{"id":3019,"date":"2020-12-28T08:15:46","date_gmt":"2020-12-28T07:15:46","guid":{"rendered":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=3019"},"modified":"2021-01-05T07:40:06","modified_gmt":"2021-01-05T06:40:06","slug":"ur-iii-die-zweiundzwanzigste-strawinsky-sacre-du-printemps-und-petruschka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=3019","title":{"rendered":"ur III: Die Zweiundzwanzigste. Strawinsky: Sacre du Printemps und Petruschka"},"content":{"rendered":"<p>CD: <a href=\"https:\/\/www.mycloud.ch\/s\/S00C5552A1A3F5D0ED482721629DABA000668C61021\">Strawinsky: Sacre du Printemps und Petruschka<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ueliraz.ch\/sacre-printemps-petruschka.pdf\">Gesamtpartitur<\/a><\/p>\n<p>(1 Technische Pause                                                                   0.04)<br \/>\n2 Le Sacre du Printemps, 1913<br \/>\nVersion Piano Solo von Sam Raphling, uraufgef\u00fchrt 1979<br \/>\nTeil 1, Adoration of the Earth                                                   15:33<br \/>\n3      Teil 2, The Sacrifice                                                                 18.38<br \/>\n4 Pause<br \/>\n5 Petruschka, 1911<br \/>\nVersion Piano Solo vom Komponisten, 1921<br \/>\nTeil 1 &amp; 2, Russian Dance &amp; At Petrushka\u2019s                           6:37<br \/>\n6        Teil 3, The Shrovetide Fair (Fasnacht)                                    8:19<\/p>\n<p>Die Cadenza in \u201cAt Petrushka\u2019s\u201d dauert zehn Sekunden und besteht aus vier Takten mit wilden Glissandi und Pitch Bends dank des zus\u00e4tzlich benutzten Instruments Augmented Piano, drei Spuren mit 6, 24 und 48 Semitones, (Minuten 5:22 bis 5:32).<\/p>\n<p>F\u00fcr uns heute sind der Sacre und Petruschka zwei St\u00fccke, deren Kompositionsweise und \u00c4sthetik genossen wird und keine Irritationen hervorrufen. Wir lieben die zwei l\u00e4rmigen Tanzst\u00fccke, weil sie die Metaller und die anderen Rockstars alt aussehen lassen. &#8211; Nicht so f\u00fcr Adorno.<\/p>\n<p>Adorno ver\u00f6ffentlichte die Philosophie der neuen Musik 1948 als Exkurs der Dialektik der Aufkl\u00e4rung, nach deren These weder technischer Fortschritt noch kulturelle Aufkl\u00e4rung zum Guten f\u00fchren, wenn die Prozesse in ihnen nicht reflektierend begleitet werden. 1948 war sein eigenes progressives Musikwerk von 1928 vergessen und die Klavierwerke von Boulez noch in der Werkstatt. Thema des Buches sind Sch\u00f6nberg, der in den 1930er Jahren nach der Entfaltung der 12-Ton-Musik statt sich weiter zu entwickeln sich nur wiederholte &#8211; und Strawinsky. Es ist schwierig, Adornos Aversion gegen ihn zu verstehen. Beide Werke von hier stehen im Zentrum des Abschnitts \u00fcber Strawinsky, mit demselben aussermusikalischen Thema. Einmal steht das Opfer im Zentrum eines Ritus, der von einer grossen Menschenmenge durchgef\u00fchrt wird. Im anderen St\u00fcck gibt es eine ungl\u00fcckliche Figur, die von der Masse der Fasnachtstreibenden verh\u00f6hnt wird. Diese Verh\u00f6hnung als Verweigerung des Beistands muss man in beiden St\u00fccken beachten, wenn man Adorno verstehen will. Uns erscheint sie in diesen Werken nicht als Problem. H\u00f6ren wir aber den Till Eulenspiegel von Richard Strauss, ist klar, worum es geht: der Schluss dieser Musik von 1895 ist auch f\u00fcr uns unertr\u00e4gliche Verh\u00f6hnung &#8211; und nichts anderes ist der Eulenspiegel, komponiert von einem sp\u00e4teren Nazi, als ein Vorl\u00e4ufer von Petruschka.<\/p>\n<p>Die Identifikation mit der Meute und die Verh\u00f6hnung des Opfers durch die Meute sind faschistisch. Adorno bleibt nicht bei dieser Negativit\u00e4t, die, wie unsere Wahrnehmung zeigt, in der Kunst mit der Zeit ihre Dringlichkeit verliert. Er verfolgt alle Spuren, die zeigen, dass die Modernit\u00e4t und also das programmatisch Neue der Kunst bei Strawinsky nur vorget\u00e4uscht wird &#8211; denn eine wirkliche, also durchgehende Befreiung der Dissonanzen findet nicht statt (wie sie eben im op. 3 von Adorno 1928 auf radikale, \u00fcber Sch\u00f6nberg hinaus gehende Weise schon geschehen war). Einer der vielen, leicht nachvollziehbaren Beweise liegt darin, dass s\u00e4mtliche Melodien diatonisch, also tonal gesetzt sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CD: Strawinsky: Sacre du Printemps und Petruschka Gesamtpartitur (1 Technische Pause 0.04) 2 Le Sacre du Printemps, 1913 Version Piano Solo von Sam Raphling, uraufgef\u00fchrt 1979 Teil 1, Adoration of the Earth 15:33 3 Teil 2, The Sacrifice 18.38 4 Pause 5 Petruschka, 1911 Version Piano Solo vom Komponisten, 1921 Teil 1 &amp; 2, Russian [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3019"}],"collection":[{"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3019"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3019\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3023,"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3019\/revisions\/3023"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3019"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3019"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3019"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}