{"id":258,"date":"2009-07-04T05:39:35","date_gmt":"2009-07-04T04:39:35","guid":{"rendered":"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=258"},"modified":"2009-07-04T05:39:35","modified_gmt":"2009-07-04T04:39:35","slug":"erweckungstraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=258","title":{"rendered":"&#8222;Erweckungstraum&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>V\u00f6llig atypischer langer und ruhiger Traum, der so stark mit grossen Bedeutungen dr\u00e4ut, dass ich nach dem Aufwachen nur z\u00f6gerlich und widerwillig \u00fcber ihn nachdachte, ohne mich dazu durchringen zu k\u00f6nnen, ihn aufzuschreiben. Gl\u00fccklicherweise artikuliert er keine, so dass ich nach einem zweiten Erwachen, das n. b. wiederum auf einen Traum erfolgte, und der Abschattierung zweier Namen, ihn doch noch festhalten will &#8211; nicht wegen des Inhalts, sondern wegen der formalen Besonderheit.<\/p>\n<p>Ich gehe in eine der Kneipen, wie ich sie fr\u00fcher besuchte, eine kleine, in der die G\u00e4ste zwar ausschauen wie fr\u00fcher, aber keineswegs besoffen scheinen oder in einem der Zust\u00e4nde kurz davor, sondern recht eigentlich inaktiv wie beim Eintreffen an einem Versammlungsort, wo eine geplante Diskussion erst noch zu beginnen hat. Meine Intention war aber nur, in irgendeiner Kneipe etwas zu trinken, nicht der Besuch einer Veranstaltung. Weil mir die ungef\u00e4hr zehn Personen, die an drei Tischen vor sich hin d\u00e4mmern, langweilig vorkommen, weiss ich spontan nicht, wo und bei wem ich mich hinsetzen soll. Ich setze mich irgendwo an den Rand eines Tisches, und eine Bedienung kommt in der Weise, als w\u00e4re das Restaurant erst gerade daran, zu \u00f6ffnen. Was ich bekomme und was die anderen konsumieren, kann ich nicht sagen. Eine Sauferei ist jedenfalls nicht im Gange und erfolgt auch nicht. Es erscheint FZF mit einer grossen Zeitung unter den Armen in vielen, noch unge\u00f6ffnet wirkenden B\u00fcnden. Bald einmal diskutiert er monologisch, auf eine Weise, die er von seinem Mentor JA erbte und die er vor langer Zeit praktizierte, als er entscheidende politische Vorg\u00e4nge, die fast die ganze Welt abschreckten, als missionarischer Aussenposten verst\u00e4ndlich zu machen versuchte. Der Diskussionsstil besteht darin, sich innerhalb einer Gruppe abwechslungsweise auf eine einzelne Person zu fixieren, um in ihr den Eindruck zu erwecken, in voller M\u00fcndigkeit angesprochen zu werden, um dann aber, wenn der Adressierte zu einer Widerrede ansetzen will, die eigene Rede bruchlos an einen anderen zu richten. Er ist alles andere als ein Eiferer, nur \u00e4usserst geschickt darin, den Schein zu erzeugen, als ob er den Gespr\u00e4chspartner dazu ermuntern m\u00f6chte, mit ihm &#8211; und also auch gegen ihn &#8211; Argumente in Szene zu setzen und f\u00fcglich zu diskutieren. Die konkretistische Haltung gegen\u00fcber den Adressaten \u00fcberdeckt den Zusammenhang des Gesagten, so dass permanent neue Widerspr\u00fcche und Ungereimtheiten aneinandergef\u00fcgt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich frage FZF, ob ich die Zeitung zum Lesen haben d\u00fcrfe, hier und ohne sie von diesem Ort wegnehmen zu wollen. Dass ich ihn dadurch in seinem Tun kr\u00e4nke, scheint kein Problem zu sein. Er fixiert mich nur kurz, um abzusch\u00e4tzen, ob ich dessen w\u00fcrdig sei. Ich durchbl\u00e4ttere die Zeitung mehr als dass ich sie lese, so wie man nur die B\u00fcnde als einzelne auf ihrer ersten Seite durchmustert, ohne sie schon \u00f6ffnen zu wollen, und merke bald, je mehr ich mich von den Ereignissen in der Kneipe abkapsle, dass sie ein ganzes theoretisches Programm enth\u00e4lt. Was ich in dieser Oberfl\u00e4chlichkeit sehe, geht keineswegs mehr in die Richtung des weltpolitischen Ereignisses vor vielen Jahren; die Theorie erscheint frisch, begrifflich ausgearbeitet und nicht ohne aktuelle Relevanz, ohne dass ich sagen k\u00f6nnte, dass sie mir gerechtfertigt und vern\u00fcnftig erschiene.<\/p>\n<p>Beim ersten Aufwachen nach dem Traum wird mir mulmig, weil mich sofort d\u00fcnkt, so geschehe es wohl, wenn einer in einem Traum erweckt w\u00fcrde und nun sehe, wie seine n\u00e4chsten und dringlichsten Aufgaben ausschauen w\u00fcrden. Ersetzt man die Person FZF durch eine, die einem pers\u00f6nlich oder gef\u00fchlsm\u00e4ssig n\u00e4her steht und gibt man dem Text, der im Zeitungspaket enthalten ist, auch nur rudiment\u00e4re Inhalte, ist schnell einmal eine Disposition geschaffen, die es einem Einzelnen nur zu leicht macht, sich in ein Gedankengeb\u00e4ude hineinzuleben, das er ganz aus dem Traum erlebt f\u00fcr sich verst\u00e4ndlich machen zu k\u00f6nnen glaubt. Aus einem gedanklichen Nichts, das auf einem winzigen Kr\u00e4ftespiel von Affekten aufsitzt, l\u00e4sst sich scheinbar ohne Widerhaken ein Wahnsystem auft\u00fcrmen, wie es das politische Leben in allen Gesellschaften verseucht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>V\u00f6llig atypischer langer und ruhiger Traum, der so stark mit grossen Bedeutungen dr\u00e4ut, dass ich nach dem Aufwachen nur z\u00f6gerlich und widerwillig \u00fcber ihn nachdachte, ohne mich dazu durchringen zu k\u00f6nnen, ihn aufzuschreiben. 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