{"id":941,"date":"2011-05-26T04:22:19","date_gmt":"2011-05-26T03:22:19","guid":{"rendered":"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=941"},"modified":"2011-05-26T04:22:19","modified_gmt":"2011-05-26T03:22:19","slug":"traumland-graubunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=941","title":{"rendered":"Traumland Graub\u00fcnden"},"content":{"rendered":"<p>Nicht die L\u00e4nge des Traumes ist ungewohnt, sondern die Stabilit\u00e4t und Koh\u00e4renz in ihr, als h\u00e4tte er die ganze sechsst\u00fcndige Schlafenszeit gedauert, von der ich aber \u00fcberzeugt bin, dass sie einmal kurz unterbrochen war, sei es am Anfang, in der Mitte oder gegen Ende der sechs Stunden. Ich bin im B\u00fcndnerland zu Besuch, in einem Haus in mittlerer H\u00f6he eines grossen Hangs, \u00e4ltere Generation aus der Verwandtschaft. Sehr gute, angenehme Atmosph\u00e4re mit intellektuellem Gedankenaustausch. Abends kommen noch andere zu Besuch, ein bisschen als ob mein eigener Besuch dadurch gewissermassen geehrt w\u00fcrde, wie nach alter Sitte. Es wird nach Wein gefragt, und statt Nein zu sagen sage ich Ja, mit der Gegenantwort, man h\u00e4tte nicht vor, viel zu trinken, nicht als Warnung zu verstehen, sondern gegenteilig als ahnungslose Beruhigung. Nun beginnen interessante, anspruchsvolle Spiele, in denen nichts zu tun ist ausser zu sprechen f\u00fcr die einen, zuzuh\u00f6ren mit Kommentaren und Erg\u00e4nzungen f\u00fcr die anderen. Ich bin in h\u00f6chster Bewunderung daf\u00fcr, was diese Leute alles von sich zu geben wissen. Bei einem Spiel wird es f\u00fcr mich etwas peinlich. Es geht darum, auf ein gegebenes Stichwort hin etwas zu schaffen, ich glaube, ich h\u00e4tte ein Lied singen oder pfeifen m\u00fcssen, vielleicht auch nur es beschreiben. Das Wort, das irgendjemand f\u00fcr mich in die Runde wirft, ist Bach. Meine G\u00fcte! Alle konnten mit ihren Worten etwas machen, nur bei mir stockt das Spiel. &#8211; Es wird Morgen, und ich gehe auf einen Spaziergang den Hang hinunter, in der Ebene irgendwo in ein Haus, darin in den ersten oder zweiten Stock, in einen Raum mit Sicht zur\u00fcck gegen den Hang. Mich d\u00fcnkt, das w\u00e4re nun die Gelegenheit, mich n\u00fctzlich zu machen, denn der Hang sieht wundersch\u00f6n aus, und ich bin \u00fcberzeugt, die Gastgeber h\u00e4tten ihre sch\u00f6ne Wohnlage noch nie so gesehen. Ich gehe zur\u00fcck, um Fotoapparate und Einbeinstativ zu holen, komme tats\u00e4chlich in dasselbe Haus wieder zur\u00fcck, gehen in den ersten oder zweiten Stock des vorhin stillen Hauses. Mittlerweile sind seine Bewohner aber erwacht. Als ich ins Zimmer schleiche, wo ich durchs Fenster hinaus fotografieren will, l\u00e4sst man, physikalisch nicht nachvollziehbar, eine Sonnenstore herunter, die mir die Sicht nimmt. Ich sehe mich gezwungen, nach unten zu gehen, um in der Store ein Loch zum Fotografieren zu finden. Unter der Store ist ein grosser Raum mit Lebewesen, der Raum selbst mit einer Fensterwand abgeschlossen. Man ist am Fr\u00fchst\u00fccken, aber ich bin nicht sicher, auf welcher Seite. Ich bekomme aber ohne weiteres die Erlaubnis, den Raum zu betreten, um die Foto machen zu k\u00f6nnen. Ich gehe durch die Glast\u00fcre ins Innere und werde gewahr, dass die Lebewesen \u00c4ffchen sind, mal etwas gr\u00f6sser, mal kleiner, mal deformierte Menschen, mal sch\u00f6n und herzig, mal weniger. Einige k\u00f6nnten bedrohlich sein, aber von der anderen Seite her ist man aufmerksam. Insgesamt wirkt der Raum mit den ungewohnten Lebewesen, der offen scheint wie in einer Gartenwirtschaft an einem sonnigen Morgen, nicht bedrohlich. Dennoch bin ich bald wieder draussen, denn von unten kann ich den Abhang wegen zu nahe stehender H\u00e4user nicht gut fotografieren. Die Ebene hat eine Gegenh\u00f6he, auf die eine Strasse mit Pappeln f\u00fchrt, zuoberst mit einer Kirche oder einem Schlossgeb\u00e4ude, eine Anlage, wie sie des \u00f6fteren in Europa zu sehen ist. Bis zuoberst will ich nicht gehen, weil der Morgenspaziergang nur kurz sein soll, und auf dem Weg nach oben hat es zuviele B\u00e4ume und Str\u00e4ucher. In der Mitte gibt es eine Abzweigung in ein W\u00e4ldchen, das mit einer Mauer umgeben ist, auf der ich den Hang mit dem Haus der Gastgeber zu fotografieren gedenke, \u00fcber die Ebene mit dem Haus der \u00c4ffchen hinweg. Ich mache dieses, auch mit einem Panorama, gehe auf der Mauer zur\u00fcck zur Burg- oder Kirchenstrasse. Ich sehe schon, wo ich hinuntersteigen will, als eine Gruppe etwa zwanzigj\u00e4hriger Frauen an dieser Stelle auftaucht, in gar nicht zur\u00fcckhaltender Stimmung, als ob sie mich nicht wirklich sehen w\u00fcrden und partout meinen wollten, der Mann aus der Fremde k\u00f6nnte ihnen nur gefallen. Zwei von ihnen gefallen indes mir selbst ausserordentlich, und unversehens sind sie auf der Mauer, und eh der Tag wirklich beginnt, ist ein Liebesrausch ohne jede Hemmungen im Gange, nur mit der kleinen Verwunderung dar\u00fcber, dass die heisse Haut der jungen B\u00fcndnerinnen nicht braungebr\u00e4unt, sondern sehr weiss erscheint, wenn auch in der Heissbl\u00fctigkeit und s\u00fcssen Schweissesgl\u00e4tte nicht adelig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht die L\u00e4nge des Traumes ist ungewohnt, sondern die Stabilit\u00e4t und Koh\u00e4renz in ihr, als h\u00e4tte er die ganze sechsst\u00fcndige Schlafenszeit gedauert, von der ich aber \u00fcberzeugt bin, dass sie einmal kurz unterbrochen war, sei es am Anfang, in der Mitte oder gegen Ende der sechs Stunden. 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