{"id":1939,"date":"2014-11-12T10:13:23","date_gmt":"2014-11-12T09:13:23","guid":{"rendered":"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=1939"},"modified":"2014-11-12T10:13:23","modified_gmt":"2014-11-12T09:13:23","slug":"heimatklaenge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=1939","title":{"rendered":"Heimatkl\u00e4nge"},"content":{"rendered":"<p>Vorgestern Abend live auf WDR 3 Konzert vom 25. Schaffhauser Jazzfestival 2014 mit New Bag: Christy Doran, Sarah Buechi, Vincent Membrez, Lionel Friedli.<\/p>\n<p>Christy und sp\u00e4ter Brigeen und Dave Doran bewachten seit dem Om-Konzert in der Aula Tribschen mehrere Luzerner Hintereing\u00e4nge zur Musik. Ihre Konzerte besuchte man der Gier folgend auch ausw\u00e4rts wie ihre Platten im 20. Jahrhundert allesamt in der Familie als feiert\u00e4gliche Kulturg\u00fcter hin- und hergeschenkt wurden (Google Bilder zeigen kein unbekanntes Cover aus der genannten Zeit). Das Tribschenkonzert in den fr\u00fchen siebziger Jahren geschah noch vor der Konfrontation mit Hendrix und McLaughlin, weshalb es wie ein einzigartiger &amp; scheinbar einmaliger Initiationsritus in die Musik als unantastbares Fundst\u00fcck der Erinnerung g\u00e4nzlich ausserhalb der kritischen Reflexion erhalten bleibt, als Ort von Heimat. Gerade weil diese Musik neben derjenigen Sch\u00f6nbergs &amp; Co. ein so grosses Gewicht bekam, h\u00e4tte ich mir die L\u00e4ufe auf Dorans Gitarre l\u00e4nger und entschieden mehr in die L\u00e4nge gezogen gew\u00fcnscht, befreit von der Last aller Bescheidenheit. Beim Geniessen des Schaffhauser Konzerts d\u00fcnkte es mich nun klar, dass es sich keineswegs um eine Frage der materiellen Disposition, sondern um eine des \u00e4sthetischen Willens handelt. Die ganze, mit Freude genossene Zeit fragte ich mich, warum die Band nichts Neues entstehen lassen will, warum die Eins\u00e4tze gleich wie die Abg\u00e4nge meistens leicht auseinander plaziert sind und sich kein erweiterter Raum bildet, in dem sich eine intellektuelle Spannung doch endlich aufbauen m\u00fcsste. New Bag zeigt sich wie die \u00c4sthetik in den neuen Medien heute, die gemeinhin als etwas \u00c4rgerliches beschrieben wird, als ein Geflecht von Impulsen, die das Publikum, also die Gesellschaft des Alltags dazu verf\u00fchrt, nur Muster mehr wahrzunehmen, die Welt der Kunst, der Musik und des Lebens zerst\u00fcckelt in M\u00fcsterli, wie sie fr\u00fcher neben der Kasse in den L\u00e4den als Reizwerbung beil\u00e4ufig mitzunehmen waren. Aber Dorans Musik ist nicht ein Effekt der aktuellen Medientechnologien. Man muss den Willen ernsthaft ins Auge fassen und die Sachlage g\u00e4nzlich umst\u00fclpen: die musikalische \u00c4sthetik ist \u00e4lter als die Technologien, mit denen sie bruchlos korrespondiert. Doran geh\u00f6rt zu den Pionieren der Zerstreuung, indem er von Anfang an einen regelrechten, zuweilen irisch, zuweilen innerschweizerisch gepr\u00e4gten m\u00fcrrischen Unwillen dar\u00fcber demonstrierte, dass sich die Teile seiner St\u00fccke fortspinnen und verkn\u00fcpfen liessen, auf dass ein erweiterter, spannungsgeladener musikalischer Zusammenhang entstehen w\u00fcrde. Eine solche \u00c4sthetik, die im deutlichen Willen, der den Abhub will, von jedem Zufall frei ist, hat man in gleicher Weise hinzunehmen wie den Ort, an dem man geboren wurde, weil er f\u00fcr einen selbst als reiner Zufall dasteht.<\/p>\n<p>Dann noch in derselben Radioaufnahme von Schaffhausen das Lucien Dubuis Trio &amp; Spacetet mit dem St\u00fcck Albumblatt f\u00fcr Herrn Schpr\u00f6gel. Keine Sache, die sich hinter dem Bag verstecken m\u00fcsste: Grandioses aus dem Jura! Klar, ohne den Disziplinierungsschub des Streichquartetts erschiene einem ein alter musikalischer Sack und die Ohren t\u00e4ten langsam g\u00e4hnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorgestern Abend live auf WDR 3 Konzert vom 25. Schaffhauser Jazzfestival 2014 mit New Bag: Christy Doran, Sarah Buechi, Vincent Membrez, Lionel Friedli. Christy und sp\u00e4ter Brigeen und Dave Doran bewachten seit dem Om-Konzert in der Aula Tribschen mehrere Luzerner Hintereing\u00e4nge zur Musik. 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