{"id":1408,"date":"2012-12-07T18:47:21","date_gmt":"2012-12-07T17:47:21","guid":{"rendered":"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=1408"},"modified":"2012-12-07T18:47:21","modified_gmt":"2012-12-07T17:47:21","slug":"dekonstruktion-2012-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=1408","title":{"rendered":"Dekonstruktion 2012-2013"},"content":{"rendered":"<p>Am 11. Januar 2013 wird der grosse Marterpfahl paratgestellt und das grosse Kino aufgezogen, das den Malignen vorbehalten ist. Wie seit jeher im Kino, werde ich ein Nickerchen machen. W\u00e4re Bianca nachher wieder im Aufwachraum, w\u00fcrde ich mich freuen und in k\u00fcrzester Zeit wieder gesunden &#8211; aber auch mit jedem anderen M\u00e4dchen, das nur scheint, ein Engel zu sein. Zu hoffen ist, dass die beiden Ma\u00eetres Medicins Zur\u00fcckhaltung \u00fcben und bei Schwierigkeiten nicht dem Wahn des ganz grossen Kinos verfallen. Zwischen dem grossen und ganz grossen liegt die Nuance im Programmvokabular, die \u00fcber Sein oder Nichtsein entscheidet; von der dekonstruktiven Absicht bliebe nur die reine Destruktion, ohne explizit versprochene Rekonstruktion.<\/p>\n<p>Wenn Leben heisst, ob den t\u00e4glichen Signalen des Hau ab! nicht die Nerven zu verlieren, erf\u00e4hrt es am Marterpfahl seine h\u00f6chste Verdichtung, wo jede Regung der Akteure dadurch zur bewunderungsw\u00fcrdigen wird, dass durch sie auch nicht ein einziger Nerv verloren geht, geschweige denn die Arterie. Die Situation ist nicht nur durch \u00c4ngste gepr\u00e4gt, denen durch die Benennung und Beschw\u00f6rung begegnet wird wie Don Quijote den Windm\u00fchlen, sondern auch durch Hoffnungen. Nicht die letzte scheint mir, dass dem mehr Leben zustehen als der gew\u00f6hnlichen Hauskatze, der den Tigersprung t\u00e4glich \u00fcbte.<\/p>\n<p>Eines ist es, die Gehalte der \u00c4ngste mimetisch vorauszuleben. Ein Anderes, denen des gew\u00f6hnlichen Horrortrips zu begegnen. Vor zehn Jahren hatte ich es, allerdings erst nach mehr als einer Woche, zu einer gewissen Virtuosit\u00e4t gebracht. Man male sich, trotz l\u00e4dierter Geistesverfassung, eine Szene mit Handlungscharakter aus so lange wie es eben geht, beim n\u00e4chsten Einschlafen, und es gibt tausende pro Tag und Nacht, wird der Trip genau das Phantasierte wiederholen und es dann verdoppeln. Erst nach dieser Verdoppelung, die ungeahnt Sch\u00f6nes und Interessantes als Kino pr\u00e4sentiert, zerf\u00e4llt der Traum in die Welt der Monster von Hieronymus Bosch. Man kann auch abstrakt, wenn man bei Kr\u00e4ften ist, theoretische Fragen exponieren &#8211; vor zehn Jahren hatte ich nicht selten Freude \u00fcber die Ergebnisse, die Weiteres zutage f\u00f6rdern m\u00fcssen als die Wiederholung der Frage.<\/p>\n<p>In Momenten schwieriger Empfindungen werde ich an das Buch von Walter Freudmann denken: Tschi-Lai! &#8211; Erhebet Euch! &#8211; Erlebnisse eines Arztes in China und Burma 1939-45, Linz 1947, Neuauflage o.O., o.J. (Wien 2008) &#8211; er ist einer der Br\u00fcder der Frau, deren Fluchtweg August-September 1942 von Samo\u00ebns \u00fcber den Col de Bretolet und den Col de Cou via Barme, Dent de Valerette und St-Maurice nach Lausanne ich dieses Jahr zu rekonstruieren mithalf. Der Spanienk\u00e4mpfer Freudmann ging mit einer Gruppe anderer \u00c4rzte als Freiwilliger nach China, wo er ungewohnte Einblicke in das durch Korruption stillgelegte Lazarett-Unleben des chinesischen Roten Kreuzes und seiner untersten, schutzlosesten K\u00e4mpfer erf\u00e4hrt, die nur aus Zufall nicht bei Mao sondern Tschiang Kai Schek gegen die Japaner ohne jede Hoffnung zu agitieren hatten. Das Buch zeigt einem heute vielleicht wie in einer Soziopsie, warum ein grosser Teil der chinesischen Bev\u00f6lkerung lieber das Negative der Partei in Kauf nimmt als von vorsozialistischen Verh\u00e4ltnissen positiv zu tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Nach ungef\u00e4hr zwei Wochen in der Insel geht es zu einer der Auferstehungsst\u00e4tten Heiligenschwendi, Gunten oder Montana (die Bernerklinik in Montana habe ich in \u00e4usserst guter Erinnerung, f\u00fcr Besuche aus der Innerschweiz ist sie jetzt aber entschieden zu weit entfernt). Die Dauer des Aufenthaltes an einem solchen Ort ist beschr\u00e4nkt sowohl positiv durch den Heilungszustand wie auch die Regelung der Krankenkasse. &#8211; Vorgesehen ist, nach dieser Zeit des Umsorgtseins das Leben am Inderm\u00fchleweg wieder aufzunehmen, mit den vielen Helferinnen der Spitex, von denen ich einige, f\u00fcr die medizinische Versorgung Zust\u00e4ndige, in der Woche nach der Biopsie schon kennenlernen durfte.<\/p>\n<p>Gut, dass ich die zwei Dantes jetzt schon habe und die grossz\u00fcgige Vorbereitungszeit sich an konkreten Phantasien und Fragestellung ausrichten kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 11. Januar 2013 wird der grosse Marterpfahl paratgestellt und das grosse Kino aufgezogen, das den Malignen vorbehalten ist. Wie seit jeher im Kino, werde ich ein Nickerchen machen. 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