{"id":1150,"date":"2012-01-24T00:08:39","date_gmt":"2012-01-23T23:08:39","guid":{"rendered":"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=1150"},"modified":"2012-01-28T06:24:31","modified_gmt":"2012-01-28T05:24:31","slug":"sturmstall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/?p=1150","title":{"rendered":"Sturmstall"},"content":{"rendered":"<p>Tosender Sturm in den Bergen, ich sitze auf einer Art Ladeb\u00fchne eines Alpintaxis, in dem mich einer trotz der Witterungsgefahren gegen ihn in die H\u00f6he f\u00e4hrt, wo ich eine H\u00fctte fotografieren muss, weit ab von der angefahrenen Haltestelle. Die ganze Szenerie \u00e4hnelt einer Schlittenfahrt in Transsilvanien. Ich frage mich, ob der Fahrer tats\u00e4chlich warten wird, bis ich zur\u00fcckkomme, oder ob er sofort umkehrt und dann, kaum unten angekommen, nochmals wendet und mich oben wieder abholen wird. Grosse Verwirrtheit in meinen Gedanken, bei diesem H\u00f6llenl\u00e4rm, eine ebensolche beim Aufwachen.<\/p>\n<p>Zusatz 27.1.2012, 15 Uhr: Vor zwei Wochen entdeckte ich im Internet das Bild einer H\u00fctte, die ich nicht kenne. Ich sagte dem Fotografen, ich sei daran, die Stelle ausfindig zu machen &#8211; er solle mir aber nicht sagen, wo sie zu finden sei. In seiner eigenen Beschreibung beim ver\u00f6ffentlichten Bild nennt er die H\u00f6he von 2500m und dass weder ein Weg zu ihr hinf\u00fchre noch dass sie auf einer Karte eingezeichnet sei. Ich nannte ihm diverse Pl\u00e4tze, wo ich sie dank wenigen Indizien vermuten w\u00fcrde, umfassend das ganze Unterwallis von den Diablerets und dem Grand Combin bis zum Mont Dolent und den Dents Blanches (Plural), nur das Val d&#8217;Anniviers und das Val d&#8217;H\u00e9rens schienen mir ausser Frage. Er antwortete, die H\u00fctte sei in diesem Gebiet, ich m\u00f6ge sie aber bitte nicht bekannt machen. Da es sich um keinen Stall handelt, kann ich dem Wunsch leicht entsprechen &#8211; mich interessierte die Herausforderung, aus minimalen Gel\u00e4ndeangaben einen Walliser Ort im Gebirge ausfindig machen zu k\u00f6nnen, mit allen gegebenen Hilfsmitteln. Seither suchte ich jeden Tag mindestens sechs Stunden lang, fast unaufh\u00f6rlich mit Google Earth wie in einem Helikopter durch die T\u00e4ler man\u00f6vrierend. Vor einer Stunde notierte ich mir drei Stellen, die ich dem Autoren vielleicht in einem Moment allerh\u00f6chster Verzweiflung pr\u00e4sentieren w\u00fcrde. Ein anderer Suchweg neben Google Earth war Google Bilder, wo ich alle m\u00f6glichen Flurnamen auf den 25&#8217;000er Karten abfragte, mal mit, mal ohne Cabane, Abri, Chalet oder Refuge. Da er der H\u00fctte den Namen gibt, der in ihrem Inneren wohl notiert steht, habe ich denselben auf diverse Arten abgewandelt, vor einer halben Stunden so fahrl\u00e4ssig schlecht, dass die Suchabfrage gelingen musste: die H\u00fctte hatte auch ein anderer fotografiert, als Fremdsprachiger ihr Name aber unkorrekt im Ged\u00e4chtnis behalten und via Panoramio auf Google Earth ver\u00f6ffentlicht. Auf Google Earth?! Nun ja, ich hatte eben komplett vergessen, dass Google Earth Bilder auf dem Gel\u00e4nde anbietet und dieselben dummerweise immer ausgeschaltet gelassen&#8230; Neodoofer ich: w\u00e4ren die Bilder w\u00e4hrend meiner Reisen auf Google Earth eingeschaltet gewesen, h\u00e4tte ich die H\u00fctte am ersten Tag gefunden gehabt und nicht nach zwei Wochen, und der Sturmstalltraum w\u00e4re der Welt erspart geblieben. &#8211; Was man auf dem Bild sieht? Eine kleine Trockensteinh\u00fctte mit zwei Fenstern liegt an einem Hang zuoberst am Grat, der eine Passmulde bildet. Fotografiert wurde von der rechten Steigung des Passes, also von oben gegen\u00fcber der H\u00fctte, von unten gegen\u00fcber dem Grat, an dem die H\u00fctte liegt. Die Gesamtrichtung ist also die Steigung des Grates selbst. Er verschwindet in einem riesigen Ger\u00f6llhang, der seinerseits oben links in einer halb gefalteteten Mor\u00e4nenkante schliesst. Weit im Hintergund dieses Abschlusses sieht man einen plattigen, nur wenig durchsetzten senkrechten Turm, ohne Schnee, links von ihm eine weitere Bergspitze, deren Oberfl\u00e4chenbeschaffenheit sich wegen des Schattens nicht deuten l\u00e4sst. Das Sonnenlicht kommt von links quasi zur H\u00fctte herauf, ohne dass daraus die Himmelsrichtung des Bildes sich fixieren liesse. Es mussten also alle Grate im Unterwallis abgeflogen und auf den Karten nach weglosen Passmulden abgesucht werden. Schade, schade, schade, dass das R\u00e4tsel gel\u00f6st werden konnte: es war keine schlechte Zeit, Google Earth virtuos beherrschen zu lernen!<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2012\/sturmstall-1.jpg\"><br \/>\n50&#8217;000er Karte<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2012\/sturmstall-2.jpg\"><br \/>\nEs ist sehr schwierig, Google Earth an dieser Stelle so zu positionieren, dass der originale Bildausschnitt dargestellt wird (ausgerechnet die helikoptertypische senkrechte Auf- und Abw\u00e4rtsbewegung ist nicht m\u00f6glich). Die H\u00fctte w\u00e4re ganz unten, links hinauf alles Ger\u00f6ll, dar\u00fcber und dahinter ein oder zwei T\u00fcrme. Die oben erw\u00e4hnten drei Pl\u00e4tze sehen genauso aus, sind aber bedeutend leichter anzusteuern. Hier hat der Google Earth Pilot \u00e4usserst grosse Schwierigkeiten, in die Passl\u00fccke als Parkl\u00fccke hineinzukurven, weswegen diese Stelle am Schluss nicht mehr in die enge Wahl geraten w\u00e4re.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ueliraz.ch\/WordPress\/bilder\/2012\/sturmstall-3.jpg\"><br \/>\nOriginal: nur die Topologie interessierte mich und wo sie im Ganzen zu finden w\u00e4re, nicht die H\u00fctte selbst, deren Zug\u00e4nglichkeit derjenigen der Solvay- und Mittellegih\u00fctte \u00e4hnelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tosender Sturm in den Bergen, ich sitze auf einer Art Ladeb\u00fchne eines Alpintaxis, in dem mich einer trotz der Witterungsgefahren gegen ihn in die H\u00f6he f\u00e4hrt, wo ich eine H\u00fctte fotografieren muss, weit ab von der angefahrenen Haltestelle. Die ganze Szenerie \u00e4hnelt einer Schlittenfahrt in Transsilvanien. 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