Archiv für den 'Musik'-Themenbereich

Ivo Malec

Montag, 7. Oktober 2013

Soeben live auf France Musique concert enregistré au Centquatre (Paris) en décembre 2012 dans le cadre d’un week-end consacré à la Croatie. Françoise Kubler, soprano, Frédérique Garnier, harpe, Ying-Yu Chang, percussions, Christian Eloy, direction du son.

Ivo Malec, Week-end, 1. Cloches proches et lointaines, 2. A Wagner (1984). – Rave aus einer Zeit, als es noch etwas zu versprechen gab: Elektrosounds in schönen Gewändern.

Ivo Malec, Cantate pour elle (1966). – Eine Kunstattacke auf Berio & Berberian, die man beide um alle Ecken hört.

Ivo Malec, Attacca – concerto pour percussion solo et partie électroacoustique, (1985-1986). – Hübsche Tafelmusik, nicht sehr schwierig, aber mit Passagen, die aufhorchen lassen.

Zusatz: Begleitet mit Kommentaren der Musikwissenschaftlerin Michèle Tosi wurde nach dem Konzert Musik von Ivo Malec ab CD gespielt, die zugleich eindrücklicher, eigenwilliger und verbindlicher wirkte. Es scheint, als ob das Konzert „dans le cadre d’un week-end consacré à la Croatie“ unter low budget Bedingungen hätte organisiert werden müssen und deswegen nicht wirklich als Portraitkonzert, das einen Einblick ins Gesamt der Ästhetik des Komponisten gewähren soll, verstanden werden kann.

Kaija Saariaho: Cloud Trio

Freitag, 4. Oktober 2013

Soeben live direkt auf Oe1 das Trio Zebra aus Graz (Ernst Kovacic, Steven Dann und Anssi Karttunen).

Kaija Saariaho, Cloud Trio. – Eines ihrer eingängigsten Werke, einheitlich, impulsiv und tief packend wie ein Tag auf dem Glishorn im September 2013.

Vorher: Friedrich Cerha, Zebra und Miroslav Srnka, The Tree of Heaven (mit Webern dazwischen).

Monnet, Robin, Haas

Montag, 30. September 2013

Soeben auf France Musique live vom Festival Musica: l’Orchestre Symphonique de la SWR de Baden-Baden et Freiburg joue Yann Robin, Marc Monnet et Georg Friedrich Haas. Concert enregistré le 20 septembre 2013 au Palais de la Musique et des Congrès de Strasbourg.

Marc Monnet, Mouvement, imprévus, et… pour orchestre, violon et autres machins, 2012-13. – Wenn Monnet den Zopf des Kagelnophonismus abschneidet, wird er ein richtig guter Komponist werden. „Does humour belong to music?“ „No!“ Aber man toleriert’s, wenn es einem mal passiert.

Yann Robin, Monumenta, 2012-13. – Fast eine Zeitlupenmusik, wenigstens eine, die sich Zeit nimmt – und sie ist nie langweilig.

Georg Friedrich Haas, Limited approximations für sechs Klaviere im Zwölfteltonabstand und Orchester, 2010. – Auch heute klingt es gut, aber am 26. September auf SRF2 hatte es einen leichteren Stand, da es neben schwachen Stücken von Ligeti, Czernowin und dem üblen, nichtsnutzigen Wyschnegradsky auftrumpfen und sich ohne Skrupel breitmachen konnte, gespielt am 10. September im KKL Luzern.

Blecharz, Chizy, Sikora

Montag, 16. September 2013

Soeben auf France Musique Concert au Conservatoire de région de la rue de Madrid à Paris le 6 septembre: Jean Deroyer dirige l’ensemble Court-Circuit.

Luis Fernando Rizo-Salom, Quatre pantomimes pour six, pour flûte, clarinette, cor, violon, alto et violoncelle

Wojtek Blecharz, Torpor, pour clarinette, percussion, piano et violon

Edith Canat de Chizy, Pluie, vapeur, vitesse, pour flûte, clarinette, piano, violon, alto et violoncelle

Elzbieta Sikora, Twilling Sonosphère 1, pour hautbois solo, 2 violons, alto, violoncelle, contrebasse, Karlax et électronique (création mondiale)

Witold Lutoslawski, Chain 1, pour flûte, hautbois, clarinette, basson, cor, trompette, trombone, percussion, clavecin, 2 violons, alto, violoncelle et contrebasse

Musik wie in der antiken Atmosphäre einer Altmänner- oder Weiberjassrunde: in all der Stumpen- oder bleiernen Furzaschenwolke kein Funke von Utopie. Merde, hear here my jimisounds are a‘ leavin ’n‘ gone forever. (Aber Lutoslawski ist besser, nicht wahr? Nicht wahr: rattatattatitatatta rattatitatitatatiti… Nein! Das ist billiger Snobismus.) – So viele gute Musik gibt es ausserhalb Deutschlands, und immer noch kommt es vor, dass man einen ganzen Abend lang zwischen den Ohren leiden musss.

Utopische Musik

Montag, 16. September 2013

Soeben auf SWR 2 die Sendung gehört: HELP oder Der vierte Mann – Warum Jimi Hendrix bei Emerson, Lake & Palmer fehlte, von Wolf Eismann.

Die deutsche Musik wird in einer Woche zu Grabe getragen. Klar, dass dann nicht mehr viel zu erwarten sein wird. Aber über Musik quatschen, das werden die Deutschen immer noch können. Fast unter den Hörern das Heulen bekommen, in dieser Radioseifenkurzoper. Immerhin besser jetzt, über Jimi & ELP zu reden als über Wolfgang. Jimi und ELP ist wie Wolfgang und FJS, einfach umgekehrt, also gut. (Aber die aufgesetzte Story kenne ich seit ich ELP kenne.)

Deutsche Musik

Sonntag, 15. September 2013

Soeben in der Zeit gelesen: angefragte Statements von Prominenten über ihre politische Einstellung.

Wolfgang Rihm: „Früher habe ich SPD gewählt, später gelegentlich grün. Dann empfand ich die Entwicklung beider Parteien als immer problematischer. – Für einen, der Kunst macht, sie also nicht lediglich genießt oder als moralischen Appellhof missversteht, kommt heute eigentlich nur die CDU infrage. … Sicher ist auch die CDU nicht frei von populistischem Gesten-Repertoire. Aber ich spüre dort doch eine substanziellere Verbundenheit zu dem, was Kultur genannt werden kann.“

Eine Lust auf die Musik von Wolfgang Rihm verspüre ich keine mehr.

Christian Mason, Noctilucence

Montag, 9. September 2013

Soeben auf France Musique George Benjamin dirige le London Sinfonietta au Festival Messiaen – wann und wo wird auf der neuen, miserablen Website leider nicht mitgeteilt (irgendwann live bei Briançon, August 2013).

Christian Mason, Noctilucence pour ensemble de chambre (2009, création française), London Sinfonietta, George Benjamin, direction. – Kein komplexes oder schwieriges Stück, aber eines, das meine Stimmung exakt getroffen hat, eine Vorsternstimmung des Musik-Erlebens im Moment, wo man der Abenddämmerung keinen Namen geben will. Poesie, wie sie jedem Menschen zukommt.

(Die nachfolgenden Stücke von Benjamin dünken mich gut & recht, aber nicht mehr wirklich erwähnenswert, wenn auch besser noch als das, was in Luzern mit Müh & Not zusammengehalten wird (viel Glück zu Boulez‘ Schulter!): Webern wie Unterhaltungsjazz -wäh! In gewissen aktuellen Musiperformances scheint vergessen, dass der Lebensstil der Higher Middle & Upper Classes fürs aufgeklärte Bewusstsein abstossend wirkt.)

(Je länger ich dem zweiten Stück von George Benjamin folge, Into the Little Hill, conte lyrique pour soprano, contralto et 15 instruments, Hila Plitmann, soprano, Susan Bickley, mezzo-soprano, kann ich mich für diese Musik erwärmen. Es dünkt mich, das von mir Gelobte von Mason würde peu à peu in den Schatten gestellt. Langsam werde ich wieder wach.)

Musik im alten Wallis

Sonntag, 25. August 2013

Beim planlosen Herumspionieren in den Gemäuern des Grand St-Bernard bin ich auf einen Schatz gestossen, von dem ich nicht einmal weiss, seit wie lange und in welcher Form er der Musikwissenschaft bekannt ist. Es handelt sich um sehr alte Handschriften, die Musik schon seit dem 12. Jahrhundert aufbewahren und sehr schöne und umfangreiche Materialien aus dem 14. Jahrhundert und folgenden präsentieren. Man kann nur hoffen, dass diese Seiten mit den Handschriftenscans im Internet bestehen bleiben.

Ich klaue ein Müsterchen aus dem 12. und eines aus dem 14. Jahrhundert, damit man sieht, wie man sich auch ohne musikalische Forschungsgier diese Text- und Musikpassagen vorzustellen hat.

http://www.gsbernard.ch/60/618_01.html

Zusatz 1: Ich habe sieben Handschriften und vier Fragmente mittels WebSpider komplett heruntergeladen, aus jedem Teil einen einzigen Ordner mit den grossen Scans gemacht und jeden Ordner zusätzlich mit der ganzen verlinkten Seite als Zusatzbild versehen. Nun kann ich mit einem Bildviewer wie Faststone störungsfrei diese wunderbaren Handschriften als ganze Werke durchblättern. Obwohl ich im Nebenfach Musikwissenschaft studiert hatte, bin ich nicht imstande, die oben gestellte Frage zu beantworten, ob die Stücke allesamt zum gängigen Repertoire gehörten oder ob es unter ihnen auch singuläre und originäre Kompositionen geben könnte.

Zusatz 2: Unter den Fundstücken verdient Fragment 8 besondere Aufmerksamkeit, das Übrigbleibsel zweier Kompositionen von Guillaume Dufay (ca. 1400 bis 1474), einem Meister der Zeit wie Boulez heute. Jürg Stenzl hat im Aufsatz „Un fragment de Dufay au Grand-Saint-Bernard“ in der Revue musicale de la Suisse Romande 24, Seiten 5-7 schon 1971 diese zwei Ruinen beschrieben, musikhistorisch eingeordnet und erläutert, und er hat auch plausibel gemacht, dass sie durchaus von diesem Komponisten für dieses spezielle Haus hatten komponiert sein können. Wenn so der Grosse Sankt Bernhard nun musikalisch wenigstens phasenweise als kleines Zentrum der Produktion und Reproduktion dasteht, gilt dasselbe nicht fürs Wallis tel quel – denn die Beziehungen des Hauses waren immer nach Savoyen, wo Dufay eben auch angestellt war, ausgerichtet, einem Terrain, das mit Fug als gesellschaftlicher Antipode zum alten Wallis begriffen werden muss und keineswegs als einer seiner repräsentativen Plätze missdeutet werden darf.

Ensemble Syntagma: Ockeghem

Dienstag, 6. August 2013

Soeben live auf Bayern 4 das Ensemble Syntagma, dir. Alexandre Danilevski, Aufnahme vom 19. Mai 2013 in Regensburg:

Johannes Ockeghem: „Missa sine nomine“ mit Motetten von Johannes Cornago.

Gestern die Wiederholung von Palestrinas Missa Papae Marcelli von 1567, heute Ockeghems Missa sine nomine aus dem 15. Jahrhundert. Als gute Ergänzung wirkt das zur fotographischen Erkundung der Walliser Alpenställe und ihrer als Verfallserscheinungen korrespondierenden kulturellen Etablissements, wenn das Wetter einen zutale zwingt. Sind die historischen Epochen erst einmal abgeschlossen, lassen sie sich wie Momente in einer Spielanordnung gruppieren und wirken dann auf die Gegenwart zwar aus verschiedenen Richtungen, aber wie aus derselben, gleichbleibenden Distanz.

Helmut Lachenmann: Tanzsuite mit „Deutschlandlied“

Montag, 22. Juli 2013

Soeben live auf Bayern 4 Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie, Leitung: Jonathan Nott. BBC Proms mit Arditti Quartett, London 15. Juli 2013.

Helmut Lachenmann: Tanzsuite mit „Deutschlandlied“ (1980).

Eines der eingängigsten, rockigsten Stücke des Komponisten, ein Sommernachtstraum.

The Tallis Scholars: Tewkesbury

Mittwoch, 10. Juli 2013

Soeben direkt live auf France Musique de l’Abbaye de Tewkesbury dans le cadre du Festival International de Musique de Cheltenham: The Tallis Scholars, Peter Philips, Direction.

Thomas Tallis, Loquebantur variis linguis (1540-1560).

Giovanni Pierluigi Da Palestrina, Missa Papae Marcelli (1567).

Eric Whitacre, Sainte-Chapelle (Création).

Gregorio Allegri, Miserere (1638).

Arvo Pärt, Nunc Dimittis (2001).

Thomas Tallis, Miserere (1575).

William Byrd, Tribue Domine, Ext. des Cantiones sacrae (1575).

Was für eine zauberhafte Musik (ausgenommen die anachronistischen Lügengeschichten Whitacre’s und Pärts)! Ruinen ihrer Zeit, hässlicher nicht denkbar, fotografierte ich eben erst im Wallis einen Monat lang vom 11. Juni bis bis zum 9. Juli 2013: http://www.ueliraz.ch/2013/index.htm

Zusatz 5. August 2013: Soeben auf SRF2 der Wiederholung des Konzerts mit der gleichen Begeisterung zugehört.

Lindberg, Posadas, Rihm

Montag, 24. Juni 2013

Soeben live auf France Musique, concert donné le 15 juin 2013 dans le cadre du festival de l’Ircam, ManiFeste-2013. Thomas Goepfer, Réalisateur en informatique musicale, Ensemble vocal Exaudi, Ensemble Intercontemporain, François-Xavier Roth, Direction.

Magnus Lindberg (né en 1958), Jubilees, pour ensemble (2003). – Grobschlächtig, undiszipliniert, in Momenten an Boulez anbiedernd (das machen zwar viele, aber bei Lindberg dünkt es einen, dass er es nicht nötig haben sollte).

Alberto Posadas (né en 1967), Tenebrae – pour six voix, ensemble et électronique (commande de Françoise et Jean-Philippe Billarant, création). – Umwerfend, spannend, fast durchgehend gut.

Wolfgang Rihm (né en 1952), Klangbeschreibung II – Innere Grenze – pour quatre voix et ensemble (Nietzsche). – Schön widerborstig und zum Denken anhaltend, nicht für den schönen Salon komponiert.

Machaut: Le Remède de Fortune

Dienstag, 18. Juni 2013

Soeben live auf Oe1 vom 2. November 2012 aus Warschau im Rahmen des Festivals „Mazovia Goes Baroque 2012“ mit Marc Mauillon, Gesang; Pierre Hamon, Flöte, Trommeln und Leitung; VivaBiancaLuna Biffi, Viola und Gesang; Angélique Mauillon, Gotische Harfe:

Guillaum de Machaut: Le Remède de Fortune.

Bravo!

Holliger: Scardanelli

Donnerstag, 30. Mai 2013

Soeben direkt live auf France Musique de la Cité de la Musique, Paris: Heinz Holliger, Scardanelli-Zyklus (1975-1985), komplett und ohne Pause.

Sophie Cherrier, Flûte, Choeur de la Radio Lettone, Ensemble Intercontemporain, Heinz Holliger, Direction.

Tief wirkendes Chor- und Flötenkonzert, (t)air(e) äusserst meisterhaft gespielt!

Georg Friedrich Haas (Schwetzingen)

Samstag, 18. Mai 2013

Soeben live auf SWR 2 Schwetzinger Festspiele 2013, Komponistenporträt Georg Friedrich Haas, Konzert vom 9. Mai im Mozartsaal. Kairos Quartett, Mitglieder des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR, Schola Heidelberg, Sarah Wegener (Sopran), Tianwa Yang (Violine), Leitung: Walter Nußbaumer.

Georg Friedrich Haas:

„Dido“ für Streichquartett und Sopran (UA)

„Hertervig-Studien“ für 6 Stimmen

„de terra fine“ für Violine solo

„ATTHIS“ für Sopran und 8 Instrumente (daran angeschlossen: Franz Schubert, Oktett für 2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass, Klarinette, Fagott und Horn F-Dur D 803 – ich habe diesen supplementären Sprung in eine andere Zeit eher als Nötigung denn als Notwendigkeit empfunden)

„SCHWEIGEN“ für Stimmen, I. Fukushima, II. Lampedusa, III. Mlake/ Laaken (wurde leider nur im Programm angekündigt, nicht gesendet)

Allesamt in ihrer Wirkung starke Stücke, nicht zuletzt wegen den präzisen Einführungsworten des Komponisten, die das Hören auf gute Bahnen lenkten.

Saariaho und Sibelius (2)

Dienstag, 7. Mai 2013

Soeben live auf France Musique vom 18. April 2013 aus der Cité de la Musique: Récital Quatuor Meta4.

Kaija Saariaho, Sept Papillons (2000). – Starke Sologeigenmusik, ganz auf der Höhe von L’Amour de Loin, von der sie zehrt. Zuweilen an die uralte Maultrommel, den Trümpy erinnernd.

Kaija Saariaho, Serenatas (2012), Création française. – Keine dümmliche Filmmusik, sondern eine, die einen ganzen Film in die Vorstellung hervorruft. So sollten Volkes Filme sein!

Kaija Saariaho, Terra memoria (1987). – Zweites Streichquartett, schön zum Tod, aber oftmals sehr einfach und nur knapp nicht trivial.

Jean Sibelius, Quatuor en ré mineur, Voces intimae (1909). – Die finnischen Wendungen schützen die dahertrottende Musik vor dem Hinfallen. Auf kompositorische Rafinesse wartet man vergeblich. Der Mann muss sein Publikum arg verhungert vorgestellt haben.

Kaija Saariaho, Mirage (2008). – Schamanenmusik für California Freaks & Fans. Wenn schon ein Programm, dann lieber eines über ernsthafte Medizin.

Haas, Bluthaus

Sonntag, 5. Mai 2013

Soeben auf SWR 2 Georg Friedrich Haas, Bluthaus, Oper mit einem Text von Händl Klaus, live die Uraufführung von den Schwetzinger SWR Festspielen 2011, Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, Leitung: Stefan Blunier.

Dem Fernsehpublikum auf den Leib geschrieben, als Musikwerk leicht langweilig, über einzelne Passagen hin ohne innere Zwangsläufigkeit. Wo das Stück gut ist, trieft es aufdringlich.

Sgt. Poulenc’s Lonely Hearts Club

Samstag, 4. Mai 2013

Soeben direkt live aus New Yorks Metropolitan Opera auf Bayern 4 Francis Poulenc, Dialogues des Carmélites, Chor und Orchester der Metropolitan Opera, Leitung: Louis Langrée.

Offenbar unmöglich, im Verlauf eines Lebens nicht für einmal ins Kloster der Karmelitinnen gezogen zu werden und sich dem Unsinn Paranoider ausgesetzt zu sehen, für eine blosse Idee statt fürs Leben der anderen zu sterben. Wäre das musikalische Stück vor der Französischen Revolution und nicht Mitte des 20. Jahrhunderts geschrieben worden, würde es wegen der musikalischen Gleichgültigkeit zwar ebenfalls als schlechtes rezipiert werden, nichtdestotrotz als Kunstwerk, in dem es Lust machen würde, das Negative in der Unterhaltung nachzuweisen. Heute erscheint es nur als Geschmeichel für Ohren alter einsamer Herren, ausserhalb der Kunst in den Abwassersystemen der Kulturindustrie dahertreibend. Die Ideen der Beatles wären wahrhaftiger.

Grisey, Pauset, Boulez, Manoury

Montag, 22. April 2013

Soeben live auf France Musique aus der Cité de la Musique vom 16 février 2013: Hae Sun Kang, Violon, Christina Daletska, Mezzo soprano, Ensemble Intercontemporain, Alejo Pérez, Direction.

Gérard Grisey, Modulations pour 33 musiciens (1978) .

Brice Pauset, Vita Nova, Sérénades(2006).

Pierre Boulez, Dérive 1 pour 6 instruments (1984).

Philippe Manoury & Friedrich Nietzsche, Auteur, Gesänge-Gedanken mit Friedrich Nietzsche (2009), Création française.

Ein ideales Konzert mit vier funkelnden Glanzstücken. (Nebenbei: Boulez hat kaum etwas mit Mussorgsky gemein, ausser einer eigentümlichen Bevorzugung der Klarinette, die ausserhalb einer solistischen Aufgabe wie ein musikalischer Joker agitiert.)

Neue Musik im Wallis

Sonntag, 21. April 2013

Soeben eine interessante Website entdeckt:
http://forumvalais.ch/Wordpress/

Endlich hat man auch im Bereich der Musik kapiert, was eine gute Website ist. Die Homepage enthält nur die vier Links MUSIKER, KÜNSTLER, KOMPONISTEN, PROGRAMM, wo man alles findet, das im Umkreis des Festivals für Neue Musik 17. – 20. Mai 2013 im Schloss Leuk zur Aufführung kommt. Als ob man endlich verstopfte Schleusen geöffnet hätte, wird man mit einem Haufen von Namen konfrontiert, die man in den Walliser Krächen nicht zu erwarten wagte. Auch wenn nicht von allen präsentierten KomponistInnen grossformatige Werke und nicht alle aufgelisteten Werke am Festival selbst, sondern an zusätzlichen Orten und Daten aufgeführt werden, dünkt die Idee beeindruckend, von allen während eines Jahres Musik zu hören, die sie selbst wichtig finden, zu supplementieren von kleinen Texten, in denen sie ihre ästhetischen Positionen gegenüber älteren verteidigen. – Man kann es sich wenigstens denken jetzt, dass auf Walliser Boden die Musik gut am Gedeihen ist.