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Das Missgeschick des ur IV

 

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Am 8. September 2015 erfuhr ich in der Schlusspartie aufs Gärsthorn nördlich Brig (2000 Höhenmeter zu gehen) ein seltsames Gefühl knapp oberhalb des Beckengürtels: keine Müdigkeit in den Beinen oder in den Atemwegen, aber eine Art Luftloch im Körper, das stark lähmte. Trotzdem wurde der Gipfel erreicht, und beim Abwärtsgehen fühlte sich alles wieder normal an. Aber es war dies der Startschuss für ein stetiges Schwächerwerden des rechten Beines, zuweilen gab es ganze Wochen, wo ich nur noch hinkte. Die guten Phasen wurden kürzer, und ab 2018 gab es chronisch Schmerzen im rechten Oberschenkel – immer an anderer Stelle.

Nach der Untersuchung 2018 machte ich eine professionelle Physiotherapie. Es zeigte sich aber das Problem, dass sich die Muskeln (geb. 1957) nicht mehr stärken liessen, trotz grossem Eier- und Fleischkonsum: sie wurden so weit schwächer, bis klar wurde, dass ein Piriformissyndrom vorliegt; und im August 2021 schoss auf einen Schlag während einer Kniebeuge eine giftige Ischialgie hinzu, die bis heute die Schmerzen dominiert. Die wildesten Schmerzen zeigen sich im Gehen, dann im Stehen (mit winziger Rumpfbeuge beim Rüsten, Kochen und Abwaschen), nicht viel harmloser im Sitzen und Liegen, auch nachts. Seit diesem August 2021 kann ich den rechten Schuh nicht mehr binden, und seit November 2022 hat sich die Schrittlänge bis auf einen halben Fuss verkürzt, wenn ich länger als zehn Minuten gehen soll.

Ich bin in einer Piriformisgruppe auf Facebook und sehe da, dass meine Schmerzen zwar heftig, aber durchaus mit Leuten vergleichbar sind, die von einem Arzt zum anderen gehen und tiefgreifende Untersuchungen machen lassen, ohne dass sich in absehbarer Zeit eine Verbesserung in Bein und Hüfte einstellen würde. Zuweilen sind die Schmerzen nach einem Übungsset im Charakter ähnlich wie Heilungsschmerzen, mit abgeflachten Spitzen. Das lässt mich immer wieder hoffen und ist – neben Corona – der Grund, wieso ich mich nie in der Insel für eine Untersuchung gemeldet habe (nächster regulärer Termin ist im April 2023). Ich gewöhnte mich ans Gehproblem, und heute (Januar 2023) glaube ich immer wieder, es in den Griff zu bekommen, mit Selbstmassagen, Übungen und Stretchen Tag und Nacht, mit Massagebällen im Liegen unter dem m. Gluteus und mit dem Novafon.

 

 

Leider wurde die Geschichte vom Piriformissyndrom zum blossen Fake,
und es war immer schon das Tatsache, was zuweilen nächtens zu befürchten war,
dass sich in den Schichten des rechten Beckens mit Enchondromen eine "Tumormasse" gebildet hat,
"die sich ausgehend von der Fossa ischiadica in alle Richtungen ausbreitet".

 

 

Becken rechts, Röntgen

 

Inselspital Radiologie 19. 4. 2023

"CR SCHULTER LINKS IN AP/NEER VOM 19.04.2023
CR BECKEN IN AP UND HÜFTGELENK RECHTS AXIAL VOM 19.04.2023

Fragestellung/Indikation
Klinische Angaben: Hüftschmerzen.
Fragenstellung: Degenerative Veränderungen? Fraktur?

Aktenanamnestisch Morbus Ollier.

Befund
Zum Vergleich dienen mehrere Voruntersuchungen, zuletzt die konventionellen Röntgenaufnahmen vom 10.04.2018.

Schulter:
Status nach Arthrodese des Schultergelenkes mit Rekonstruktion des proximalen Humerus und überbrückendem Osteosynthesematerial intakt, in regelrechter Stellung ohne Lockerungszeichen. Unveränderte Darstellung der ossären Strukturen des Scapula und des rekonstruierten Humerus. Miterfasst Lungenparenchym unauffällig. Clipmaterial auf Höhe des proximalen Humerusschaftdrittel. Deutlich osteopene Knochenmatrix. Keine wesentliche Befundänderung im Vergleich zur Voruntersuchung.

Becken:
Neu teils lytisch, teils sklerotische Raumforderung periacetabulär rechts mit Acetabulumfraktur, diese mit geringer Dislokation. Bei aktenanamnestisch Morbus Ollier der Befund in erster Linie vereinbar mit einem sekundären Chondrosarkom und pathologischer Acetabulumfraktur, DD allenfalls unbemerkt verlaufende nicht heilende Acetabulumfraktur mit ausgedehnter perifraktur-Ossifikationen/ Kalzifikation. Hüftgelenk links mit nur geringer Degeneration.

Beurteilung
• Schulter: unauffällige Verlaufskontrolle bei Status nach Sarkomresektion und Rekonstruktion.
• Becken: Acetabulumfraktur rechts, in erster Linie pathologisch bei zu vermutendem Chondrosarkom bei M. Ollier."


 

 

 

 

5 Tage später...

Hirslanden Radiologie Bern, 24.4.2023, Raz, Ueli *06.01.1957

"MR und CT Becken sowie Rx Beckenübersicht vom 24.4.2023

Klinische Angaben, Fragestellung
Morbus Ollier. Status nach sekundärem Sarkom der linken Schulter. 1. Diagnose 2002. Aktuell Befundprogress rechtes Os ilium DD: Sekundäres Chondrosarkom. Verlauf? Malignitätshinweise?

Befund
Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich sowohl auf die MRT, die Nativ-CT des Beckens wie auch die konventionelle Beckenübersicht. Die Beurteilung wird der Übersicht halber in 5 Sektoren aufgeteilt: Hemipelvis rechts, proximaler Femur rechts, Hemipelvis links, proximaler Femur links und das Sakrum.


Hemipelvis rechts:
Voraufnahmen zum Vergleich liegen aktuell im PACS nicht vor, der Patient hat auch keine Aufnahmen mitgebracht. Allerdings findet sich im PACS eine Beckenübersicht vom 10.4.18, wo im Os ilium rechts noch kein Enchondrom identifiziert werden konnte.

Die nachfolgend beschriebene voluminöse polylobulierte Läsion mit Zentrum in der Fossa iliaca des Os ilium rechts zeigt in verschiedener Hinsicht eindeutige Hinweise auf eine maligne Entartung bzw. dürfte es sich bei der Läsion anhand der bildmorphologischen Kriterien und klinischen Angaben (Morbus Ollier) um ein Chondrosarkom handeln. Die entscheidenden Faktoren dieser Gewichtung liegen an der vollständigen Destruktion grosser Teile des Os iliums inklusive des Cortex, der erheblichen extraossären Weichteilausbreitung, der lokoregionären nachfolgend beschriebenen Weichteilinfiltrationen und den Periostreaktionen.

Die Läsion ist polylobuliert und insgesamt etwas unregelmässig konfiguriert und zeigt auf dem axialen Bildmaterial Durchmesser von bis 17,5 x 12 cm und auf den koronaren Bildern Durchmesser von 15 x 9,5 cm. Sagittal misst man Durchmesser von 15,5 x 10 cm.

Das konventionelle Übersichtsbild und dann vor allem die CT zeigt eine erhebliche ossäre Destruktion infolge Osteolysen, die in der Fossa iliaca ihr Zentrum haben und sich in alle Richtungen ausdehnen. Die Knochendestruktionen betreffen insbesondere auch den ossären Kortex. Die Osteolysen reichen bis in den vorderen acetabulären Pfeiler und erstrecken sich von hier in den vorderen Schambeinast rechts, wobei aber die parasymphysäre Region nicht betroffen ist. Weitreichende Osteolyse im dorsalen acetabulären Pfeiler und daran anschliessend im gesamten Os ischiadicum und auch am Übergang zum unteren Schambeinast - an dieser Lokalisation ist die Zusammenschau mit der MRT hilfreich, da die kleinen Lysen in der CT nicht so eindeutig sind.

ln der MRT zeigt die Läsion die für die Tumormorphologie typische chondroide Hyperintensität in den fettsaturierten T2-gewichteten Sequenzen. Typische komplementäre Hypointensität in der T1-Gewichtung. Die polylobulierte konfigurierte mineralisierte chondroide Matrix des Tumors ist vor allem in der Peripherie gut zu erkennen. Diese zeigt und in der MRT ein hypointenses Signal und präsentiert sich wegen der hohen Dichte in der CT als lobulierte Verkalkung. Nach i.v.- Kontrastmittelapplikation wird eine grosse zentrale Nekrose der Läsionen sichtbar, die keine oder kaum Kontrastmittel aufnimmt; die vitalen Anteile der Läsion zeigen hingegen ein massives Enhancement. Die Weichteilausdehnung lässt sich hier am besten einschätzen (z.B. Serie 14).

Es besteht ein relevante Tumorausdehnung sowohl nach aussen in Richtung Glutealmuskulatur wie auch nach innen in Richtung Pelvis. Von der Glutealmuskulatur betroffen bzw. infiltriert ist der Musculus gluteus medius und minimus; der Musculus glutaeus maximus dürrfte kaum betroffen. Aufgrund der Tumorausdehnung muss man von einer lnfiltration sämtlicher Muskelansätze und / oder Muskeln ausgehen, die am Os ilium ihren Ursprung haben. Mit eingeschlossen sind hier Crista iliaca, die Spina iliaca anterior superior und anterior inferior sowie das Os ischiadicum und der Übergang zum unteren und oberen Schambeinast rechts.

Die Tumorausdehnung in Richtung Pelvis fülhrt zu einer breitbasigen Infiltration des Musculus iliacus. Der Musculus psoas anterior davon ist im Pelvis stark nach anterior verdrängt, ausgespannt und zeigt in der Übergangszone ein pathologisches Enhancement - man muss hier von einer zumindest punktuellen Infiltration ausgehen.

Die Tumorausdehnung in Richtung Pelvis beansprucht volumenmässig fast die Hälfte des grossen Beckens und mindestens die Hälfte des kleinen Beckens. Die A. und V. iliaka communis und iliaca externa sind stark nach innen abgedrängt, erscheinen aber nicht infiltriert. Hingegen muss von einer Infiltration der Arteria iliaca interna rechts ausgegangen werden. Erhebliche Verdrängung der Harnblase zur linken Seite; das Organ scheint nicht infiltriert. Ebenso gilt dies für die Prostata, das Rektum und das Colon sigmoideum, das multiple Divertikel erkennen lässt.


Proximaler Femur rechts:
Das Caput femoris rechts ist zirkulär von Tumorgewebe umgeben; in diesem Sinne ist das Acetabulum inexistent. Dies hat auch dazu geführt, dass ein erheblicher Hochstand des Femurs rechts besteht infolge eines breitbasigen Einbruchs des Acetabulums, das mehr oder weniger vollständig lysiert ist. Der Hochstand gegenüber dem Femurkopf links beträgt über 2 cm.

Computertomographisch findet sich im Caput femoris rechts eine umschriebene Osteolyse und zwar im apikoposterioren Anteil. An dieser Lokalisation ist in der MRT nach i.v.- Kontrastmittelapplikation ein signifikantes Enhancement zu erkennen. Diese Befundkonstellation ist höchst verdächtig auf eine Infiltration des Feinurkopfes. Daneben sind keine Osteolysen zu erkennen; das Caput und Collum femoris zeigt aber inhomogene Knochenmarksödeme die assoziiert sind mit einem inhomogenen Enhancement des Knochenmarks, das bis zur Regio intertrochanterica reicht. Entlang diesem Verlauf sind mehrere grobschollige Verkalkungsherde in der spongiösen Matrix zu erkennen. Anzufügen bleibt hier noch, dass das Beckenübärsichtsbild vom 10.04.18 keine Coxarthrose rechts oder links zeigte also - es höchst unwahrscheinlich oder ausgeschlossen ist dass diese Pathologien in Zusammenhang mit einer Arthrose stehen. Aufgrund der Gesamtpräsentation muss man meiner Sicht nach von einer lnfiltration des Femurkopfes ausgehen. Eine aseptische Osteonekrose erscheint als Differenzialdiagnose möglich aber unwahrscheinlich (Ausdehnung zu gross, keine subchondralen Einbrüche der Kompakta erkennbar).

 

 

Hemipelvis und proximaler Femur links:
Das Hemipelvis links zeigt ebenso einzelne osteolytische Herde, die aber computertomographisch vor allem dadurch imponieren, dass sie unregelmässig verkalkte Matrix aufweisen, vorzugsweise in der Peripherie. An keiner Lokalisation ist dabei der Kortex des lliums signifikant ausgedünnt oder pelottiert d.h. bei diesen Befunden muss es sich in erster Linie um Enchondrome in Zusammenhang mit dem Morbus Ollier handeln. Diese liegen hauptsächlich im dorsalen Anteil des lliums. Eine entsprechende typische Präsentation findet sich in Analogie dazu auch in der MRT. Sekundär haben die Befunde punktuell zu Arthrosen im lliosakralgelenk Gelenk geführt (über asymmetrische Gelenkverhältnisse)
Absolut unauffällige Präsentation des Caput und Collum femoris links. Kein Tumorbefall.


Os sacrum beidseits:
Das Sakrum zeigt beidseits keine Osteolysen, In der MRT bestehen aber suspekte Auffälligkeiten an der anteroinferioren Zirkumferenz der Massa lateralis rechts, dieses Segment, das gerade dem Foramen ischiadicum gegenüber liegt. Hier findet sich eine Signalminderung des Knochenmarks in der T1-Gewichtung und ein korrelierendes Ödem und ein KM-Enhancement. Gleichzeitig reicht das Osteosarkom breitbasig an diesen Teil des Sakrums heran, da das gesamte benachbarte Foramen ischiadicum infiltriert ist - eine Infiltration dieses Sakrumsegmentes ist deshalb sehr wahrscheinlich. Eine breitbasige lnfiltration des Plexus ilosakralis rechts erscheint hingegen wenig wahrscheinlich.


Keine Infiltration des linksseitigen Sakrums. Keine Infiltration des Corpus vedebrae LWK 5.


Beurteilung:
Riesige polylobulierte Tumormasse, die sich ausgehend von der Fossa ischiadica in alle Richtungen ausbreitet. Aufgrund der dargelegten Kriterien und der Gesamtpräsentation muss es sich hier um ein lokal infiltrierendes Osteosarkom handeln.
lm Bezug auf die Grösse, Gesamtausdehnung und die Infiltration ossären Strukturen, benachbarter Weichteile und Organe siehe Ausführungen im Text. Speziell zu nennen bleibt hier, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Ausdehnung per continuitatem ins Caput und Collum femoris rechts besteht und ebenso eine punktuelle Infiltration der Massa lateralis des Os sacrum rechts anzunehmen ist."

 

 

 

 

Es währt ein mühsamer Weg mit vielen institutionellen Ungeschicken, bis ur IV nach der ersten ernsthaften Diagnose endlich in die lange Nacht wird hinaustreten gedurft haben. (ur III)

 

 

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