{"id":272,"date":"2009-11-18T04:38:06","date_gmt":"2009-11-18T03:38:06","guid":{"rendered":"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=272"},"modified":"2009-11-18T04:38:06","modified_gmt":"2009-11-18T03:38:06","slug":"geglucktes-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=272","title":{"rendered":"Gegl\u00fccktes Sein"},"content":{"rendered":"<p>Langer Traum in einem neu bezogenen alten H\u00e4uschen oberhalb eines Dorfkerns als Mischung zwischen Leysin und Salvan. Einer der lebenslang sehr h\u00e4ufigen Wohnungstr\u00e4ume, mit der Besonderheit, dass sich die Zimmer nicht ins Unendliche aneinanderreihen und nicht pl\u00f6tzlich ins Katastrophische kippen und dass der Traum keine Angst- oder Unsicherheitsmomente enth\u00e4lt, sondern ungetr\u00fcbt ein grosses Gl\u00fccksgef\u00fchl. Das Haus besteht aus zwei Stockwerken; ich bin im oberen, das zwei oder drei Zimmer umfasst. Die Aussenw\u00e4nde sind einfache Blockbalken, stellenweise mit Zwischenr\u00e4umen, durch die man sehen kann und die auch die ged\u00e4mpften Ger\u00e4usche von aussen, aus dem Dorf unterhalb und aus den benachbarten Gassen in der N\u00e4he hereintreten lassen. Solches wird nicht als Mangel oder Schaden empfunden, umgekehrt auch nicht irrational als gutes Extra bewundert. Ich bin daran, die unendlich vielen B\u00fccher, die teilweise aus meinen eigenen, aber auch aus \u00fcbernommenen, noch unbekannten und quasi geerbten bestehen, zu sichten und ansatzweise in den Gestellen und Schr\u00e4nken einzuordnen. Die meisten sind auf dem Boden oder auf Tischchen, h\u00e4ufig ge\u00f6ffnet, so dass die R\u00e4ume wie ein durchgehender, bloss mit Bildern, Zeichnungen und realen Objekten unterbrochener Text erscheinen. Die M\u00f6bel sind gut erkennbar, wenn auch partienweise mit T\u00fcchern zugedeckt; darunter finde ich auch ein Klavier, das mich besonders freut. Diese Freude zeigt an, dass ich mich nicht wie aktuell gegeben behindert f\u00fchle, sondern daran denke, es ernsthaft zu spielen. Das Kennenlernen der Zimmer ist ein Genuss gleichwie die Aussicht aufs Dorf und die Landschaft im warmen Abendlicht. Was die begutachteten Texte in mir ausl\u00f6sen, weiss ich nicht mehr, auch nicht, ob ich vorhatte, ein Nachtessen zu kochen. Zur vorger\u00fcckten Stunde schreibe ich ganz modern ein SMS an die Mitbewohnerin im unteren Stock, uneindeutig im Status der Verheirateten oder nicht, ob ich die Nacht bei ihr verbringen d\u00fcrfe. Ich kann nicht sagen, wie die Antwort erfolgte, ob per SMS, durch Handyanruf oder durch Rufen direkt nach oben, was ja nicht laut &amp; schallend h\u00e4tte geschehen sein m\u00fcssen &#8211; beim Aufwachen war ich im gl\u00fccklichen Zustand desjenigen, der eine positive Antwort bekommen hat, und ich f\u00fchlte die Frau mehr als dass ich sie vor dem inneren Auge gesehen h\u00e4tte, nicht irgendeine, sondern eine bestimmte Bekannte, auf die ich mich freute. Beim Aufwachen fragte ich mich verwundert, wer es denn gewesen w\u00e4re, und da mir keine Bekannte in den Sinn kam, liess ich die Frauen des Tages der Reihe nach passieren. Dank der falschen Wetterprognose auf allen Kan\u00e4len war ich unterwegs ins Wallis, wo ich aber am geplanten Ort den Zug nicht verliess sondern weiterbrauste und via Lausanne ohne Pause nach Bern zur\u00fcckkehrte. Morgens in Bern trieb es mich in eine Gruppe von vier Japanerinnen, so unerlebt sch\u00f6n als w\u00e4ren sie alle je Miss Asia, die J\u00fcngste knapp 16, die \u00c4lteste knapp 22. Zwei schliefen bis Visp, die anderen beiden sangen lauthals die neuesten Hits aus dem Osten, ohne dass man aus den verkabelten Ger\u00e4ten das schlechte Urger\u00e4usch h\u00e4tte erleiden m\u00fcssen. Beim Aussteigen war ich so abgelenkt, dass ich den Kopf an der Gep\u00e4ckablage anstiess, was die beiden, die mit der ganzen Gruppe nach Brig und dann wohl ins Land der Zitronenbl\u00fcten weiterfuhren, zu Lachgeschichten \u00fcber die unbeholfenen und gebrechlichen Eingeborenen aufstachelte. In der Schw\u00e4rze des Unterwalliser Himmels und im fetten undurchsichtigen Dunst blieben die Vier strahlende Sonnen der Phantasie w\u00e4hrend der ganzen Fahrt, ohne dass ich sie mit dem Traum in Verbindung zu bringen verm\u00f6chte. Auch die beeindruckende Schwarze von Montreux bis Lausanne erweckt nachtr\u00e4glich nicht dieselben Empfindungen. Nah an dieselben kommt die Braunhaarige an der kleinen offenen Bar im Bahnhof Lausanne, wo ich unbedingt ein St\u00fcck Schokolade kaufen wollte. Obwohl die Tauschbegegnung schnell geschehen musste, weil der Zug schon parat stand, brachte sie eine Saite in Schwung, die die anderen Begegnungen anhaltend zu grundieren begann. Dennoch blieb ich beim Aufwachen am l\u00e4ngsten bei einer der zwei Blondinen bis Romont h\u00e4ngen, die nicht \u00e4lter als die M\u00e4dchen aus Japan schien und mit dem hellen Blond dem Braun der Mitbewohnerin gar nicht gleichen wollte, nichtsdestotrotz die \u00e4hnlichsten Gef\u00fchle zum Leben erweckte, die im Traum das Gl\u00fcck beschrieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Langer Traum in einem neu bezogenen alten H\u00e4uschen oberhalb eines Dorfkerns als Mischung zwischen Leysin und Salvan. 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