{"id":2860,"date":"2019-08-24T09:24:27","date_gmt":"2019-08-24T08:24:27","guid":{"rendered":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=2860"},"modified":"2019-12-27T10:20:00","modified_gmt":"2019-12-27T09:20:00","slug":"leonor-dill-jeux-debussy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=2860","title":{"rendered":"Leonor Dill, Jeux (Debussy)"},"content":{"rendered":"<p>Debussys Sp\u00e4twerk Jeux ist ein Meilenstein in der Musikgeschichte: ausserhalb der \u00c4sthetik und fern von den Regeln der Sch\u00f6nbergschule geschaffen, bewegt es sich zwar scharf am Rand der Tonalit\u00e4t, \u00fcberschreitet sie aber immer noch nicht. Das Progressive liegt in der grossen Form, die durchs unspezifische H\u00f6ren, quasi von aussen, nicht zu fassen ist, und dem unerm\u00fcdlichen Spiel mit den kleinen, in dem die Zerst\u00e4ubung des traditionellen, identifizierbaren musikalischen Themas paradigmatisch vorgef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Man kann ein Leben lang vor dem St\u00fcck herumschwimmen und vor sich her murmeln, wie grandios es eigentlich w\u00e4re, wenn man ihm denn nur wirklich auf die Spur k\u00e4me &#8211; oder man bedient sich endlich der Hilfsmittel, die andere paratstellen. Eines der besten davon ist die im Juni 2019 erschienene Transkription f\u00fcr ein Klavier Solo von Leonor Dill im portugiesischen Verlag AVA. <a href=\"https:\/\/editions-ava.com\/en\/leonor-dill\">https:\/\/editions-ava.com\/en\/leonor-dill<\/a>. (Im Bestellfeld NIF\/NIPC gen\u00fcgt es, eine 0 (= Null) einzugeben.)<\/p>\n<p>Wer mit den F\u00e4higkeiten der Autorin gesegnet ist und Konzerte auf h\u00f6chstem Niveau gibt, lernt die Partitur spielen tel quel, wer es nur bis Schumann schafft, lernt einzelne Partien &#8211; die anderen lesen jetzt auf diesen Seiten in der Anatomie eines der herausforderndsten Kunstwerke, als ob sie einen simplen Fahrplan vor sich h\u00e4tten. Endlich sind die Partikel greifbar, zu denen die Kunst des kompositorischen Zerst\u00e4ubens die Motive verdichtet; endlich hat man einen \u00dcberblick \u00fcber das Ganze, in dem die Teile messerscharfe Konturen bilden. Nicht zuletzt wird verst\u00e4ndlich, dass Debussy mit klarem Blick \u00fcberlebte, \u00fcberaltete Formen so handhabt, dass sie im Neuen st\u00e4ndig noch als Vermittler wirken.<\/p>\n<p>Die Autorin betont, dass bei vielen Stellen neu entschieden werden musste, welche Elemente aus der Orchesterpartitur gestrichen und welche \u00fcbernommen werden. So kommt es, dass einige Partien hier enthalten sind, die bei Debussys eigener Reduktion auf zwei Klaviere fehlen: [Free-scores.com]_debussy-claude-jeux-32592.pdf . Nicht zuletzt diese Frage, welchen Pr\u00e4ferenzen Leonor Dill folgt, wird Anlass sein, die neue Partitur \u00fcber ein altes Gebilde in einer Masterarbeit gr\u00fcndlich zu analysieren.<\/p>\n<p>Ich habe nur wenige Stellen gefunden, die ein Herumm\u00e4keln provozieren, und die meisten sind keine Fl\u00fcchtigkeitsfehler, sondern solche, die der funktionalen Beschr\u00e4nktheit des digitalen Satzprogramms geschuldet scheinen (alle im 3\/8-Takt).<\/p>\n<p>Aus dem dunklen Nebeneinander im Takt 31&#8230;<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2019\/jeux-31a.jpg\" width=\"500\"><\/p>\n<p>&#8230; macht man besser eine herk\u00f6mmliche Vertikale:<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2019\/jeux-31.jpg\" width=\"500\"><\/p>\n<p>Auch im Takt 205 (gleichwie 213) ein tr\u00fcgerisches Nebeneinander, &#8230;<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2019\/jeux-205a.jpg\" width=\"500\"><\/p>\n<p>&#8230; das man vertikal schreiben k\u00f6nnte:<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2019\/jeux-205-213.jpg\" width=\"500\"><\/p>\n<p>Takt 278 enth\u00e4lt dasselbe falsche Nebeneinander wie 31&#8230;<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2019\/jeux-278a.jpg\" width=\"500\"><br \/>\n&#8230; und liesse sich leicht regelgerecht schreiben:<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2019\/jeux-278.jpg\" width=\"500\"><\/p>\n<p>In den Takten 207 und 208 ist je eine Pause zu viel notiert, im Takt 478 scheint mir eine zu fehlen. Dieser Takt l\u00e4sst sich so, wie er notiert ist, gar nicht spielen: rechts 6 Staccatosechzehntel absteigend \u00fcber den ganzen Takt, links ein Akkord \u00fcber den ganzen Takt ausgehalten, gleichzeitig in der Mitte 5 Staccatosechzehntel aufsteigend (hier fehlt die erw\u00e4hnte Pause). Wenn man den Akkord dr\u00fcckt, kann man die Linie nicht spielen, benutzt man das Pedal, verschmiert das Staccato.<\/p>\n<p>In der Tat habe ich keine weiteren Unstimmigkeiten gefunden, und ausser dem Takt 478 sieht jedermensch sofort, wie die Stellen zu lesen sind und zu spielen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Zusatz 27. Dezember 2019: Ich ben\u00f6tigte die vielen Wochen Kopistenarbeit mit MuseScore 3 und den schwierigen Klavierpartituren, um zu verstehen, wie gleichzeitig auf beiden Systemen Noten geschrieben werden, letztlich auch so, dass jede Menge von ihnen ohne informative Pausenzeichen in einen Takt hineingezw\u00e4ngt werden k\u00f6nnen, wenn sie nur, auch ohne Balken, vom anderen System herkommen. Meine Fehlermeldungen sind also alle falsch, bleiben aber zum m\u00f6glichen Nutzen anderer Anf\u00e4ngerInnen bestehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Debussys Sp\u00e4twerk Jeux ist ein Meilenstein in der Musikgeschichte: ausserhalb der \u00c4sthetik und fern von den Regeln der Sch\u00f6nbergschule geschaffen, bewegt es sich zwar scharf am Rand der Tonalit\u00e4t, \u00fcberschreitet sie aber immer noch nicht. 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