{"id":53,"date":"2006-07-04T08:11:39","date_gmt":"2006-07-04T06:11:39","guid":{"rendered":"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=53"},"modified":"2006-07-04T11:48:08","modified_gmt":"2006-07-04T09:48:08","slug":"jacques-derrida-marx-sons-deutsch-2004","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=53","title":{"rendered":"Jacques Derrida: Marx &amp; Sons, deutsch 2004"},"content":{"rendered":"<p>Endlich ein Text von Derrida, der sich ohne grosse Vorbehalte auch denjenigen zur Lekt\u00fcre empfehlen l\u00e4sst, denen dieser Autor bis jetzt nur fremd erschien. Jacques Derrida antwortet auf kurzem Platz mehreren gestandenen marxistischen AutorInnen, die in einem Sammelband 1999 je einzeln auf sein Werk Marx&#8216; Gespenster (fr. 1993, dt. 1996) reagieren. Einerseits bewegt man sich in einer Fragestellung, die auch dem simplen Studenten der Analytischen Philosophie bekannt ist (sie zeigt sich im strammen Ausruf, dass es politisch weder Links noch Rechts gebe); andererseits kann Derrida aus Platzgr\u00fcnden seinem Steckenpferd nicht die Z\u00fcgel frei laufen lassen, Detailfragen auf dem Feld der Etymologie so ins Wuchern zu bringen, dass die dazugeh\u00f6rigen, aber f\u00fcrs gew\u00f6hnliche Lesen meist wichtigeren oder interessanteren am Schluss nur noch als pendente aufgelistet im Aufschub leerlaufen &#8211; eine nervige &#8222;Methode&#8220; in den mittleren Texten haupts\u00e4chlich der achtziger Jahre allemal. Nein, hier spricht ein B\u00fcrger vor seinen Genossen, und er zaudert nicht, einzelnen die Meinung so zu sagen, wie sie es verdienen; die Glac\u00e9handschuhe, die einem im Streit von Popper und Adorno aufgestossen waren, sind ausgezogen. Schade nur, dass Michael Ryan mit keinem Beitrag vertreten ist, den Derrida zitieren k\u00f6nnte. Er hat schon 1982 ein Buch mit dem Titel Marxism and Deconstruction ver\u00f6ffentlicht, Gayatri Spivak gewidmet, die an seiner Stelle Derrida antwortet (ob im Sammelband oder anderswo wird in der deutschen Einzelpublikation nicht klar), in einer Weise, dass einem die Haare zu Berge stehen und gleichzeitig Derridas langes Herumdrucksen um die marxistische Theorie dumpf verst\u00e4ndlich machen. Das Buch von Ryan war deswegen eine Besonderheit, weil es zwar der Dekonstruktion kritisch begegnete, aber nie aus der Warte eines Marxismus, der sich darauf versteifen zu m\u00fcssen glaubte, Grenzlinien zu ziehen wie es eben modisch war und auch bei einigen der Autoren des Sammelbandes noch geschieht.<br \/>Im \u00fcbrigen erscheint es in diesem Text leichter als anderswo, die Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit der Dekonstruktion nachzuvollziehen, die unerbittlicher als je in der Philosophie immer dann auf begrifflicher Ebene weiterfragt, wenn der gesunde Menschenverstand den Bettel hinwirft und sich den misslichen Umst\u00e4nden f\u00fcgt. Nein, die Theorie soll nicht in einem fatalistischen T\u00fcmpel Fuss fassen voller Phrasen \u00e0 la So ist halt der Mensch, Weniger ist mehr, Take it easy etc. Derridas unerm\u00fcdliches Aufsplittern von Behauptungen verfolgt den alten ideologiekritischen Zweck, den reaktiven Fatalismus und Defaitismus auch dort aufzust\u00f6bern und auszutreiben, wo dem naiven Blick im Alltag alles andere zu begegnen scheint als Passivit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich ein Text von Derrida, der sich ohne grosse Vorbehalte auch denjenigen zur Lekt\u00fcre empfehlen l\u00e4sst, denen dieser Autor bis jetzt nur fremd erschien. Jacques Derrida antwortet auf kurzem Platz mehreren gestandenen marxistischen AutorInnen, die in einem Sammelband 1999 je einzeln auf sein Werk Marx&#8216; Gespenster (fr. 1993, dt. 1996) reagieren. 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