{"id":2918,"date":"2019-12-20T19:06:36","date_gmt":"2019-12-20T18:06:36","guid":{"rendered":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=2918"},"modified":"2019-12-20T19:09:11","modified_gmt":"2019-12-20T18:09:11","slug":"debussy-adorno-boulez","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=2918","title":{"rendered":"Debussy, Adorno, Boulez"},"content":{"rendered":"<p>CD: <a href=\"https:\/\/www.mycloud.ch\/s\/S00620CE7B4C037DFA5765B0CF36E1DC85C18561864\">Debussy, Adorno, Boulez<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ueliraz.ch\/Debussy-Adorno-Boulez.pdf\">Gesamtpartitur<\/a><\/p>\n<p>1. Jeux. Debussy 1912 (Transkription Leonor Dill 2018), 13.20 \/\/ 2. Klavierst\u00fcck. Adorno 1920, 2.25 \/\/ 3. Klavierst\u00fcck. Adorno 1921, 2.40 \/\/ 4-6. Drei Klavierst\u00fccke f\u00fcr Maria Proelss. Adorno 1924, 5.05 \/\/ 7. Vier Lieder f\u00fcr eine mittlere Stimme und Klavier, op 3. Adorno 1928, 9.20 \/\/ 8-9. Anfang der Zweiten Klaviersonate von Boulez 1950, 0.41 und Ende der Vier Lieder von Adorno 1928, 1.23 \/\/ 10. P.K.B. Eine kleine Kindersuite. Adorno (mit Gretel) 1933, 4.16 \/\/ 11. Zwei Propagandasongs von Brecht. Adorno 1943,1.54 \/\/ 12. Drei Gedichte von Theodor D\u00e4ubler f\u00fcr Frauenchor. Adorno 1923 und 1945, 4.5 \/\/ 13. Drei kurze Klavierst\u00fccke. Adorno 1934 und 1945, 1.47.<\/p>\n<p>Zusatz: Adornos Versuch von 1928, die Avantgardemusik in Gang zu setzen<\/p>\n<p>Hauptst\u00fcck dieser CD ist die kurze Passage von Boulez- und Adornoausschnitten in den Nummern 8 und 9; der Rest ist Beiwerk des Realismus und setzt der These m\u00e4ssigende Schranken. (Die CD l\u00e4sst sich ohne Blick auf ein Display durchh\u00f6ren: das entscheidende St\u00fcck ist das erste mit einem Zusatz zum Klavier, die Vier Lieder op. 3 von 1928 &#8211; danach kommen die Nummern 8 und 9 wieder mit Klavier allein.)<\/p>\n<p>1. Beim Abschreiben von Jeux, in f\u00fcnf Tagen bis vorgestern, zeigte sich, dass diese Musik eine vergleichbare Komplexit\u00e4t aufweist wie die von Adorno in einigen seiner Kompositionen, aber durchg\u00e4ngig als genial qualifiziert werden darf. Man erf\u00e4hrt w\u00e4hrend der Arbeit einen ungetr\u00fcbten Genuss bei jeder der vielen H\u00f6rkontrollen (Export der MIDI-Datei aus dem Notationsprogramm MuseScore, langwieriges Anpassen des Instruments in Falcon und Cubase, Export auf einen USB-Stick und eigentliche Kontrolle mit der Stereoanlage unter Kopfh\u00f6rern). &#8211; Die Transkription von Leonor Dill verdient mehr Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>2-3. Wiesengrund-Adornos erste Kompositionen. Auch heutige Teens komponieren in \u00e4hnlicher Weise ungelenk und prahlerisch. Es ist nicht nur als Witz gemeint, wenn man das erste St\u00fcck als Rockmusik darstellt (Video auf Youtube, mit Bildern von Amorbach, wo die Musik in den Ferien entstanden ist).<\/p>\n<p>4-6. Maria Proelss war nur wenig \u00e4lter als Adorno und wirkte als anerkannte Konzertpianistin (sp\u00e4ter wurde sie Kunstmalerin). Man h\u00e4lt es beim Abschreiben der Noten fast nicht aus, so stark triumphiert der Manierismus in diesen drei Klavierst\u00fccken. Werden die Schwierigkeiten der Notation von Debussy beim H\u00f6ren sinnf\u00e4llig, bleiben sie hier hohl. Kein Wunder, hatte die Widmungstr\u00e4gerin dieses Werk nie aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>7-9. Die Vier Lieder op. 3 hatte Adorno favorisiert wie kein anderes seiner Werke (der fr\u00fchere Variationensatz des Streichquartetts w\u00e4re mindestens so wichtig, muss aber in einem ganz anderen Zusammenhang diskutiert werden als im gesetzten Thema hier). Man hat es mit einem polyphonen Geflecht zu tun, das nur dem einen Gott huldigt: fugir le consonante. Auch Rhythmus- und Taktwechsel gehorchen dem k\u00fcnstlerischen Programm, der Dissonanz alles zu opfern. Die einfach gehaltene Solostimme muss dann jede Winzigkeit und jede Grobschl\u00e4chtigkeit  auf sich nehmen, die als Harmonie gedeutet werden k\u00f6nnten.<br \/>\nIm Hinblick auf das Gesamt der Kompositionen von Adorno haben Berg und Sch\u00f6nberg richtig entschieden, ihm vom Beruf des Komponisten abzuraten. In den Vier Liedern op.3 haben sie aber nicht sehen wollen, dass Adorno den Karren der Neuen Musik weit in Zukunft hinaus gezogen hat. Mit Fug kann Adorno der heute muffige Begriff des einsamen Avantgardisten avant la lettre zugeschrieben werden.<br \/>\nWie auch immer: entscheidend zu sehen w\u00e4re, dass dann, wenn man in Zweifel ger\u00e4t \u00fcber Adornos Haltung zur Neuen Musik &#8211; ernsthafter F\u00fcrsprecher oder doch konservativer, distanzierter Kritiker &#8211; auf eine Eigenproduktion hingezeigt werden kann, die eindeutig vorw\u00e4rtsweisende Merkmale besitzt, Boulez regelrecht vorwegnehmend. Und sie war kein Neben- oder Zufallsprodukt in den Augen des Komponisten, sondern Beleg seines \u00e4sthetischen Willens.<\/p>\n<p>10-13. Als Freizeitkomponist hat Adorno nach 1928 die Z\u00fcgel der Anstrengung wieder fallen lassen. In der Musik zeigt sich dasselbe Bild wie in den Arbeiten der diskursiven Deutung und im Pers\u00f6nlichen: progressive Tendenzen sind krud nostalgischen untergemischt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CD: Debussy, Adorno, Boulez Gesamtpartitur 1. Jeux. Debussy 1912 (Transkription Leonor Dill 2018), 13.20 \/\/ 2. Klavierst\u00fcck. Adorno 1920, 2.25 \/\/ 3. Klavierst\u00fcck. Adorno 1921, 2.40 \/\/ 4-6. Drei Klavierst\u00fccke f\u00fcr Maria Proelss. Adorno 1924, 5.05 \/\/ 7. Vier Lieder f\u00fcr eine mittlere Stimme und Klavier, op 3. Adorno 1928, 9.20 \/\/ 8-9. 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