{"id":600,"date":"2011-01-16T04:57:02","date_gmt":"2011-01-16T03:57:02","guid":{"rendered":"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=600"},"modified":"2011-01-16T04:57:02","modified_gmt":"2011-01-16T03:57:02","slug":"saint-saens-und-strauss-an-der-horperipherie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=600","title":{"rendered":"Saint-Sa\u00ebns und Strauss an der H\u00f6rperipherie"},"content":{"rendered":"<p>Gestern direkt live Samson et Dalila von Camille Saint-Sa\u00ebns aus N\u00fcrnberg auf Bayern 4. Schwierig nur schon, die Sprache zu erkennen, Franz\u00f6sisch, geschweige denn, im Gesungenen Bedeutungen auszumachen, denen man h\u00e4tte folgen k\u00f6nnen. Das wurde zunehmend gleichg\u00fcltig, weil die Tonsprache und Gattungs\u00e4sthetik von der Beschaffenheit sind, die ich seit je als den Tod der Musik empfinde. Es liegt an der Musik selbst, nicht an der Darstellung und der Atmosph\u00e4re des Opernhauses, dass sie in die Mottenkiste der Geschichte verstaut geh\u00f6rt. Nach knapp einer Stunde in Abwehrhaltung Umschalten auf Espace 2 zu Elektra von Richard Strauss, live aus Genf vom November 2010, dir. Stefan Soltesz Gen\u00e8ve Orchestre de la Suisse Romande, nicht weil es mich interessiert h\u00e4tte &#8211; mit Strauss bin ich im Reinen und habe aufgeh\u00f6rt, ihn zu verfolgen &#8211; sondern weil ich nach sechs Stunden durchgehendem Fernsehsound nachmittags aus der unteren Nachbarwohnung keine solchen weiteren T\u00f6ne mehr ertragen h\u00e4tte (in Wirklichkeit war exakt zu diesem Zeitpunkt nichts zu h\u00f6ren, aber diese Narretei der Gewaltabwehr \u00fcber den Rand hinaus ist fester Bestandteil des Wohnscheisses in Leibesn\u00e4he von Fernsehdebilen mit blosser rostiger Restverdrahtungen zwischen den Ohren). Obwohl mich das H\u00f6ren nur entspannen und ablenken sollte und mir Strauss als feste Null gilt, der ich keine weitere Beachtung mehr schenken will, hat mich dieses Operngeschehen ziemlich in Beschlag genommen. Dank Wikipedia war ich schnell im Bild, und das Deutsch aus Genf war gut verst\u00e4ndlich. Erst noch auf dem Nachmittagspaziergang, v\u00f6llig abgel\u00f6st von diesem Zusammenhang, \u00fcberlegte ich mir, was zu den Gr\u00fcnden geh\u00f6rt, die mich Strauss unertr\u00e4glich erscheinen lassen, dass er sein \u00fcberbordendes Talent missbraucht und in Wendungen verschleudert, die soviel Gehalt haben, wie eine Werbesprache erwarten l\u00e4sst. Insbesondere bin ich allergisch auf musikalische Phrasen, die aus dem Heldenleben und dem Eulenspiegel stammen und die ich \u00fcberall in seinem Werk wittere &#8211; und zur guten \u00dcberraschung hier nicht best\u00e4tigt finde. Dass aus dieser kontrolliert-explosiven \u00c4sthetik, die mich weit progressiver d\u00fcnkt als die dann des fr\u00fchen Hindemith und mit Sch\u00f6nberg gut vergleichbar, erscheint mir als R\u00e4tsel, das vielleicht doch nicht als unl\u00f6sbar zu den Akten abgelegt werden darf. Aber vielleicht hat man in Genf einfach besonders gut gesungen &amp; gespielt, und in Tat &amp; Wahrheit steht auch weiterhin nichts Besonderes dahinter. Man muss seinen Vorurteilen auch Glauben schenken k\u00f6nnen, wenn man sich von ihnen nicht unterkriegen lassen will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern direkt live Samson et Dalila von Camille Saint-Sa\u00ebns aus N\u00fcrnberg auf Bayern 4. Schwierig nur schon, die Sprache zu erkennen, Franz\u00f6sisch, geschweige denn, im Gesungenen Bedeutungen auszumachen, denen man h\u00e4tte folgen k\u00f6nnen. 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