Archiv für den 'Traum'-Themenbereich

Totsein nach Mahlers Neunter

Mittwoch, 16. Juni 2010

Gestern Diskothek im Zwei Mahlers Neunte, heute nach angestrengter Zusammenstellung der Alpen im Bezirk Entremont um acht Uhr plötzlich das Verlangen, diese Symphonie ganz zu hören. Ich habe sie mit Abbado, Live 1988. Da die Diskussion vorgestern äusserst ergiebig und aufschlussreich verlief, geschah das Zuhören heute entsprechend intensiv, im Anschluss daran ständiges Nachfragen, wie weit man im rein existenziellen Rahmen verharren dürfe. Lösung: mit dem Alter verliert sich das Bedürfnis, Kunstwerke gegeneinander auszuspielen. Ob man es nun darf oder nicht – dieses Werk ergreift einen tief, und man soll gegen den Genuss des Erlebens nicht anrempeln. Gleich danach zufrieden, aber äusserst müde Schlafen gegangen, mit viermal hintereinander demselben Alptraum, sehr kompliziert. Ich bin am Bildschirm, navigiere auf meiner Website, auf den Alpen im Val des Bagnes. Man muss irgendein Bild verschieben, dann irgendwo hin klicken. Dann bin ich – viermal geschieht dasselbe, nach kurzem Aufwachen – in einer Art Disko, dunkel, mehrstöckig, vielräumig (ich war nie an solchen Orten, kenne nur Bilder aus der Unterhosenpresse). Ich mache etwas Ähnliches wie die Anderen, nur zum Teil bin ich auch mit Bekannten zusammen, an einem Tisch oder nicht. Im Verlauf wird klar, dass alle schon gestorben sind und sich in einer Art Warteschlaufe befinden. Ich finde es grauenhaft und wehre mich mit aller Kraft gegen diese Tatsächlichkeit, wonach ich aufwache, sehr bald aber wieder eindämmere und dasselbe nochmals erlebe. Nach drei, vier oder fünf Malen frage ich mich, ob das alles in einem einzigen Traum geschehen sei oder tatsächlich in so vielen einzelnen, schlafe aber richtig für zwei Stunden ein, traumlos.

Eyjafjalla

Montag, 19. April 2010

Eine Serie von Träumen in überfüllten Zügen, in denen immer etwas von der Funktionsweise eines Rasierapparates entweder jemandem klargemacht oder in einem Video als Werbung oder Gebrauchsanweisung gezeigt werden soll. Immer geht etwas schief, und immer wird jemand beschuldigt, irgendetwas nicht begriffen zu haben. Ich bin einmal auf der Seite der Beschuldiger, einmal selbst der Beschuldigte. Das Ganze verläuft surreal wie Alice in Wonderland, ohne dass ich weder das Buch noch eine Filmfassung von ihm je gesehen hätte. Beim Aufwachen stelle ich mir vor, wie ich nach Island wandere, ungebeten bei Björk ins Haus trete und ihr die vergessene Kochplatte abdrehe. – Eine Sekunde nach dem Aufwachen, also immer noch halbwegs im Traum selbst, überlege ich mir, wovor man sich mehr zu fürchten hätte, vor der lotterigen, aus dem Lot geratenen Logik, in die die Psyche nach dem Ableben stürzt, wenigstens allem Anschein nach die meinige, oder vor derjenigen, in die die Menschheit schon heute zu stürzen droht.

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Sinneswahrnehmung im Traum

Donnerstag, 8. April 2010

Ich höre, auf dem Bett liegend, stark erkältet und etwas fiebrig, laut unter Kopfhörern den Concentus Musicus Wien unter Nikolaus Harnoncourt mit Beethovens Christus am Ölberge op. 85, Konzert vom 21. März 2010 im KKL Luzern, jetzt gesendet auf DRS2. Dann, dieselbe Musik weiterhörend, lese ich Zeitung, blättere ein paar Seiten um. Das geht eine gewisse Zeit, bis ich mir sage, wie blöd ich bin, Beethoven zu hören und Zeitung zu lesen. Ich lege sie zur Seite. Ich höre weiter dem Beethovenkonzert zu wie vorhin, ohne Unterbruch und ohne Bruchstelle, sehe durchs Fenster und realisiere, dass es stockdunkel geworden ist. Im Zimmer gibt es nirgends eine Zeitung.

Drei Tote in der Grube

Samstag, 13. Februar 2010

Beim Aufwachen weiss ich, dass drei Tode geschahen, alle durch Unfälle mit Fahrzeugen – auch wenn es keine eigentlichen Verkehrsunfälle waren, handelt es sich möglicherweise doch alles nur um gelesene Tagesreste, mit Ausnahme des dritten. Vom ersten habe ich keine Ahnung mehr, vom zweiten nur, dass einer durch ein Fahrzeug plattgewalzt wurde. Ich stehe am Ausgang einer Sandstein- oder Lehmgrube wie ich eine an unvereisten Winterspaziergängen passiere, spreche mit jemandem Einzelnen oder in einer Gruppe, mit Bestimmtheit über den zweiten Toten. Man sieht mitten in der Grube auf der bewaldeten Anrisskante, knapp 100 Meter hoch, ein Fahrzeug wie einen Laster, der die Ladung kippen will. Aber es ist ein kleines Fahrzeug, ein winziger offener Vierradantrieb, ein Töff eher auf halbmeterdicken Rädern, wie man sie neuerdings nicht nur an Touristenorten sondern auch abgelegen wie auf Tatz oder Salanfe zum Kotzen gruusig bewundern kann, und er fährt über die Kante, stürzt waagrecht auf den Grund. Der Fahrer ist flach, aber Helfer sind sofort zur Stelle. Ungleich meinen Gesprächspartnern wende ich den Kopf dorthin und sehe, dass der Abgestürzte entgegen allen Erwartungen, in den Armen der Helfer hängend, sich hin zu uns, Richtung Ausgang der Grube schleppt.

Kein Taschenlampenlicht im Haus

Mittwoch, 10. Februar 2010

Ich wundere mich darüber, wieso andere Leute im Haus einen Prozess, der an Strom gebunden ist, nicht zu Ende führen, und merke etwas später, als ich im Keller meine gewaschene Wäsche aus der Maschine nehmen will, dass diese blockiert ist und sich nicht öffnen lässt, weil sie noch nicht hat zu Ende waschen können: der Strom ist ausgefallen, und zwar im ganzen Haus. Es ist Nacht geworden, und ich bin nur deshalb im Keller, weil ich mich daran gewöhnt habe, mich auch ohne Licht sowohl in den Räumen meiner Wohnung wie im Treppenhaus zu orientieren (im eigentlichen Kellerraum und in meinem Schlafraum hat es auch in Wirklichkeit schon lange kein Licht mehr). Nun will ich die Sicherung auswechseln und merke erst jetzt, dass diese Präzisionsarbeit ohne Hilfslicht nicht zu tätigen ist. Im Haus (des Seins: der Sprache) wird bis am nächsten Morgen nichts zu machen sein, das auf Strom angewiesen ist; die Wäsche wird bis dann in der Maschine bleiben müssen. Ich erwache ohne Gefühle des Missmuts.

(Ich bin seit fünf Tagen an einem Text, dessen Intention mir immer klar zu sein schien, der sich aber trotzdem nicht zu Ende schreiben lässt, weil eine entscheidende Deutungskategorie, die Adorno und Derrida parallel führen liesse, dem Ganzen widerspricht und es unsinnig werden lässt. Es mangelt an einem zusätzlichen Erkenntnisinteresse zum theoretischen, praktischen, therapeutischen und ästhetischen, das die individuelle existentielle Bedrohtheit mit den aufgezwungenen Mustern der Kommunikation, die die Regression fördern, diskutierbar macht, ohne dass das Lamento, das offene Jammern, alles verfärben müsste.)

Traumnacht der Fehler auf Fotobildern

Dienstag, 2. Februar 2010

Ich sitze am Computer und bearbeite Bilder. Eines hat einen grossen, hellblauen Himmel, in dem sich ein Fehler befindet wie die Spiegelung in einem Comicsfenster, ein mit einem weissen Strich nur halb ausgemaltes gedelltes Viereck. Ich entferne es, nicht ohne mich zu fragen, wie dieser unbekannte Fehler wohl entstanden sei. Ich gehe auf den Balkon. Die Wohnung und diese Dachterrasse habe ich im wirklichen Leben noch nie gesehen, äusserst grosszügig und gefühlsmässig doch so, als hätte ich immer hier gewohnt, bedeckt und doch zuoberst auf einem hohen Haus über einer eher grossen Stadt. Ich sehe mit Verwunderung im Himmel das Objekt, das ich fälschlicherweise als einen technischen Bildfehler taxiert hatte. Dieses Objekt wächst nun schnell zu einer Windhose aus, dann zum riesigen Schlauch eines Tornados (ich hatte noch nie einen gesehen). Er bewegt sich schnell über die Stadt hin auf mein Gebäude zu, und ich sehe, dass er allein aus unendlich vielen beschriebenen Seiten besteht, möglicherweise aus allen je von Menschen beschriebenen Seiten. Er braust zunächst als normaler Wind auf mich zu, dann merke ich, dass es zu spät ist, um die Balkontüre wieder zu erreichen und in die Sicherheit der Wohnung wieder zurückzukehren. Ob ich vom Tornado mitgerissen werde, liegt schon im Phantasieren des Traumaufwachens.

Kurz nach dem Aufwachen heftige Bauchattacke, um Mitternacht, sechs Stunden nach dem Essen, aber nicht wie die Koliken der Laktoseunverträglichkeit zuunterst im Bauch (von 2003 bis Februar 2009 hatten sich diese in der Kadenz gesteigert, um nach dem Aufhören des Konsums von Milchprodukten schlagartig zu verschwinden), sondern wie die der im November 2009 ebenfalls selbstdiagnostizierten Fruktoseunverträglichkeit in der oberen Bauchmitte (diese Attacken setzten nach drei Monaten Ruhe ein und konnten im November 2009 mit dem Verzicht auf Produkte mit Fruchtzucker gestoppt werden – aber ein hundertprozentiger Verzicht auf diesen Zucker scheint unmöglich). Doch diese Attacke dauert nicht wie diejenigen der Fruktoseintoleranz sechs Stunden, bis nämlich das Material den ganzen Darm passiert hat: sie ist nach zwanzig Minuten glücklich überstanden.

Nach drei Stunden Schlaf Erwachen aus einer Serie von Träumen, die alle mit Fehlern auf Fotobildern zu tun hatten. Am Schluss ging es um eine Entdeckung in denselben, die ich just in dieser Notiz festgehalten haben wollte, während des hastigen Aufschreibens der drei bis vier Stunden alten anderen aber vergessen gingen. Diese Entdeckung schien mir beim Aufwachen wichtiger als das Vorangegangene, mit dem sie, wie mir schien, konkurrierte. (Ich kann mich im gegenwärtigen Wachleben nicht entscheiden, welche Arten des Vogelfotografierens, die ich während eines Monats testete, gegenüber anderen zu empfehlen wären.)

Flötenmusik mit Titanstäben

Montag, 4. Januar 2010

Riesenlanger Traum mit vielen aneinandergereihten Episoden, wo einiges trotz spontaner Notierung nicht mehr korrekt erinnert werden kann. Vor 25 Jahren an der Uni oder an einer sonstigen Veranstaltung werden feminismusnahe Fragen diskutiert, fast eine Massenveranstaltung mit Reihumbeiträgen. Sie sind alle ziemlich interessant und werden wohlwollend aufgenommen. Ich merke, dass dann, wenn ich an der Reihe bin und zu reden beginnen muss, alles gesagt sein wird, und in der Tat, ich sage, dass ich in Wirklichkeit nichts weiteres hinzufügend mehr sagen kann. Aber meine Befürchtung, ausgebuht zu werden, bestätigt sich nicht; es erwächst ein allgemeines Gemurmel, weil es in der Tat klar ist, dass das Entscheidende gesagt wurde, und man sucht nach weiteren Aktivitäten. Irgendetwas wechselt in der ganzen Szenerie, und alle arbeiten handwerklich, auf einem grossen Bauernhof, auch ich selbst. Etwas Unausgesprochenes hindert mich, die Arbeit auszuführen wie die anderen. Man hat etwas zu tun mit sehr langen Stäben wie auf Baustellen, die mir zuerst wie Hölzer, im späteren Verlauf wie aus Titan vorkommen, immer länger, immer dünner, immer mehr federnd, bis fünf Meter lang. Zuerst müssen sie einfach von einem Platz zu einem anderen umgeschichtet werden, dann, wo es klar ist, dass ich keine Kraft habe, trage ich die Stücke, einzeln und dann ein paar zusammen, über einen weiten Parcours schlussendlich auch über hohe Ruinenmauern an ihren Bestimmungsort. Mit jeder Runde komme ich mehr in Schwung, und man bemerkt das auch, so dass die anderen immer mehr zuzuschauen beginnen, statt wie vorher an der alten Stelle die Arbeit auszuführen. Es ist ein bisschen, als ob ich in einer riesigen Sporthalle wäre und angefeuert würde (am Mittag langweilige Sendung über eine Romanbiografie Zatopeks aus Frankreich gehört). In der letzten Runde bin ich bei titanischen Kräften, habe sehr viele und sehr lange, federnde Titanstäbe auf der rechten Schulter und spurte in der Tat wie Zatopek meine Runde, die am Ende auf dem sehr grossen Gehöft nach einer Rechtskurve einen Hang hinauf führt, dann durch ausgebrannte Mauern, wie ich sie in Niederbottigen auf dem Winterspaziergang auch wieder tags zuvor gesehen hatte. Dabei pfeife ich durch den Mund eine Art Flötenmusik, die immer lauter wird, völlig hemmungslos und extrovertiert, sehr virtuos – und vielstimmig, wie Jeremy Steig, dachte ich beim Aufwachen, den ich seit fast dreissig Jahren leider nicht mehr zu hören bekommen hatte. Mitten im schwierigen Besteigen der verkohlten Balken mit den langen Stäben auf den Schultern von meinem eigenen übermütigen Höllenlärm aufgewacht.

Geglücktes Sein

Mittwoch, 18. November 2009

Langer Traum in einem neu bezogenen alten Häuschen oberhalb eines Dorfkerns als Mischung zwischen Leysin und Salvan. Einer der lebenslang sehr häufigen Wohnungsträume, mit der Besonderheit, dass sich die Zimmer nicht ins Unendliche aneinanderreihen und nicht plötzlich ins Katastrophische kippen und dass der Traum keine Angst- oder Unsicherheitsmomente enthält, sondern ungetrübt ein grosses Glücksgefühl. Das Haus besteht aus zwei Stockwerken; ich bin im oberen, das zwei oder drei Zimmer umfasst. Die Aussenwände sind einfache Blockbalken, stellenweise mit Zwischenräumen, durch die man sehen kann und die auch die gedämpften Geräusche von aussen, aus dem Dorf unterhalb und aus den benachbarten Gassen in der Nähe hereintreten lassen. Solches wird nicht als Mangel oder Schaden empfunden, umgekehrt auch nicht irrational als gutes Extra bewundert. Ich bin daran, die unendlich vielen Bücher, die teilweise aus meinen eigenen, aber auch aus übernommenen, noch unbekannten und quasi geerbten bestehen, zu sichten und ansatzweise in den Gestellen und Schränken einzuordnen. Die meisten sind auf dem Boden oder auf Tischchen, häufig geöffnet, so dass die Räume wie ein durchgehender, bloss mit Bildern, Zeichnungen und realen Objekten unterbrochener Text erscheinen. Die Möbel sind gut erkennbar, wenn auch partienweise mit Tüchern zugedeckt; darunter finde ich auch ein Klavier, das mich besonders freut. Diese Freude zeigt an, dass ich mich nicht wie aktuell gegeben behindert fühle, sondern daran denke, es ernsthaft zu spielen. Das Kennenlernen der Zimmer ist ein Genuss gleichwie die Aussicht aufs Dorf und die Landschaft im warmen Abendlicht. Was die begutachteten Texte in mir auslösen, weiss ich nicht mehr, auch nicht, ob ich vorhatte, ein Nachtessen zu kochen. Zur vorgerückten Stunde schreibe ich ganz modern ein SMS an die Mitbewohnerin im unteren Stock, uneindeutig im Status der Verheirateten oder nicht, ob ich die Nacht bei ihr verbringen dürfe. Ich kann nicht sagen, wie die Antwort erfolgte, ob per SMS, durch Handyanruf oder durch Rufen direkt nach oben, was ja nicht laut & schallend hätte geschehen sein müssen – beim Aufwachen war ich im glücklichen Zustand desjenigen, der eine positive Antwort bekommen hat, und ich fühlte die Frau mehr als dass ich sie vor dem inneren Auge gesehen hätte, nicht irgendeine, sondern eine bestimmte Bekannte, auf die ich mich freute. Beim Aufwachen fragte ich mich verwundert, wer es denn gewesen wäre, und da mir keine Bekannte in den Sinn kam, liess ich die Frauen des Tages der Reihe nach passieren. Dank der falschen Wetterprognose auf allen Kanälen war ich unterwegs ins Wallis, wo ich aber am geplanten Ort den Zug nicht verliess sondern weiterbrauste und via Lausanne ohne Pause nach Bern zurückkehrte. Morgens in Bern trieb es mich in eine Gruppe von vier Japanerinnen, so unerlebt schön als wären sie alle je Miss Asia, die Jüngste knapp 16, die Älteste knapp 22. Zwei schliefen bis Visp, die anderen beiden sangen lauthals die neuesten Hits aus dem Osten, ohne dass man aus den verkabelten Geräten das schlechte Urgeräusch hätte erleiden müssen. Beim Aussteigen war ich so abgelenkt, dass ich den Kopf an der Gepäckablage anstiess, was die beiden, die mit der ganzen Gruppe nach Brig und dann wohl ins Land der Zitronenblüten weiterfuhren, zu Lachgeschichten über die unbeholfenen und gebrechlichen Eingeborenen aufstachelte. In der Schwärze des Unterwalliser Himmels und im fetten undurchsichtigen Dunst blieben die Vier strahlende Sonnen der Phantasie während der ganzen Fahrt, ohne dass ich sie mit dem Traum in Verbindung zu bringen vermöchte. Auch die beeindruckende Schwarze von Montreux bis Lausanne erweckt nachträglich nicht dieselben Empfindungen. Nah an dieselben kommt die Braunhaarige an der kleinen offenen Bar im Bahnhof Lausanne, wo ich unbedingt ein Stück Schokolade kaufen wollte. Obwohl die Tauschbegegnung schnell geschehen musste, weil der Zug schon parat stand, brachte sie eine Saite in Schwung, die die anderen Begegnungen anhaltend zu grundieren begann. Dennoch blieb ich beim Aufwachen am längsten bei einer der zwei Blondinen bis Romont hängen, die nicht älter als die Mädchen aus Japan schien und mit dem hellen Blond dem Braun der Mitbewohnerin gar nicht gleichen wollte, nichtsdestotrotz die ähnlichsten Gefühle zum Leben erweckte, die im Traum das Glück beschrieben.

Fotografenstandpunkt

Montag, 9. November 2009

Gestern eine e-Mailanfrage, wie es denn komme, dass bei mir einige Objekte in den Walliser Bergen die Frage nach dem Standort dubios erscheinen liessen, so beantwortet, dass es sich hierbei um eine blosse optische Täuschung oder Verunsicherung durch den kleinen Ausschnitt handle, den das starke Zoomen erreicht und wo die äusseren, mehr oder weniger benachbarten Fixpunkte, die einem vielleicht bekannt sind, weggeschnitten sind.

Beim Einschlafen lange mit Wachträumen fantasiert und über die uralte Frage nachgedacht, ob die Inhalte des Unbewussten, losgelöst von Zusammenhängen, überhaupt existentielle und biologische Funktionen haben können.

Soeben mit Konfusion aus einem langen Traum erwacht, in dem ich alle Fotoseiten meiner Website nach unechten Fotos durchstöberte, die nicht ich selbst gemachte hatte, sondern ein Computerprogramm durch gezieltes Verschieben des Auslösestandorts an einen beliebigen Punkt sowohl bezüglich der geografischen Koordinaten wie der Höhe. Da die technische Fotoqualität in diesem Vorgang dieselbe blieb, war diese Arbeit nicht nur eine moralische, sondern auch eine intellektuelle Herausforderung – durch blosses Betrachten und Erinnern musste entschieden werden, ob das zu beurteilende Bild ein realistisches Abbild wäre oder eine virtuelle Darstellung. Viele meiner überlangen Seiten schrumpften nun auf beängstigend kurze mit zuweilen bloss drei bis fünf echten, unverfälschten Bildern. Ich wachte in dem Moment auf, wo ich die Bilder der Illseestaumauer vom letzten 1. November beurteilte und mich darüber ärgerte, dass ich fürs Internet nicht das echte Bild vom Illhorngipfel aus gewählt hatte, sondern eines aus dem Programm mit einem Standort, der nur wenige Meter neben jenem, aber natürlich in der freien Luft errechnet worden war: die nebeneinander postierten Bilder zeigten nun keine Unterschiede! Erst als ich im langen Prozedere des Aufwachens sagen konnte, dass es ein solches Programm gar nicht gibt, war ich mir sicher, endlich wach zu sein.

Staubcity

Dienstag, 29. September 2009

Nachdem gestern der erst halbjährige, aber gegen seine BenutzerInnen um so bösartigere Staubsauger von Fust, Primotecq CST 500, der keinem Stäubchen auf dem Boden den Garaus zu machen imstande ist, etwas aktiver als gewöhnlich aus der Hand zu Boden stürzte und von da an keinen Murks mehr von sich geben wollte – und in welcher Lautstärke konnte er doch brüllen! – kam es um 1 Uhr zu einem Traum, wo ich in Begleitung auf einer steilen, geraden Strasse einen Berg hinunter in ein Dorf hinein wanderte, dessen Bauten eher an eine kleine Stadt in der Ebene als an ein Bergdorf denken liessen. Kein Lebewesen zeigte sich, und es war mäuschenstill. Allerdings erschienen in der Abendsonne die Objekte als wie kurz vor dem totalen Verfall, als ob es nur eines Windhauches bedürfte, damit die Gebäude, im Innersten wie von Termiten zerfressen als blosse, mit Sand gefüllte Fassaden dastehend, zu einem homogenen Staubhaufen zusammenfallen würden. Als ich das Ganze als einheitlich grau wahrzunehmen begann, machten sich Leute bemerkbar, nicht Städter, sondern eindeutig BergbewohnerInnen in ihrer typischen Zurückhaltung, wenige Erwachsene mit wenigen Kindern. Es entstand auch ein Kontakt, der weder durch radikales Misstrauen noch durch Angst verhindert worden wäre. Allmählich fanden sich viele Menschen ein, die aber nicht aus den Gebäuden zu kommen schienen, und wir gingen zu einer Art Dorfplatz. F strebte dorthin, wo die Vielen waren; sie wirkte weder entschieden noch gleichgültig, so wie man auf einer Wanderung den eingeschlagenen Weg eben immer weiter geht. Es gab eine obere Hälfte und eine untere, zu der wir gehörten – die obere stand bunt im abendlichen Sonnenlicht, die untere war schwarzweiss oder grau, definiter unbunt als nur durchs Schattenlicht abgetönt. Wir waren dem Grenzbereich ganz nahe, und als F die Grenze des Lichts überschreitet, ertönt eine Stimme aus dem Off, dass solches für mich nicht geschehen dürfe.

Ich gehe in drei Stunden ins Westside, kaufe im M-electronics den billigsten von K-Tipp empfohlenen Staubsauger, doppelt so teuer wie das verbrecherische Gerät von Fust, und lasse ihn von der Post den einen Kilometer Luftlinie herübertransportieren.