{"id":2347,"date":"2016-10-15T15:50:58","date_gmt":"2016-10-15T14:50:58","guid":{"rendered":"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=2347"},"modified":"2016-10-15T15:52:10","modified_gmt":"2016-10-15T14:52:10","slug":"davis-wohl-eoetvoes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=2347","title":{"rendered":"Davis, Wohl, E\u00f6tv\u00f6s"},"content":{"rendered":"<p>Soeben direkt live auf SWR 2 von den Donaueschinger Musiktagen 2016 das Calder Quartet, die geniale Sopranistin Audrey Luna und Personal aus dem IRCAM (nur sehr zur\u00fcckhaltend in der Musik von E\u00f6tv\u00f6s).<\/p>\n<p>Nathan Davis, Echeia f\u00fcr Streichquartett und Elektronik (UA). &#8211; Die Idee w\u00e4re interessant, die in der r\u00f6mischen Antike bei Theaterbauten praktizierte Stimmverst\u00e4rkung durch architektonische Zus\u00e4tze heute durch besondere elektronische &#8222;Verst\u00e4rkung&#8220; zu realisieren. In dem St\u00fcck von Davis wird der elektronische Zusatz aber zum Zentralen und also zu einem bl\u00f6den, letztlich unmusikalischen Spielzeug.<\/p>\n<p>Daniel Wohl, radiance f\u00fcr Streichquartett und Elektronik (UA). &#8211; Ja, da gl\u00e4nzt Amerika in einer Lawine elektronischer Flageoletts wie eine \u00dcberdosis Schlagrahm auf dem Tisch. Ich ziehe dieser Musik diejenige von Steve Vai vor; auch sie ist fragw\u00fcrdig, aber der Typ ist mit ihr auf eine Weise sozialp\u00e4dagogisch aktiv, die Applaus verdient (und bei Zappa war er ja wirklich eine Bombe).<\/p>\n<p>Peter E\u00f6tv\u00f6s, The SIRENS CYCLE f\u00fcr Streichquartett, Koloratursopran und Elektronik. &#8211; Waren die ersten beiden St\u00fccke der Amerikaner zusammen kaum eine halbe Stunde lang, dauert Sirens Cycle ca. 45 Minuten. Der Hauptteil der Zeit geh\u00f6rt dem ersten Teil mit einer halben Stunde. Er wiederholt Berios geniale Vertonung der Sirenenpassage im Ulysses von &#8222;Bronze by gold heard the hoofirons&#8230;&#8220; mit einzelnen Auslassungen bis zum Absatzende &#8222;Done. Begin!&#8220; (Berio endete bei Liszt&#8217;s rhapsodies  in der Mitte, benutzte aber durchgehend alle Worte.) Leider habe ich keine Anspielungen auf Omaggio a Joyce ausmachen k\u00f6nnen, als ob E\u00f6tv\u00f6s sich zu einer Auseinandersetzung nicht getraute. Und in der Tat scheint es mir eindeutig, dass seine Musik hinter die von Berio zur\u00fcckf\u00e4llt! Sie hat etwas Biederes, im schlechten Sinne Scheues. Omaggio a Joyce von 1958 h\u00f6rte ich sicher dreissig Male, dem Sirens Cycle werde ich kaum je wieder begegnen. Der zweite Teil zitiert das Sirenenkapitel aus Homers Original, allerdings nur kurz. Das Altgriechische nervt, als ob E\u00f6tv\u00f6s Bildungshuberei n\u00f6tig h\u00e4tte (hat er indes \u00fcberhaupt nicht). Eine deutsche oder englische \u00dcbersetzung w\u00e4re okay, einfach als St\u00fctze f\u00fcrs Publikum (der Satz m\u00fcsste dann wohl l\u00e4nger sein). Musikalisch bietet der Mittelteil nichts Erw\u00e4hnenswertes, ausser eben dem Umstand, dass einem der Klang des Altgriechischen in einer Welt, die f\u00fcrs heutige Griechenland zittert, unangebracht vorkommt. Der dritte Teil referiert die Variante von Kafka, die einen schon w\u00e4hrend des H\u00f6rens zum Nachdenken \u00fcber Kunst und ihre verfehlte Rezeption bringt. Referieren ist hier nat\u00fcrlich ein monstr\u00f6ses Wort, denn der Gesang ist es, der das St\u00fcck tr\u00e4gt: auch wenn die Streichquartettkomposition lahmt, folgt man der Stimme mit offenem Kiefer und starren Blickes. Wer ist da der Zuh\u00f6rer? Uli isses.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soeben direkt live auf SWR 2 von den Donaueschinger Musiktagen 2016 das Calder Quartet, die geniale Sopranistin Audrey Luna und Personal aus dem IRCAM (nur sehr zur\u00fcckhaltend in der Musik von E\u00f6tv\u00f6s). 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