{"id":1877,"date":"2014-08-13T15:41:29","date_gmt":"2014-08-13T14:41:29","guid":{"rendered":"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=1877"},"modified":"2014-08-30T04:58:47","modified_gmt":"2014-08-30T03:58:47","slug":"an-der-tubentraenki-tubetaenzig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=1877","title":{"rendered":"An der Tubentr\u00e4nki tubet\u00e4nzig"},"content":{"rendered":"<p>Da der Nasssommer 2014 die Alpwege pflotschig und, vermittelt durchs Wanderverbot, mich ranzig wie fettrig macht, darf der erste Herbststurmwind &#8211; noch vor Miao\u00fbt! &#8211; keine Ausrede f\u00fcr den t\u00e4glichen Gang durch den K\u00f6nizbergwald sein.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2014\/koenizbergwald.jpg\"><\/p>\n<p>Ein besserer Indianer h\u00e4tte die Zeichen zu deuten gewusst: schon der Pfaffensteig war trotz seiner Steilheit mit herabgest\u00fcrzten \u00c4sten belegt, die sich an ihm festkrallten. Montaigne verspottete als fr\u00fcher Bergmensch die Zuhausegebliebenen, und also \u00fcberstieg ich sie wie ein Pfaffe gedankenlos. Doch bald nach der Rechtskurve Richtung S\u00fcdwest zuoberst und nach dem Zusatzanstieg mal in kleinerem Geh\u00f6lz, mal schon im grossen Wald, begann mir klar zu werden, was ein richtiger Wind im Wald zu bewirken imstande ist. Die Tannen sind dort oben riesig, gleich hoch wie die Kiefern, und von ihrer obersten H\u00f6he prasselten die vollen, von den Baumtieren noch nicht geernteten Tannzapfen auf den Boden. Man wird auch Tage sp\u00e4ter ihre Haufenansammlungen sehen k\u00f6nnen. Alle zehn bis zwanzig Meter riss ich die Nerven zusammen, die rechte Hand auf der linken Schulter oder auf dem Kopf, um den Tannzapfenhagel durchqueren zu k\u00f6nnen. Den ganzen Sommer lang schwitzte ich in diesem Wald, doch war es vorher immer wegen feuchter Hitze oder einem kleinen Regen, war es heute aus purer Angst. Einmal drinnen, war an ein Umkehren nicht mehr zu denken. Und auch nicht mehr erw\u00fcnscht, denn ich wusste, dass in der Gegend der Taubentr\u00e4nke und des Sterns, sozusagen auf dem Gipfel des K\u00f6nizberges, der Buchenwald \u00fcber die Tannen dominiert. Naturkenntnisse k\u00f6nnen wie meine j\u00e4mmerlich sein. Zwar wurden die Abst\u00e4nde zwischen den Pl\u00e4tzen mit Tannzapfengewittern gr\u00f6sser. Doch heimt\u00fcckischer, weil viel weniger h\u00f6rbar, trafen nun \u00c4ste wie Speere und Lanzen auf den Grund, metrig bis \u00fcberzweimetrig, im steinigen Weg auftanzend, im weichen Waldboden nebenan schnurstracks feststeckend. Ich lehnte mich wo m\u00f6glich dicht an eine dicke Buche und be\u00e4ugte das br\u00fcchige Dach des Waldes, um dann m\u00f6glichst lange Strecken ohne Astfall abzupassen. Trotzdem prasselte es links und rechts sowie knapp hinter und vor mir runtunter. Wie hatten die Rehe und Hasen im Geh\u00f6lz \u00fcber den Tubent\u00e4nzigen zu wiehern! Endlich kam die oberste scharfe Linkskurve \u00fcber der Taubentr\u00e4nki, und nach letzten zittrigen 200 Metern war ich an der ersten von mehreren lichten Passagen. Da wurde es nun zu einem Genuss, den sehr hohen B\u00e4umen, die nur noch in kleinen Gruppen bestehen, bei ihrem tapferen Widerstand gegen den Sturm zuzuschauen, im Schutz der verbreiteten Brombeeren und sonstigen Stauden, in denen man des Morgens mit vergn\u00fcgten Waldtieren Kontakte pflegen darf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da der Nasssommer 2014 die Alpwege pflotschig und, vermittelt durchs Wanderverbot, mich ranzig wie fettrig macht, darf der erste Herbststurmwind &#8211; noch vor Miao\u00fbt! &#8211; keine Ausrede f\u00fcr den t\u00e4glichen Gang durch den K\u00f6nizbergwald sein. 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