{"id":240,"date":"2009-03-27T10:07:47","date_gmt":"2009-03-27T09:07:47","guid":{"rendered":"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=240"},"modified":"2009-03-31T09:15:24","modified_gmt":"2009-03-31T08:15:24","slug":"dialektik-des-kulturindustriellen-schlechten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=240","title":{"rendered":"Dialektik des kulturindustriellen Schlechten"},"content":{"rendered":"<p>Sind die Gebilde, mit denen man sich auseinandersetzt, nicht lose Einheiten, die ab einem gewissen Mass an Unterqualifiziertheit tel quel von sich geschoben werden k\u00f6nnen, sondern in unendliche Serien festgebunden, die als Ganzes zu begreifen w\u00e4ren, macht sich einer schnell l\u00e4cherlich und wird zum blossen St\u00e4nkerer, wenn er in ihnen das Schlechte und Falsche bei jedem Erscheinen von neuem dingfest macht.<\/p>\n<p>Um vom Mist in der anstehenden Zeit kulturindustrieller Analysen schweigen zu k\u00f6nnen, muss er bez\u00fcglich a) den Websites und Blogs und b) der verfolgten Radiostation DRS 2 (mit einem Wechsel bei akuter Bl\u00f6dheit zu Swiss Classics) nach den Gewissensfragen von m\u00f6glichen pers\u00f6nlichen Verletzungen erst mal in seinen Teilen auf einen Haufen geworfen werden. Solche Teile w\u00e4ren a) im Internet die Favorisierung der Themen und Stile aus der Werbe-, Religions-, Milit\u00e4r- und Fernsehwelt, Scraps, Stamps und andere Bastelidiotien, Frischgeborenenvisagen und Tellergerichte, Inszenierung der eigenen Person und Infantilisierung der AdressatInnen, b) im Radio Wiederholungen von Ank\u00fcndigungen, Wiederholung von Nachrichten bis zu einer solchen Verstimmung, die dann ein H\u00f6ren der Hauptnachrichten nicht mehr zu ertragen vermag und so Uninformiertheit nach sich zieht, Pointengier in Nachrichten, die einen nicht zum Lachen bringen sondern zu denken geben sollen, Wiederholung von Betonungsfehlern, die offenbar so einge\u00fcbt werden mussten, Aufz\u00e4hlung von Sendethemen in einer auf eine Pointe abzielenden Serie, die inhaltlich durch nichts Verbindendes motiviert ist und deshalb die Intention der Liste, einen \u00dcberblick zu verschaffen, ins Leere laufen l\u00e4sst, R\u00e4tselspiel und \u00dcberraschungen in einer Sendung, in der man sich w\u00e4hrend 45 Minuten konzentriert mit dem Weltgeschehen auseinandersetzen will, Schnutenbildung und Pflege von pers\u00f6nlichen Ticks bei m\u00e4nnlichen Ansagern, die zuweilen in misslungener Abwehr auf den Knien ihrer Grossmutter phantasiert werden, Verbannung aller ernster Musik vor H\u00e4ndel und nach Dvo&#345;\u00e1k, allm\u00e4hliche Ersetzung der Kunstmusik durch Gershwin und Bernstein, Jazz, Marschmusik und Schlager. Die Kategorien des Schlechten in der Kulturindustrie setzen ein unterschiedliches, aber nie geringes Mass an Professionalit\u00e4t voraus und beruhen keineswegs in pers\u00f6nlichen oder technischen Unzul\u00e4nglichkeiten, \u00fcber die man hinwegsehen w\u00fcrde. Mit der alten Erfahrung der Fribourger wird ein Zaun um den Misthaufen gezogen, damit keiner in Versuchung ger\u00e4t, bei der Durchf\u00fchrung der philosophischen Kritik davon zu schnausen.<\/p>\n<p>Es ist wie in der grossen Politik im Zuge der transkontinentalen Wertvernichtung durch die Spekulanten. Da immer irgendwo ein sachliches Moment als unzug\u00e4nglich erscheint oder wie die schon in Gang gekommene Massenarbeitslosigkeit sich noch weiter zu intensivieren droht, steht einer schnell in der Ecke der Schw\u00e4tzer, der die Entscheide der Tagespolitik kritisiert. Sie geschehen seit einem halben Jahr wie unter dem Schutz eines geheiligten Tabus, und wer in diesen objektiven Verh\u00e4ltnissen zust\u00e4ndig w\u00e4re, die sozialdemokratischen Parteien, agitiert auf irrationalen Nebenschaupl\u00e4tzen wie der partiellen Verteidigung des Bankgeheimnisses, wo die Kategorien der Macht, der Bev\u00f6lkerung, der \u00d6konomie und der Verwaltung so durcheinander gewirbelt werden, dass durch Vereinnahmung der Eindruck erweckt wird, auch der verachtete, aus der Gesellschaft ausgeschiedene Rentner zeige gleich allen Verf\u00fchrten Emp\u00f6rung dar\u00fcber, dass mit dem Bankgeheimnis Momente seiner geistigen Substanz aus dem Weg ger\u00e4umt w\u00fcrden. Was seit dreissig Jahren zu tun w\u00e4re, wird auch f\u00fcrderhin auf die lange und ideologisch vernebelte Bank geschoben, Handelsregeln auszuformulieren verkn\u00fcpft mit einem komplexen Subventionensystem auch mit L\u00e4ndern in Afrika, die einem gew\u00f6hnlichen B\u00fcrger einer europ\u00e4ischen Gesellschaft nicht weiterhin das Gef\u00fchl vermittelten, bei jedem getauschten Franken w\u00fcrden den L\u00e4ndern aus dem S\u00fcden 100 Rappen als supplement\u00e4re Beute aus den Taschen gezogen.<\/p>\n<p>Die Verh\u00e4ltnisse m\u00fcssen besser werden, wenn sie die W\u00fcrde der Kritik wieder durchg\u00e4ngig erfahren sollen. Die Thematisierung der Kulturindustrie wird folglich das, was offensichtlich schlecht ist in ihr und auf irgendeine Weise immer einem Effekt der Regression geschuldet ist, nicht an die grosse Glocke h\u00e4ngen. Die eigent\u00fcmliche Art der Kulturindustrie, die historisch vorliegenden herausragenden Gebilde so zuzurichten, dass sie nicht mehr kritisch mit einer substantiellen, die Unterhaltung \u00fcberschreitenden Gier auf weitere wahrgenommen werden, ist schauerlich genug; die weitere Herausstellung der trivialen Missst\u00e4nde, die den Konsum gewisser Medien f\u00fcr eine ernsthafte Person unertr\u00e4glich machen, w\u00fcrde sie nur unn\u00f6tig k\u00fcnstlich skandalisieren. Als Zusatz sind sie allerdings in jedem schlechten Moment mit angesprochen. Uns so hat man der Kulturindustrie in einer gewissen Positivit\u00e4t gegen\u00fcberzutreten, die wie gegen\u00fcber einem Gott ein Hadern zwar erlaubt, dessen Negativit\u00e4t sich wie im theologischen Zusammenhang aber in einem leeren Umsichnegieren ersch\u00f6pft. Ihre Momente sind die st\u00e4rksten der gesellschaftlichen Realit\u00e4t und weitaus ernster zu nehmen als die der \u00d6konomie, weil sie direkten Zugriff auf die Massen aus\u00fcben, die empirisch zwar die \u00d6konomie beherrschen k\u00f6nnten, als Meute der Kulturindustrie aber, gezogen von den Kr\u00e4ften der Regression immer schon, dunkleren Pfaden folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sind die Gebilde, mit denen man sich auseinandersetzt, nicht lose Einheiten, die ab einem gewissen Mass an Unterqualifiziertheit tel quel von sich geschoben werden k\u00f6nnen, sondern in unendliche Serien festgebunden, die als Ganzes zu begreifen w\u00e4ren, macht sich einer schnell l\u00e4cherlich und wird zum blossen St\u00e4nkerer, wenn er in ihnen das Schlechte und Falsche bei [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240"}],"collection":[{"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=240"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=240"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=240"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}