Archiv für den 'Musik'-Themenbereich

Prokofiev 2. Violinkonzert

Dienstag, 14. Januar 2014

Soeben live auf France Musique Concert donné au Théâtre des Champs-Élysées le 20 décembre 2013 avec Patricia Kopatchinskaja, Violon, Orchestre Philharmonique de Londres, Vladimir Jurowski, Direction.

Serge Prokofiev, Concerto N°2 en so mineur Op.63 (1935).

Serge Prokofiev gehört wegen seiner sterilen, reaktionären Ästhetik und seiner primitiven Kompositionsweise nicht zur ersten Klasse der Musik des 20. Jahrhunderts, trotzdem verfolge ich häufig die Liveübertragungen im Radio und besitze auch einige CDs von ihm (sie stammen allerdings aus der frühesten Zeit der CD-Käufe, als das Angebot generell noch bescheiden war). Die eben gehörte Aufführung des zweiten Violinkonzerts sticht auf bemerkenswerte Weise hervor, weil ihm Patricia Kopatchinskaja das einhauchte, was Prokofievs Musik gewöhnlicherweise abgeht: heisses Leben anstelle debiler Maschinizität.

Isis und Osiris de Jacques Lenot

Montag, 13. Januar 2014

Soeben direkt live auf France Musique aus dem IRCAM Jacques Lenot (né en 1945), Isis & Osiris – 2013, création mondiale, Installation sonore pour septuor à vent et environnement électronique, d’après un poème de Robert Musil. Ensemble Multilatérale, Serge Lemouton, réalisation informatique musicale Ircam.

Man hätte besser die Übung nach drei Minuten abgebrochen und den verantwortlichen Elektrotechniker in die Wüste des Pariser Nachtlebens geschickt: während einer Stunde war zu erleiden, wie die Tonübernahme der einzelnen Instrumente sporadisch, aber mindestens zweimal in der Minute kurz wie zerrissen erschien, mit einem Knacken aus vorsintflutlichen elektromusikalischen Zeiten zerfetzt, wie ein akustischer Versatz. Ob mit anderem technischem Personal die Komposition besser klänge?

„If Grief Could Wait“

Donnerstag, 9. Januar 2014

Soeben auf Bayern 4 Aufnahme vom 15. November 2013 im KulturForum Fürth: Werke von Henry Purcell, Leonard Cohen, Nick Drake und Susanna Wallumrød mit Susanne Wallumrød, Gesang, Jane Achtman, Viola da gamba, Giovanna Pessi, Harfe, Marco Ambrosini, Nyckelharpa.

Je länger das – allerdings winzige – Konzert dauerte, desto mehr machte sich das Gefühl breit, dass es nie mehr enden dürfte, als wäre es eine Lebensform, in der man heimisch werden könnte.

Arnold Schönberg, Violinkonzert op. 36

Freitag, 20. Dezember 2013

Soeben live direkt auf SWR2 SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Michael Barenboim (Violine), Leitung: Michael Gielen.

Arnold Schönberg: Violinkonzert op. 36.

Merci! Eines meiner Lieblingsstücke von Schönberg. Eine Musik, die einen von Beginn bis Schluss denken lässt, durchaus passagenweise, in winzigen Winkeln, auch gegen sie – natürlich nur versuchsweise. Ich habe sogar unter den Kopfhörern geklatscht…

Jérôme Combier, Terres et cendres

Montag, 16. Dezember 2013

Soeben live auf France Musique concert enregistré le 20 novembre 2013 à la Scène Nationale d’Orléans: Dialogue persan par Jérôme Combier.

Dialogue persan – fragments de Terres et cendres de Jérôme Combier, sur un texte de l’écrivain afghan Atiq Rahimi – 2012 I. Guerre : Récit, Les Lits déserts, Moquam-e Shur, Dialogue de guerre. II. Exil : Dar Dâman-e Sabra, Terre natale, Beshanau az Nay, Récit, Du côté des montagnes. III. Amour : Récit, Gar Shekayat, Berceuse, Saqi ba khoda, Naghma-e Kaboli.

Ensemble Cairn: Sarah Breton, mezzo-soprano, Cédric Jullion, flûte, Ayumi Mori, clarinette, Fanny Vicens, accordéon, Sylvain Lemêtre, percussion, zarb, Alexandra Greffin, violon, Frédéric Baldassare, violoncelle.

Ensemble Khaled Arman: Khaled Arman, rubâb, dilrubab, Mashal Arman, voix, Siar Hachimi, zeirbagali, tablas, Aroussiak Guevorguian, qanun.

Endlich eine intelligente musikalische Verwebung zeitgenössisch-europäischer Musik mit afghanischer, der man auch noch länger folgen möchte.

Zorn, Manoury, López

Freitag, 13. Dezember 2013

Soeben live direkt auf Bayern 4 Konzert der musica viva, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Brad Lubman, Solisten: Andreas Grau und Götz Schumacher, Klavier

John Zorn: Orchestra variations (Deutsche Erstaufführung). – Ein farbiger Musikgenuss. Wenn man die Widmung ignoriert, eine beeindruckende Ästhetik. Die elektrische Gitarre, die ich bei Zorns Musikern einstens lernte, fehlt.

Philippe Manoury: „Zones de turbulences“ (Uraufführung). – Selbst der zweite, nur knapp 15 Sekunden dauernde Satz ist tonal gedacht. Der vierte ist Boulez, zurückbuchstabiert in die Tonalität. Der fünfte beginnt spannend und bleibt dann auch halbwegs gut. Nicht immer zu vereinfachen wäre besser, und Tanzmusik machen wollen ist definitiv doof. (Merde, dieser unverdiente unendlich andauernde Applaus…) Zorn le Turbulent findet’s missraten.

Jorge E. López: Symphonie Nr. 3 (Uraufführung). – In der Erscheinung vielleicht elegant, im Gehalt aber wohltuend kratzbürstig. Auf der Oberfläche handelt es sich um eine Auseinandersetzung mit Beethoven und Scrjabin, im Innern meldet sich zuweilen Varèse. Nicht selten sind Streckenabschnitte allerdings zum Erschrecken banal. Möglicherweise ist López konservativer als er sich geben will.

Hugues Dufourt, Lucia Ronchetti

Montag, 2. Dezember 2013

Soeben live auf France Musique Concert enregistré le 8 novembre 2013, Cité de la Musique, Ensemble intercontemporain, Matthias Pintscher, direction, Hidéki Nagano, piano, Grégoire Simon, alto.

Hugues Dufourt, L’Asie d’après Tiepolo. – Eine rituelle, aber bewegte Musik, die sich an exotischen Figuren entlangangelt, ein buntes Exerzitium, das zu verfolgen nicht nur gefällt, sondern auch anrührt. Ein Exotismus der glaubwürdigen Art.

Hugues Dufourt, L’Origine du monde. – Noch einmal viel Farbigkeit, und noch einmal das Ganze in einer angehaltenen Zeit: rhythmisch akzentuierte Musik tempolos.

Lucia Ronchetti, Le Palais du silence – Drammaturgia d’après Claude Debussy, commande de la Cité de la musique, du Festival d’Automne à Paris et de l’Ensemble intercontemporain, création mondiale. – Ein Überfall des Postzuges, dann Schleppen des Zasters durch die Wüste, dann Verprassen desselben im Saloon. Der Sheriff trifft auf Schnapsleichen.

Hugues Dufourt, Les Chardons d’après Van Gogh – pour alto et ensemble. – Ein bedrängter Solist behauptet sich virtuos. Über die Selbstbehauptung geht nichts hinaus. Trotz des inszenierten Chaos das traditionellste Stück des Konzerts.

Abrahamsen, Saunders, Andre

Montag, 25. November 2013

Soeben live auf France Musique Concert enregistré le 22 octobre à l’amphithéâtre Bastille, Paris.

Hans Abrahamsen, Three Little Nocturnes, pour quatuor et accordéon, Frode Haltli, accordéon, Quatuor Arditti. – Unlustige Parodiemusik eines lebenslänglichen Ligetischülers.

Rebecca Saunders, Fletch, pour quatuor à cordes, Quatuor Arditti. – Musik wie ein Formel-1-Rennen am Koffer-TV vor vierzig Jahren. Und dann gibt es noch einen Pneuwechsel an den Boxen, ohne Boxengirl. Möglicherweise eine gut gemachte, indes substanzlose Fabrikation.

Rebecca Saunders, Choler, pour deux pianos, Yukiko Sugawara, piano, Tomoko Hemmi, piano. – Eine energiegeladene Musik der Absicht nach, die bei aller Wechselhaftigkeit etwas leicht und unverbindlich dasteht, weil sie jede Motivierung durch Impulse der Harmonie ignoriert.

Hans Abrahamsen, Air, pour accordéon solo, Frode Haltli, accordéon. – Merde 2.

Mark Andre, S1, pour deux pianos, Yukiko Sugarawa, piano, Tomoko Hemmi, piano. – Was bei Saunders kritisiert wird, ist hier gut gelöst, Veränderung auch durch Impulse im harmonischen Gefüge. Das einzige Stück des Konzerts, dem ich mit Spannung zuhöre, bis übers Wolfsgeheul am Schluss hinaus, das Erinnerungen an eine formidable Mantra-Aufführung in Bern wachruft.

Pascal Dusapin, Morton Feldman

Montag, 18. November 2013

Soeben live auf France Musique Concert enregistré le 20 octobre à la Cité de la Musique, Hae-Sun Kang, violon, Ensemble intercontemporain, Peter Rundel, direction.

Pascal Dusapin, Quad, concerto pour violon et petit ensemble. – Zwei Töne des Anfangs, und man weiss wieder, was gute Musik ist. Was für ein Reichtum, und explodierend!

Morton Feldman, For Samuel Beckett, pour orchestre de chambre. – Gut, dass Feldman wieder öfters zu hören ist. Wie Heimatklänge, wenn man noch einen Berg zu fotografieren hat und der Winter sich dazwischendrängt.

Adámek, Barry, Feldman

Freitag, 15. November 2013

Soeben live direkt auf Bayern 4 Konzert der musica viva, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Dirigent Peter Rundel, SWR Vokalensemble Stuttgart, Solist: Nicolas Hodges, Klavier.

Ondrej Adámek: Kameny („Steine“: Gedicht des isländischen Poeten Sjón) für 24 Stimmen und 16 Instrumente. – Eine leichte, tonal gedachte Revue über einen schweren Gegenstand, die Steinigung einer jungen Frau durch die kulturelle Meute eines kurdischen Dorfes. Fernsehtauglich.

Gerald Barry: Neues Werk für Klavier und Orchester (Uraufführung). – Bilder einer Wanderung durch die Landschaft vergangener, auch verwester Musik, zuweilen verwackelt.

Morton Feldman: „Flute and orchestra“. – Endlich wieder einmal eine Musik, die vorwärts gehen will. Jeder abgelauschte Ton ein Genuss!

Francesco Filidei, Fausto Romitelli

Montag, 4. November 2013

Soeben live auf France Musique Concert enregistré le 4 octobre 2013 à l’auditorium de France 3 Alsace (Strasbourg). Par l‘ Ensemble Linea, Jean-Philippe Wurtz, direction, Sébastien Naves, assistant musical, Julien Rigaud, ingénieur du son, Wilhem Latchoumia, piano (Ballata n.3), Allison Bell, soprano (Lost).

Francesco Filidei, Toccata – 1995. – Vorteil des Zuhausegebliebenen: indem man nicht sieht, wie die rhythmisch stark akzentuierten Klänge hergestellt werden, entsteht eine wundersame Szenerie im Kopf. Das Stück ist allerdings entschieden zu kurz.

Francesco Filidei, Ballata n.3 – création mondiale, 2013. – Ich weiss immer noch nicht, wie die Ästhetik Filideis zu beschreiben wäre, aber von grossem Interesse ist sie immer noch, die Knacknuss des Neuen nach wie vor ungeöffnet.

Fausto Romitelli, Amok Koma – 2001. – Ziemlich simple Zwittermüsic.

Fausto Romitelli, Lost (poèmes de Jim Morrison) –1997. – Einschläfernd.

Filidei, Ammann, Aperghis, Harvey

Montag, 28. Oktober 2013

Soeben auf France Musique Concert enregistré le 5 octobre 2013 au Palais de la Musique et des Congrès de Strasbourg, l’Orchestre symphonique de la Radio de Cologne, dirigé par Emilio Pomárico.

Francesco Filidei (né en 1973), Fiori di fiori – 2012. – Ziemlich interessantes, jedenfalls ungewöhnliches Stück, Appetit nach mehr auslösend.

Dieter Ammann (né en 1962), Unbalanced instability – 2012-13, Carolin Widmann, violon. – Der Titel ein Witz, ist es eine Musik ohne Brüche, tonal gedacht, stabil tonal, und das flache Feld der Big Band-Ästhetik nie verlassend. Heute noch nicht ganz hier angekommen. Die Geige passte besser in ein Kurorchester in einem finsteren Krachen, hier schläft sie unter der Feldmusik.

Georges Aperghis (né en 1945), Quatre Etudes – 2012. – Besseres als von ihm bekannt. Aperghis sollte nicht mehr für Stimmen schreiben.

Jonathan Harvey (1939-2012), Body Mandala – 2006. – Kulturimperialistischer Edelkitsch eines Klostertouristen. Man lasse die Religionen endlich ruhen.

Sebastian Rivas, Aliados

Montag, 21. Oktober 2013

Soeben live auf France Musique vom 4 octobre 2013 au théâtre de Hautepierre de Strasbourg:

Sebastian Rivas, Aliados (Alliés), un opéra du temps réel.

Esteban Buch, livret, Robin Meier, réalisation informatique musicale Ircam, Julien Aléonard, ingénieur du son Ircam, Ensemble Multilatérale, Léo Warynski, direction, Nora Petrocenko, Lady Margaret Thatcher, mezzo-soprano, Lionel Peintre, Général Augusto Pinochet, baryton, Mélanie Boisvert, l’infirmière, soprano
Thill Mantero, l’aide de camp, baryton, Richard Dubelski, le conscrit, acteur-musicien.

Eine kleine Erzähloper über eine Militärgroteske im 20. Jahrhundert, den Falklandkrieg 1982, und eine Begegnung zwischen dem chilenischen Faschisten Pinochet und der damaligen britischen Premierministerin Thatcher etwas später. Die Musik begleitet anekdotisch unterschiedliche Arten von Statements, die beim blossen Zuhören nicht nachvollzogen werden können; sie wirkt so leer und rein unterhaltend. Schon möglich, dass auf diese Weise bei Leuten, die den Bereich der Unterhaltung nie verlassen, Momente der Geschichte bewusst gemacht werden können.

Posadas, Mantovani, Manoury

Sonntag, 20. Oktober 2013

Soeben direkt live auf SWR2 Donaueschinger Musiktage – LIVE, Abschlusskonzert, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Bläsertrio recherche, Ensemble Modern, SWR Vokalensemble Stuttgart, Leitung: François-Xavier Roth.

Alberto Posadas: „Kerguelen“, Tripelkonzert für ein Trio verstärkter Holzblasinstrumente und Orchester (2013) (UA). – Das erste Stück des Festivals, dem ich gebannt und ohne Widerspruch zuhöre. Es dürfte ruhig doppelt so lange sein.

Bruno Mantovani: Kantate Nr. 3 für Chor und Orchester (2012/2013) (UA). – Auf einem Carl Palmer nahestehenden Schlagzeugboden, der den Spieltrieb des Publikums, wenigstens meinen eigenen, unmittelbar anspricht, bewegt sich eine bis in die Einzelheiten solide Chor- und Orchestermusik. Ein Meisterwerk, das nie etwas Neues verspricht, von dem aber viele lernen könnten, wie sie bessere Musik grossformatig zu komponieren hätten. Mantovanis Stück bezieht sich musikalisch nachvollziehbarer auf Beethoven als Langs The Saucy Maid auf Bruckner. Es kann nur gut sein, wenn man sich angeregt fühlt, auf längere Zeit hin beide miteinander zu vergleichen. (Das beste Stück des Festivals, und so viele Buhrufe – ich verstehe das deutsche Fernseh- und Jazzpublikum wohl nimmermehr…)

Philippe Manoury: „IN SITU“ für Orchester und Ensemble (2013) (UA). – Die Treicheln, also sehr grossen geschmiedeten Blech- und Kupferkuhglocken erinnern schnell an Rituel von Boulez, ebenso gewisse eruptive Tuttipassagen. Immerhin ist die Grundbewegung doch eine ganz andere, eine, die das Ziel nicht vorwegnimmt. Musik zum Geniessen.

Georges Aperghis

Sonntag, 20. Oktober 2013

Soeben direkt live auf SWR2 Donaueschinger Musiktage – LIVE, Ensemblekonzert II, Klangforum Wien, Leitung: Emilio Pomàrico.

Georges Aperghis: „Situations“, Soirée musicale für 24 Musiker (2013) (UA). – Ich habe musikalisch nichts verstanden und es hat mir an dem Leerlauf nichts gefallen

Enno Poppe

Samstag, 19. Oktober 2013

Soeben direkt live auf SWR2 Donaueschinger Musiktage – LIVE, Ensemblekonzert I, Klangforum Wien, Leitung: Enno Poppe.

Enno Poppe: Speicher I-VI (2008-2013) (UA). – Die letzten zwanzig Minuten beeindrucken und sind interessant, doch der lange Weg dorthin ist so verwüstet wie einer nach Eggerbergs Gorbji.

Hèctor Parra, Raphaël Cendo

Samstag, 19. Oktober 2013

Soeben live auf SWR2 zeitversetzt vom Mittag Donaueschinger Musiktage Chor-Ensemblekonzert.

Hèctor Parra: „I have come like a butterfly into the hall of human life“ (2009), 5 elektroakustische Szenen nach Khlebnikov, Produziert am Ircam-Centre Pompidou, Musikinformatik: Thomas Goepfer, (UA 2. Oktober 2009 in Londres – Kings Place). – Ohne die fernsehpublikumsgerechten und also infantilen Slapstickeinlagen fünf Minuten nach Beginn und ganz am Schluss ein gemütliches Stück elektronischer Musik.

Raphaël Cendo: „Registre des lumières“ für Chor, Ensemble und Live-Elektronik (2013) (UA). SWR Vokalensemble Stuttgart, Ensemble musikFabrik, Musikinformatik: Grégory Beller, Klangregie: Maxime Le Saux, Leitung: Marcus Creed. – Eine schöne Musik, gut geeignet, um daneben – Musik zu machen. Allerdings erstunlich viel des technischen und organisatorischen Aufwandes, um ein Musical von warmer Luft zu produzieren. Die Nerven werden kribbelig, wenn sie einer während so langer Zeit anspricht und doch nur dreist unterfordert.

Walter Zimmermann, Bernhard Lang

Freitag, 18. Oktober 2013

Soeben live direkt auf SWR2 Donaueschinger Musiktage – LIVE, Eröffnungskonzert, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Leitung: Pascal Rophé / Wolfgang Lischke / Christopher Sprenger

Walter Zimmermann: „Suave Mari Magno“ „Clinamen I-VI“ für 6 Orchestergruppen (1996-1998/2010-2013) (Uraufführung der Neufassung). – Rituelle Wiederholungen mal so, mal anders. Tatatta(taa) tüüütürüü als Werkzelle für eine Stunde lang Musik? Merde, am schlimmsten ist mir der Gestank von Myrthe & Weihrauch. Anhaltender Applaus der Premieregemeinde.

Bernhard Lang: Monadologie XIII „The Saucy Maid“ für 2 Orchestergruppen im Vierteltonabstand nach Anton Bruckners Linzer Sinfonie „Das kecke Beserl“ (2013) (UA). – Das könnte Musik sein nach meinem Gusto, als würde ein Panorama zu einem Planetenpanorama zusammengefaltet. Der Hörgenuss dünkt mich ziemlich gross und Bruckner als Vorwurf gut geeignet. Möglicherweise tut sich hier etwas Neues auf, das sich in die Breite entfalten kann. Habe ich gut zugehört oder hat umgekehrt meine Aufmerksamkeit nachgelassen, wenn ich peu à peu die beiden Orchester unter den Kopfhörern als gleichgestimmte wahrgenommen habe?

Harvey, Zimmermann, Pintscher

Montag, 14. Oktober 2013

Soeben live auf France Musique concert enregistré le 27 septembre à la Cité de la Musique, Paris.

Jonathan Harvey, Two Interludes and a Scene for an Opera – 2005. Claire Booth, soprano (Prakriti), Gordon Gietz, ténor (Ananda), Ensemble Intercontemporain, Matthias Pintscher, direction, Gilbert Nouno et Carl Faia, réalisation, informatique musicale Ircam, Franck Rossi, ingénieur du son Ircam. – Klammert man die semantischen Bezüge aus, hört man ein gutes Stück nicht wenig farbiger Musik. Die männliche Gesangspartie macht allerdings keinen grossen Appetit auf die ganze Oper. Wie peinlich nur zuweilen die englische Sprache in der Musik erscheint, als wäre sie der Inbegriff der Ware tel quel.

Bernd Alois Zimmermann, Sonate pour violoncelle seul – … et suis spatiis transeunt universa sub caelo (L’Ecclésiaste III, 1) – Rappresentazione, Fase, Tropi, Spazi, Versetto – 1960, Pierre Strauch, violoncelle. – In der Tat ein Werk, das erst heute redlich, also unaufgeregt, gewürdigt werden kann. SolocellistInnen müssten es jederzeit zum Betsen geben können. Es erscheint wie ein Funkenhaufen, der vom Monolithen Bach abspringt.

Matthias Pintscher, Bereshit – 2011-2013, Ensemble Intercontemporain, Matthias Pintscher, direction. – Schönes Beginnen, und man möchte, es würde sich nicht weiterentwickeln und nur immer so weiter beginnen. Wider Erwarten erscheint Schöneres, Interessanteres, Dialektisches: eine spannende Musik!

Claudio Monteverdi: Marienvesper

Dienstag, 8. Oktober 2013

Soeben live auf France Musique concert donné en l’Abbatiale d’Ambronay dans le cadre du Festival d’Ambronay, les 13 et 14 septembre 2013, Cappella Mediterranea, Choeur de Chambre de Namur, Leonardo Garcia Alarcon, Direction.

Claudio Monteverdi, Vêpres à la Vierge (1610). – Vierhundert Jahre alt und, in dieser Aufführung, so jung und frisch, als wäre sie vor ein paar Jahren erst geschaffen worden.