{"id":751,"date":"2011-02-26T06:26:28","date_gmt":"2011-02-26T05:26:28","guid":{"rendered":"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=751"},"modified":"2011-02-27T05:09:16","modified_gmt":"2011-02-27T04:09:16","slug":"traumzensur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=751","title":{"rendered":"Traumzensur"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin an einer Bar am Rande eines Anlasses, stehe in einer kleinen Schlange, vor mir jemand, der bedient wird und weg geht mit seinem Kaffee in einer Wegwerftasse. Dann bin ich an der Reihe, und links von mir steht unverhofft im weissen Hemd einer der gr\u00f6ssten Schweinehunde der Schweiz &#8211; da es momentan so viele gibt, besteht keine Gefahr, dass seine Identit\u00e4t geleakt wird und ich gehenkt. Der Volksraser ist freundlich und nimmt seine ihm eigene joviale Aufdringlichkeit geringf\u00fcgig aber sp\u00fcrbar zur\u00fcck. Kein Problem, dass ich selbst und nicht er den n\u00e4chsten Kaffee bekomme &#8211; auch wenn die Kaffeemaschine inzwischen kaputt gegangen ist. Die interne Traumzensur arbeitet so stark, dass ich den weiteren Verlauf vergessen habe. So spektakul\u00e4r zu notieren, f\u00fcr mich, wie der Auftritt des Immernurschweizers in meiner Leibesn\u00e4he, w\u00e4re er nicht.<\/p>\n<p>Zusatz: Ich ben\u00f6tigte fast 24 Stunden, um die Motivierung zu erkennen. In der Tat ist das Unbewusste zuweilen ein Witzbold, der mit derben Spr\u00fcchen das philosophische Bewusstsein vom hohen Ross zu werfen weiss. In Donna Quijota wurde eben erst versucht, dem Denken der Existenz Raum zu verschaffen, um es auf Gehalte zu lenken, die von der Kulturindustrie nicht in Beschlag genommen werden k\u00f6nnen (und hat Heidegger in lichten Momenten nicht behauptet, die Fundamentalontologie sei nicht metaphysisch und sei also das Einzige, das sich der Metaphysik zu entziehen verm\u00f6chte?) Solches Denken wird schnell hochtrabend, wenn es vom Leben tel quel und, nat\u00fcrlich, vom Tod spricht. Entscheidender ist aber, dass es auch eine alltagspraktische Seite hat, und zwar in der Form der Alltagspraxis \u00fcberhaupt: das existentielle Denken ist nicht nur ein Denken, das jeder Mensch kann und von sich aus immer schon tut, sondern zeigt sich im Alltag unaufh\u00f6rlich, denn es ist der Alltag des Einkaufens selbst, des Kochens, Essens, Spazierengehens, Sextr\u00e4umens, M\u00e4dchen und V\u00f6gelchen Nachschauens, Wetterschwatzens etc. In diesem Bereich, der, und zur Sprache steht der Alltag, zur Gesellschaft geh\u00f6rt und sich von all ihren anderen wie der Politik, der Wissenschaft und der Kunst abhebt, sind alle gleich, gleichwie es ein Leichtes ist, unterwegs, in der Ferienferne oder rund ums Haus herum, sich mit Unbekannten bestens zu unterhalten und gar zu verstehen, die einem, wenn man \u00fcber sie ins Bild gesetzt wird, ein Gr\u00e4uel sind. Das sophistische und kleinliche Unbewusste holte im Traum einen alten Spruch aus der Trickkiste des Argumentierens hervor, nachdem es ein Monster instruierte, f\u00fcr einen Moment Federn zu lassen und, was mich am meistens \u00e4rgerte, ein klein wenig weniger den Widerling zu spielen: &#8222;Da hast du deinen existentiell neutralisierten Mitmenschteufel, gegen den man nicht mit Schwert und Lanze k\u00e4mpfen soll!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin an einer Bar am Rande eines Anlasses, stehe in einer kleinen Schlange, vor mir jemand, der bedient wird und weg geht mit seinem Kaffee in einer Wegwerftasse. 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