{"id":807,"date":"2011-03-22T06:19:34","date_gmt":"2011-03-22T05:19:34","guid":{"rendered":"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=807"},"modified":"2011-04-09T04:36:25","modified_gmt":"2011-04-09T03:36:25","slug":"arditti-quartett","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=807","title":{"rendered":"Arditti Quartett 1 (Bern)"},"content":{"rendered":"<p>Fehlten die Streifz\u00fcge durch die Walliser Landschaft als Partitur, w\u00e4ren meine letzten 20 Jahre, was Konzertbesuche betrifft, eine einzige W\u00fcste. Die wenigen Oasen sind schnell aufgez\u00e4hlt: einige Sitarkonzerte in Bern und Basel, eines von Sujay Bobade mit Bansuri in Uettligen, Var\u00e8se am 12. Januar 2003 in Vevey<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2011\/varese.jpg\"><\/p>\n<p>und vorher am 27. Januar 2001 schon in Luzern, das Po\u00e8me Electronique und ein gutes St\u00fcck von Charlotte Hug, vor demselben auf Einladung des Organisationskomitees eines am 1. September 2000 von Franziska Baumann, das ich in der Gletscherzone nicht gefunden hatte, nach ihm, ebenfalls auf Einladung, eines des greisen Ian Anderson mit Altherrenwitzen in Z\u00fcrich, versunken im selben Silbersee, wie er aus der Oper raportiert wird, und zweimal Negi in Bern:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2011\/negi-konsi-1.jpg\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2011\/negi-konsi-2.jpg\"><\/p>\n<p>Am lebendigsten im Bewusstsein geblieben ist mir aber ein Konzert am 18. September 1992 in Frankfurt, zuvorderst in der Mitte schon am Rand der B\u00fchne &#8211; mit Irvine Arditti Solo, in einer un\u00fcberbietbaren Auff\u00fchrung von John Cages Freeman Etudes (ein Tag nach Zappa zum letzten Mal, The Yellow Shark). Nicht ganz unm\u00f6glich, dass er den Ort, den Negi einst so gross zu ehren vermocht hatte, einmal selbst bespielen wollte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2011\/bern-1.jpg\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2011\/bern-2.jpg\"><\/p>\n<p>Auf altbekannten Wegen fr\u00fcher: zum Pyri nach links, in den Falken nach rechts<\/p>\n<p>Gestern Abend jedenfalls h\u00f6rte ich ihn an diesem Ort wieder, im Ensemble des Arditti Quartetts, mit:<\/p>\n<p> Leos Jan\u00e1cek: Streichquartett Nr. 1, &#8222;Kreutzersonate&#8220;. Mich d\u00fcnkte, die Band k\u00e4me erst mit der Zeit in Schwung und w\u00fcrde anf\u00e4nglich mit den Eins\u00e4tzen spielerisch pr\u00f6beln, wie auf einem Folkfestival, wo man das Pulver nicht aufs Gratewohl verschiessen will. Ich hatte die Unstimmigkeiten positiv als Musikalit\u00e4t wahrgenommen. Bald aber, und speziell im letzten Satz, die bekannte Sch\u00e4rfe des Quartetts mit eisglatten Kl\u00e4ngen und gespitzten Konturen. Erstaunlich, wie in einer Jan\u00e1cekinterpretation es einen d\u00fcnkt, das Arditti Quartett w\u00fcrde das Folkloristische hervorheben wollen.<\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2011\/arditti-1.jpg\"><\/p>\n<p> Nach dem Jan\u00e1cek-Quartett<\/p>\n<p> Pascal Dusapin: Streichquartett Nr. 5. Die Programmierung, vor dieses Quartett Jan\u00e1ceks erstes zu setzen, d\u00fcnkt mich gelungen, da es wie eine Variante auf einem gewissen Abstraktionsniveau erscheint. Ich kenne leider nur ganz wenig von Dusapin, trotzdem schlingerte ich am Anfang, bis ich merkte, die Musik t\u00f6nt wie solche von fr\u00fcher, die aus dem Jazz stammte und \u00fcber deren Noten, die wir zuhause hatten, &#8222;March&#8220; stand. Wie bei Jan\u00e1cek Elemente aus der l\u00e4ndlichen Musik des Volkes und seiner Sprache in extrem subjektive Ausdrucksmusik verwandelt wird, transformiert Dusapin schleppende Elemente eines delirierenden Jazzbasses in etwas Neues, in dem das konkrete Einzelne der Unterhaltung nichts mehr zu sagen hat. Ich habe noch Weihnachtsgutscheine f\u00fcr B\u00fccher und werde dieselben in die CD mit allen Quartetten verwandeln &#8211; zum Gl\u00fcck aber habe ich dieses Konzert h\u00f6ren k\u00f6nnen (Merci Fr\u00e4nzi!), da es eine lange \u00e4usserst stille Passage enth\u00e4lt, in der die Funkkopfh\u00f6rer bestimmt abschalten werden.*<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2011\/arditti-2.jpg\"><\/p>\n<p>  Beim Dusapin-Quartett<\/p>\n<p> Bernhard Lang: &#8222;Monadologie IX &#8211; the Anatomy of Disaster&#8220;. Das St\u00fcck dauert knapp eine Stunde und besteht entgegen den beiden vorangehenden nicht aus einem Bogen von Anfang bis zum Ende, in dem sich etwas verwandeln w\u00fcrde, trotzdem habe ich auch hier mit der Zeit lieber zugeh\u00f6rt, weil mir die innere Spannung, die man von Anfang an erkennt, famili\u00e4rer wurde. Mich d\u00fcnkt es immer schon problematisch, neue Musik in eine Spannung zur tonalen zu bringen; hier geschieht sie mit konkreten Elementen aus Haydns Quartetten, nicht selten aber auch mit solchen aus der heutigen Unterhaltungsmusik, einmal aus dem Hardrock, einmal mit Django Reinhardtpassagen. Solches wirkt unterkomplex. Hat man aber das Bauprinzip erst einmal akzeptiert und ist mit dem St\u00fcck im Reinen, l\u00e4sst man sich die Spannung in der Struktur selbst zwischen tonalem Alten und organisatorisch unbestimmtem Neuen durchaus wohlgefallen. Auch dem \u00e4lteren Publikum hat es gefallen &#8211; und j\u00fcngeres scheint es in Bern f\u00fcr Musik gar nicht mehr zu geben. Wie man indes alles von Jan\u00e1cek zweihundertmal im Leben geh\u00f6rt haben darf, sollte man Dusapin schleunigst in toto zur Kenntnis nehmen, und Lang ist die Herausforderung allemal wert &#8211; seit 4 fotografisch auf den Beinen, hatte ich auch in den letzten Passagen gegen 22 Uhr noch keine M\u00fcdigkeitssymptome.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2011\/arditti-quartett.gif\"><\/p>\n<p>  Beim Lang-Quartett<\/p>\n<p> (Kamera von der M\u00e4zenin ausgeliehen, Fujifilm Finepix)<\/p>\n<p> *Zusatz 9. April 2011: Die Kopfh\u00f6rer funken das ganze St\u00fcck ohne Unterbruch. Morgens um 5 geh\u00f6rt eine Wonne &#8211; wie Campieren am Meisibach unten den Chilesteinen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fehlten die Streifz\u00fcge durch die Walliser Landschaft als Partitur, w\u00e4ren meine letzten 20 Jahre, was Konzertbesuche betrifft, eine einzige W\u00fcste. Die wenigen Oasen sind schnell aufgez\u00e4hlt: einige Sitarkonzerte in Bern und Basel, eines von Sujay Bobade mit Bansuri in Uettligen, Var\u00e8se am 12. Januar 2003 in Vevey und vorher am 27. 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