewundert. Zum Kotzen, die Kulturindustrie: einige Gebilde in ihr sind bewundernswert, folgt man aber ihrem erweiterten Spurenzusammenhang, tritt man von einer Scheisse in die andere.) Ich höre beim Schreiben Inner Mounting Flame und werde allmählich wieder zahm und ein braver Mahavishnu Fan wie in alten Zeiten.

Nikel (2) und Court-Cicuit

Montag, 26. Dezember 2011

Soeben auf France Musique Concert donné le 15 novembre 2011 au Théâtre Garonne de Toulouse en co-production avec le Théâtre de l’Archipel, le Musée d’Art et d’Histoire du Judaïsme et l’Ensemble Court-circuit.

Ensemble Nikel: Reto Staub, Piano, Yaron Deutsch, Guitare électrique, Vincent Daoud, Saxophone, Tom de Cock, Percussion. Musiciens de l’Ensemble Court-circuit, Julien Leroy, Direction. Sébastien Naves, Réalisation en informatique musicale, Emmanuel Martin, Régie plateau et son.

Festival Novelum – Localized corrosion: Un programme musclé, nerveux et rythmique proposé par les ensembles Court-Circuit (Paris) et Nikel (Tel Aviv). Vor kurzem erst spielte die Gruppe Nikel in Bern Stücke von Chaya Czernowin, hier am 8. Dezember hochgelobt. Heute in diesem Programm:

Marco Momi (1978), Ludica II, Ensemble Nikel.- Gut gespielte, aber in nur geringer Notwendigkeit komponierte Musik. Musikantenmusik wie ein aktualisierter, gleichwohl tonaler Hindemith.

Fausto Romitelli (1963-2004), Trash TV Trance, Ensemble Nikel. – Eine schön laute und uninteressante Unstruktur mit einem Grundton wie verankert in einem riesigen Betonklotz.

Philippe Hurel (1955), Localized corrosion, Ensemble Nikel. – Eine Weihnachtsmusik in kurzen Hosen, katholisch konservativ. Zappa’s dead, his socks in hell are going to smell again.

Fausto Romitelli (1963-2004), Professor bad trip, Volets 1 et 2, Ensemble Nikel und Ensemble Court-Circuit. – Endlich ein gutes Stück, farbig auskomponiert, mit einer grossen Spannung im Verlauf und unerwarteten Wendungen im Detail. Ich könnte noch lange weiter zuhören. Wegen der Vorenthaltung der zwei letzten Teile des Professors bad trip ist das Programm des Konzerts eher châtré statt „musclé“.

Papierkorbmusik

Sonntag, 25. Dezember 2011

Weihnachtsprogramme im Radio kenne ich seit jeher nur als miserablen Kitsch, als frivole Untermalung eines Gesellschaftsereignisses, dem ich nie etwas Erfreuliches abzugewinnen vermochte. Espace 2 macht heute eine lobenswerte Ausnahme. Und doch ist die Wirkung komisch: mir kommt die Programmzusammenstellung vor, als würde man aufs Jahresende hin den Papierkorb der neuen Musik leeren wollen.

Balade sonore au fil des sons venus du froid (die aufgelisteten Stücke wurden nicht in dieser Reihenfolge und ohne Ansage gesendet, jeweils also in der Unmöglichkeit, den Unsinn während des Hörens den KomponistInnen zuzuordnen): Åke Parmerud, Les objets obscurs. Musique électro-acoustique, pour voix et ensemble de chambre. – Fennesz, Fennesz, Perfume for winter. – Olga Neuwirth, Vampyrotheone, 2 solistes et 3 formations d’ensemble. – Franziska Baumann Where all the frozen things went, pour voix et électronique. – Franziska Baumann Blizzards, pour voix et électronique, Blizzards. – Vinko Globokar Cri des Alpes, pour cor des alpes. – David Lang The little match girl passion = La passion de la petite fille aux allumettes, pour ensemble de voix et percussions. – Natasha Barrett Microclimates III: Glacial loop. – Kaija Saariaho Du cristal, pour orchestre. – Kiko C. Esseiva Voyage en brise-glace. – Beat Furrer Face de la chaleur, pour flûte, clarinette, piano et orchestre. – Björk , Leila Storm. – Kaija Saariaho Mirrors, pour flûte et violoncelle. – Mika Vainïo In a frosted lake. – Georges Aperghis Avis de tempête. Opéra. – Charlotte Hug , Rhône

Chamayou: Liszts Pèlerinage

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Soeben auf France Musique Concert donné le 28 novembre 2011 au Théâtre des Champs-Elysées: Franz Liszt, Les Années de Pèlerinage.

Bertrand Chamayou, Piano. (Der Pianist von gestern mit dem zweiten Klavierkonzert Bartóks.)

Vielleicht war ich bis anhin ein Liszt Ignorant – ab jetzt wäre ich es nicht mehr.