{"id":411,"date":"2010-11-11T14:45:02","date_gmt":"2010-11-11T13:45:02","guid":{"rendered":"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=411"},"modified":"2010-11-13T04:45:53","modified_gmt":"2010-11-13T03:45:53","slug":"warensammlung-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=411","title":{"rendered":"Warensammlung heute"},"content":{"rendered":"<p>1989 bis 1991 hatte ich ein richtiges Einkommen, das die Investition in eine Stereoanlage erlaubte. Der Verk\u00e4ufer sch\u00e4tzte die Lebensdauer der ausgew\u00e4hlten Ger\u00e4te, Technics AA, auf mindestens acht bis h\u00f6chstens zw\u00f6lf Jahre ein. Vor zehn Jahren musste der CD-Player ausgewechselt werden, vor vier Jahren begannen Kontaktst\u00f6rungen am Volumenregler, und vor zwei Jahren verabschiedete sich eine interne Batterie des Tuners mit der Folge, dass das Display nur noch \u00e4usserst schwach ablesbar war und der Senderspeicher alles l\u00f6schte, wenn die Stromzufuhr l\u00e4nger als eine Stunde wegfiel (das neu Abspeichern der benutzten elf Sender dauerte jeweils gut eine halbe Stunde). Die Lautsprecher werden seit zehn Jahren nicht mehr eingesetzt, da das Haus im Innern keine Isolation hat und folglich teuflisch ringh\u00f6rig ist. Der Funkkopfh\u00f6rer Sennheiser HDR 140 seinerseits verlangt eine eigent\u00fcmlich pr\u00e4zise Einstellung der Lautst\u00e4rke &#8211; genau diese konnte der Volumenregler einfach nicht mehr finden: immer war das Signal f\u00fcr den Kopfh\u00f6rer zu laut oder zu leise, so dass ein Scherbentonhaufen entstand, in dem nichts Musikalisches mehr herauszuh\u00f6ren war.<\/p>\n<p>Hat man sich entschieden, dass ein Verst\u00e4rker und ein Tuner neu angeschafft werden m\u00fcssen, traut man sich der Wahrnehmung der Warenwelt nicht mehr. Vor dreissig Jahren ist man in irgendein Musikgesch\u00e4ft oder &#8211; billiger &#8211; in ein Warenhaus f\u00fcr Unterhaltungselektronik spaziert, hat fast Hunderte von Anlagen entweder direkt ausprobiert oder wenigstens be\u00e4ugt, diverse Kataloge durchgebl\u00e4ttert und Ger\u00e4te aussortiert, die in Qualit\u00e4t und Preis kontinuierlich einen Bereich ausf\u00fcllten, der von sehr billig und schlecht bis weit ausserhalb des Rahmens der Bezahlbarkeit verlief. Heute kommt mir die Schweiz wie die einstige DDR vor, nur von wenigen Gesch\u00e4ften begl\u00fcckt, die man besuchen kann, und nicht ein einziges bietet das an, was man sucht, je als Einzelst\u00fcck einen Verst\u00e4rker und einen Tuner f\u00fcr eine sogenannte Stereoanlage, nicht f\u00fcr ein &#8211; grosse Kotze! &#8211; Heimkino. Die Discounter f\u00fchren nur noch kleine Gesamtanlagen, in kleinem Format und schlechter Qualit\u00e4t (ob sie wirklich schlecht ist, weiss ich nicht: als alter Sack f\u00fchlt man sich wie ein Meister der eigenen Erfahrungen (aufs Risiko hin, als Bock seiner Vorurteile dazustehen)). Wird man auf das einzige in Bern auffindbare Gesch\u00e4ft mit Musikanlagen f\u00fcrs Zuhause hingewiesen und folgt dieser F\u00e4hrte, wird man von der Einsicht erschlagen, dass der billigste Tuner dort mehr als das Dreifache dessen kostet, was man ausgeben kann. Die Lage ist ernst, der Weg ins Netz der alleinig offenstehende. Siehe da, zwei Ger\u00e4te finde ich, die meinen W\u00fcnschen und dem Kinderportemonnaie zu entsprechen scheinen: X4-Tech TU-1000 (erinnert an den alten Computer im Ircam, 4X) und Pioneer A-109. Wie kommen die M\u00f6bel, eines drei und eines vier bis f\u00fcnf Kilo schwer und sehr gross verpackt beide, ins Haus und in die Wohnung nach oben? Eine Lieferung also per Post, und angekreuzt wird bei der Bestellung f\u00fcr Erstkunden per Nachnahme. Da ich vor f\u00fcnf Jahren die Erfahrung machte, dass bei einer \u00e4hnlichen Bestellung f\u00fcr ein Computerteil die Lieferung bereits am anderen Tag eintraf, blieb ich &#8211; das war die letzte Periode mit den leuchtenden Sch\u00f6nwettertagen &#8211; zu Hause und passte den P\u00f6stler ab, da er sonst die Ware bei der n\u00e4chstliegenden Poststelle, zehn Minuten Fussweg entfernt, abholbereit deponieren w\u00fcrde, und das k\u00e4me aufs Gleiche hinaus wie der Kauf der Ger\u00e4te direkt in einer Filiale der webzentrierten Vertriebsfirma. Alle die sch\u00f6nen Tage wurden verspielt und am letzten mit einem Brief im Kasten gekr\u00f6nt, der sich f\u00fcr die Bestellung mit einem Einzahlungsschein bedankte, dessen Bearbeitung meinerseits als Vorauszahlung unverz\u00fcglich dann den Versand ausl\u00f6sen werde. No Panik, aus der Fassung bringt uns das nicht. Eine Woche sp\u00e4ter sind die Pakete im Parterre, ohne Schnur, ohne Haltegriffe. Ich weiss nicht, wie Titanen fuhrwerken, aber ich brachte die unhandlichen K\u00e4sten nach oben, s\u00e4mtliche alten Teile aus dem \u00fcber zwanzigj\u00e4hrigen, mit R\u00e4dchen unterlegten Turm auf den Tisch (nachmittags je einzeln zur nahgelegenen Sonderabfuhr) und die zwei neuen mit dem CD-Player zuunterst flugs wieder dahinein. (Einarmig geht immer flott, wenn man die Arbeitsstelle so zurechtr\u00fcckt &#8211; in diesem Fall auf den R\u00e4dchen eben &#8211; dass die Zielposition mit einem Knie erreichbar ist und die zweite Hand ohne Armbewegung Unterst\u00fctzung leisten kann.) Siehe da, was morgens um Neun eintraf, funktionierte wie erw\u00fcnscht kaum sp\u00e4ter schon als am Mittag. Der Klang in den H\u00f6rern erschien mir gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, aber nicht skandal\u00f6s. Doch am selben Abend wurde klar, dass ein Fehler vorliegen muss, weil ich eine Sendung wegen St\u00f6rger\u00e4uschen nicht zu Ende h\u00f6ren konnte. Anderntags gingen die Tests weiter. Wenn nach einer gewissen Pause die Akkus des H\u00f6rers wieder geladen waren, t\u00f6nte alles gut. Nach einer halben Stunde kamen auf France Music die ersten Knitterst\u00f6sse, auf Bayern 4 Rauschen. Nach zwei Stunden war auf keinem Sender mehr ein Zuh\u00f6ren m\u00f6glich, mittags etwas weniger entschieden als abends. Als ich dann einmal nicht mehr weiter radioh\u00f6ren konnte, probierte ich zum ersten Mal eine CD aus: wunderbar der Klang! Kaum zu \u00fcbertreffen, deutlich und sch\u00f6n in allen H\u00f6hen. Ich machte f\u00fcr den schlechten Radioempfang drei Fehlerquellen aus: St\u00f6rungen aus Nachbarwohnungen mit eigenen Funkkopfh\u00f6rern, schlechte technische Standards im Kabelnetz, eine schwache Verdrahtung im Tuner &#8211; Hypothesen, die weniger k\u00fchn sind als verzweifelt. Am Internet suchte ich alle drei Ger\u00e4te wie Kopfh\u00f6rer, Verst\u00e4rker und Tuner ab, fand aber nirgends eine Kritik an einem der Teile, die mich h\u00e4tte weiter bringen k\u00f6nnen. Dann merkte ich, dass der Ton wieder besser wird, wenn ich die Antenne bei der Buchse ein wenig herausziehe und drehe. Ich las alles Deutschsprachige \u00fcber FM-Antennen und fand bei einem Hersteller eine seltsame Angabe, das Schirmungsmass in Dezibel (entspricht m\u00f6glicherweise dem Leitungswellenwiderstand und der Impedanz in Ohm), mit einem langen deutschen S, das klarstellt, wo ein Produkt herkommt, das in der Schweiz hergestellt sein m\u00f6chte. Alle FM-Kabel der besuchten Firmenwebsite haben den Wert >75 db oder besser, nur ein Kabel hat den geringen von >50 db. Endlich begann die Hypothesend\u00e4mmerung: Meine Ger\u00e4te sind zwar neu, das FM-Antennenkabel aber uralt, \u00fcber zwanzig Jahre alt. Ein neues behauptet, aus der Schweiz zu kommen, hat aber das verr\u00e4terische S, mit einem Wert von >90. Wer h\u00e4tte das gedacht: alle Sender sind nun gut zu h\u00f6ren (France Musique abends zu 90%), die Tonqualit\u00e4t nicht wie die Tage zuvor mit dem alten Kabel sondern fast wie direkt ab CD. &#8211; Gestern noch der letzte Kauf in dieser Sache, neue Ohrpolster des Kopfh\u00f6rers, zu t\u00e4tigen erst nach einer kleinen Reise durch die Schweiz (an einen Ort mit Blick auf Vrenelis G\u00e4rtli (wo Fenek erst gerade runtunterfiel)), da kein einziges anderes Gesch\u00e4ft im Land diese Kleinigkeit noch anbieten w\u00fcrde. (Auf der R\u00fcckreise im vollen Zug herabgest\u00fcrzt wie ein Meteorit aus weit entfernten Zeitr\u00e4umen kurz vor Abfahrt die allersch\u00f6nste Frau, noch nie von einem Menschenmann gesehen, direkt vis-\u00e0-vis de la b\u00eate auf den letzten freien Platz, direkt am Fenster in einem sechspl\u00e4tzigen Abteil: ja, sie kann es, das Katastrophische all der Monster &#038; Minister aufwiegen, die den freien globalen Markt diktieren, nur um ihn zu zerst\u00f6ren, indem sie alles Geld aus seinen Bahnen abziehen &#8211; zur H\u00e4lfte allein schon durch ihre lebenslustige, in Neugier weich rundgew\u00f6lbte Zungenspitze, hellrosa-weiss &#038; leuchtend unter einer Aura in abged\u00e4mpftem Gelb-Rot, mit dem sie, ihrer Wirkung gewiss, die Lidschatten noch im Aussergalaktischen t\u00f6nte.) Uff, gegl\u00fcckt &#8211; und ab nun zum \u00dcberwintern in die weltweiten Konzerts\u00e4le zuhause, nahe immerzu beim Sitzplatz f\u00fcnfte Reihe Mitte!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1989 bis 1991 hatte ich ein richtiges Einkommen, das die Investition in eine Stereoanlage erlaubte. Der Verk\u00e4ufer sch\u00e4tzte die Lebensdauer der ausgew\u00e4hlten Ger\u00e4te, Technics AA, auf mindestens acht bis h\u00f6chstens zw\u00f6lf Jahre ein. 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