{"id":154,"date":"2007-08-29T07:51:28","date_gmt":"2007-08-29T06:51:28","guid":{"rendered":"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=154"},"modified":"2007-08-29T15:44:33","modified_gmt":"2007-08-29T14:44:33","slug":"alpumzug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=154","title":{"rendered":"Alpumzug"},"content":{"rendered":"<p>Seit dem ersten Treffen f\u00fcr die Gutachten im Auftrag der Invalidenversicherung haben die Alptr\u00e4ume wieder eingesetzt, nicht in der Anh\u00e4ufung und in der brutalen Suitenform der Jahre 1979-1986, aber doch das Ende einer gut zwanzigj\u00e4hrigen Ruhephase deutlich markierend. Ich warte auf das Postauto, das mich mit viel Gep\u00e4ck, so umfangreich wie eine ganze Wohnungseinrichtung ohne B\u00fccher, Bilder und Musikalien, nach Z\u00fcrich bringen soll. Ein mittelgrosser Lieferwagen f\u00e4hrt heran, und erst als er schon vorbeigefahren ist, merke ich am grossen Hinterfenster, dass dieses das Postauto gewesen sein muss. Ich stehe mitten auf die Strasse und winke es zur\u00fcck &#8211; es wendet tats\u00e4chlich, und alles geschieht, was geschehen sollte, das Mobiliar wird eingeladen. Dann aber ist der Bus voll, und man sagt, das Mobiliar w\u00fcrde vorerst allein transportiert, ich selbst w\u00fcrde sp\u00e4ter abgeholt. Ich schaue zu, wie das Auto, grau in grau, abf\u00e4hrt, aber schon bald von der Landstrasse in einen Feldweg abbiegt, nach rechts auf ein gr\u00f6sseres Haus zu auf einem H\u00fcgel. Ich werde nicht recht schlau und sehe alsbald das richtige Postauto heranfahren, gleiche Gr\u00f6sse wie das andere, knapp 20-pl\u00e4tzig, aber in gelber Postautofarbe. Am Steuer ist eine sehr sch\u00f6ne Chauffeurin, die einverstanden ist, den Kurs \u00fcber den Feldweg zu fahren. Kaum eingespurt, sehen wir die Barrikaden, immer eine von rechts bis \u00fcber die Mitte der Spur, dann zwei Meter weiter eine von links &#8211; eine weite Strecke, die kein Auto durchzufahren vermag, die sich aber zu Fuss hinter sich bringen l\u00e4sst. Ich weiss nicht, ob ich die Frau gebeten hatte, mitzukommen, jedenfalls steigen wir beide aus und machen uns auf den Weg. Sofort beginnt eine brutale Schlacht, gef\u00fchrt von den Leuten, die mein Mobiliar vor kurzem abtransportiert hatten. Ich wehre mich mit einem Zackenr\u00e4dchen, wie ich es als Kleinkind bei der N\u00e4hmaschine liegen sah und das dazu diente, Strickmustern nachzufahren, mit einem Durchmesser von 2cm, montiert an ein St\u00e4bchen von 10cm L\u00e4nge. Wozu es wirklich benutzt wurde, konnte ich nie beobachten, aber jetzt dr\u00fccke ich es einem Angreifer in die Ferse, da ich wohl in der Gemengelage und zwischen den Barrikaden schon bald zu Boden ging. Es fliesst Blut \u00fcberall. &#8211; Was immer im Traum steckt, er ist auch eine Warnung dagegen, heute das Pensionskassengeld aufzul\u00f6sen. Solange ich mit einer 100% Invalidenrente lebe, kann ich es aufl\u00f6sen, nach dem Entscheid in einem Monat wird das nicht mehr m\u00f6glich sein. Nur so l\u00e4sst sich vermeiden, von der Invalidenrente zur F\u00fcrsorge abgetrieben und aus der Wohnung, die dann 50 Franken zu teuer w\u00e4re, herausgetrieben zu werden. Das Geld wird f\u00fcr ein Jahr lang reichen. Vielleicht findet sich in dieser Zeit ein Einkommen, vielleicht wird die Krankheit, die unaufh\u00f6rlich an die T\u00fcre klopft, dann die Biographie zu Ende schreiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem ersten Treffen f\u00fcr die Gutachten im Auftrag der Invalidenversicherung haben die Alptr\u00e4ume wieder eingesetzt, nicht in der Anh\u00e4ufung und in der brutalen Suitenform der Jahre 1979-1986, aber doch das Ende einer gut zwanzigj\u00e4hrigen Ruhephase deutlich markierend. 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